Strandurlaub.

Am Strand.
Dahin zurück.
Dahin zurück, wo das Leben noch in Ordnung war.
Dahin zurück, wo das Leben immer wieder in Ordnung kommt.

Zurück zu den Wellen.
Wellen, die stetig kommen und gehen.
Mal aufbrausend und kräftig und mal sanft und leise.
Wellen, die all das Alte hinfort spülen und Neues herantragen.

Zurück in den warmen Sand.
Sand, der sich schmeichelnd um deine Füße legt.
Geduldig nimmt er immer wieder andere Formen an und bleibt nie gleich.
Sand, der widerspenstig in jeder Falte haften bleibt.

Strand

Ein Bild zu einem Gefühl. Ich hatte es schon im Juli angefangen. Aber seitdem ist so vieles passiert, was sich gar nicht wirklich in Worte fassen lässt und doch wandert alles unablässig durch meinen Kopf. Ein Bild, dass ursprünglich mal ein Geschenk für eine Strandliebende sein sollte. Und nun weiß es nicht wo es hin soll. Ein Bild, dass auf dem Abstellgleis neben den Farbtuben geparkt wird. Bis es weiß wohin es will.

Und es glitzert übrigens auch ein bisschen. Aber leider sieht man das auf dem Foto nur schlecht und kann es allenfalls erahnen.
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Vom Jein zum Ja (Buchtipp).

"Ich halt dich nicht fest und lass dich nicht los" - (Pocahontas, AnnenMayKantereit)

Und weil ich gerade 'nur' an meiner Masterarbeit schreibe, habe ich endlich wieder Zeit und Lust zu lesen. Deswegen folgt hier der nächste Buchtipp. Und Lesetipp, wem ich das Buch nahelegen und empfehlen würde nehm ich diesmal gleich vorweg: DIR. Genau. Dir und schlichtweg jedem einzelnen Menschen der die Absicht hat eine zufriedenstellende Beziehung zu einem anderen Menschen zu führen.

Zugegeben: Das Buch hat keinen besonders ansprechenden Titel, aber das haben meiner Meinung nach die wenigsten Ratgeber-Bücher. Und wenn du das nun liest, wirst du vielleicht sagen: Ich habe keine Bindungsangst oder Probleme mit Bindungen, schließlich habe ich ja schon langfristige Beziehungen geführt. Und ganz eventuell mag das für dich sogar stimmen. Eventuell gehörst du zu den Menschen mit einem sicheren Bindungsstil und hast einen Partner gefunden, der ebenfalls sicher gebunden ist. Das freut mich dann natürlich sehr für dich. Meine - völlig subjektive - Erfahrung aus meinem Umfeld zeigt mir aber, dass die allermeisten in Beziehungen das ein oder andere Problem haben. Manche davon scheinen immer wieder in Beziehungen zu landen in denen sich ein ähnliches Muster abspielt und andere fragen sich warum sie nach einer gewissen Zeit eigentlich immer wieder das Interesse an ihrem Partner verlieren. Vielleicht hast du aber auch das Gefühl, dass deine Beziehungen sonst immer ganz 'gut' und im Kräfteverhältnis ausgeglichen waren, aber von der letzten kommst du irgendwie nicht richtig los. Dann kann dir dieses Buch helfen.

Ähnlich wie schon in Das Kind in dir muss Heimat finden basieren die Annahmen von Stefanie Stahl auf den Prägungen aus unserer Kindheit. Es gibt das innere Kind, dass diverse Glaubenssätze verinnerlicht hat. Die Glaubenssätze führen zu einem bestimmten Verhalten. Zu Schutzstrategien um den angeknacksten Selbstwert zu schützen. Denn der Kern einer Beziehungsproblematik läge im (zu geringen) Selbstwert in mindestens einem der Beziehungspartner.

Im Buch erklärt sie den Unterschied zwischen aktiv und passiv Bindungsängstlichen. Also jenen, die entweder die Verbindlichkeit einer Beziehung nicht ertragen können, weil sie Angst haben sich selbst dann aufgeben und verlieren zu müssen, oder aber Angst vor Verlust haben und lieber selbst davon rennen, bevor es der andere bzw. die andere tut. Und auf der anderen Seite die passiv Bindungsängstlichen, die dem aktiven Part hinterherlaufen aus Verlustangst oder aber weil sie glauben alleine nicht überleben und für sich sorgen zu können, oder sie keine Verantwortung übernehmen wollen und damit in gewisser weise abhängig sind.

