Selbsterfahrung Part 3.

Vergangenes Wochenende stand wieder ganz im Zeichen der Selbsterfahrung. Diesmal sollen verschiedene Aspekte aus der tiefenpsychologischen Perspektive beleuchtet werden.

Für mich war das Wochenende vor allem aus privaten Gründen herausfordernd. Thematisch brachte das Wochenende nicht viel Neues und die Inhalte aus dem ersten verhaltenstherapeutisch orientiertem Seminar wiederholten sich zu großen Teilen.

So hatten wir doch auch im ersten Seminar eine Art Familienaufstellung gemacht. Diesmal mit dem Genogramm und der Lebenslinie jedoch zwei neue Möglichkeiten kennengelernt. Während das Genogramm mir persönlich zu oberflächlich und zu sehr an einem Stammbaum orientiert ist, der nicht-blutsverwandte wichtige Bezugspersonen außer Acht lässt fand ich besonders die Lebenslinie eine gute Möglichkeit um relativ zügig ein paar einschneidende negative sowie positive Ereignisse herauszufiltern.

In weiteren Übungen ging es um die eigene Persönlichkeitsentwicklung. Welche genetischen Bedingungen, sozialen und familiäre Umstände haben mich zu dem gemacht wer ich bin? Welche Grundüberzeugungen sind bei mir entstanden und wie würde ein kurzer Steckbrief mich möglichst prägnant beschreiben.

Der dritte Tag stand überwiegend im Zeichen der Emotionsregulation. Welche Emotionen und Gefühle habe ich in letzter Zeit in meinem beruflichen Leben und welche in meinem privaten Leben erfahren. Gab es da Unterschiede und überwogen in einem Bereich eher negative oder positive Gefühle?

Beide Übungen blieben mir persönlich zu sehr an der Oberfläche, was vielleicht auch daran lag, dass ich mich vor allem in den letzten paar Monaten selbst recht intensiv mit dem inneren Kind, Grundannahmen und Grundformen der Angst beschäftigt habe.

Viel Potential hatte eine kurze Einheit zu Umgang mit schwierigen Patienten. Warum lösen manche Patienten Unsicherheit, Hilflosigkeit oder Wut in mir aus und wie kann ich damit umgehen? Leider wurde dieses Thema nur kurz angeschnitten, bevor wir weiter in die Tiefe gehen konnten. Da hatte ich mir mehr erhofft.

Mal sehen was Termin 4 so bringt.

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Social Reboot.

Manchmal frage ich mich ob es möglich ist soziale Beziehungen neu zu starten. Und unter welchen Bedingungen das möglich ist.

Wir alle haben sicherlich schon das ein oder andere Mal die Erfahrung gemacht, dass es zu einem Bruch mit jemandem kam, den man eigentlich sehr zu schätzen gewusst hatte und sehr mochte. Aber dann ist an irgendeinem Punkt irgendwas ganz schrecklich schief gelaufen. Und manchmal weiß man hinterher gar nicht so genau was genau da eigentlich passiert ist. Nur, dass es einen Streit gab und dann ist plötzlich alles kaputt.

Streit gehört zum eben dazu und wir müssen alle unseren Umgang damit finden, dass nicht jeder unserer Meinung ist und auch nicht jeder immer alles gut finden kann was wir so tun. Aber es ist auch vollkommen klar und logisch, dass man nicht alles gut heißen kann was der andere so tut. Das heißt aber nur, dass man für sich selbst einen Umgang mit den Aspekten finden muss die man am anderen nicht ganz so gut findet. Akzeptanz ist hier eines der großen magischen Worte. Die Akzeptanz für das Anderssein meines Gegenübers. Und das ist mitunter schon schwer genug. Aber ohne Akzeptanz kann keine tragfähige Freundschaft oder Beziehung entstehen.

Akzeptanz bedeutet dabei - wie gesagt nicht - alles toll zu finden was der andere Mensch macht. Man kann (und sollte) schon spiegeln was man am Verhalten des anderen vielleicht nicht so gut oder eher schwierig finden. Aber wir müssen für uns selbst entscheiden, ob dieser Mensch trotzdem unser Freund sein soll. Und wenn ja: Akzeptiert die Eigenarten. Ihr könnte nur euch selbst ändern, die Mühe und Energie jemand anderen ändern zu Wollen, die könnt ihr sinnvoller bei euch selbst einsetzen.

