Fahrradtour als Klausurvorbereitung

Gestern war der letzte Vorlesungstag des ersten Semesters an der MSH. Soweit ist alles super und ich bin hellauf begeistert von den Inhalten und der Strukturierung. Das Geld ist gut investiert würd ich meinen. Aber irgendwas ist ja immer… Und in diesem Fall sind es die beiden Klausuren nächste Woche. Geprägt von der FernUni (und weil ich Druck vor den Klausuren nicht abkann und dann schlichtweg nichts mehr mache) hab ich wie immer während des Semesters gelernt. Sicherlich ist es der Stoff nicht gerade wenig Umfangreich, aber von der Fernuni kenn ich da noch ganz andere Hausnummern. Andererseits waren die Studienbriefe dort wirklich sehr gut strukturiert und es war ziemlich klar was auswendig zu lernen ist und was nicht. Jetzt ist das etwas freier und das macht es auch schwieriger. Weil - zumindest was das Modul psychische Erkrankungen angeht - nicht ganz klar ist, was sie am Ende von einem Wissen wollen. Nach kommendem Montag wissen wir es. Dann wissen wir ob wir das richtige gelernt haben oder nicht.

Während nun also alle einen Endspurt einlegen zum lernen, hab ich erstmal ne Fahrradtour gemacht. Im Süden Hamburgs. Von Tiefstack bis Bergedorf über den Marschdamm und jede Menge Deich. Nach 60km sind meine Beine nun reichlich Matsch, dafür ist mein Kopf aber wieder etwas freier. Und natürlich mache ich auch meinen Lernendspurt. Aber wenn mein Körper mich um 5:45 aus dem Bett wirft, dann hab ich bis 9:00 halt auch schon drei Stunden gelernt und finde das für einen Tag schon gar nicht so übel.

Aber weil Fahrradfahren viel schöner ist als lernen und das Wetter dafür heute perfekt war: Nicht zu warm und nicht zu kalt und für Hamburger Verhältnisse windstill, musste das natürlich genutzt werden. Und immer nur drinnen und sitzen macht einen ja auch blöd im Kopf.

Herrlich prokrastiniert mit Fahrrad fahren und unter einem Vorwand einen Blogartikel zu schreiben ;)



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Türöffner.

Früher hatte ich einige Schwierigkeiten damit allein irgendwohin zu gehen. Also jetzt nicht alleine zum Supermarkt, oder alleine in die Stadt fahren um Dinge zu besorgen. Sondern alleine weiter weg zu gehen. In eine andere Stadt zu gehen.

Ich hätte damals nach dem freiwilligen sozialen Jahr nach Wien gehen können. Hätte dort Psychologie studieren können und wäre mittlerweile schon Diplompsychologin und würde als Psychologin irgendwo arbeiten. Ich hatte einen Studienplatz dort. Ich hätte mir einige Schwierigkeiten des Bachelor-Master-Desasters durchaus ersparen können. Aber ich habe es nicht gemacht. Zu groß war die Angst vor dem Ungewissen. Die Sorge wie man in einer weit entfernten Stadt eine Wohnung finden könnte und wie man es schaffen sollte neben dem Studium das nötige Kleingeld zu verdienen schien mir unbewältigbar. Ich hatte auch nicht die geringste Idee wie andere Studierende das eigentlich schafften.

Und nun 11 Jahre später sitze ich hier in Hamburg. Nebenher nach Heidelberg zu pendeln um dort weiterhin ein paar Stunden im Monat zu arbeiten erscheint mir gar nicht so schlimm, auch wenn andere immer wieder darüber erstaunt sind, dass ich diese Strecke auf mich nehme. Dabei sind das 10 Zeitstunden in denen ich für Hin- und Rückweg im Zug sitze und nichts besseres zu tun habe als was für die Uni zu arbeiten. Und ich mach das ja auch nicht jedes Wochenende. Wenn ich einen Job in Hamburg hätte fänd ich es auch suboptimal, dass mir das freie Wochenende nicht zur Freizeitplanung zur Verfügung steht. Insofern ist das alles relativ.