Schuld daran seien die Glaubenssätze des inneren Kindes. Im Buch finden sich im Kurzen Übungen wieder, die in Das Kind in mir muss Heimat finden eine ausgiebige Betrachtung finden. Stahl nimmt ihre Leser bei der Hand und erarbeitet mit ihnen zusammen die individuellen Glaubenssätze, Werte, Stärken und Schwächen. Wer intensiv mit dem Buch arbeitet kann sehr viel über sich selbst und seine eigene Beziehungsgestaltung erfahren und zukünftige Beziehungen sicherlich wesentlich bewusster mitgestalten, anstatt - wie bisher vielleicht - sich auf sich selbst zurück zu ziehen und sich dem anderen zu entziehen.

Eine maßgebliche Quintessenz des Buches ist sicherlich: "Erst durch Reden wird ein Weg zum Miteinander gebahnt". Sie hält ihre Leser - die an sich arbeiten wollen immer wieder dazu an mit ihren Partnern über ihre Problematik zu reden. Und wer keinen Partner hat dem rät sie: "Wenn du keinen Partner hast, dann sprich mit Freunden über dein Problem. Und wenn du keine Freunde hast, dann such dir welche. Die Welt ist voll von netten Menschen". Soll heißen: Wer an sich arbeiten will, der ist gut beraten mit einer nahestehenden Person darüber zu reden.

Das Buch, bzw. das lesen des Buches wird dein Problem nicht lösen. Das musst du sicherlich schon selbst tun. Aber es gibt dir gutes Handwerkszeug an die Hand um deine (zukünftige) Beziehungsqualität zu verbessern und dich damit langfristig ein Stück glücklicher zu machen. Denn egal ob du zu denen gehörst, die immer wieder aus Beziehungen flüchten (weil sie zu eng werden, oder die Verlustangst zu groß), oder aber zu jenen die an Beziehungen haften bleiben und sich kaum lösen können, glücklich und zufrieden macht das nicht. Denn am Ende ist dem Menschen ein grundlegendes Bindungsbedürfnis ja mit in die Wiege gelegt.

Link zu Amazon: Vom Jein zum Ja.

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Das Kind in mir muss Heimat finden (Buchtipp).

Das Kind in mir muss Heimat finden ist ein Sach- bzw. Selbsthilfebuch der Autorin Stefanie Stahl. Stefanie Stahl ist selbst psychologische Psychotherapeutin mit eigener Praxis und beschäftigte sich in der Vergangenheit viel mit Bindung bzw. Bindungsängsten und dem Selbstwert.

In diesem Buch geht es um die Entwicklung von Urvertrauen, dass in manchen Kindheitsentwicklungen auf der Strecke geblieben ist. Nicht unbedingt, weil die Eltern das Kind in irgendeiner Form misshandelt oder grundlegend etwas falsch gemacht hätten. Aber sie macht deutlich, dass wir alle durch unsere Erziehung und Bindungen gewisse Kerben eingeschliffen bekommen. Und manche dieser Kerben können uns später als Erwachsene in Beziehungen Schwierigkeiten machen.

Zum Beispiel dann, wenn wir feststellen, dass uns bestimmte Dinge unseres Gegenübers immer und immer wieder auf die Palme bringen. Wenn es immer wieder Konflikte wegen Kleinigkeiten gibt, oder wenn man nicht versteht, warum der andere nun gerade so reagiert und sich verhält wie er es gerade tut.

In Konflikten in denen wir unangemessen heftig reagieren (und wir alle kennen mit Sicherheit solche Situationen), hat dies meist wenig mit der anderen Person oder dem Konfliktgegenstand zu tun. Laut Stahl wütet in diesen Momenten das Schattenkind in uns. Das Schattenkind in uns ist der Anteil, der sich z.B. übersehen, nicht wertgeschätzt, unwichtig, ungeliebt oder hilflos fühlt. Und dies hat nichts mit der aktuellen Situation zu tun, sondern mit den Kerben aus der Kindheit, gewissermaßen mit einer Angst, dass es so sein könnte wie früher. Wenn wir uns die Situation aus der Erwachsenenperspektive anschauen, können wir (zumindest hinterher) feststellen, dass in einer solchen Situation das Schattenkind regiert und gewütet hat.

