Verzeihung bitte.

Immer wieder habe ich Leute aus dem professionellen psychologisch - psychiatrischen Sektor (aber auch aus dem Freundes- und Bekanntenkreis) den guten Rat sagen hören, dass sie lernen müssten einander zu vergeben und zu verzeihen. Dass man seinem Schulkamerad verzeihen solle, wenn dieser mal wieder das Pausenbrot geklaut hat, weil er vielleicht zu Hause nicht genug bekommt. Dass man seiner Kollegin verzeihen sollte, wenn man von ihr im Frust angefahren wurde, da es ihr vielleicht gerade nicht gut ging. Dass Kinder es ihren Eltern vergeben sollten, wenn sie misshandelt wurden, da diese ja auch nur versucht hätten ihr Bestes zu geben.

Nun arbeite ich schon einige Jahre in der Psychiatrie und habe Psychologie studiert. Ich kann von mir behaupten, dass ich in dieser Zeit so einige therapeutische Konzepte kennen gelernt habe. Aber das Konzept jemand anderem seine Fehltritte zu verzeihen leuchtet mir nicht ein. Wenn ein Kind seinen Eltern vergibt, dass es von eben jenen misshandelt wurde, legitimiert das Kind dann nicht das Verhalten der Eltern und invalidiert seine eigenen Gefühle und Bedürfnisse? Wenn ich einen Freund vor mir sitzen habe, der vom Expartner nicht gut behandelt wurde, der von diesem gekränkt und verletzt wurde… Wenn dieser Freund dem Ex die Verletzung und Kränkung verzeiht wird dann nicht ebenfalls das Verhalten des Akteurs legitimiert. Das Verhalten desjenigen, dass einer anderen Partei Leid verursacht hat? Wird dann nicht das eigene Verhalten (oder häufig auch die Unfähigkeit zum Verhalten… die erlebte Handlungsunfähigkeit) mit dem Verzeihen des Anderen illegitimiert und Unrechtens? Weil man sich ja doch gerne anders verhalten hätte? Wer kennt das nicht, dass er für in Vergangenheit liegende Erfahrungen viele verschiedene Szenarien zurecht legt, wie man sich hätte verhalten können und ärgert sich dann, dass man das nicht getan hat?.

Natürlich ist es keine Lösung den Rest des Lebens daran zu nagen, immer wieder darauf zurück geworfen zu werden und immer wieder den Schmerz zu aktualisieren, weil man nicht damit abschließen konnte. Und ich glaube tatsächlich auch das Verzeihung ein zentrales Thema an dieser Stelle ist. Aber nicht die Vergebung gegenüber dem "Täter", gegenüber demjenigen der uns verletzt hat, sondern gegenüber uns selbst. In dem wir uns selbst verzeihen, legitimieren wir unser eigenes Verhalten in der entsprechenden Situation. Wir sagen uns: Es war okay wie ich damals reagiert und mich verhalten habe. Ich hatte damals keine anderen Möglichkeiten. Es ist Vergangenheit. Und es ist okay.

Ich glaube, dass die Vergebung gegenüber uns selbst ein zentraler Punkt ist um Sachen aus der Vergangenheit ruhen zu lassen. Und das die Vergebung unseren eigenen Handelns dazu führt sich selbst Selbstwirksamkeit zurück zu geben (falls man sie verloren hatte). Sich selbst wieder als Handlungsfähig zu erleben.

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White Pass Express.

Der White Pass und der Chilkoot Pass sind zwei Berggipfel die sich direkt hinter Skagway, quasi aus dem Pazifik heraus, erhebt. Für die Goldsucher damals, waren diese beiden Pässe das letzte Große Hindernis in den Yukon und damit zu den reichhaltigen Goldvorkommen. Es gab Vorgaben dass ein Reisender ca 500kg Nahrungsmittel und 500kg sonstige Güter mit sich führen musste um in das Gebiet hinter der Berge eingelassen zu werden. Die Vorräte sollten für ein Jahr reichen. Die Goldsucher mussten also mehrmals den Berg hoch und runter klettern. Ein Weg für den man mit normalem Wandergepäck 3-5 Tage benötigt.

Ich habe den bequemeren Weg gewählt und setzte mich in den White Pass Express. Der Zug brachte mich in vier Stunden von der Küste über den White Pass mit einem Zwischenstopp in Bennett (am Lake Bennett bauten die Goldsucher damals ihre Flösse um auf dem Fluss Richtung Dawson City weiter zu reisen) schließlich nach Carcross. Carcross hieß irgendwann mal Caribou Crossing bis es irgendwer verkürzt hat. Hier gibt es auch einen meiner Lieblingsplätze, das Carcross Desert, von dem man einen wunderbaren Blick über Sand und See auf die Berge hat. Diesmal war ich nicht dort, weil es ziemlich verregnet war.

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In Bennett ist nicht mehr viel zu sehen von dem einstigen Trubel. Es gibt eine kleine Stelle zum Camping für die Wanderer, eine Kirche ist noch stehen geblieben und ein Haus in dem eine Familie der First Nations lebt. Ansonsten ist es hier ziemlich einsam, bis auf die eine Stunde am Tag in der der Zug dort die Touristen und Wanderer auskippt.