Man muss aber auch sagen, dass mir der Umzug nach Hamburg viel weniger leicht gefallen wäre, wenn ich letztes Jahr nicht meinen Single-Trip gemacht hätte. Der hat mir gezeigt, dass man mit Leuten schnell in Kontakt kommen kann wenn man möchte und dass man zumindest für Stunden oder Tage Gefährten finden kann mit denen man was unternehmen kann. Aber auch wenn nicht, gibt es viel zu entdecken.

Und Hamburg macht es einem hier vielleicht aber auch besonders einfach: Hier gibt es wahnsinnig viel zu entdecken! Es muss einem gar nicht langweilig werden. Und wenn doch gibts ja immer noch Netflix und Bücher.

Was will ich eigentlich sagen? Für mich war dieser Umzug eine Chance aus dem bisherigen Leben auszubrechen. Ich brauchte mal dringend einen Tapetenwechsel und ich musste was anderes sehen. Es ist nicht so, dass ich es in Heidelberg nicht mehr ausgehalten hätte. Ganz im Gegenteil. Ich mag die Stadt total gern. Aber wenn man sehr lange an einem Ort ist, dann hat man so seine Routinen. Man rostet gewissermaßen ein. Man traut sich vielleicht wenig Neues. Man kommt nicht raus aus der Komfortzone. Wie soll man sich denn weiterentwickeln, wenn man seine Komfortzone nicht verlässt? Richtig: So gut wie gar nicht. Der Umzug in eine neue Stadt am anderen Ende von Deutschland in der ich niemanden kenne ist nun wirklich weit ausserhalb meiner Komfortzone gewesen. Und dieser Ausbruch stellt Herausforderungen an mich. Und es macht so unendlich viel Spaß neue Leute kennen zu lernen, neue Sachen auszuprobieren und sich auf ganz andere Charaktere einzustellen. Auf der anderen Seite ist man zunächst aber auch viel allein. Mit sich selbst allein. Muss sich überlegen was man nun den ganzen Tag mit sich anfängt. Denn wenn man niemanden kennt, muss man erstmal neue Kontakte knüpfen und an Freundschaften arbeiten. Das kann mitunter anstrengend werden. Aber ich finde man lernt sich dadurch auch neu kennen. Zumindest wenn man sich darauf einlässt. Fakt ist: Ich habe seit ich im April hier her gezogen bin allerhand zu tun und komme gar nicht groß dazu fotografieren zu gehen oder Bilder zu malen. Lesen ist während der Vorlesungszeit eh schon immer schwierig. Aber das kenne ich ja aus den letzten Jahren auch nicht anders.

Der Punkt ist: Wer woanders hingeht, macht nicht unbedingt eine Tür hinter sich zu, aber vor sich sicherlich einige neue Türen auf. Und das kann sehr schön sein wenn man ein bisschen mutig ist und sich darauf einlässt. Abgesehen davon ist Hamburg einfach schön. Und die Uni ist toll. Und alles ist grad ziemlich toll. Naja gut. Das Meiste ;)

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Welcome to hell. G20 in Hamburg.

Das Gute an diesem G20-Gipfel in Hamburg? Ich sitze zu Hause und lerne für die anstehenden Klausuren. Und dann hören die positiven Aspekte auch schon wieder auf.