Dem Schattenkind gegenüber stellt Stahl das Sonnenkind. Das ist der Anteil in uns der uns ein gutes Gefühl gibt, der Teil der weiß war wir gern haben und gut können. Dieser Anteil soll gestärkt werden, während das Schattenkind keineswegs weggedrängt werden soll. Das Schattenkind soll angenommen und ernstgenommen werden und auch Trost finden können.

Weiter stellt Schutzstrategien des Schattenkindes vor. Als Strategien die das Kind vor Verletzungen aller Art schützen sollen. Und genau diese Schutzstrategien - sei es durch Perfektion oder Harmoniebestreben, ein Helfersyndrom oder Machtstreben - sind es, die uns als Erwachsene das Leben schwierig machen können. Auf der anderen Seite, der Seite des Sonnenkindes, werden aber auch sogenannte Schatzstrategien vorgestellt. Das sind Übungen oder Strategien die dem Leser helfen sollen das Schattenkind zu trösten und anzunehmen, aber auch das Sonnenkind zu stärken und den Leser zu einem glückerlicheren Menschen machen sollen, der fortan glücklichere Beziehungen führen.

Das Buch ist gut aufgebaut und führt über einen kurzen Abriss über Persönlichkeitsmodelle über die Idee der Schatten- und Sonnenkinder hin zu den psychischen Grundbedürfnissen und wie alles im Zusammenspiel zu den Kerben in unserer Persönlichkeit und damit zu unserem jetzigen Verhalten führt. Nach der Theorie gibt es immer wieder Übungen und man erarbeitet sich mit Hilfe des Buches sein ganz persönliches Schatten- und in der zweiten Buchhälfte das Sonnenkind. Am Ende des Buches hat man eine ganz gute Idee davon wie die eigentliche Persönlichkeit aufgebaut ist und wo die roten Knöpfe liegen. Die eigentliche Arbeit mit diesen Anteilen beginnt aber hinterher. Wenn man an sich jedoch etwas ändern will, dann hat man mit seinen Kinderschablonen sicherlich eine gute Grundlage dafür.

Sie gibt auch noch weitere Übungen wie den Realitätscheck an die Hand mit Hilfe derer man eine Situation danach überprüfen kann, ob die eigenen Gefühle die gerade aufkommen angemessen sind, oder ob die durch das Schattenkind eingefärbt sind.

Das Buch kann ich jedem empfehlen, der gerne selbst an sich arbeiten möchte. Jedem der bemerkt hat, dass er immer wieder in Konflikte kommt die immer wieder ähnlich ablaufen und denen er nicht Herr zu werden scheint. Besonders profitieren sicherlich Menschen davon, die auf einen Therapieplatz warten oder mit dem Buch begleitend zu einer Psychotherapie arbeiten wollen.

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Burnout im Psychologiestudium

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Moin und Hallo!

Wie ihr wisst, schreibe ich aktuell fleißig an meiner Masterarbeit und habe vor kurzem endlich meinen Fragebogen gedropped. Nun brauche ich ganz viele Studierende im Studiengang Psychologie die sich knapp 15 Minuten Zeit nehmen um die Fragen zu beantworten.

Ziel meiner Erhebung soll sein Risiko- und Schutzfaktoren bei der Entwicklung eines Burnout im Psychologiestudium aufzudecken.

Neben massenweisen Studierenden der Medical School Hamburg und der FernUni Hagen, brauch ich vor allem auch Psychologiestudierende von staatlichen Präsenzuniversitäten. Also wenn du jemanden kennst der ins Profil passt, dann bitte ihn oder sie doch ob er/sie sich kurz für die Beantwortung Zeit nimmt. Es gibt nichts zu gewinnen, außer meine Dankbarkeit und das Wissen, dass ihr mir unglaublich bei meiner Masterarbeit geholfen habt.

Vielen lieben Dank im voraus!

Hier gehts zur Umfrage:
https://ww2.unipark.de/uc/km-18101501/8b22/

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Konflikte und Streit lösen.

