Leistungsvergleich

"Ich muss die Leistung ja auch immer mit der Leistung der anderen vergleichen."

Mir ist absolut klar, dass Leistungsbewertung immer immer immer eine subjektive Note hat. Ausser man macht harte Multiple Choice Fragen bei denen nur die richtige Antwort zählt. Aber selbst da liegt es manchmal im Auge des Betrachters ob eine der Antworten als korrekt gewertet werden sollte, weil man die Antwortmöglichkeit anders auffasst, als vom Verfasser intendiert. Es gilt sicherlich auch: Je freier die Prüfungsmethode, desto subjektiver. Der absolute Höhepunkt subjektiver Bewertung sind mündliche Prüfungen.

Damit die Bewertung einer Prüfung möglichst objektiv von Statten geht, gibt es Lösungsschemata oder Bewertungsbögen oder ähnliches. Also auch für mündliche Prüfungen gibt es Schemata nach denen eingeteilt werden kann, ob der Prüfling den Stoff nicht gewusst, in erwartbarer Weise gewusst oder gar die Erwartungen übertroffen hat, weil er Dinge über der Lehrinhalte hinaus auch gewusst hat. Es gibt also durchaus die Möglichkeit eine einzelne Person einigermaßen unabhängig von anderen Personen zu bewerten. Das die Leistung des Vorgängers einen Einfluss auf die Bewertung des Nachfolgenden hat, lässt sich sicherlich weder leugnen, noch ganz abstellen. Aber man kann sich ja wenigstens bemühen.

Meiner Auffassung von Leistungsbewertung nach geht es jedoch darum ob ein Prüfling bestimmte Kriterien erreicht, welche die Vergabe einer vorgegebenen Punktzahl bestimmen. Nicht jedoch der Vergleich mit anderen Prüflingen. Denn das wäre ein Wettkampf mit dem Ziel: Möge der oder die Bessere gewinnen.

Und diese ständige (ungefragte) Konkurrenz mit anderen Menschen macht mich wütend. Wütend, weil sie ungerecht gegenüber allen ist. Ich will - wenn überhaupt - nur mit mir selbst in Konkurrenz stehen. Denn schließlich ist das schon anstrengend genug. Aber solange ich mich nicht freiwillig für einen Wettkampf anmelde, möchte ich auch an keinem teilnehmen. In der Universität werde ich aber in den Wettkampf gezwungen, wenn ich nicht gerade eine klassischen schriftliche Prüfung schreibe. Es ist brutal gemein wenn die Ersten einer Vortragsreihe entweder einen Vorteil haben, weil sie ja die Ersten sind, oder aber einen Nachteil haben, weil die Nachfolgenden um Welten bessere Vorträge abliefern, obwohl der erste Vortrag auch gut war.

Also nein: Es ist nicht okay die Leistung einer mündlichen Prüfung mit der Leistung von anderen zu vergleichen. Die Leistung soll daran gemessen werden was der Prüfer unterrichtet hat und was der Prüfling wissen sollte. Nicht daran was die anderen gewusst haben.

Sollte ich jemals in die Position der Prüferin kommen, hoffe ich inständig das ich es besser mache.

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Wichtig sein.

Um mal eine wilde Hypothese in den Raum zu werfen: Jeder Mensch will wichtig sein. Beziehungsweise: Jeder Mensch will von mindestens einem anderen Menschen das Gefühl bekommen wichtig zu sein. Eventuell sogar die Wichtigste Person in dessen Leben. Nicht umsonst läuft die Mehrzahl der Menschen der seriellen Monogamie hinterher. Immer in der Hoffnung der nächste Partner oder die nächste Partnerin gibt einem das was einem zuletzt gefehlt hat. Neben diversen anderen Attributen ist es am Ende doch meist das Bestreben nach diesem Gefühl, der Faktor der uns in unseren Beziehungen leitet. Von dem auch abhängig ist ob uns in der Beziehung was fehlt, oder ob wir eigentlich ganz zufrieden sind so wie es gerade ist.