Aber bei aller Akzeptanz und Wohlwollen und Zuneigung kommt es eben manchmal eben zu einem Knick. Irgendwas ist passiert. Irgendwas was dir oder deinem Gegenüber sehr weh getan hat. Oder beiden. Und vielleicht weißt du gar nicht so genau was du gesagt oder getan hast, dass der andere Mensch (den du eigentlich sehr gerne magst) nun so anders zu dir ist. Oder andersherum: Dir wurde sehr weh getan und du fühlst dich sehr verletzt. Und nun bist du diejenige die sich komisch verhält. Zumindest in den Augen deines Konfliktpartners, denn für dich mag deine Reaktion durchaus absolut nachvollziehbar und total logisch sein. Dein Gegenüber weiß aber vielleicht gar nicht womit er dir so weh getan hat. Du willst einfach nur, dass es nicht mehr weh tut. Du willst nicht wieder verletzt werden und willst dich davor schützen. Das ist absolut verständlich!

Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass ihr beide nicht so genau wisst, warum die Situation nun so verkorkst ist. Dass ihr beide gerne eine Zeitmaschine hättet um Dinge anders zu lösen. Um die gesprochenen Worte, die sich wie vergiftete Nadeln unter die Haut gebohrt haben, niemals zu auszusprechen. Um einen Zustand herzustellen in dem zwischen euch alles wieder gut ist.

Die Wahrscheinlichkeit ist aber auch hoch, dass du Angst hast, dass der Bruch für immer ist. Das es nie wieder gut werden kann zwischen euch. Vielleicht weil du glaubst, dass du etwas getan oder gesagt hast, was nie wieder gut zu machen ist. Oder aber weil du das Gefühl hast, dass das was dir angetan wurde nie wieder gut zu machen ist. Oder dass du Angst hast, dass genau das Gleiche wieder passiert. Und weißt du was: Das ist verständlich! Diese Angst hat jeder. Auch der Mensch von dem du vielleicht glaubst, dass er dich nun hasst.

Doch kann es gelingen soziale Beziehungen neu zu starten? Den alten Beef hinzunehmen und zu akzeptieren als etwas das passiert ist. Als unabänderliche Vergangenheit zu akzeptieren und dem was zwischen euch, zwischen uns, so super gut war eine neue Chance zu geben? Gibt es die Chance die alten Verletzungen ruhen zu lassen und sich nochmal neu kennenzulernen?

Wie kann so ein Neustart gelingen? Was habt ihr für Ideen? Ist es euch schonmal gelungen und wenn ja wie?

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Der Vorsatz.

Es war mal wieder Jahreswechsel. Und wie das zum Jahreswechsel so ist, beschleicht uns alle immer wieder das Gefühl, dass wir irgendetwas altes abschließen und ein neues Kapitel beginnen können. Das neue Kapitel wird dabei natürlich unglaublich super und groß. Und vor allem viel besser als das davor. Und damit das auch so wird, starten viele von uns mit guten Vorsätzen ins neue Jahr. Mehr Sport und mehr Gemüse essen. Weniger süß und weniger Alkohol. Und natürlich will man sich auch nicht mehr mit 'den falschen' Leuten einlassen und endlich zu sich selbst stehen. Oder zumindest so irgendwas in der Art.

Das Problem an der Sache: Was ich das ganze Jahr nicht mache, das werde ich auch im neuen Jahr nicht machen, nur weil halt grad mal Jahreswechsel war. Und so landen die Turnschuhe ganz schnell wieder im Schrank, die Schokolade kehrt wieder zurück in den Schrank und gegen den Chef der uns zu Überstunden treibt können wir uns auch nicht plötzlich besser wehren. Mist.

Doch woran liegt das? Am Vorsatz. Denn ein Vorsatz ist - wie das Wort schon sagt - der Satz der vor dem Eigentlichen kommt. Häufig sind sie in der Formulierung mit einem wollen verknüpft: "Ich will mehr Sport machen.", "Ich will abnehmen.", "Ich will mich gesünder ernähren.". Ja, schön und gut. Ich will auch 3000 Euro netto mit einer 20-Stunden-Woche verdienen. Wird aber aller Voraussicht nach in nächster Zukunft nicht passieren. Was ich damit sagen will: Wollen kann ich vieles. Ein Wollen ist auch gut und wichtig im Leben.