"Empathisch zu sein, bedeutet, die Welt durch die Augen der anderen zu sehen und nicht unsere Welt ihr ihren Augen."
- Carl Rogers


Manchmal haben wir Menschen Streit mit anderen Menschen. Das ist ganz normal und gehört dazu. Und manchmal muss man auch erst lernen, das Streit gar nichts schlimmes ist, sondern auch dazu führen kann, dass zwei oder mehrere Parteien einen Kompromiss finden, mit dem dann alle ganz gut leben können.

Menschen streiten sich oft wenn sie nicht einer Meinung sind. Gehts in der Angelegenheit nicht um persönliche Dinge denen man emotional irgendwie stark verbunden ist, dann streiten sich die Leute oft einfach nur, sind vielleicht eine Weile sauer aufeinander und dann ist (meistens) alles wieder gut. Sobald eine der streitenden Parteien jedoch aus dem Thema raus auf eine persönliche Ebene abdriftet, kann die Sache mit der Versöhnung schon schwieriger werden.

Richtig kompliziert und verfahren kann die Situation aber werden, wenn beide Parteien emotional in das Thema verstrickt sind. Dann bleibt es oft kaum aus, dass der Streit (neben dem dass er sehr emotional geführt wird) auch auf einer persönlichen und damit potentiell verletzenden Ebene stattfindet. Am Ende gibt es in der Regel Verletzte auf beiden (bzw. allen Seiten, wenn mehrere beteiligt sind). Das liegt zum einen an der Natur eines Streits: Man streitet sich - wie bereits gesagt - weil man nicht einer Meinung ist. Aber man könnte dann ja auch - losgelöst von allen Emotionen - sagen, dass man da halt nicht einer Meinung ist, es dabei belassen und auseinander gehen. Nun scheint es aber in der Natur des Menschen zu liegen, dass er glaubt, sein Standpunkt wäre der richtigere und den Konfliktpartner davon überzeugen will. Und dann kommt noch dazu, dass man sich in seinem Standpunkt und seiner Sichtweise der Dinge nicht verstanden fühlt. Und genau da liegt vielleicht die eigentliche Kränkung, der Punkt der uns verletzt: Wir fühlen uns unverstanden.

Nun haben wir gestritten. Sind emotional aufgewühlt, weil uns der andere nicht versteht. Sind verletzt, weil vielleicht Dinge passiert sind, die uns verletzt haben. Und sind in einem gewissen Ausmaß störrisch, weil der andere sich ja so unglaublich blöd und daneben benommen hat. Das so ein Konflikt und dessen Auswüchse nicht nur das Produkt eines Einzelnen, sondern beider Parteien ist, das vergessen wir ganz gerne mal. Erst wenn wir ein bisschen Abstand zum Geschehen bekommen haben, emotional wieder etwas runter gekocht sind und vielleicht auch mit anderen über das ganze Drama geredet haben, kommen wir vielleicht ganz langsam auf die Idee: "Hm, vielleicht war nicht nur der/die andere blöd zu mir, sondern ich auch zu ihm/ihr?"

Jetzt kommt es natürlich drauf an, ob es vor dem Streit schon eine Geschichte gab und der Bogen mit diesem Mal schlichtweg überspannt wurde. Es kommt auch darauf an wie stark die Bindung zu diesem Menschen war bzw. ist. Will man diese Person auch in Zukunft weiter in seinem Leben haben und an seinem Leben teilhaben lassen? Aber wie biegt man das dann wieder hin?

Meiner Meinung nach müssen verschiedene Dinge dafür passieren:

1. Der eigenen Verletzung Raum geben.
Ein Bewusstsein dafür bekommen, dass man verletzt ist von was auch immer der andere Mensch getan hat. Und im nächsten Schritt ein Bewusstsein dafür kriegen, was einen eigentlich so sehr verletzt hat. Warum das wichtig ist? Weil ihr dann von der Ebene der andere ist so doof und benimmt sich nur daneben weg kommt. Weil ihr dann erstmal ganz bei euch seid und euch selbst den Trost dafür geben könnt, dass euch das, was passiert ist, weh getan hat. Es geht hierbei nicht darum in Selbstmitleid zu versinken und sich selbst zu betrauern, dass alle so gemein zu dir sind. Es geht darum herauszufinden, das dir etwas weh getan hat und was genau das war. Und diesem Gefühl auch entsprechenden Raum einzuräumen, dass es gerade da sein darf.