Ich hatte überlegt zu einer der Demos hinzugehen. Die Nachttanzdemo am Mittwochabend hatte ich nicht auf dem Schirm, sonst wäre das sicherlich eine Option gewesen. Letzten Endes habe ich mich dann gegen eine Teilnahme entschieden. Denn die Eskalation war so vorhersehbar wie das Amen in der Kirche. Alle Seiten rechneten mit einer Eskalation und sie kam. In der Psychologie nennen wir sowas dann auch self-fullfilling prophecies. Selbsterfüllende Prophezeiungen.

welcome-to-hell-demo-in-hamburg-eskaliert_201707062115_full(Foto: dpa)

Meines Erachtens hätte der Standort Hamburg für ein Gipfeltreffen der Großen und Mächtigen dieser Welt (oder jenen die sich dafür halten) nicht schlechter gewählt werden können. Und das gilt im Grunde für jede Metropole die man hätte auswählen können. So haben die Gipfel in der Vergangenheit oft auf irgendwelchen Bergen oder Inseln stattgefunden. An nicht ganz so leicht erreichbaren oder attraktiven Orten. Das nun also die Chance eine Protestes an einem gut erreichbaren Standort genutzt wird, hätte wohl offenkundiger nicht sein können. Das beinhaltet auch jene Krawallos des schwarzen Blockes. Auch bei denen hat sich Wut aufgestaut, die sich nun massiv entlädt. Das Motto des Demonstrationszuges wurde dementsprechend passend gewählt: "welcome to hell".

Die Polizei hat damit gerechnet. Angesichts der Wahl des eben genannten Mottos und der Ankündigung, dass es den größten Black Block der Geschichte geben würde. Sie haben angekündigt bei den kleinsten Schwierigkeiten dazwischen zu gehen. Und es kam genau so am Donnerstagabend. Nach wenigen Meter wird die Demo gestoppt. Die Polizei in Erwartungshaltung, dass der Schwarze Block randalieren würde und die Demonstranten in der Erwartung, dass die Polizei überreagieren würde. Ob nun Henne oder Ei zuerst da war, wer zuerst randaliert oder überreagiert hat ist für den Aussenstehenden kaum nachvollziehbar und vielleicht eher eine Entscheidung der Gesinnung denn der Tatsachen. Nachvollziehbar ist für mich in jedem Falle, warum die Polizei verhindern wollte, dass der Zug in die bewohnten Viertel vordringt. Und das dürfte spätestens Freitagmorgen auch jedem anderen klar geworden sein.

Sinnlose Zerstörung von Fremdeigentum. Da werden Autos von Privatpersonen angezündet, die mit all dem nichts zu tun haben. Dieser Schwarze Block ist für mich keine Protestbewegung, sondern angereist um mal richtig die Sau rauszulassen.

Man möchte den Reichen und Mächtigen gratulieren zu dieser Wahnsinnsentscheidung eine ganze Stadt lahm zu legen, die Kapazitäten von Feuerwehr, Polizei und Rettungskräften überzustrapazieren und soviel Geld für nur ein Abendessen von einem von euch auszugeben, von dem eine Kleinfamilie eine Woche lang gut essen könnte. Von den Kosten für die Sicherung eures Happenings und den verursachten Kosten für all das Personal und entstandenen Sachschäden und Personenschäden will ich gar nicht anfangen. Die Summe ist für mich ohnehin so groß, dass ich sie mir beim besten Willen nicht vorstellen kann. Das man da sauer wird sollte kein Wunder sein.

Klopft euch auf die Schulter liebe verantwortliche Politiker, ausbaden tut es das normale Volk und vor allem diejenigen die gerade an der Front kämpfen müssen und den ganzen Dreck und Chaos dieser Krawallos beseitigen müssen. Herzlichen Dank auch an den Black Block, das der ganze friedliche Protest an sich nicht ernstzunehmen ist - schon allein weil er untergeht. In diesem Sinne: Danke für nichts.

Ich hoffe ihr lernt wenigstens daraus nie wieder ein Gipfeltreffen in einer Großstadt abzuhalten. Ausser ihr wolltet das genau so. Dann gratuliere ich zur Wahl von Hamburg als Standort. Besser hättet ihr es nicht treffen können.

fucku(Foto: Rasande Tyskar)

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Huch! Status: Normalmensch

Und dann ist da vergangene Woche etwas passiert, mit dem ich ja so bald nicht mehr gerechnet habe. Da stellte ein Mann eine Frage an eine Frau und am Ende der Woche war da Gleichstellung. Wie konnte das denn passieren?