Zu wissen was man will, ist übrigens oft gar nicht so einfach und zumeist schon das erste große Problem. Und wer dann endlich so weit ist zu wissen was er will, hat noch lange nicht herausgefunden wie er oder sie das erreichen kann und möchte. Der Schritt vom Wollen zum Machen ist noch nicht gegangen. Um etwas zu Wollen, muss man auch erstmal wissen wohin man will. Welches Ziel man erreichen will. Und hier beginnt häufig das Problem mit den Vorsätzen: Man formuliert zwar ein Wollen, aber macht sich selbst nicht klar wo man hin will. Kein Ziel vor Augen zu haben an dem man den eigenen Fortschritt überprüfen kann, schränkt das Durchhaltevermögen ganz immens ein. Wenn ich nicht weiß wohin mich mein Weg führen soll, wie soll ich mich dann dazu motivieren ihn auch zu gehen?

Die bessere Alternative zu den guten Vorsätzen: Macht euch eine Vorstellung von eurem Ziel. Was wollt ihr dieses Jahr erreichen? Wie könnt ihr das erreichen? Was habt ihr dafür schon getan und wo müsst ihr euch noch entwickeln? Und dann einen Plan erstellen, wie es gelingen kann. Und woran könnt ihr erkennen, dass es gelingt?

Ich habe selbst keine Vorsätze für kommendes Jahr. Das letzte halbe Jahr 2018 war für mich streckenweise unglaublich anstrengend. Ich bin für jeden dankbar, der in dieser Zeit an meiner Seite für mich da war. Ich bin dankbar für die Möglichkeiten an denen ich erkennen konnte wer meine Freunde sind und wer nicht. Ich hatte Spaß dabei an meiner Masterarbeit zu schreiben und bin ein bisschen traurig darüber, dass ich aufgrund der Umstände nicht mein volles Potential dafür ausschöpfen konnte. Was ich für 2019 geplant habe beschränkt sich somit zunächst mal auf die elementaren und naheliegenden Dinge: Ich werde meine Masterarbeit im kommenden Monat fertig stellen und mich nebenbei um einen Job bewerben. Ich werde an ein paar persönlichen Baustellen arbeiten um unabhängiger zu werden und ich werde mich vom Fitnessstudio mehr aufs Bouldern verlagern. Und wenn ich das alles hinkriege, dann hab ich schon eine ganze Menge geschafft.

Ich wünsche euch ein erfolgreiches und erfüllendes 2019!



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Bildquelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2019-01/neujahr-silvester-feuerwerk-feier-fs

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Strandurlaub.

Am Strand.
Dahin zurück.
Dahin zurück, wo das Leben noch in Ordnung war.
Dahin zurück, wo das Leben immer wieder in Ordnung kommt.

Zurück zu den Wellen.
Wellen, die stetig kommen und gehen.
Mal aufbrausend und kräftig und mal sanft und leise.
Wellen, die all das Alte hinfort spülen und Neues herantragen.

Zurück in den warmen Sand.
Sand, der sich schmeichelnd um deine Füße legt.
Geduldig nimmt er immer wieder andere Formen an und bleibt nie gleich.
Sand, der widerspenstig in jeder Falte haften bleibt.

Strand

Ein Bild zu einem Gefühl. Ich hatte es schon im Juli angefangen. Aber seitdem ist so vieles passiert, was sich gar nicht wirklich in Worte fassen lässt und doch wandert alles unablässig durch meinen Kopf. Ein Bild, dass ursprünglich mal ein Geschenk für eine Strandliebende sein sollte. Und nun weiß es nicht wo es hin soll. Ein Bild, dass auf dem Abstellgleis neben den Farbtuben geparkt wird. Bis es weiß wohin es will.

Und es glitzert übrigens auch ein bisschen. Aber leider sieht man das auf dem Foto nur schlecht und kann es allenfalls erahnen.
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Vom Jein zum Ja (Buchtipp).

"Ich halt dich nicht fest und lass dich nicht los" - (Pocahontas, AnnenMayKantereit)

Und weil ich gerade 'nur' an meiner Masterarbeit schreibe, habe ich endlich wieder Zeit und Lust zu lesen. Deswegen folgt hier der nächste Buchtipp. Und Lesetipp, wem ich das Buch nahelegen und empfehlen würde nehm ich diesmal gleich vorweg: DIR. Genau. Dir und schlichtweg jedem einzelnen Menschen der die Absicht hat eine zufriedenstellende Beziehung zu einem anderen Menschen zu führen.