2. Die andere Konfliktpartei ist auch verletzt.
Nachdem du nun weißt, dass dir das was dein Konfliktpartner getan hat, oder wie er/sie mit dir umgegangen ist weh getan hat, versuche dir nun bewusst zu machen, dass es deinem Gegenüber ziemlich sicher genau so geht. Das er/sie ebenfalls verletzt ist von dem was du vielleicht getan hast. Denn wäre es nicht so, dann wäre der Streit nicht so emotional geworden und eskaliert. Überlege dir mit was du deinen Gegenüber verletzt haben könntest. Rufe dir vielleicht in Erinnerung wie der Streit abgelaufen ist, bzw. wie es dazu kam. Und auch was im Vorfeld vielleicht schon passiert ist, was eine gewisse Grundanspannung, sowohl in dir, als auch in deinem Gegenüber, verursacht haben könnte. Wenn du noch keine Idee davon hast, was von deiner Seite aus verletzend gewesen sein könnte, dann kannst du auch wilde Hypothese dazu aufstellen. Oft hilft es auch mit Freunden/Familie über den Streit zu reden und explizit danach zu fragen, was den anderen verletzt haben könnte. Aussenstehende können einem oft eine andere Perspektive vermitteln, wenn man selbst das Gefühl hat, dass einem das im Moment gerade schwer fällt. Mache dir bewusst, dass die Verletzung deines Konfliktpartners ebenso eine Daseins-Berechtigung hat wie deine eigene.

3. Perspektivwechsel
Sobald du deinen eigenen Gefühlen zum Streit Raum gegeben hast und du versucht hast rauszufinden was genau dir so weh getan hat, bist du über das schlichte Ich bin jetzt sauer Gefühl hinaus gegangen. Du hast eine Perspektive für dich selbst einnehmen und Verständnis für dich selbst aufbringen können. Das ist gut. Löst aber euren Konflikt nicht. Denn bleibst du in dieser Position und beharrst darauf, dass der andere dich verletzt hat, kreist du egozentrisch weiter um dich selbst. Und eins kann ich schonmal verraten: Das wird auf der Gegenseite für weiteren Frust sorgen. Deshalb ist der zweite Schritt so wichtig. Hier machst du dir erstmal bewusst, dass es dem/der anderen sehr sicher ganz ähnlich geht wie dir. Du bemühst dich um einen Perspektivwechsel. Und daher auch das obige Zitat. Du kannst die Perspektive - und damit Verletzung und/oder Kränkung - des anderen nur sehen, wenn du versuchst die Welt und den Streit aus dessen Augen zu sehen.

4. Perspektivwechsel = Stimmungswechsel
Hier gibt es gerade aktiv gar nichts zu tun. Du wirst wahrnehmen, dass Teile deines Ärgers bereits verraucht sind, weil du neben deiner eigenen Wahrnehmung durch den Perspektivwechsel auch Einblicke in die Sicht des anderen erhalten hast. Du kannst nun - zumindest in Teilen - nachvollziehen, was beim anderen Verletzungen ausgelöst hat. Du hast Empathie gezeigt und kannst nun neben Mitgefühl für dich selbst auch Mitgefühl für den anderen Menschen aufbringen.

5. Wir sind alle eine Beta-Version.
Möglicherweise bist du trotz Wertschätzung deiner eigenen Gefühle und Verständnis für deinen Gegenüber jetzt aber immer noch sauer, weil dich etwas was in diesem Streit passiert ist sehr gekränkt hat. Sicher hätte man auf beiden Seiten im Nachhinein besser agieren können und sich anders verhalten können. Hätte, hätte… ihr kennt das. Wenn das so ist: Mach dir klar, dass jeder einzelne von und in jeder einzelnen Situation immer nur die Beta-Version seiner selbst ist. Hinterher wissen wir natürlich alles immer besser, hinterher sind wir nämlich immer etwas schlauer bzw. zumindest um eine Erfahrung reicher. In der spezifischen Situation handelt jeder Mensch genau so wie es ihm zum gegebenen Zeitpunkt gerade möglich ist. Jeder versucht die beste Balance zwischen Selbstschutz und Mitgefühl für den Gegenüber aufzubringen. (Also zumindest dann, wenn man es nicht bewusst darauf auslegt die andere Seite absichtlich zu verletzen). Wir alle geben unser Bestes. Und manchmal greifen wir in der Auswahl unserer Strategien ganz schön daneben und es kommt ein Ergebnis dabei raus, das eigentlich keiner so haben wollte.