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Damals als ich ernsthaft darüber nachdachte meine damalige Freundin zu heiraten, war zugleich auch ganz klar für mich, dass ich mich zwar binden wollte, aber nicht zu dem Preis einer minderwertigeren Lösung in Form einer eingetragenen Lebenspartnerschaft. Gut. Am Ende kam es dann für mich auch ganz anders, aber das ist eine andere Geschichte.

Was diese irre Idee einer eingetragenen Lebenspartnerschaft eigentlich sollte, dass war mir nie so ganz klar. Es gibt wenige Begrifflichkeiten die weniger unsexy, unromantischer und bürokratischer geklungen hätten als die eingetragene Lebenspartnerschaft. Aber man entschied sich dafür. Und eigentlich war das ja auch recht passend. Man wollte nicht dass Frau und Frau (respektive Mann und Mann) der Bindung zwischen Frau und Mann gleichgestellt ist. Man wollte eine Unterscheidung haben. Man wollte sich abheben können von "andersartigen Lebensformen". Sich besser stellen und der Ehe und damit auch den damit verbundenen Menschen mehr wert zusprechen. Die eingetragene Lebenspartnerschaft im alltäglichen Sprachgebrauch dann durch Homo-Ehe zu ersetzen, empfinde ich persönlich als noch viel ekliger. Homo-Ehe bringt es allen einfach nochmal mit aller Härte vor Augen: Homos sind nicht gleich Heteros. Ja gut. Sind sie auch nicht. Immerhin lieben sie das gleiche Geschlecht und man sollte berechtigterweise als Frau (Mann) immer Angst haben, dass die Lesbe (der Schwule) im Raum einen unwiderstehlich findet und sich aus dem Hinterhalt auf einen stürzt. Das sind ernsthaft Bedenken mit denen man konfrontiert wird! Und es bei weitem nicht so, dass die gleichen Personen Angst davor hätten von einem gegengeschlechtlichen Menschen auf die gleiche Weise bedrängt zu werden. Es ist absurd! Und ich komme vom Thema ab.

Die eingetragene Lebenspartnerschaft oder auch Homo-Ehe ist für mich ein Affront gewesen. Ähnlich einer Situation an der ein umfangreiches Festessen stattfindet, und das Personal darf die Reste essen. Natürlich freut sich auch das Personal, dass es heute leckere und aussergewöhnliche Häppchen verputzen darf. Natürlich ist auch der Akt der Verpartnerung ein schönes Ereignis, das besonders gewürdigt und gefeiert wird. Es setzt ein Zeichen, dass zwei Menschen sich aufeinander festlegen, füreinander da sein und sorgen wollen. Aber sie sind in ihrer Partnerschaft nicht gleichgestellt. Und das gibt mir persönlich den widerwärtigen Beigeschmack von Menschen zweiter Klasse. Das hält Grenzen und Ängste im Kopf aufrecht, die dort nicht sein müssten.

Und nun bin ich erstaunt… oder irritiert… dass ein Mann mit einer einzelnen Frage (und einer Antwort, deren Sinn und Inhalt ich auch nach mehrmaligem lesen nicht erschließen konnte) zu einer raschen Diskussion und noch rascheren Abstimmung geführt hat. Der Mann selbst sei übrigens tatsächlich enttäuscht, dass die konservative Kanzlerin gegen den Einbezug homosexueller Paare in die Ehe gestimmt hat. Kopfschütteln meinerseits und die Frage: Was genau erwartet man von einer konservativen CDU Politikerin? Naja. Nicht mein Problem. Ich freue mich. Alle Verpartnerten, in einer Homo-Ehe befindlichen Paare können in ein paar Monaten aufs nächstgelegene Amt gehen und sich in eine Ehe umtragen lassen. Niemand kann sich dann mehr neu verpartnern lassen. Alle dürfen heiraten. Ein bisschen spät, aber es ist ja auch bisschen müßig sich jetzt darüber aufzuregen. Und dann verschwinden hoffentlich bald die unsäglichen Begriffe Homo-Ehe und eingetragene Lebenspartnerschaft.

