Scham, Schuld und Existentielle Ängste

Es war wieder Selbsterfahrungswochenende. Diesmal mit den Themenschwerpunkten Scham, Schuld und existentiellen Ängsten.

Wir alle schämen uns für irgendwas. Einige schämen sich, wenn sie Klopapier einkaufen, andere haben Schwierigkeiten damit vor einer Gruppe zu sprechen und wieder andere erröten wenn sie voll auf Helene Fischer abfahren und dann nach ihrem Musikgeschmack gefragt werden. Dabei ist Scham - wie wir gleich zu Beginn gelernt haben - eine gänzlich nutzlose Gefühlsregung. Sie entwickelt sich durch Erziehung und Sozialisationserfahrung, durch Lernen am Modell und Beobachtung von Rollenvorbildern. Sicherlich ist es sinnvoll die Regeln der Gesellschaft zu lernen und sich nicht völlig schambefreit in der U-Bahn zu entblößen und sich dort umzukleiden. Oder auch zu lernen, dass es nicht angebracht ist, in einem Meeting ein Gespräch über Geschlechtskrankheiten zu beginnen. Jedoch geht es hierbei um die Fähigkeit sich an gesellschaftlich geltende Normen anzupassen. Also um ein Verständnis von dem was in der jeweiligen Situation angebracht ist und was nicht. Schamempfinden ist jedoch überflüssig.

Die Dinge für die wir uns schämen, sind Dinge die allen Menschen passieren können. Wir schämen uns, wenn wir stürzen, wenn wir zum Bus rennen. Wir schämen uns ganz erheblich wenn es um unsere Sexualität geht. Dabei ist es sicherlich sinnvoll und wünschenswert, wenn man nicht offenherzig mit jeder Person detailliert über sein Sexualleben spricht, jedoch gibt es keinen Grund zur Scham für das Ausleben seiner Sexualität.

Zum Thema Scham haben wir an diesem Wochenende verschiedene Übungen gemacht. Die schönste davon war, dass jeder von uns sich in die Mitte eines Stuhlkreise setzen sollte (und allein das ist häufig schon schambesetzt und unangenehm, weil man plötzlich im Mittelpunkt des Interesses steht) und reihum sollte jeder eine Sache nennen, die er am Mittelpunkts-Menschen mag. Und obwohl man wusste, dass man nur positives zu hören bekommen würde, war die Situation mit Anspannung verbunden und ein Stück weit unangenehm. Auf der anderen Seite wirkte die Übung aber wie eine positive Emotionsdusche an einem Tag, an dem ich das wirklich gut gebrauchen konnte.

Scham kann auf Schuld folgen. Schuld ist dabei durchaus sinnvoll, ist sie doch wichtiger Bestandteil unseres Rechtsverständnisses. Zwar geht es in der Straftäterbehandlung heute nicht mehr wie im Mittelalter darum gleiches mit gleichem zu vergelten, damit eine Schuld beglichen wird, sondern auch sehr um Resozialisierung der Täter, jedoch ist ein maßgeblicher Bestandteil der Resozialisierung auch immer die Übernahme von Schuld. In der psychotherapeutischen Praxis ist es häufig eher umgekehrt. So geht es dort oft darum die erlebte Schuldlast der Patienten zu reduzieren.