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Hier beginnt der Chilkoot Trail, er war aber wegen eines Bärenzwischenfalls auf der kanadischen Seite gesperrt.

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Ketchikan, Wrangell & Juneau

Was sich anhört wie Outdoorbekleidung sind kleine Ortschaften in Alaska entlang der Inside Passage, die nur per See- oder Luftweg erreichbar sind. Naja. In Alaska-Standard sind das eigentlich mittelgroße Städte. Während Wrangell nicht mal 3000 Einwohner zählt, schafft es Ketchikan schon auf etwas über 8000 inklusive 4 Cruiseship-Anlegestellen. Juneau dagegen hat schon über 30.000 Einwohner.

Ketchikan bietet für die überschaubare Anzahl an Bewohnern eine ausserordentliche Touristenorientierung. Es war der erste Stop nach zwei Nächten auf See. Demzufolge sind dort alle von Bord gegangen um sich etwas zu bewegen. Die eigentliche Attraktion war das ehemalige Rotlichtviertel unweit vom Hafen (wobei hier eigentlich alles unweit vom Hafen ist.)

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Wrangell erreichten wir später am gleichen Tag. Wir hatte dort nur eine halbe Stunde, die Bürgersteige waren schon hochgeklappt. Aber der Liquorstore hatte noch offen, so dass ich Bier kaufen konnte, die anderen ergatterten Eis und Pizza. Auf der Fähre gab man uns per Durchsage den eindrücklichen Rat nicht zu versuchen an den Strand zu gehen um dort Fotos zu machen, da man es nicht pünktlich zurück schaffen würde. Es gab dort irgendwelche Steine zu sehen die besonders drappiert waren. Nachdem unser Grüppchen zurück auf dem Boot war kam ein kleines Grüppchen von 5 Leuten ziemlich verschwitzt zurück aufs Deck. Sie waren dort an den Strand hin und wieder zurück gerannt und hatten es gerade so wieder zurück geschafft.

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Juneau: Um ehrlich zu sein, hab ich Juneau nicht gesehen. Die Anlegestelle der State Ferry liegt ausserhalb der Stadt und wir hatten nur zwei Stunden Zeit. Wir hatten andere Pläne. Wir suchten uns zu zehnt ein Taxi und liessen uns bis kurz vor den Nationalpark fahren, nach einem kurzen Fußweg erreichten wir unser Ziel. Ich sah meinen ersten Gletscher. Atemberaubend. Wir hatten eine Viertel Stunde Zeit dieses Wunder auf uns wirken zu lassen, dann stand unser bestelltes Taxi auch schon wieder bereit um uns zurück zu fahren. Wir waren mal wieder fast die letzten auf der Fähre.

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Inside Passage: Sonne, Wald & Wasser.

Immer noch im Pazifik irgendwo zwischen Washington, British Columbia und Alaska. Traumhafte schöne Sonnenuntergänge irgendwann zwischen 11 und 12. Den traumhaft schönen Sonnenaufgang gegen kurz nach drei habe ich zwar gesehen und bestaunt, aber zum fotografieren war ich dann doch einfach zu müde. Ausserdem war es viel zu kalt um aus dem Schlafsack zu krabbeln und unter dem Heizstrahler weg zu kriechen.

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Es war einfach atemberaubend. Vor allem die Passage die man auf dem letzten Foto sieht. Es ist die engste Passage der ganzen Tour und man sieht auch die Bojen um den Fahrweg zu markieren, als wäre es ein Fluss.
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Inside Passage: Von Bellingham nach Skagway zu Wasser.

Vorbei an Vancouver…

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…pendelnd zwischen British Columbia und Alaska….

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…durch atemberaubende Sonnenuntergänge…

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… ins eher raue und verregnete Skagway.

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Gib dem Affen kein Zucker.

Schon lange nichts mehr zum Thema 'Essen' & Ernährung gesagt. Schon seit geraumer Zeit stör ich mich selbst an meinem Zuckerkonsum. Aber einfach weniger Süßigkeiten, Schokolade und Puddingteilchen zu essen, das scheint mir nur schwer möglich zu sein. Esse ich eine Kleinigkeit, dann wird es schnell ein kleiner Haufen Allerlei. Ich schob die Gedanken also immer wieder weg mit der Einstellung: Ich schaff das ja eh nicht.