Dabei ist es ja keineswegs so einfach, dass jeder Mensch das gleiche braucht um sich wichtig und geliebt zu fühlen. Wenn es so wäre, wäre es sicherlich wesentlich einfacher. Aber nein. Wir haben alle unsere ganz eigenen Wünsche und Vorstellungen. Und nur weil man selbst viel daraus schöpfen kann, wenn einem vielleicht alle paar Tage mal der Kopf gekrault wird, heißt das ja noch lange nicht, das das bei meinem Gegenüber, mit dem ich versuche eine zufriedenstellende und kraftschöpfende Beziehung zu führen, genau so ist. Denn der oder die braucht vielleicht etwas ganz anderes um sich gesehen zu fühlen. Unserem Gegenüber ist es vielleicht wichtig jeden Abend eine liebevolle Gute-Nacht-SMS zu bekommen. Oder unerwartet auch mal ein Blümchen oder wasauchimmer. Dinge, die uns selbst vielleicht gar nicht so wichtig sind. Dinge auf die wir genau deshalb gar nicht so schnell kommen.

So verschieden wir in unseren Bedürfnissen aber auch sind, so wollen wir alle unser kleines süßes Größenselbst gefüttert sehen. Wir alle freuen uns ein Loch in den Bauch wenn wir von irgendwem für etwas gelobt werden. Und je wichtiger uns der Erfolg war, desto schöner und wirksamer das Lob und die Anerkennung. Aber eigentlich ist das allerbeste immer noch einfach für das geliebt zu werden was man ist. Ohne dass man dafür erst was leisten müsse. Aber die Art uns Weise auf die Liebe gezeigt wird, wie jemand einer anderen Person zeigt, dass ihm oder ihr diese wichtig ist, das unterscheidet sich. Genau wie die Bedürfnisse. Und manchmal sprechen die Leute unterschiedliche Sprachen. Günstig wärs hier also wohl, wenn man sich hier zusammensetzen und darüber reden würde. Beschreiben würde, was man sich selbst wünscht und erläutern würde wie man selbst Liebe zeigt. Und im Besten Fall kommt man dann zusammen.

Manch einer bekommt im Verlauf seiner Beziehung aber auch das Gefühl, dass er/sie immer wieder sagt und äußert was ihm/ihr wichtig ist und das dann aber trotzdem nichts passiert. Das führt auf die Dauer fast zwangsläufig zu Unzufriedenheit. Wie man damit nun umgeht? Gute Frage. Auch hier hat jeder wieder seine eigene Taktik. Manch einer wartet ab. Das kann gut sein wenn es nur so eine Phase ist, die wieder vorübergeht. Vielleicht hat man selbst gerade Stress und kann gar nicht sehen was die Partnerin gerade für einen selbst alles macht. Vielleicht hat der Partner aber auch gerade Stress. Vielleicht bemüht sich der Partner aber auch tatsächlich nicht (warum auch immer). Hier macht es wahrscheinlich wenig Sinn abzuwarten. Man kann natürlich versuchen nochmals das Gespräch zu suchen, aber irgendwann ist diese Möglichkeit ja auch erschöpft. Also sollte man sich fragen ob man dort bleiben will. Oder man überlegt sich, ob einem diese Gesten wirklich so wichtig sind. Versucht die Perspektive oder den Ausgangspunkt zu wechseln. Eventuell findet man eine Ebene bei der man für sich selbst entscheiden kann: So ist es eigentlich gut. Und meine Partnerin kann halt nicht anders und ich mag sie ja trotzdem ganz gern.

Niemand kann einem sagen wie man sich entscheiden soll. Wie man mit nicht erfüllten Bedürfnissen in der Partnerschaft umgehen soll. Was man aber tun kann ist sich möglichst viele Modelle und Ideen zu einem Problem anzuhören. Denn vielleicht ist irgendwann etwas dabei, womit man was anfangen kann. Und je mehr Modelle man hat, desto mehr kann man ausprobieren. Und dann sieht man plötzlich doch, dass die Partnerin einem eigentlich sehr viel Liebe schenkt und man ihr wichtig ist, aber eben auf ihre eigene Art und Weise.

Und wenn das alles nicht klappt können wir uns immer noch einen Hund kaufen um ihn zu hegen, zu pflegen und mit ihm zu spielen. Dem wir regelmäßig Fressen geben und der uns dann für immer anhimmeln wird. Und genau das wollen wir doch, oder?