Nach Scham und Schuld haben wir uns den existentiellen Ängsten gewidmet. Also mit Ängsten vor Dingen die gewissermaßen unabänderlich sind, wie zum Beispiel dem Tod oder Isolation oder unabänderlichem Leid. Oder aber auch davor den Sinn des Lebens nicht zu finden. Besonders spannend war für mich hier die Arbeit in Kleingruppen zu den Fragen 1) Gibt es einen Gott/ Göttin und was macht er/sie? 2) Was passiert nach dem Tod? 3) Welchen Auftrag hast du im Leben? Wir hatten in unserer Gruppe eine angeregte Diskussion darüber, da jeder die Fragen unterschiedlich beantwortete. Auch wer nicht an Gott glaubte, glaubte häufig an irgendeine Art höhere Instanz. Für mich persönlich sind die Antworten auf die drei Fragen miteinander verwoben. So hat die Idee einer höheren Instanz Einfluss auf meinen Glauben daran, was nach dem Tod passiert und schlussendlich darauf welchen Auftrag ich im Leben habe. Und obwohl ich mir auf einer rationalen Ebene recht sicher bin, dass nach meinem Tod ziemlich sicher nichts ist, und dass es keine höhere Instanz gibt, die irgendwas auch nur annähernd lenkt, so halte ich mich dennoch auf einer spirituellen Ebene daran fest. Das mag ein narzisstischer anmutender Wunsch sein, dass mein Leben auf diesem Planeten nicht völlig nutzlos und beliebig ist, oder vielleicht auch nur die Unfähigkeit mit das Nichts vorzustellen.

Ich freu mich schon auf die nächsten beiden Seminar-Wochenende, die leider erst im Wintersemester sein werden, dafür aber zum Ausgleich mit einem tiefenpsychologischem Schwerpunkt.

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The Circle

Kürzlich las ich das Buch "The Circle" von Dave Eggers. Letztes Jahr war der Film auch in den Kinos und ich freue mich schon auf die Gelegenheit eben jenen zu sehen.

Um grob die Story zu umreißen: Mae fängt ein bei einem großen Unternehmen, dem Circle, zu arbeiten. Dieses Unternehmen ähnelt in vielerlei Hinsicht Facebook und ist im Kern ein soziales Netzwerk mit Klarnamenpflicht und hat auch schon eine Bezahlmethode implementiert die einem das Leben vereinfachen soll, weil man ja nur noch den einen Account braucht um diverse wichtige und nützliche Apps zu verwenden und auch um den eigenen Geldverkehr zu regeln. Datenschützerherzen hüpfen schon jetzt im Dreieck.

Jedenfalls beginnt Mae dort in der Customer Experience zu arbeiten und das ist sowas wie der Kundendienst für die diversen Apps die das Unternehmen entwickelt hat. Der ganze Firmencampus ist zum einen recht groß und zum anderen hoch modern, hip und supercool. Jeder will dort arbeiten. Ständig finden irgendwelche wahnsinnig coolen Veranstaltungen statt und Gesundheit wird groß geschrieben. So bekommt Mae ganz am Anfang ein Armband welches diverse Parameter wie Schritte, Herzfrequenz, Temperatur und noch so einiges anderes misst. Und natürlich bekommt sie auch ein neues Handy mit dem sie dann am sozialen Netzwerk teilnehmen soll. Immer wenn sie zu irgendwelchen Veranstaltungen (am Besten auf dem Campus) geht, soll man darüber berichten. Weil wie sollen die anderen sonst erfahren was sie cooles verpasst haben? Und natürlich muss man auch jede noch so kleine unbedeutende Anfrage (egal ob privat oder beruflich) beantworten, denn sonst ist am anderen Ende der Leitung ganz schnell jemand beleidigt.

Nun arbeitet sich Mae an ihrem neuen Arbeitsplatz ein und hat erst zwei Bildschirme zum arbeiten und am Ende hab ich leider nicht mehr mitgezählt… 8 oder 9 vielleicht. Einer ist für die eigentliche Arbeit und die restlichen für irgendwelche sozialen Aktivitäten. Und alle müssen am Besten gleichzeitig beachtet werden. Die ganze Story spitzt sich zu als Mae sich dazu entschließt ein transparenter Mensch zu werden und sich tagsüber beinahe lückenlos (bis auf dreiminütige Toilettengänge) zu filmen. Beziehungsweise zu filmen was sie so den ganzen Tag tut. Damit wird sie schnell zu einer sehr einflussreichen Person im Unternehmen und im gesamten Circle und damit auf der Welt.