Zugegeben: Das Buch hat keinen besonders ansprechenden Titel, aber das haben meiner Meinung nach die wenigsten Ratgeber-Bücher. Und wenn du das nun liest, wirst du vielleicht sagen: Ich habe keine Bindungsangst oder Probleme mit Bindungen, schließlich habe ich ja schon langfristige Beziehungen geführt. Und ganz eventuell mag das für dich sogar stimmen. Eventuell gehörst du zu den Menschen mit einem sicheren Bindungsstil und hast einen Partner gefunden, der ebenfalls sicher gebunden ist. Das freut mich dann natürlich sehr für dich. Meine - völlig subjektive - Erfahrung aus meinem Umfeld zeigt mir aber, dass die allermeisten in Beziehungen das ein oder andere Problem haben. Manche davon scheinen immer wieder in Beziehungen zu landen in denen sich ein ähnliches Muster abspielt und andere fragen sich warum sie nach einer gewissen Zeit eigentlich immer wieder das Interesse an ihrem Partner verlieren. Vielleicht hast du aber auch das Gefühl, dass deine Beziehungen sonst immer ganz 'gut' und im Kräfteverhältnis ausgeglichen waren, aber von der letzten kommst du irgendwie nicht richtig los. Dann kann dir dieses Buch helfen.

Ähnlich wie schon in Das Kind in dir muss Heimat finden basieren die Annahmen von Stefanie Stahl auf den Prägungen aus unserer Kindheit. Es gibt das innere Kind, dass diverse Glaubenssätze verinnerlicht hat. Die Glaubenssätze führen zu einem bestimmten Verhalten. Zu Schutzstrategien um den angeknacksten Selbstwert zu schützen. Denn der Kern einer Beziehungsproblematik läge im (zu geringen) Selbstwert in mindestens einem der Beziehungspartner.

Im Buch erklärt sie den Unterschied zwischen aktiv und passiv Bindungsängstlichen. Also jenen, die entweder die Verbindlichkeit einer Beziehung nicht ertragen können, weil sie Angst haben sich selbst dann aufgeben und verlieren zu müssen, oder aber Angst vor Verlust haben und lieber selbst davon rennen, bevor es der andere bzw. die andere tut. Und auf der anderen Seite die passiv Bindungsängstlichen, die dem aktiven Part hinterherlaufen aus Verlustangst oder aber weil sie glauben alleine nicht überleben und für sich sorgen zu können, oder sie keine Verantwortung übernehmen wollen und damit in gewisser weise abhängig sind.

Schuld daran seien die Glaubenssätze des inneren Kindes. Im Buch finden sich im Kurzen Übungen wieder, die in Das Kind in mir muss Heimat finden eine ausgiebige Betrachtung finden. Stahl nimmt ihre Leser bei der Hand und erarbeitet mit ihnen zusammen die individuellen Glaubenssätze, Werte, Stärken und Schwächen. Wer intensiv mit dem Buch arbeitet kann sehr viel über sich selbst und seine eigene Beziehungsgestaltung erfahren und zukünftige Beziehungen sicherlich wesentlich bewusster mitgestalten, anstatt - wie bisher vielleicht - sich auf sich selbst zurück zu ziehen und sich dem anderen zu entziehen.

Eine maßgebliche Quintessenz des Buches ist sicherlich: "Erst durch Reden wird ein Weg zum Miteinander gebahnt". Sie hält ihre Leser - die an sich arbeiten wollen immer wieder dazu an mit ihren Partnern über ihre Problematik zu reden. Und wer keinen Partner hat dem rät sie: "Wenn du keinen Partner hast, dann sprich mit Freunden über dein Problem. Und wenn du keine Freunde hast, dann such dir welche. Die Welt ist voll von netten Menschen". Soll heißen: Wer an sich arbeiten will, der ist gut beraten mit einer nahestehenden Person darüber zu reden.

Das Buch, bzw. das lesen des Buches wird dein Problem nicht lösen. Das musst du sicherlich schon selbst tun. Aber es gibt dir gutes Handwerkszeug an die Hand um deine (zukünftige) Beziehungsqualität zu verbessern und dich damit langfristig ein Stück glücklicher zu machen. Denn egal ob du zu denen gehörst, die immer wieder aus Beziehungen flüchten (weil sie zu eng werden, oder die Verlustangst zu groß), oder aber zu jenen die an Beziehungen haften bleiben und sich kaum lösen können, glücklich und zufrieden macht das nicht. Denn am Ende ist dem Menschen ein grundlegendes Bindungsbedürfnis ja mit in die Wiege gelegt.

Link zu Amazon: Vom Jein zum Ja.

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Das Kind in mir muss Heimat finden (Buchtipp).