Wer sich übrigens fragt, ob und wie er/sie seine Beziehung retten kann oder wer vielleicht eine Idee davon kriegen möchte, warum es letzten Ende doch nicht geklappt hat, der kann gerne diesem Link hier folgen: http://www.liebeskummer.org/liebeskummer-phasen/beziehung_retten/

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#notjustsad Kids Edition

Auch Kinder können Depressionen haben!

Nachdem lange Zeit die Auffassung herrschte, dass Kinder keine Depressionen entwickeln könnten und die Abgrenzung zu einer Angstsymptomatik überdies nur schwer gelingt, weiß man heute, dass ein Großteil der depressiven Erkrankungen im Erwachsenenalter ihren Ursprung im Kindes- und Jugendalter haben.

Während Depressionen früher nach dem sogenannten Kielholzschema in psychogene, endogene und somatogene Ursachen unterschieden wurden, findet die Ätiologie im ICD heute eigentlich keine Berücksichtigung mehr. Im ICD wird ganz grundsätzlich unterschieden zwischen chronischen Depressionen und (rezidivierend auftretenden) depressiven Episoden. Nach den ICD-Kritieren leiden depressive Personen zumeist unter gedrückter Stimmung, Interessenverlust, Freudlosigkeit und Antriebsminderung. Bei Kindern liegt jedoch statt eines depressiven Affektes oft auch eine reizbare Stimmung mit aggressiven Durchbrüchen vor. Und die bei Erwachsenen auftretende Gewichtsabnahme, kann bei Kindern durch ein Ausbleiben der erwarteten Gewichtszunahme gekennzeichnet sein. Eine Klassifikation depressiver Störungen im Kindes- und Jugendalter existiert jedoch weder im ICD noch im DSM. Neben den klassisch depressiven Diagnosen finden im Kindes- und Jugendalter auch die kombinierte Störung des Sozialverhaltens und der Emotionen oder depressive Symptome im Kontext traumatischer Erfahrungen Anwendung.

Eine Depression zeigt sich bei Kleinkindern durch häufiges Weinen, Ess- und Schlafstörungen, sowie Ausdrucksarmut und Spielunlust. Bei Vorschulkindern herrscht oft Traurigkeit und Ängstlichkeit, aber auch Aggressionen vor. Auch Appetitlosigkeit und Schlafstörungen kommen vor. Im Schulalter kommen zur Traurigkeit Schlafstörungen und Appetitlosigkeit, Zukunftsängste und Suizidideen hinzu. Jugendliche leiden unter Selbstzweifeln, Konzentrationsstörungen, labiler Stimmung und Suizidalität. Häufig wirken sie auch apathisch.

Eine Depression ist mehr als nur Traurigkeit und lässt sich von Trauer anhand des auslösenden Verlusterlebnisses abgrenzen. Im Zweifelsfall kann man Zeitkriterien hinzuziehen. Eine Trauerreaktion ist in der Regel nach 4-6 Monaten abgeklungen. Trauerende Kinder und Jugendliche trauern um das was sie verloren haben, depressive Patienten hingegen hängen dem nach was sie nicht bekommen haben.

Ausgangspunkt für die Entwicklung depressiver Störungen sind dabei auf der einen Seite eine genetisch determinierte Vulnerabilität (sprich: eine Empfänglichkeit für depressive Erkrankungen) und auf der anderen Seite defizitäre Erlebnisse und psychosoziale Umstände die sich gegenseitig beeinflussen. Mit der spezifischen Vulnerabilität wird in psychodynamischen Ansätzen eine Art Urverstimmung durch Enttäuschung an frühen Objekten verstanden, aus denen heraus eine orale Fixierung und ein abgewehrter depressive Konflikt entstehen kann. Dabei führen phantasierte (aber auch reale) familiäre Konstellationen mit emotionaler Unterversorgung zum Erleben von Unversorgtheit und autoaggressiver Wendung gegen das Selbst. Es lassen sich zwei depressive Grundkonflikte unterscheiden:

- medialer depressiver Grundkonflikt: Das zu früh verlassene oder wenig geförderte Selbst fühlt sich schutzlos, verletzlich, ausgeliefert und bedroht. Das frühe gute Objekt wird in seiner medialen Gestalt herbeigesehnt, weil dies Ruhe und Entlastung verspricht.
- objektaler depressiver Grundkonflikt: Führt zu einem Selbsterleben in dem alles leer, unlebendig und unwertig wahrgenommen wird.