Was sie leider nicht merkt ist, dass gar nicht alle Menschen auf dem Planeten es so supercool finden, dass sie ständig überwacht werden könnten, dass individuelle Vorlieben auf Schritt und Tritt verfolgt werden und somit die Werbung um mich rum optimiert wird. Dass es keine Rückzugsorte mehr gibt, weil mit dem Zusammenschluss aller Menschen im sozialen Netzwerk und dem Einsatz verschiedener Apps es in Kürze möglich ist jeden Menschen zu lokalisieren. Verkauft wird das den Menschen mit einem radikalen Rückgang an Kriminalität und einer Vereinfachung des Lebens.

Und sie merkt auch nicht, dass sie ihr eigentliches Leben Stück für Stück verliert, weil alles nur noch im virtuellen sozialen Netzwerk stattfindet. Kaum einer hat noch Zeit um wirklich Kajak fahren zu gehen, weil man an irgendwelchen Gruppen darüber partizipieren soll und beschäftigt ist jedem zu erklären warum man woauchimmer nicht hin kann.

Obwohl ich den Roman wirklich sehr gut geschrieben fand, konnte ich ihn nicht am Stück durchlesen. Oft musste ich ihn weg legen, weil ich den Gedanken an eine derartig überwachte Welt nicht ausgehalten habe. Mir nicht vorstellen konnte wie es sein kann, dass man nicht merkt auf welchen Abgrund man da zusteuert. Dabei ist mir ja wohl bewusst, dass ich verschiedene soziale Netzwerke selbst ja auch benutze und so einiges an Informationen über mich ins Netz blase.Aber ich hab auch die Kamera von meinem Laptop angeklebt, weil ich dann doch nicht will, dass mir jemand zuguckt. Und ich kaufe mir auch ganz sicher keine Alexa die 'mithört'. Mir reichte schon das Erlebnis letzten Sommer, als ich mich darüber unterhielt, dass ich einen neuen Rucksack benötigen würde und mir dann 'zufällig' Abends bei Facebook passende Produktplatzierungen geliefert wurden. Ohne dass ich mich online schon nach Rucksäcken umgesehen hätte. Und natürlich habe ich aus Bequemlichkeit auch gern die Option "über Facebook anmelden" benutzt. Weil ich faul bin. Jetzt bin ich mir nicht so sicher, ob das die beste Idee des Tages war.

Nun ist aber die Frage: Was mach ich mit meinem Wissen? Mit dem Wissen, das ich ja nicht erst seit gestern habe, dass Facebook und Co. jeden von uns ausspionieren und wir nur ach so bereitwillig alle möglichen Daten zur Verfügung stellen, obwohl wir doch recht gut wissen, dass unsere Daten verkauft werden. Womöglich werd ich das nun immer im Hinterkopf behalten wenn ich im Netz unterwegs bin und mich für irgendwas registrieren muss. Werde mir überlegen ob ich wirklich will, dass ein Konzern wie Facebook oder Google diese Information von mir bekommt.

Denn ich will ganz sicher keine Welt, in der andere Menschen potentiell zu jedem Zeitpunkt wissen könnten wo ich bin und was ich dort tue.

Das Buch ist jedenfalls gut und aufrührend auf eine ganz andere Art.

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Tavemünde

Kurze Auszeit an der Ostsee bei schönstem Frühlingswetter,

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Selbsterfahrung

Nach einem anstrengenden zweiten Semester erhofften wir uns alle nach der letzten Prüfung ein wenig Zeit zum durch atmen. Viel Zeit war ohnehin nicht vorgesehen, denn nur neun Tage nach eben jener letzten Prüfungsleistung sollte das dritte Semester beginnen. Umso weniger erfreut waren wir alle, als uns das Wochenende vor dem Vorlesungsbeginn durch ein ganztägiges Wochenendseminar genommen wurde. Was genau dieses Seminar thematisch nun beinhaltete wusste keiner so genau. Es nennt sich irgendwas mit Praxisfeldern, im Modulhandbuch steht was von Hospitationen die man machen solle, von anderen Studierenden hörte man jedoch, dass es in diesem Modul um Selbsterfahrung ging.