Ein paar Wochen vor meinem Urlaub postet jemand in Facebook, dass er als Koffein-Junkie nun auf eben jenes Koffein verzichten wolle und auch auf Zucker. Beides zur gleichen Zeit war dann wohl doch zu hart, aber den Koffein-Entzug zog er durch. Der Zucker-Entzug wurde verschoben. Das imponierte mir. Ich gehörte immer zu der Sorte Kaffeetrinker, die glaubten auf ihren Morgenkaffee angewiesen zu sein, und ohne 3-4 Kaffee einen Frühdienst gar nicht überleben zu können. Ich überlegte also, dass mein ausgedehnter Urlaub die perfekte Testlaufphase sei. Die ersten beiden Wochen hatte ich aber leider vergessen, dass ja auch schwarzer und grüner Tee Koffein enthält und hab darüber hinaus auch ab und zu mal vergessen, dass ich keinen Kaffee mehr trinken wollte und fand mich selbst mitten in Seattle mit einem Latte Machiatto in der Hand. Am Ende der Woche 2 korrigierte ich meinen Fehler und besorgte mir Früchtetee. Es folgten 5 Tage Kopfschmerzen und vermehrte Müdigkeit. Danach war der 'Entzug' überstanden. Das ist nun 6 oder schon 7 Wochen her. Ich brauche den Kaffee nicht mehr. Wenn ich Lust auf ein warmes leckeres Getränk hatte, dann machte ich mir eine Trinkschokolade.

Und da wären wir auch schon bei Topic Nummer zwei: Zucker. Ich bot jemandem auf der Arbeit Schokolade an, die herum lag und sie lehnte ab. Sie esse seit anderthalb Jahren keinen Zucker mehr. Und wenn man die ersten paar Tage überstanden hätte, sei das gar nicht mehr so schwer. Irgendwie imponierte mir das, und gab mir den Impuls mindestens die nächsten vier Wochen auf (raffinierten) Zucker zu verzichten. Also keine Trinkschokolade mehr, sondern noch mehr Früchte- und Kräutertee. Und wieder Kopfschmerzen.

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Victoria - Vancouver Island.

Während es auf dem Festland regnete, habe ich die richtige Entscheidung getroffen und bin mit Bus und Fähre nach Vancouver Island rüber gefahren um in der Sonne durch Victoria zu schlendern, mir mittags um eins in einem Pub ein Bier zu genehmigen und dabei Fussball-EM zu gucken. Der Rest der Stadt war aber auch recht sehenswert.

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Walking Dead. Unverständnis.

Natürlich weiß ich nicht erst seit gestern, dass es eine Zombie-Serie namens Walking Dead gibt, auf die scheinbar ebenso viele Leute abfahren, wie auch Game of Thrones. Allerdings wollte ich die Serie bisher nie anfangen, weil Zombies nicht so mein Ding sind. Aber nun kam es soweit, dass ich nichts zu tun hatte und keine meiner Serien gerade noch eine Folge übrig hatte. Also dachte ich: Heym bei Amazon Prime sind die ersten 5 Staffeln inkludiert, probier ich es doch einfach mal. Freunde hatten mir gesagt, dass es zwar schon um Zombies gehe, aber das auch nicht soo sehr im Vordergrund stünde und so schlimm sei es nun auch nicht.

Nun. Diese Freunde haben gelogen. Es ist ganz klassischer Zombie-Krempel. Und ziemlich ekelhaft. Und viel ekliger und brutaler als Game of Thrones. (Mittlerweile sagte man mir, dass sie erste Staffel noch harmlos sei). Ich hatte wirklich nichts zu tun und hatte die Aufgabe wach zu bleiben, also schaute ich die komplette erste Staffel. Was die Gründe dafür waren, dass diese Serie überhaupt über die erste Staffel hinaus kam, sind mir völlig schleierhaft. Abgesehen vom Zombie-Thema, fand ich es einfach ziemlich schlecht gemacht. Leider nicht so schlecht, dass es schon wieder witzig und unterhaltsam war, sondern einfach nur schlecht. Klar sind Zombies nicht rational. Aber abgesehen davon fängt das ganze ja schon völlig unglaubwürdig an. Der Protagonist wacht aus dem Koma auf, alle sind tot, seine Blumen Verblüht. Er liegt da also schon ne ganze Weile. Und ist weder verhungert, noch verdurstet, noch vollgekackt oder gepinkelt oder hat Druckstellen, weil ich niemand gewendet hat. Auf den ersten Metern die er geht hängt der Verband in jeder Einstellung an einer anderen Stelle und ist mal dreckig und mal recht frisch. Das sind Fehler, die in einer guten Serie nicht passieren sollten. Und war das wirklich ihr ernst? Sie sitzen da alle ums Lagerfeuer rum und kein einziger hört wie sich eine Horde von 20 Zombies nähert?

Naja. Jetzt hab ich die erste Staffel gesehen und weiß, dass mir nichts entgeht. Allen anderen wünsch ich viel Spaß beim zu schauen wie sie sich in der Serie gegenseitig abschlachten. Mein Ding ist das nicht.

Über eine Episode von "The Girlfriend Experiment", indem zwei schwingungsunfähige und affektflache Jura-Studentinnen sich als Call-Girls anbieten bin ich jetzt bei "Mr. Robot" gelandet. Mr. Robot bewegt sich im Feld der Internetkriminalität, bei dem eine Gruppe von Hackern Großkonzerne angreift und das finanzielle System zum Einsturz bringen will. Der Protagonist scheint irgendwo zwischen Polytoxikomanie, Schizophrenie und Sozialer Phobie hin und her zu schlängern und kann nicht so viel mit zwischenmenschlichen Beziehungen anfangen. Letzteres ist sehr empfehlenswert.

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