Der depressive Grundkonflikt kann dabei auf unterschiedliche Art und Weise verarbeitet werden: Altruistisch, narzisstisch, schizoid oder oral-regressiv. Der operationalisierten psychodynamischen Diagnostik folgend bestehen bei depressiven Störungen Probleme auf der Beziehungsachse mit Konflikten zwischen Abhängigkeit vs. Autonomie und Versorgung vs. Autarkie aber auch Selbstwertkonflikte.

Im Hinblick auf die Behandlung ist eine Schweregradeinteilung von Bedeutung. Bei schweren Depressionen ist auch bei Kindern ab 12 oder 14 Jahren eine medikamentöse Behandlung sinnvoll. Ein Behandlungsziel besteht darin, aus der Depression Trauer werden zu lassen. Die Idee dabei ist, dass durch Trauer eine Vernarbung und letzen Endes eine Heilung möglich ist. Der Patient soll erfahren, dass es Möglichkeiten gibt, das Erlebte bzw. den Verlust hinter sich zu lassen. In der Therapie gilt es somit ein gutes Maß an Konfrontation und Unterstützung zu finden.

Im Verlauf der Depression kann sich eine Krise im Sinne akuter Suizidalität entwickeln. Im ambulanten Setting muss festgestellt werden ob eine akute Lebensbedrohung vorliegt und ob der Patient weiterhin ambulant betreut werden kann, oder ob ein geschütztes stationäres Setting notwendig ist. Suizid ist eine ernstzunehmende Bedrohung im Jugendalter, so stellt Suizid nach Verkehrsunfällen die zweithäufigste Todesursache in dieser Altersgruppe dar. Aus psychodynamischer Sicht stellt der Suizid die letzte Konsequenz einer depressiven Reaktion dar. Letzten Endes geht es dabei um die Zerstörung des verloren geglaubten (geliebten) Objektes, aber auch um die Rettung einer Objektbeziehung.

Bei der Behandlung und Einschätzung von Suizidalität sollte man sich tunlichst davor hüten zwischen demonstrativen und echten Suizidimpulsen zu unterscheiden. Jede Suizidankündigung, jeder Gedanke und jeder Impuls in diese Richtung muss ernst genommen werden. Wichtig bei der Einschätzung der akuten Lebensbedrohung ist die Einschätzung der Absprache- und Vertragsfähigkeit der Patienten. Die Abschätzung welche Ressourcen ihm zur Verfügung stehen und wie konkret die Pläne des Patienten sind. Aber auch die Einschätzung wie sehr man auf das Wort des Kindes oder Jugendlichen vertrauen kann, dass er sich in einem definierten Zeitraum nichts antut. Besonders beim Thema Suizidalität ist eine differenzierte und möglichst umfassende Dokumentation wichtig.

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Akutpsychiatrie.

Hinweis vorab: Eine niederschwellige und gut erreichbare psychiatrische Versorgung halte ich für absolut wichtig und brandaktuell. Ich habe auch immer gern mit psychisch kranken Menschen gearbeitet und tue das immer noch gern.

Ich arbeite nun schon einige Jahre in der Psychiatrie. Lange habe ich (bis auf wenige Aushilfstage) auf einer Station für Jugendliche und junge Erwachsene gearbeitet. Die Station verfolgte eine Art integratives Konzept bei dem akutpsychiatrische mit nicht-akutpsychiatrischen Patienten gemeinsam zusammen behandelt werden sollten. Mit ein paar Monaten Abstand zu diesem Konzept, sehe ich diesen Versuch kritisch. Wir haben dort versucht betreuungsintensive Jugendliche, die nicht selten eine engmaschige Betreuung (Kontakt alle 15 Minuten) oder sogar eine 1:1 (dauerhafte Betreuung durch examiniertes Personal) benötigten, mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu behandeln die ebenfalls einen gewissen Betreuungbedarf hatten. Dabei denke ich, dass diese Idee im Grunde funktionieren kann. Sofern ausreichend Personal vor Ort ist, dass entsprechend gut ausgebildet ist. Leider konnte ich über die Jahre zusehen, wie das Personal immer weniger wurde und die Patienten (subjektiv) immer kränker. Die Phasen in denen man mit einer Gruppe Patienten mal Aktivitäten wie Tischkicker oder Basketball durchführen konnte, wurden immer seltener. Denn wie soll gute Pflege funktionieren wenn da zwar drei Pflegekräfte im Dienst sind. Eine davon aber in einer 1:1 Betreuung sitzt, oder eben alle 15 Minuten nach einem Patienten sehen muss, der zweite ein intensives Pflegegespräch mit einem Patienten führt und der Dritte dann für die 16 anderen Patienten zuständig ist, aber eigentlich zur Visite mit muss. Was passiert dann mit den Bedürfnissen dieser 16 Patienten? klar, dass intensive Gespräch von Nummer 2 ist auch irgendwann vorbei. Aber dann steht schon der nächste Patient bereit.