Und weil die Wahrscheinlichkeit hoch war, dass es sich um Selbsterfahrung handelt, wollte ich gerne an diesem Seminar in meiner Kohorte teilnehmen und nicht in irgendeine andere Kohorte gesteckt werden, wo ich die Leute so gar nicht kenne. Also verschoben wir unseren Urlaub gegen einen Aufpreis um einen Tag. Noch dazu sollte es ein schönes warmes und sonniges Frühlingswochenende in Hamburg werden. Entsprechend angesäuert bin ich am ersten Tag dorthin gefahren. Spätestens am zweiten Tag war ich versöhnt mit dem geraubten Wochenende. Wir haben die Gruppenaufgaben häufig draußen in der Sonne gemacht und uns mehr oder weniger schlimme Sonnenbrände eingehandelt.

Thematisch ging es diese ersten drei Tage um Wut, Angst, Selbstwert und das eigene zentrale Beziehungsthema. Zu Wut und Angst haben wir in kleinen Gruppen anhand eines eigenen Beispiel ein ABC-Schema erstellt und ich habe im Grunde das erste Mal so richtig verstanden wie man damit arbeitet und wozu das ganze gut sein kann. Auch dass es Unterschiede bei der Erstellung der Schemata gibt, je nach dem um welche Emotion es geht. Will ich Wut explorieren, dann geht es viel um Normen und Werte die mir selbst wichtig sind und verletzt werden, bei Angst dagegen geht es vielmehr um Hypothesen die ich über die Welt und die Annahmen anderer in Bezug auf meine Person oder andere Personen aufstelle die dann im weiteren Verlauf zu Angst führen. Das Wut-Thema war für mich emotional schwieriger als das Angstthema, da man bei der Frage wann man zum ersten Mal Wut empfunden hat (bzw. sich daran erinnern kann) dann doch eher mit schmerzlichen Erinnerungen besetzt ist. Beim Thema Angst dagegen hatte ich zunächst Schwierigkeiten überhaupt ein passendes Beispiel zu finden, weil ich gar nicht so richtig wußte wovor ich eigentlich Angst habe die über ein Unwohlsein hinausgeht. Aber am Ende war dieses Gefühl des Unwohlseins auch ausreichend für die Aufgabe.

Auch interessant war dann noch die Frage nach dem Selbstwert und wer eigentlich Einfluss auf meinen Selbstwert haben kann. Die Antwort auf die Frage ist recht trivial: Nur ich selbst und sonst niemand. Ich selbst bin es, die den Selbstwert an Dinge wie Leistung, Partnerschaft, Status, soziale Anerkennung oder andere Dinge koppelt. Und jeder einzelne von uns koppelt seinen Selbstwert an andere Dinge. Es heißt nun, dass unser Selbstwert nun stabiler würde, dadurch dass wir uns bewusst gemacht hätten, woran wir unseren Selbstwert gekoppelt haben. Wir werden sehen was passiert.