Das Kind in mir muss Heimat finden ist ein Sach- bzw. Selbsthilfebuch der Autorin Stefanie Stahl. Stefanie Stahl ist selbst psychologische Psychotherapeutin mit eigener Praxis und beschäftigte sich in der Vergangenheit viel mit Bindung bzw. Bindungsängsten und dem Selbstwert.

In diesem Buch geht es um die Entwicklung von Urvertrauen, dass in manchen Kindheitsentwicklungen auf der Strecke geblieben ist. Nicht unbedingt, weil die Eltern das Kind in irgendeiner Form misshandelt oder grundlegend etwas falsch gemacht hätten. Aber sie macht deutlich, dass wir alle durch unsere Erziehung und Bindungen gewisse Kerben eingeschliffen bekommen. Und manche dieser Kerben können uns später als Erwachsene in Beziehungen Schwierigkeiten machen.

Zum Beispiel dann, wenn wir feststellen, dass uns bestimmte Dinge unseres Gegenübers immer und immer wieder auf die Palme bringen. Wenn es immer wieder Konflikte wegen Kleinigkeiten gibt, oder wenn man nicht versteht, warum der andere nun gerade so reagiert und sich verhält wie er es gerade tut.

In Konflikten in denen wir unangemessen heftig reagieren (und wir alle kennen mit Sicherheit solche Situationen), hat dies meist wenig mit der anderen Person oder dem Konfliktgegenstand zu tun. Laut Stahl wütet in diesen Momenten das Schattenkind in uns. Das Schattenkind in uns ist der Anteil, der sich z.B. übersehen, nicht wertgeschätzt, unwichtig, ungeliebt oder hilflos fühlt. Und dies hat nichts mit der aktuellen Situation zu tun, sondern mit den Kerben aus der Kindheit, gewissermaßen mit einer Angst, dass es so sein könnte wie früher. Wenn wir uns die Situation aus der Erwachsenenperspektive anschauen, können wir (zumindest hinterher) feststellen, dass in einer solchen Situation das Schattenkind regiert und gewütet hat.

Dem Schattenkind gegenüber stellt Stahl das Sonnenkind. Das ist der Anteil in uns der uns ein gutes Gefühl gibt, der Teil der weiß war wir gern haben und gut können. Dieser Anteil soll gestärkt werden, während das Schattenkind keineswegs weggedrängt werden soll. Das Schattenkind soll angenommen und ernstgenommen werden und auch Trost finden können.

Weiter stellt Schutzstrategien des Schattenkindes vor. Als Strategien die das Kind vor Verletzungen aller Art schützen sollen. Und genau diese Schutzstrategien - sei es durch Perfektion oder Harmoniebestreben, ein Helfersyndrom oder Machtstreben - sind es, die uns als Erwachsene das Leben schwierig machen können. Auf der anderen Seite, der Seite des Sonnenkindes, werden aber auch sogenannte Schatzstrategien vorgestellt. Das sind Übungen oder Strategien die dem Leser helfen sollen das Schattenkind zu trösten und anzunehmen, aber auch das Sonnenkind zu stärken und den Leser zu einem glückerlicheren Menschen machen sollen, der fortan glücklichere Beziehungen führen.

Das Buch ist gut aufgebaut und führt über einen kurzen Abriss über Persönlichkeitsmodelle über die Idee der Schatten- und Sonnenkinder hin zu den psychischen Grundbedürfnissen und wie alles im Zusammenspiel zu den Kerben in unserer Persönlichkeit und damit zu unserem jetzigen Verhalten führt. Nach der Theorie gibt es immer wieder Übungen und man erarbeitet sich mit Hilfe des Buches sein ganz persönliches Schatten- und in der zweiten Buchhälfte das Sonnenkind. Am Ende des Buches hat man eine ganz gute Idee davon wie die eigentliche Persönlichkeit aufgebaut ist und wo die roten Knöpfe liegen. Die eigentliche Arbeit mit diesen Anteilen beginnt aber hinterher. Wenn man an sich jedoch etwas ändern will, dann hat man mit seinen Kinderschablonen sicherlich eine gute Grundlage dafür.

Sie gibt auch noch weitere Übungen wie den Realitätscheck an die Hand mit Hilfe derer man eine Situation danach überprüfen kann, ob die eigenen Gefühle die gerade aufkommen angemessen sind, oder ob die durch das Schattenkind eingefärbt sind.