Das größte Problem dabei: Oft war man gar nicht zu dritt, sondern nur zu zweit, weil der Krankenstand mit der zunehmenden Belastung anstieg. Dann gab es glücklicherweise oft noch Pflegeschüler, FSJ, die Teamassistentin oder auch mal Aushilfen von anderen Stationen. Ohne all diese Helfer wäre das System der psychiatrischen Pflege oft genug zusammengebrochen.

Die Überforderung und Unzufriedenheit lag oft genug spürbar in der Luft. Und wir alle waren uns bewusst, dass wir dem eigentlichen Klientel - unseren Patienten - mit so einer Pflege nicht gerecht werden können. Denn es bleibt gar nicht genug Zeit für alle. Von 7,7h Arbeitszeit geht sicherlich eine Stunde für die Pflegerische Übergabe drauf. Weitere 20-30 Minuten für die Übergabe an die Ärzte. Falls Visite ist: Je 1h für 2 Mitarbeiter. Für eine Aufnahme: Minimum 1h. Dokumentation: sicherlich 45 Minuten. Medikamente richten, kontrollieren, verabreichen: 45-60 Minuten. Weitere kleine Tätigkeiten (Essen austeilen, Betten machen, Botengänge), die nichts mit Patientenkontakt zu tun haben: 60 Minuten. Auf dem Papier bleiben also ca. 3h für reine Patientenkontakte. Drei Stunden für 8-10 Patienten und die Anleitung von Schülern, die ja noch irgendwie nebenbei laufen soll. Aus einer psychotherapeutisch ausgerichteten Station mag es möglich sein mit dieser Zeit zurecht zu kommen. Auf einer akut-psychiatrischen Station reicht das oft genug nicht aus. Denn eine Krisenintervention oder Deeskalation interessiert sich nicht dafür, dass du eigentlich nur 15-20 Minuten pro Patient Zeit hast. Auch nicht berücksichtigt sind hier Kontakte mit Eltern die man in dieser Altersgruppe notwendigerweise hat. Oft genug muss man auch hier Informationen geben und auch Beistand leisten.

Man konnte gar nicht allen Patienten gerecht werden.Häufig musste man abwägend welches Problem nun gerade dringlicher war und da gingen vor allem die stilleren schnell unter. Und das war frustrierend.

Jetzt arbeite ich in einer anderen Klinik. Mache dort nur Nachtdienst und helfe dort aus wo ich gebraucht werde. Hin und wieder auch auf einer geschützten Station für Erwachsene. Und dort lässt sich ein ähnliches erahnen. In manchen Nächten ist dort nur eine festangestellte examinierte Kraft und 2 Aushilfskräfte. Mit etwas Glück haben die auch Examen und mit etwas mehr Glück Erfahrung in der Psychiatrie. Fakt ist aber: Die Verantwortung für 30 kranke Menschen bleibt an einer Person hängen. So kann Akut-Psychiatrie in meinen Augen nicht funktionieren.

Aber eigentlich fängt es schon in der Ausbildung an. Dort versucht man den Pflegeschülern ein möglichst umfassendes Bild der Pflegetätigkeit zu geben. Psychiatrische Pflege kommt dabei meist zu kurz. Und so wird man beim Berufsstart ins kalte Wasser gekippt. Soll auf einmal wissen wie man mit eigen- oder fremdaggressiven Menschen umgehen soll. Soll wissen wie man mit seiner eigenen Angst in dieser Situation umgehen soll. Was hier helfen kann ist eine fundierte Ausbildung bevor man in der Akutpsychiatrie durchstartet. Gut wäre Deeskalationstraining schon im Rahmen der Ausbildung. Schon allein weil gefährliche Situation die kurz davor stehen zu eskalieren nicht nur in der Psychiatrie vorkommen, sondern eigentlich in allen Pflegebereichen möglich sind. Und es braucht definitiv einen besseren Personalschlüssel. Dann macht die Arbeit auch wieder Spaß. Dann hat man wieder Zeit für die Patienten und muss weniger Angst haben, denn es sind ja noch genug erfahrene und geschulte Kollegen da.