Am dritten und letzten Tag des ersten Wochenendes blieb es weiterhin spannend. Man gab uns eine einfache Technik an die Hand wie man innerhalb von 50 Minuten die Knackpunkte der Biografie herausarbeiten kann. In neuen Kleingruppen mit Kommilitonen die wir noch nicht so gut kannten wurden wir von eben diesen zu unserer Biografie befragt. Welche wichtigen Personen gab es, als ich 10 war und wieso fehlten da welche, die man sonst erwartet hätte? Was hat sich zum heutigen Zeitpunkt geändert und warum? Haben die Großeltern vielleicht schon was Einschneidendes erlebt und zu wem in der Familie hatte man eine sichere oder unsichere Bindung. Welche unausgesprochenen „Familienregeln“ gab es und welches zentrale Beziehungsthema hat sich daraus bei mir entwickelt? Es war zunächst etwas befremdliche seine Geschichte mit mehr oder weniger fremden Leuten zu teilen. Andererseits teilten auch die Dinge mit mir, die in der normalen Kommunikation niemals zur Sprache kommen würden. Wir wissen nun Dinge übereinander, die andere vielleicht nicht wissen und irgendwie hat sich so zum Teil eine neue Ebene oder Sichtweise auf diese Personen eingestellt. Und ich bin wieder neugierig was Menschen antreibt, welche Geschichte sie mit sich rumtragen und wie sie zu dem geworden sind, was sie heute sind. Diese praxisnahe Erfahrung tat nach einem theorieüberladenen Semester einfach nur gut. Es wurde wieder ein bisschen klarer warum ich mir das eigentlich antue.


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Dissoziation, Konversion, Somatisierung.

Dieser Blog soll wieder mehr Inhalte, spezifischer mehr psychologische Inhalte bekommen, darum wird es nun in unregelmäßigen Abständen Beiträge zu ausgewählten Themen der Psychologie geben. Mal mehr und mal weniger komplex. Mal mit mehr und mal mit weniger Gesellschaftsbezug.

Heute beginne ich mit einem etwas komplexeren Thema, werde aber versuchen, das möglichst nachvollziehbar darzustellen. Und zwar mit der tiefenpsychologischen Sicht auf Dissoziation, Konversion und Somatoforme Störungen.

Dissoziation ist ein Phänomen, dass wir durchaus alle aus dem Alltag kennen, wenn wir in Tagträumen versinken und wir das Gefühl für die Zeit und unsere Umgebung verlieren. Oder wenn wir uns vor der geöffneten Kühlschranktür wieder finden und weder wissen wie wir dort hin gekommen sind, noch was wir da eigentlich wollten, denn Hunger haben wir gar nicht.

Unter pathologischer Dissoziation werden unterschiedliche Phänomene zusammengefasst die eine Person in irgendeiner Form den Bezug zu sich oder der Umwelt verlieren lässt. Und reicht von Amnesiezuständen, über veränderte Körperwahrnehmungen bis hin zur dissoziativen Identitätsstörung, bei der unterschiedliche Persönlichkeiten in einer Person ausgebildet werden.

Aus historischer Perspektive entspringt die Dissoziation - ebenso wie die Konversion - dem Hysteriebegriff. Beziehungsweise wurde die Hysterie im Wechsel als Dissoziation oder Konversion beschrieben. Heute sind die drei Phänomene jeweils unterschiedliche Richtungen gegangen, haben aber weiterhin Überschneidungspunkte.

Im Wortsinn bedeutet Dissoziation Trennung, Ablösung oder Zerfall und meint somit das Gegenteil von Assoziation und beschreibt einen Prozess der Desintegration und Defragmentierung des Bewusstseins, des Gedächtnisses, der Identität und der Wahrnehmung. Soll heißen: Bestimmte Anteile meiner Selbst werden abgespalten und nicht ins Selbstkonzept (also wie ich mich selbst wahrnehme und definiere) integriert. Dieser Logik folgend kann Dissoziation als Mechanismus zum Schutz vor unerträglichen Realitäten definiert werden, welche die individuelle kognitive und emotionale Reizverarbeitungskapazität überschreiten.

Zur Veranschaulichung: Wenn ich mich im Kriegsgebiet befinde und miterleben muss wie eine Bombe menschliche Körper zerfetzt, stellt die Dissoziation mein eigenes Überleben sicher, indem diese Erlebnisse abgespalten und nicht integriert werden. Meine basalen Überlebensinstinkte bleiben jedoch intakt. Zurück zu Hause schützt mich die Dissoziation weiterhin. Und zwar vor den überwältigenden Gefühlen die mit dem erlebten Trauma in Zusammenhang stehen. Jedoch schränkt mich die dissoziative Symptomatik unter Umständen recht deutlich in der Lebensqualität und Lebensbewältigung ein.