Das Buch kann ich jedem empfehlen, der gerne selbst an sich arbeiten möchte. Jedem der bemerkt hat, dass er immer wieder in Konflikte kommt die immer wieder ähnlich ablaufen und denen er nicht Herr zu werden scheint. Besonders profitieren sicherlich Menschen davon, die auf einen Therapieplatz warten oder mit dem Buch begleitend zu einer Psychotherapie arbeiten wollen.

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Burnout im Psychologiestudium

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Moin und Hallo!

Wie ihr wisst, schreibe ich aktuell fleißig an meiner Masterarbeit und habe vor kurzem endlich meinen Fragebogen gedropped. Nun brauche ich ganz viele Studierende im Studiengang Psychologie die sich knapp 15 Minuten Zeit nehmen um die Fragen zu beantworten.

Ziel meiner Erhebung soll sein Risiko- und Schutzfaktoren bei der Entwicklung eines Burnout im Psychologiestudium aufzudecken.

Neben massenweisen Studierenden der Medical School Hamburg und der FernUni Hagen, brauch ich vor allem auch Psychologiestudierende von staatlichen Präsenzuniversitäten. Also wenn du jemanden kennst der ins Profil passt, dann bitte ihn oder sie doch ob er/sie sich kurz für die Beantwortung Zeit nimmt. Es gibt nichts zu gewinnen, außer meine Dankbarkeit und das Wissen, dass ihr mir unglaublich bei meiner Masterarbeit geholfen habt.

Vielen lieben Dank im voraus!

Hier gehts zur Umfrage:
https://ww2.unipark.de/uc/km-18101501/8b22/

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Konflikte und Streit lösen.

"Empathisch zu sein, bedeutet, die Welt durch die Augen der anderen zu sehen und nicht unsere Welt ihr ihren Augen."
- Carl Rogers


Manchmal haben wir Menschen Streit mit anderen Menschen. Das ist ganz normal und gehört dazu. Und manchmal muss man auch erst lernen, das Streit gar nichts schlimmes ist, sondern auch dazu führen kann, dass zwei oder mehrere Parteien einen Kompromiss finden, mit dem dann alle ganz gut leben können.

Menschen streiten sich oft wenn sie nicht einer Meinung sind. Gehts in der Angelegenheit nicht um persönliche Dinge denen man emotional irgendwie stark verbunden ist, dann streiten sich die Leute oft einfach nur, sind vielleicht eine Weile sauer aufeinander und dann ist (meistens) alles wieder gut. Sobald eine der streitenden Parteien jedoch aus dem Thema raus auf eine persönliche Ebene abdriftet, kann die Sache mit der Versöhnung schon schwieriger werden.

Richtig kompliziert und verfahren kann die Situation aber werden, wenn beide Parteien emotional in das Thema verstrickt sind. Dann bleibt es oft kaum aus, dass der Streit (neben dem dass er sehr emotional geführt wird) auch auf einer persönlichen und damit potentiell verletzenden Ebene stattfindet. Am Ende gibt es in der Regel Verletzte auf beiden (bzw. allen Seiten, wenn mehrere beteiligt sind). Das liegt zum einen an der Natur eines Streits: Man streitet sich - wie bereits gesagt - weil man nicht einer Meinung ist. Aber man könnte dann ja auch - losgelöst von allen Emotionen - sagen, dass man da halt nicht einer Meinung ist, es dabei belassen und auseinander gehen. Nun scheint es aber in der Natur des Menschen zu liegen, dass er glaubt, sein Standpunkt wäre der richtigere und den Konfliktpartner davon überzeugen will. Und dann kommt noch dazu, dass man sich in seinem Standpunkt und seiner Sichtweise der Dinge nicht verstanden fühlt. Und genau da liegt vielleicht die eigentliche Kränkung, der Punkt der uns verletzt: Wir fühlen uns unverstanden.

Nun haben wir gestritten. Sind emotional aufgewühlt, weil uns der andere nicht versteht. Sind verletzt, weil vielleicht Dinge passiert sind, die uns verletzt haben. Und sind in einem gewissen Ausmaß störrisch, weil der andere sich ja so unglaublich blöd und daneben benommen hat. Das so ein Konflikt und dessen Auswüchse nicht nur das Produkt eines Einzelnen, sondern beider Parteien ist, das vergessen wir ganz gerne mal. Erst wenn wir ein bisschen Abstand zum Geschehen bekommen haben, emotional wieder etwas runter gekocht sind und vielleicht auch mit anderen über das ganze Drama geredet haben, kommen wir vielleicht ganz langsam auf die Idee: "Hm, vielleicht war nicht nur der/die andere blöd zu mir, sondern ich auch zu ihm/ihr?"