Und all das ist sehr schade: Denn wir brauchen gute Psychiatrien. Wir brauchen Orte die von Menschen in Krisen angelaufen werden können, in denen diese Leute Halt finden können. Mein Beitrag soll niemanden abschrecken sich in einer Krise an die nächstgelegene psychiatrische Ambulanz oder Notaufnahme zu wenden. Denn die Aktupsychiatrie ist auch immer eine Chance schnell Hilfe zu bekommen und zügig einen stationären Therapieplatz zu bekommen.

Wer Hilfe sucht sollte sie bekommen. Und wer nicht weiß wo, kann hier anfangen: http://www.telefonseelsorge.de


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Elbstrand

Besser Elbsstrand, als gar kein Strand. Und ganz eigentlich mag ich die Hafenkulisse ja auch ganz gern.

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Interkulturelle Psychotherapie

Hinter mir liegt ein Wahlmodul, dass ich mir auf vielen Dimensionen ganz ganz anders vorgestellt habe. Als ich mich für das Modul Interkulturelle Psychotherapie eingeschrieben habe, habe ich erwartet etwas über verschiedene Kulturen zu lernen. Über den Umgang mit psychischen Erkrankungen in anderen Kulturen. Welche Unterschiede liegen zwischen individualistischen und kollektivistischen Kulturen. Treten bestimmte psychische Erkrankungen in anderen Kulturen häufiger auf und wenn ja: warum? Und warum gibt es in verschiedenen Kulturen Erkrankungen die in dieser Form eigentlich nur dort auftreten?

Was ich bekomme habe waren nette Kennenlernen- und Einstiegsspielchen mit einem inhaltlichen Niveau dass die Projektwoche zu Jugendkulturen in der neunten Klasse eigentlich kaum überstiegen hat. Man brachte uns recht zügig nahe, dass es keinen Sinn mache Unterschiede in Kulturen aufzuzeigen, sondern das man herausarbeiten wolle mit welcher therapeutischen Haltung man Patienten mit (vor allem) Migrationshintergrund begegnen würde. In welchem Punkt das nun über die allgemeine emphatische, wertschätzende und authentische Haltung hinausgeht, hab ich jetzt aber immer noch nicht verstanden. Ausser vielleicht das man noch in einem viel größeren Ausmaß seine eigene Unsicherheit und Unwissenheit aushalten müsse, da man ja unmöglich über alle Kulturen Bescheid wissen kann. Mit einem geringen inhaltlichen Niveau hätte ich ja aber eigentlich auch gut leben können. Gerade nach dem letzten Semester kommt mir so ein bisschen Urlaub fürs Hirn gerade recht.

Viel erschrockener war ich ja über den Umgang der Dozenten mit uns. Wir hatten teilweise angeregte und interessante Diskussionen in der Gruppe. Diskussionen nach denen dann und wann einzelne Studierende rausgepickt wurden um sie für ihr (aus Sicht der Dozenten unangebrachtes) Verhalten zu tadeln. Seitens der anderen Teilnehmer traf diese Intervention eher auf Unverständnis.

Ganz besonders gefreut haben wir uns dann aber, als uns eröffnet wurde, dass wir binnen eines Wochenendes und einer Woche (Zeitraum 2 Wochen) eine kleine Studie durchführen sollten. Und jeder der bei Frau Prof. Dr. Sehrambitioniert das Seminar Forschungsmethodik hatte, kriegt bei solchen Worten Herz-Rhythmus-Störungen. Darüber sollten wir in Kleingruppen am Ende eine Präsentation halten.

Was dabei heraus kommt, wenn man solch ein Studienvorhaben in so kurzer Zeit neben dem restlichen Alltagsbetrieb nebenher macht kann man sich vermutlich denken. Gute Forschung sieht vermutlich anders aus.