Die Dissoziation lässt sich als am ehesten beschreiben als Rückzug vom Bewusstsein, wobei einströmende Reize und der Effekt überwältigender Emotionen reduziert werden. Das kann man sich in etwa als Narkose des Bewusstseins oder von Körperregionen vorstellen.

Demgegenüber stehen bei der Konversion Triebimpulse im Vordergrund, die vom Über-Ich abgewehrt und ins Unbewusste verdrängt werden. So entsteht eine unbewusste Phantasie und eben jene Phantasie kann dann als Körpersymptom dargestellt werden. Konversionssymtpome sind als weniger durch äußere Anlässe wie Traumata verursacht, sondern viel mehr durch sogenannte innere Konflikte.

Die Konversion stellt aus tiefenpsychologischer Sicht die Abwehr des inneren Konflikte in Form der Übersetzung eines psychischen Inhaltes in physisches Symptom das. Das Symptom stellt dabei einen Kompromiss zwischen Triebwunsch und seiner Abwehr dar. Die Wahl eines körperlichen Symptoms (statt eines psychischen Symptoms) eröffnet also die Möglichkeit einen psychischen Konflikt auf die physische Ebene zu verschieben. Bedeutet somit also eine Über-Ich-Entlastung. Abgesehen davon ergeben sich durch das Körpersymptom auch neue Beziehungsmöglichkeiten im Sinne eines sekundären Krankheitsgewinns, bei dem der Betroffene verstärkte Aufmerksamkeit und Zuwendung erhält und zum Beispiel Versorgungswünsche erfüllt werden.

Zur Veranschaulichung: Es gibt psychogene Krampfanfälle, welche echten Krampfanfällen zum Teil täuschend ähnlich sehen, jedoch fehlen doch einige Aspekte von Krampfanfällen (z.B. gibt es nicht die charakteristischen neurologischen Veränderungen). Triebwunsch kann hier zum Beispiel ein Versorgungswunsch sein, indem symbolisiert dargestellt wird, dass man hilflos ist und auf den anderen angewiesen ist. Der Wunsch versorgt zu werden wird sich selbst aber nicht zugestanden und kann nicht formuliert und emotional kommuniziert werden, sondern wird abgewehrt und auf körperlicher Ebene mit Hilfe des Krampfanfalls darstellt.

Konversion stellt also eine Erzählung mit körperlichen Mitteln dar. Daher erfüllt das körperliche Symptom auch eine Symbolfunktion. Das bedeutet, dass sich das Symptom wie ein Traumelement deuten lässt. Die Dissoziation stellt demgegenüber eine Überstimulierung und Narkose dar. Das Symptom der Dissoziation symbolisiert nicht, sondern ist Folge einer Intrusion. Es ist also keine Deutung (wie bei der Konversion) möglich.

Von der Konversion und der Dissoziation abzugrenzen sind dann noch somatoforme Krankheitsbilder. Hier können drei grundlegende Typen unterschieden werden:
- Erschöpfungs- und Müdigkeitszustände
- Funktionsstörungen
- und Schmerzen an unterschiedlichen Lokalisationen.

Im Unterschied zu den traumatischen Erlebnissen und inneren Konflikten die bei dissoziativen und Konversionsstörungen zugrunde liegen, stehen bei somatoformen Störungsbildern eher ängstlich getönte Überzeugungen im Forderung die den Betroffenen dann zu bestimmen Verhaltensweisen drängen. Zum Beispiel einem intensiven Inanspruchnahme-Verhaltens der Gesundheitsversorgung.

Man könnte an dieser Stelle nun noch auf die Achse der psychosomatischen Totalität eingehen…. Aber da wird's dann wirklich ein bisschen…. abgefahren.

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Verhaltenstherapeutische Interventionen. Oder: Wie behandle ich dann eigentlich mein studentisches Burnout?