Jetzt kommt es natürlich drauf an, ob es vor dem Streit schon eine Geschichte gab und der Bogen mit diesem Mal schlichtweg überspannt wurde. Es kommt auch darauf an wie stark die Bindung zu diesem Menschen war bzw. ist. Will man diese Person auch in Zukunft weiter in seinem Leben haben und an seinem Leben teilhaben lassen? Aber wie biegt man das dann wieder hin?

Meiner Meinung nach müssen verschiedene Dinge dafür passieren:

1. Der eigenen Verletzung Raum geben.
Ein Bewusstsein dafür bekommen, dass man verletzt ist von was auch immer der andere Mensch getan hat. Und im nächsten Schritt ein Bewusstsein dafür kriegen, was einen eigentlich so sehr verletzt hat. Warum das wichtig ist? Weil ihr dann von der Ebene der andere ist so doof und benimmt sich nur daneben weg kommt. Weil ihr dann erstmal ganz bei euch seid und euch selbst den Trost dafür geben könnt, dass euch das, was passiert ist, weh getan hat. Es geht hierbei nicht darum in Selbstmitleid zu versinken und sich selbst zu betrauern, dass alle so gemein zu dir sind. Es geht darum herauszufinden, das dir etwas weh getan hat und was genau das war. Und diesem Gefühl auch entsprechenden Raum einzuräumen, dass es gerade da sein darf.

2. Die andere Konfliktpartei ist auch verletzt.
Nachdem du nun weißt, dass dir das was dein Konfliktpartner getan hat, oder wie er/sie mit dir umgegangen ist weh getan hat, versuche dir nun bewusst zu machen, dass es deinem Gegenüber ziemlich sicher genau so geht. Das er/sie ebenfalls verletzt ist von dem was du vielleicht getan hast. Denn wäre es nicht so, dann wäre der Streit nicht so emotional geworden und eskaliert. Überlege dir mit was du deinen Gegenüber verletzt haben könntest. Rufe dir vielleicht in Erinnerung wie der Streit abgelaufen ist, bzw. wie es dazu kam. Und auch was im Vorfeld vielleicht schon passiert ist, was eine gewisse Grundanspannung, sowohl in dir, als auch in deinem Gegenüber, verursacht haben könnte. Wenn du noch keine Idee davon hast, was von deiner Seite aus verletzend gewesen sein könnte, dann kannst du auch wilde Hypothese dazu aufstellen. Oft hilft es auch mit Freunden/Familie über den Streit zu reden und explizit danach zu fragen, was den anderen verletzt haben könnte. Aussenstehende können einem oft eine andere Perspektive vermitteln, wenn man selbst das Gefühl hat, dass einem das im Moment gerade schwer fällt. Mache dir bewusst, dass die Verletzung deines Konfliktpartners ebenso eine Daseins-Berechtigung hat wie deine eigene.

3. Perspektivwechsel
Sobald du deinen eigenen Gefühlen zum Streit Raum gegeben hast und du versucht hast rauszufinden was genau dir so weh getan hat, bist du über das schlichte Ich bin jetzt sauer Gefühl hinaus gegangen. Du hast eine Perspektive für dich selbst einnehmen und Verständnis für dich selbst aufbringen können. Das ist gut. Löst aber euren Konflikt nicht. Denn bleibst du in dieser Position und beharrst darauf, dass der andere dich verletzt hat, kreist du egozentrisch weiter um dich selbst. Und eins kann ich schonmal verraten: Das wird auf der Gegenseite für weiteren Frust sorgen. Deshalb ist der zweite Schritt so wichtig. Hier machst du dir erstmal bewusst, dass es dem/der anderen sehr sicher ganz ähnlich geht wie dir. Du bemühst dich um einen Perspektivwechsel. Und daher auch das obige Zitat. Du kannst die Perspektive - und damit Verletzung und/oder Kränkung - des anderen nur sehen, wenn du versuchst die Welt und den Streit aus dessen Augen zu sehen.

4. Perspektivwechsel = Stimmungswechsel
Hier gibt es gerade aktiv gar nichts zu tun. Du wirst wahrnehmen, dass Teile deines Ärgers bereits verraucht sind, weil du neben deiner eigenen Wahrnehmung durch den Perspektivwechsel auch Einblicke in die Sicht des anderen erhalten hast. Du kannst nun - zumindest in Teilen - nachvollziehen, was beim anderen Verletzungen ausgelöst hat. Du hast Empathie gezeigt und kannst nun neben Mitgefühl für dich selbst auch Mitgefühl für den anderen Menschen aufbringen.