6. Sei offen.
Offenheit ist ein wichtiges Gut in jeder intakten Beziehung. Und damit meine ich nicht nur die Offenheit im Sinne von: Seid bitte ehrlich zu den Menschen die euch wichtig sind bzw. seid bitte in allererster Linie ehrlich zu euch selbst, weil ihr nur dann auch ehrlich zu anderen sein könnt. Nein, ich meine damit auch: Seid offen für den anderen. Seid offen für dessen Perspektive, seid offen für dessen Wahrnehmung der Welt. Und wenn ihr dieses große Kunststück hinkriegt - und das ist echt nicht einfach, wenn man selbst gerade noch im Ärger drin steckt und im Modus "soll doch der andere auf mich zukommen, der hat sich ja schließlich blöd benommen" ist - dann seid ihr der Konfliktlösung ein großes Stück näher.

Ich würde ja jetzt noch sagen: Macht Kompromisse! Aber ganz ehrlich: Wenn ihr soweit seid, dass ihr euren Gefühlen eine Daseins-Berechtigung eingeräumt habt, ohne dabei ins Selbstmitleid abzudriften, wenn ihr es geschafft habt Verständnis für die Verletzungen des anderen aufzubringen, wenn ihr euch bewusst macht, dass jeder das Beste gibt, aber manchmal eben daneben tritt, dann kommt der Kompromiss vermutlich ganz von alleine. Und manchmal geht es auch gar nicht um eine Kompromissfindung. Oft genug habe ich es erlebt, dass es schlichtweg darum geht, die Sichtweise des anderen nachzuempfinden, glaubhaft zu versichern, dass dessen Gefühle eine Berechtigung haben, einzuräumen, dass man sich selbst vielleicht auch hier und da nicht ganz so glücklich verhalten hat.

Manchmal ist es sehr schwierig aus seinem Ärger rauszukommen. Man beharrt weiterhin auf der Position "ich hab alles richtig gemacht" oder "der andere ist mit dem was er gemacht hat im Unrecht". Das ist nicht weiter schlimm. Es ist furchtbar schwierig von seinem eigenen Ärger Abstand zu nehmen. Insbesondere dann, wenn er sehr intensiv ist. Es braucht Übung. Aber in aller Regel gibt es nicht den einen Bösewicht. Für jeden Konflikt braucht es mehr als eine Person (ausser für den Konflikt mit sich selbst, aber das ist ein ganz anderes riesengroßes Thema). Soll heißen: Auch wenn der andere sich noch so blöd benommen hat. Dein Verhalten war vielleicht auch nicht das Allerbeste. Aber das ist nicht schlimm. Wir sind alle immer nur eine Betaversion. Und wir werden alle Erwachsen damit wir nicht nur zu unseren Stärken stehen, sondern uns (und anderen) auch unsere Schwächen und damit Fehler eingestehen können. Es ist menschlich Fehler zu machen.

Wie löst ihr Konflikte bzw. wie geht ihr damit um wenns mal richtig gekracht hat?

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Freundschaft oder schon Familie?

Im Zuge meines letzten Beitrags über Bindung bin ich gedanklich weiter gewandert zum Thema Freundschaft. Und eventuell wird das wieder einer dieser persönlichen Beiträge.

Im Laufe meines bisherigen Lebens habe ich viele verschiedene Kontakte geknüpft und hatte viele verschiedene Freundschaften. Die nächsten Interaktionspartner sucht man sich in der Regel ja nicht gezielt aus, sondern es wird einem gewissermaßen ein Pool von Menschen zur Verfügung gestellt, aus dem man dann schöpfen kann. Das fängt mit der Kindergartengruppe an, zieht sich über mehrere Jahre mit der Klassenzusammensetzung zusammen und endet auch nicht, wenn man zum studieren an die Uni geht oder ins Berufsleben einsteigt. Jedesmal sitzt man wieder in so einem Menschenpool, beschnuppert sich gegenseitig und versucht abzuwägen, wen man eher meiden möchte und zu wem man eine Verbindung aufbauen möchte.