Und wir sind alle ganz normale Menschen.

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Letztens beim Fernsehen

nashorn

Nachdem ich mich knapp ein Jahr für Tickets beworben hatte, hat es dann unerwartet geklappt. Ich durfte zwei Tickets fürs Neo Magazin Royale erwerben.

Und so fuhr ich Anfang Juni mit einer Freundin nach Köln und hatte interessante Einblicke wie so eine Fernsehshow abläuft. Und wir hatten Glück an diesem Drehtag. Die Zeit des Einlasses kam und verging und wir standen immer noch draussen im Regen. Es täte ihnen sehr leid, aber heute würden die Proben etwas länger dauern. Und dann durfte sich jeder aus dem Einkaufswagen mit dem sie die wartende Reihe abliefen ein Bier (oder auch was alkoholfreies) nehmen. Und dann das übliche: Taschencheck, Kartencheck, Armbändchen drum. Ab zur Fotobox… dumme Gesichter machen. Warten bis zum Einlass. Und dann ab auf den zugewiesenen Sitzplatz.

boehmi

Zweiter Glücksfall an diesem Tag: Mit uns wurden zwei Aufzeichnungen gedreht. Zuerst die Aufzeichnung für die folgende Woche und im Anschluss die Folge für den folgenden Tag. Aus einem völligen logischen Grund. Die zweite Aufzeichnung die dann die erste werden sollte, war eine komplette Folge meines Lieblingsteils "Prise is a dancer" wobei das Publikum im Internet gestalkt wird und den Zuschauern dann irgendwelche mehr oder minder peinlichen Dinge präsentiert werden. Beim Einspieler verschwanden so einige vor Scham und Angst beinahe unter ihrem Sitz. Mir blieb die TV-Präsenz erspart. Und überhaupt konnte ich mich neben dem Mischpult ganz gut verstecken. Selbst als der Kerl direkt vor mir im Scheinwerferlicht war.

Und hätten wir mehr Zeit und weniger Arbeit am nächsten Tag gehabt, wären wir noch in den Genuss eines spontanen Gratiskonzerts von Kraftklub gekommen. War aber leider nicht. Aber geil wars trotzdem und hingehen würd ich auch nochmal. Auch wenn ich ich kein Freibier bekommen würde.

Wer nun das Spiel: Wo ist kampfkeks? spielen möchte, dem seien diese beiden Folgen des Neo Magazin Royale verwiesen:
1)
NEO MAGAZIN ROYALE mit Jan Böhmermann vom 8. Juni 2017
2)
NEO MAGAZIN ROYALE mit Jan Böhmermann vom 15. Juni 2017


neoplakat
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Boulderglück.

bouldern

Wer mich kennt, oder seit geraumer Zeit fleißig hier im Blog liest, der hat auch mitbekommen, dass ich vor 2 Jahren beim Bouldern in der Halle von der Wand gefallen bin. Nachdem ich allen erzählt habe wie sicher und ungefährlich Bouldern sei, weil ja unten überall Weichbodenmatten lägen. Ja nun. Da lag ich dann. Auf dieser Matte. Auf der ich beim aufkommen umgeknickt bin. Es war ziemlich was kaputt und ich habe erst nach 6 Monaten wieder langsam mit dem Laufsport angefangen. Richtig gut ging es dem Fuß aber immer noch nicht. Dieses Jahr im Februar gab es daher noch einen arthoroskopischen Eingriff um einen damals entstandenen Knorpelschaden zu beheben. Ich durfte also wieder ein paar Monate keinen Sport machen. Sobald ich die Krücken los war und beim spazieren sicher war, ging es erstmal wieder ab aufs Rad. Das hat gut geklappt. Als nächsten Schritt meldete ich mich im Fitnessstudio an. Das klappt auch ganz gut. Bevor ich aber mit dem Lauftraining anfange muss der Fuß noch stabiler werden.