5. Wir sind alle eine Beta-Version.
Möglicherweise bist du trotz Wertschätzung deiner eigenen Gefühle und Verständnis für deinen Gegenüber jetzt aber immer noch sauer, weil dich etwas was in diesem Streit passiert ist sehr gekränkt hat. Sicher hätte man auf beiden Seiten im Nachhinein besser agieren können und sich anders verhalten können. Hätte, hätte… ihr kennt das. Wenn das so ist: Mach dir klar, dass jeder einzelne von und in jeder einzelnen Situation immer nur die Beta-Version seiner selbst ist. Hinterher wissen wir natürlich alles immer besser, hinterher sind wir nämlich immer etwas schlauer bzw. zumindest um eine Erfahrung reicher. In der spezifischen Situation handelt jeder Mensch genau so wie es ihm zum gegebenen Zeitpunkt gerade möglich ist. Jeder versucht die beste Balance zwischen Selbstschutz und Mitgefühl für den Gegenüber aufzubringen. (Also zumindest dann, wenn man es nicht bewusst darauf auslegt die andere Seite absichtlich zu verletzen). Wir alle geben unser Bestes. Und manchmal greifen wir in der Auswahl unserer Strategien ganz schön daneben und es kommt ein Ergebnis dabei raus, das eigentlich keiner so haben wollte.

6. Sei offen.
Offenheit ist ein wichtiges Gut in jeder intakten Beziehung. Und damit meine ich nicht nur die Offenheit im Sinne von: Seid bitte ehrlich zu den Menschen die euch wichtig sind bzw. seid bitte in allererster Linie ehrlich zu euch selbst, weil ihr nur dann auch ehrlich zu anderen sein könnt. Nein, ich meine damit auch: Seid offen für den anderen. Seid offen für dessen Perspektive, seid offen für dessen Wahrnehmung der Welt. Und wenn ihr dieses große Kunststück hinkriegt - und das ist echt nicht einfach, wenn man selbst gerade noch im Ärger drin steckt und im Modus "soll doch der andere auf mich zukommen, der hat sich ja schließlich blöd benommen" ist - dann seid ihr der Konfliktlösung ein großes Stück näher.

Ich würde ja jetzt noch sagen: Macht Kompromisse! Aber ganz ehrlich: Wenn ihr soweit seid, dass ihr euren Gefühlen eine Daseins-Berechtigung eingeräumt habt, ohne dabei ins Selbstmitleid abzudriften, wenn ihr es geschafft habt Verständnis für die Verletzungen des anderen aufzubringen, wenn ihr euch bewusst macht, dass jeder das Beste gibt, aber manchmal eben daneben tritt, dann kommt der Kompromiss vermutlich ganz von alleine. Und manchmal geht es auch gar nicht um eine Kompromissfindung. Oft genug habe ich es erlebt, dass es schlichtweg darum geht, die Sichtweise des anderen nachzuempfinden, glaubhaft zu versichern, dass dessen Gefühle eine Berechtigung haben, einzuräumen, dass man sich selbst vielleicht auch hier und da nicht ganz so glücklich verhalten hat.

Manchmal ist es sehr schwierig aus seinem Ärger rauszukommen. Man beharrt weiterhin auf der Position "ich hab alles richtig gemacht" oder "der andere ist mit dem was er gemacht hat im Unrecht". Das ist nicht weiter schlimm. Es ist furchtbar schwierig von seinem eigenen Ärger Abstand zu nehmen. Insbesondere dann, wenn er sehr intensiv ist. Es braucht Übung. Aber in aller Regel gibt es nicht den einen Bösewicht. Für jeden Konflikt braucht es mehr als eine Person (ausser für den Konflikt mit sich selbst, aber das ist ein ganz anderes riesengroßes Thema). Soll heißen: Auch wenn der andere sich noch so blöd benommen hat. Dein Verhalten war vielleicht auch nicht das Allerbeste. Aber das ist nicht schlimm. Wir sind alle immer nur eine Betaversion. Und wir werden alle Erwachsen damit wir nicht nur zu unseren Stärken stehen, sondern uns (und anderen) auch unsere Schwächen und damit Fehler eingestehen können. Es ist menschlich Fehler zu machen.

Wie löst ihr Konflikte bzw. wie geht ihr damit um wenns mal richtig gekracht hat?

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