An manchen Tagen hilft der Zufall ein wenig dabei, weil man sich zum Beispiel immer wieder am selben Ort trifft (weil man immer zur gleichen Zeit auf die Toilette muss, oder immer zur gleichen Zeit am Kaffeeautomaten steht oder vielleicht immer gemeinsam eine Bahn zu spät kommt). An anderen hat man verstärktes Interesse, obwohl von der anderen Seite gar nicht so viele Resonanz kommt und umgekehrt wird man manchmal wiederholt von Leuten kontaktiert mit denen man selbst aber gar nicht so richtig warm wird. Wenn es gut läuft findet man in der jeweiligen Umgebung (sei es nun Schule, Studium oder Beruf) Anschluss und fühlt sich demzufolge in dieser Umgebung vielleicht wohler als ohne diese Menschen.

Freunde 'von früher' sind bei mir nur wenige übrige geblieben. Oft haben sich die Lebenskonzepte in unterschiedliche Richtungen entwickelt, manchmal hab ich das erst gar nicht so richtig bemerkt oder wahrhaben wollen und noch mehr oder weniger lang an diesen Verbindungen festgehalten. Zu anderen habe ich die Verbindung zwischenzeitlich verloren und sie kam erst nach ein paar Jahren wieder zu Stande, dann aber intensiver als zuvor. Ich finde das ganz erstaunlich. Jetzt habe ich Freunde aus ganz verschiedenen Phasen meines Lebens und keinen von denen möchte ich vermissen. Und keinen würde ich leichtfertig aufgeben. Manche sagen mir sogar nach, dass ich manchmal zu lange festhalte.

Und dann gibt es da das Erlebnis, dass der Freundeskreis den man gerade hat wie eine Familie ist. Man glaubt nichts könnte so schwerwiegend sein, dass diese Bande zerbrechen. Man hat das Gefühl, auch wenn man sich mal verkracht, dann rauft man sich halt doch 'wie eine Familie' wieder zusammen. In der Vergangenheit hatte ich schon einmal so ein Familiengefühl im Freundeskreis, leider konnte diese Familie dann doch nicht überdauern und zerbrach an mehreren Ecken gleichzeitig. Auch weil sich die jeweiligen Lebenskonzepte in verschiedene Richtungen entwickelten, aber auch weil es in einem kurzen Zeitraum an mehreren Ecken zu brennen schien.

Was ich sagen will: Wenn sich der Freundeskreis mal wie eine Familie anfühlt, bzw. angefühlt hat, dann ist das was ganz besonderes. Denn das spricht eigentlich für ziemlich enge Bindungen unter den Beteiligten. Und sowas mag ich auch nicht einfach so kampflos hergeben. *Herzchen*

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Bindung

Bindung ist ne komische Sache. Was bestimmt an wen wir uns binden und warum können wir unsere Bindungsobjekte nicht einfach selbst bestimmen?

Uns allen dürfte bekannt sein, das die Bindung zu unseren primären Bezugspersonen (sprich: derjenigen die uns aufgezogen haben) eine der längsten, überdauerndsten und stärksten ist. Und diese Bindung kann durch kaum etwas erschüttert werden. Da können die Umstände und Entwicklungsbedingungen noch so fatal verlaufen. Selbst bei Gewalt, Missbrauch und Vernachlässigung bleibt die Bindung noch lange bestehen. Bei den meisten ein Leben lang. Was bleibt uns auch anderes übrig, solange wir von eben jenen Bindungspartnern abhängig sind? So lange wir darauf angewiesen sind, dass sie uns ernähren und versorgen, uns ein Dach über dem Kopf und damit einen gewissen Schutz bieten. Die Bindung an diese Bezugspersonen ist also in den ersten Lebensjahren für uns überlebensnotwendig.