Aber um mal was gutes zu sagen: Immerhin hab ich ein weiteres Modul und eine weitere Prüfung hinter mich gebracht und das Semester wird zunehmend entspannter.

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Essstörungen.

Ich hab ja letztens irgendwann behauptet, ich würde in unregelmäßigen Abständen Artikel zu ausgewählten psychischen Erkrankungen hier einstellen. Heute ist es mal wieder soweit.

Thematisch möchte ich heute einen kurzen Überblick über die heterogene Welt der Essstörungen geben. Aus einem einfachen (und persönlichen) Grund: Am Donnerstag schreibe ich eine Klausur, die unter anderem dieses Themengebiet abdeckt und was soll ich sagen…. Ich esse zwar gern, aber Essstörungen sind wirklich nicht mein Lieblingsthema. Folglich kann ich mir alles was dazu gehört nur schlecht merken. Irgendwie finde ich nur schwer einen Bezug dazu, obwohl die möglichen Ursachen - sodann man sie aus einem psychodynamischen Blickwinkel betrachtet - durchaus logisch und nachvollziehbar sind.

Zunächst die Frage: Welche Arten von Essstörungen kann man unterscheiden (bzw. welche werden hier im Folgenden unterschieden? Im großen und ganzen sind die relevanten, respektive häufigen, Störungen die Anorexie, die Bulimie und die Binge-Eating-Störung.

Die Anorexie. Genauer gesagt: Anorexia nervosa. Die Betroffenen haben mit einem BMI unter 17,5 ein deutliches Untergewicht, welches sie auf verschiedenen Wegen (Vermeidung hochkalorischer Speisen, selbst herbeigeführtes Erbrechen und/oder Abführen oder auch übermäßige körperliche Aktivität) selbst herbei geführt haben. Im Zentrum steht bei dieser Erkrankung eine sogenannte Körperschemastörung mit der Angst zu dick zu sein, obwohl ein deutliches Untergewicht besteht. Als Folge des restriktiven Essverhaltens und damit einer Mangelernährung mit wichtigen Nährstoffen können pubertäre Entwicklungsschritte verzögert werden, aber auch das Hirn- und Muskelvolumen nimmt ab. Die Patienten selbst klagen häufig über Reizbarkeit, Unruhe und Konzentrationsstörungen, aber auch über Obstipation mit Völlegefühl.

Die Bulimia nervosa (kurz: Bulimie) kann eine mögliche Entwicklung aus der Anorexie heraus sein, aber auch für sich allein auftreten. Im Vordergrund stehen Ängste vor Gewichtszunahme (häufig bei Normalgewicht), welche die Patienten versuchen mit restriktivem Essverhalten in den Griff zu bekommen. Jedoch wird das restriktive Essverhalten durchbrochen von Heißhungerattacken. Diese wiederum führen zu den eben beschriebenen Ängsten vor Gewichtszunahme und Schuldgefühlen, deren Spannung mit selbst herbei geführtem Erbrechen gelöst wird. Der Tagesablauf der Betroffenen ist dabei geprägt von Gedanken an Essen und Essanfälle werden erst dann unterbrochen wenn Bauchschmerzen, Erschöpfung oder andere äußere Umstände eintreten.

Die Anorexie und die Bulimie unterscheiden sich nun vor allem darin, dass bei der Anorexie der Wunsch im Vordergrund steht abzunehmen und dies versucht wird mit einem stark kontrollierten (zwanghaft anmutenden) Essverhalten zu erreichen. Bei der Bulimie steht hingegen der Wunsch im Vordergrund nicht zunehmen zu wollen, nachdem durch Heißhungerattacken die Kontrolle verloren wird. Während Patienten mit Bulimie häufig einen großen Leidensdruck angeben, berichten anorektische Patienten eher seltener von einem persönlichen Leidensdruck

Im Rahmen der Binge-Eating Störung kommt es ebenfalls wiederholt zu Heißhungerattacken, wie bei der Bulimia nervosa beschrieben, jedoch werden keine gegenregulierenden Maßnahmen eingeleitet. In der Folge kommt es meist zu (starkem) Übergewicht, bzw. Adipositas. Adipositas meint die übermäßige Vermehrung von Körperfett und lässt sich ab einem BMI von über 30 in verschiedene Schweregrade einteilen. Jedoch zählt die Adipositas nicht zu den psychischen Störungen. Die Binge-Eating Störung jedoch schon.