"Wie läuft's eigentlich mit dem Studium?" - "Joa, muss. Noch ein Jahr."

Ich könnte aber auch sagen, dass das vergangene Semester mir wirklich sehr viel abverlangt hat. Dass mirdas zeitliche Arrangement der Prüfungsleistungen seitens der Hochschule nicht wirklich zusagt und das es einfach scheiße viel Arbeit war und ist. Und das sag ich als jemand, der wirklich zu Beginn des Semesters dabei ist, Zusammenfassungen schreibt und den Stoff aufarbeitet. Ich weiß auch gar nicht wie man das anders schaffen kann.

Wie es also läuft wollt ihr wissen? Ich bin - wie die meisten meiner Kommilitonen - recht erschöpft und schwer ausgelastet. Stellenweise überfordert. Und dann noch leicht entmutigt, weil wir nach der letzten Prüfung nächste Woche gerade mal 5 Werktage Pause haben, ehe jemand an der Hochschule beschlossen hat, dass es eine ziemlich gute Idee wäre noch vor Vorlesungsbeginn am Montag ein jeweils ganztägiges Seminar von Freitag bis Sonntag einzuschieben. Frei nach dem Motto: Nach dem Semester ist bereits das neue Semester.

Der einzige Lichtblick: Das dritte Semester scheint wesentlich entspannter zu werden. Nicht nur, weil wir insgesamt seltener zur Uni müssen, sondern auch weil wir weniger Prüfungen haben und die noch dazu wesentlich angenehmer verteilt sind.

Seit Neurowissenschaften vergangene Woche (yay! lief gut!!) hab ich mich in Verhaltenstherapeutische Interventionen gestürzt. Angefangen bei der ersten Welle mit der grundlegenden Basis klassischer und operanter Konditionierung, über die zweite Welle mit den prominenten Vertretern Aaron Beck und Albert Ellis hin zu den Verfahren der dritten Welle von denen der ein oder andere sicherlich schon was gehört hat. Achtsamkeit, DBT, MKT und weitere illustre Abkürzungen die sich ähnlich anhören und ähnliche Inhalte haben, sodass es schwer ist sie auseinander zu halten.

Und weil mir schnell langweilig wird habe ich neben den Altbekannten Zusammenfassungen die man >>hier<< findet wieder eine Playlist bei YouTube zum Thema erstellt. >>hier entlang bitte<<

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Neurowissenschaften

Ich mache in den vergangenen Tage nichts anderes, ausser die Vorlesungen zu Neurowissenschaften vorwärts und rückwärts durchzukauen. Und weil das ziemlich zermürbend ist, habe ich auf die letzten Meter angefangen für verschiedene Störungsbilder bei YouTube entsprechende Videos zu finden, die den neuranatomischen/ neurowissenschaftlichen Schwerpunkt beleuchten. In der verlinkten Playlist findet ihr einführende und oberflächliche, jedoch grundlegende, Inhalte zum Hirn, den Netzwerken die uns beim Denken, Handeln und Fühlen helfen und wie das alles mit dem Körper und der Psyche zusammenhängt.

Ist auch jeden Fall ein niederschwelliger und bisweilen unterhaltsamer Einstieg in ein doch recht umfangreiches und komplexes Thema.

Und wer sich noch ein bisschen genauer fürs Thema interessiert, der darf sich auch gerne an meinen (bzw. an unseren) Lernkarten dazu bedienen. Die man aber eigentlich auch nur dann versteht, wenn man die entsprechenden Vorlesungen dazu kennt. Zu den Lernkarten hier entlang.


Ab zur Playlist:

https://www.youtube.com/playlist?list=PLfSdWoETXfPz4puzCWOemIV160DoYewJ5


Aber das wichtigste Video ist eigentlich sowieso das hier:





Stammhirn, Stammhirn!
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Winter in Hamburg

Genauer gesagt im Hammer Park. Es war schweinekalt und wunderschön.

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