Und so wagte ich mich diese Woche seit langer Zeit wieder an die Wand. Ich war ziemlich ängstlich. Meine Boulderpartnerin stellte auch fest, dass ich viel mehr mit den Armen klettere. Ich traue mich nicht richtig auf meine Füße zu stellen. Ich könnte ja wieder abrutschen. Und so hab ich einige Routen nicht hinbekommen, weil mein Kopf nicht mitgemacht hat. Geschafft hätte ich die sicherlich. Aber wenn der Kopf nicht will, wird es echt schwierig. Das Motto für diesen ersten Testlauf war aber auch, ein positives Erlebnis zu schaffen. Also setzte ich mich nicht unter Druck. Was ich schaffte, sollte ich schaffen. Und der Rest soll halt jetzt noch nicht sein.

Ich hatte jede Menge Spaß an diesem Mittag und bin mit einem sehr guten Gefühl dort weg gefahren. Einem Gefühl, dass ich wieder einen Schritt zur vollständigen Genesung voran gekommen bin. Einem Gefühl, dass ich immer noch bouldern kann und immer noch etwas schaffe. Ich bin schlichtweg sehr glücklich, dass ich wieder klettern kann. Denn zwischenzeitlich hatte ich auch große Angst, dass ich das an den Nagel hängen muss. Ebenso wie ich immer noch Angst habe, dass ich den Laufsport vielleicht an den Nagel hängen muss und auch mit Parkour nicht mehr anfangen kann. Aber selbst wenn das so sein sollte: Es bliebe mir dann immerhin das Bouldern. Und das ist doch schwer erleichternd. Da ist es auch nur ein sehr kleiner Wermutstropfen, dass ich 2015 so gut im Training war, dass ich sogar mal eine blaue Route geschafft habe und die grünen eigentlich meist machbar waren und jetzt hab ich wieder mit den grünen zu kämpfen. (Für Unwissende: gelb und weiß sind leichte Routen, grün dann schon anspruchsvoller, blau schwerer und dahinter kommt noch rot und schwarz und vielleicht auch andere Farben, die ich vergessen habe).

Bouldern macht nicht nur mich glücklich, sonder wirkt auch antidepressiv. Das haben Forscher in Erlangen untersucht und festgestellt. Die wichtigsten Eckpunkte und Ergebnisse der Untersuchung sind hier schön zusammengefasst: http://ze.tt/wie-bouldern-gegen-depressionen-helfen-kann/. Quintessenz der Untersuchung ist, dass Bouldern soziale Interaktion stärkt, dass sich auf das Problem fokussiert wird und damit der eigene Grübelkreislauf unterbrochen ist und dass man schnell Erfolge erzielen kann und eine positive Rückmeldung für die Selbstwirksamkeit erhält. All dies sind Aspekte die man quasi sofort selbst erleben kann, wenn man sich einem Boulder stellt.

Lange Rede kurzer Sinn: Ich bin verdammt glücklich, dass ich wieder bouldern kann! Und ich kann jedem nur empfehlen, das mal auszuprobieren.

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Eine Schifffahrt die ist lustig.

Zuerst ein Foto von oben.

Panorama

Dann ein paar Fotos von unten.

Elphi

Dock10

CapeMaria

Cosco
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Motivation, Volition was weiß ich schon?