Ein generelles diagnostisches Problem ist, dass die Häufigkeit bei Männern (auf Grund der Diagnosekriterien die sich vor allem an Frauen ausrichten) unterschätzt wird. Männer zeigen häufig ein anderes Gewichtsideal und zeigen beispielsweise ein pathologisches Verhalten hinsichtlich ihres Muskelaufbaus.

Zu Beginn habe ich den psychodynamischen Blickwinkel angesprochen auf den ich jetzt noch kurz eingehen möchte. Während das restriktive Essverhalten der Anorexie zum einen als Hilferuf nach Liebe, Geborgenheit (kümmer dich um mich! Fütter mich!) und Anerkennung (schau wie diszipliniert ich bin!) kann das restriktive und kontrollierte Essverhalten als Beweis für Kontrolle über den Körper und letzten Endes als Sieg über sich selbst und Sieg über das Mittelmaß interpretiert werden. Letzt genanntes entbehrt nicht einer gewissen narzisstischen Komponente. Beginnt die Essstörung vor Einsetzen oder zu Beginn der Pubertät bleibt die Entwicklung der körperlichen Reife unter Umständen aus bzw. verzögert sich. Dies ist Grund zur Annahme, dass die Betroffenen sich durch die Symptomatik vor den Anforderungen des Erwachsenenlebens, aber auch des Sexuallebens und anderen Leistungsanforderungen, schützen wollen (platt gesagt: Wenn ich nicht zur Frau werde, muss ich keinen Sex haben.). Im Bereich der Adipositas bzw. der Binge-Eating Disorder wird davon ausgegangen, dass bei den Patienten ein depressiver Grundkonflikt (ein Begriff den ich jetzt erstmal nicht weiter erkläre) besteht, der dann oral verarbeitet wird. Das Selbst (bzw. die Person) bekommt vom Objekt (einer andere Person) emotional nicht das was sie braucht. Gewisse emotionale Bedürfnisse werden also nicht befriedigt. Das führt zu einer unsicheren Bindung des Selbst an das Objekt. In der Folge wird - um die innere Stimmungslage zu regulieren und emotionale Bedürfnisse zu befriedigen - alles einverleibt was da ist (Es egal was es ist, Hauptsache es macht satt!).

Das mag sich nun auf den ersten Blick vielleicht etwas konstruiert anhören. Wenn man aber häufiger mit dieser Patientengruppe zu tun hat, kommt man (meiner Meinung nach) nicht umhin anzuerkennen, dass diese psychodynamisch-tiefenpsychologischen Aspekte durchaus ihre Berechtigung haben.

Essstörungen sind ein ernstzunehmendes Problem. Bis zu 20% der Anorexien verlaufen tödlich und nur knapp die Hälfte der Patienten wird wieder gesund. Vor allem die körperlichen Folgeschäden werden dabei zum Problem. Neben Verletzungen im Mund-, Rachen- und Speiseröhrenbereich durch wiederholtes Erbrechen sind vor allem Herz- und Nierenschäden durch Mineral- und Nährstoffmangel hochgefährlich. Nicht zuletzt nimmt durch den Eiweißmangel auch noch die Muskel- und Hirnmasse ab, dies ist jedoch bei Wiederaufnahme eines normalen Essverhaltens reversibel.

Neben diesen Dreien gibt es noch weitere Essstörungen. Vor allem unter dem Etikett "Atypische Essstörungen" wird ein Großteil der Diagnosen vergeben. Das Problem hierbei: Die Diagnose der atypischen Essstörungen fällt unter eine sogenannte Restekategorie. Und für Restekategorien gibt es keine spezifischen Behandlungspläne.

Und nachdem ich das nun alles runtergeschrieben habe, habe ich immerhin festgestellt, dass ich doch gar nicht so wenig über Essstörungen weiß und das für die Klausur eventuell auch ausreichen könnte.

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FAQ FernUni Edition

Weil ich gerade vor Beginn des Wintersemester immer wieder Mails bekomme mit Fragen rund um das Bachelorstudium an der FernUni Hagen, hab ich dafür jetzt mal ein FAQ erstellt, damit ich nicht immer wieder die gleichen Fragen beantworten muss.

Hier gehts lang: http://kampfkeks.net/psychologiestudium/faq/faq.html

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