Viele hinterfragen die Beziehung und Bindung zu primären Bezugspersonen (also den Eltern), erst nachdem sie ausgezogen sind und begonnen haben auf eigenen Beinen zu stehen. Das kann früher oder später geschehen. Ich wage aber mal zu behaupten, dass dieser Prozess mit zur Entwicklung gehört und daher von jedem irgendwann durchlaufen wird (Wer sich an dieser Stelle mehr für Entwicklungsaufgaben interessiert, kann z.B. mal bei Havighurst anfangen). Mit der Bindung und Beziehung zu brechen, das gelingt kaum. Unsere Eltern haben uns derartig geprägt, dass wir das zeitlebens mit uns herumtragen. Es ist also besser mit den Aspekten Frieden zu schließen, mit denen man selbst nicht so sehr einverstanden war und sich an dem zu erfreuen was gut war oder ist.

Aber wie kommt es dazu, dass wir uns stets neue Beziehungspartner aussuchen zu denen wir eine mehr oder minder starke Bindung aufbauen (können)? Und warum wird die Bindung zu einzelnen sehr stark sein, sodass sie selbst viele Jahre später nachdem vielleicht schon kein Kontakt mehr besteht immer noch bestehen bleibt und warum ist die Bindung zu anderen so schwach, dass es gar nicht so schwer ist, diese Menschen gehen zu lassen?

Was ist Bindung überhaupt? In bindungstheoretischen Theorien wird davon ausgegangen, dass jeder Mensch das Bedürfnis dazu hat enge Beziehungen zu anderen Menschen einzugehen die mit intensiven Gefühlen verbunden sind. Eine Idee zum Sinn dieses Strebens hält die evolutionstheoretische Perspektive bereit: Die Bindung an andere Personen bedeutet die Verfügbarkeit von Hilfe und Schutz, falls man mal von einem Raubtier (oder vom Chef…) angegriffen werden sollte. Also Hilfe in Zeiten, in denen man sich selbst aus welchem Grund auch immer bedroht fühlt. Vielleicht ist es also so, dass je vertrauter man miteinander war und je eher man davon überzeugt war, dass der Bindungspartner uns Sicherheit und Schutz bei bedrohlichen Ereignissen erhalten können, desto enger ist die Bindung zu eben dieser Person. Das würde zumindest auch erklären, dass es schwieriger ist einen Beziehungspartner gehen zu lassen, bzw. die Bindung zu lockern, als einen Freund gehen zu lassen, den man zwar auch sehr mochte, aber zu dem die Bindung eben nicht so intensiv gewesen ist.

Interessant ist in diesem Zusammenhang vielleicht auch, das wir schon im frühesten Kindesalter sogenannte inner working models in uns ausbilden. Diese sind Repräsentationen von Bindungserfahrungen, die wir mit unseren primären Bezugspersonen gemacht haben. Also wie ein Bild oder eine Blaupause davon, wie wir nun glauben, dass Beziehungen ablaufen. Im weiteren Verlauf unseres Lebens werden wir viele neue Beziehungen eingehen. Immer dabei ist dann unser inner working model. Unbewusst und automatisch vergleichen wir die Beziehungserfahrungen mit unserer Blaupause aus Kindertagen und versuchen dann vorherzusagen wie sich unser Beziehungspartner verhalten wird. Das kann manchmal ganz schön nach hinten losgehen. Denn unsere Vorlage ist eben nur eine Vorlage. Die Vorlage der Beziehung zu unseren Eltern. Sie passt nicht immer zu den Bindungserfahrungen und dem Verhalten unseres Gegenübers. Manchmal finden wir uns so immer und immer wieder in ähnlichen Konflikten von denen wir nicht verstehen wie sie eigentlich entstehen konnten. Da genau hinzusehen erfordert zum einen viel Mut und zum andern auch viel Arbeit. Denn man muss sich seinen eigenen Bindungserfahrungen stellen, Erfahrungen die vielleicht nicht immer so schön waren und man muss daran arbeiten diese zu korrigieren, falls einem bestimmte Bindungserfahrungen immer und immer wieder Probleme bereiten. Aber zu der Erkenntnis muss man ja auch erstmal kommen und das ist ein völlig anderes Thema.

Bindung also. Ein faszinierender Aspekt der menschlichen Psyche wie ich meine. Wikipedia hält hierzu wieder einiges mehr an Informationen bereit: https://de.wikipedia.org/wiki/Bindungstheorie

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Planten un Blomen

Ein kurzer herbstlicher Fotoausflug in Planten und Blomen. Und ein paar Sonnenstrahlen haben wir auch einfangen können. :)

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