Motivation, Volition, Intention, Appetenz und Bedürfnisse sind psychologische Konstrukte die - je nach dem wie schlau man im Gespräch wirken will - auch in der allgemeinen Bevölkerung gegenwärtig sind. In Selbstoptimierungsblogs, Lebensratgebern, Fitnessblogs und sonst welchen Beiträgen die sich mit Zielerreichung beschäftigen finden sich diese Konstrukte. Das psychologische Konstrukt ist jeweils das, was der Begriff versucht auszudrücken.

Manche Leute sind erstaunt wie ich meinen Job, das Studium, den Sport und mein Privatleben unter einen Hut bringe und dabei noch Zeit habe mich zu langweilen. So richtig genau kann ich das aus dem Stegreif selten beantworten. Ich mache das jetzt schon seit einigen Jahren und es funktioniert. In der Schulzeit war das allerdings nicht absehbar. Da war ich eher so ein Underachiever. Aus Desinteresse und Langeweile. Weil ich nicht wusste was ich mit Kurvendiskussion anfangen sollte. Weil ich andere (private) Dinge wichtiger fand. Weil mir niemand den Sinn und Zweck erklären konnte. Ich wusste nur, dass es sinnvoll ist sein Abitur zu machen, weil einem dann viele Möglichkeiten offen stehen. Auch in der Ausbildung habe ich noch bei weitem nicht das Engagement gezeigt, dass ich angefangen hatte an den Tag zu legen, sobald ich mit dem Fernstudium angefangen hatte. Und zu dem Zeitpunkt habe ich eben schon in meinem Ausbildungsberuf gearbeitet. Es hat sich so ergeben neben dem Job zu studieren. Es war bequem für mich. Ich war finanziell unabhängig und das Studium und das lernen war wie eine Art Hobby.

Grund dafür sind diverse Bedürfnisse (wie Selbstverwirklichung oder Wissbegierde) aus denen sich eine Motivation entwickelt. Die Motivation wirkt aktivierend im Hinblick auf eine Zielerreichung (Psychologin sein). Durch Intentionen richte ich mein Handeln auf dieses Ziel aus und die Polition unterstützt als Prozess der Willensbildung eben diese Zielerreichung. Zu wissen welches Ziel man erreichen will.

Also im Grunde ist es ganz einfach wie ich das mache: Ich habe verschiedene Ziele die mir nicht aufoktroyiert wurden, sondern die ich selbst - intrinsisch - aufgestellt habe. Die Motivation kommt von mir selbst und ich weiß wofür ich es tue. Es war meine Entscheidung. Es ist meine Entscheidung, dass ich bestimmte sportliche Ziele erreichen will. Also nehme ich mir die Zeit für den Sport. Es ist meine Entscheidung, dass ich Psychologin werden möchte. Also lerne ich. Es ist nicht ganz meine Entscheidung, dass ich für ein finanzielles Einkommen arbeiten muss, aber ich tue es, weil ich soweit wie möglich unabhängig sein möchte. Also arbeite ich gerade so viel wie ich mit den anderen Lebensbereichen vereinbaren kann.

Man sagt auch, dass dort wo ein Wille, auch ein Weg sei. Und dabei geht es nicht darum mit dem Kopf durch die Wand zu wollen und seinen Willen wie ein kleines trotziges Kind durchzusetzen. Dabei geht es darum, dass man sich im Leben Ziele setzt und diese auch erreichen kann wenn man den entsprechenden Einsatz dafür zeigt und bereit ist zu arbeiten. Natürlich funktioniert das nur bei realistischen und erreichbaren Zielen. Aber man darf sich schon auch selbst ein wenig fordern. Und dann sind wir am Ende doch wieder bei der Selbstoptimierung, bei der Idee eine bessere Version von sich selbst zu werden. Sich zu fragen: Was kann ich gut, was will ich besser können und wie kann ich das erreichen. Und warum überhaupt? Wenn dir für das warum keine gute Antwort einfällt, dann ist es vielleicht nicht das richtige Ziel.

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