Wut im Bauch.

Wut. Wer kennt das nicht? Wer es nicht kennt, der lügt, oder hat ein ernstzunehmendes Problem. Wut gehört laut Paul Ekman zu den Basisemotionen, die in allen Kulturkreisen zu beobachten und darüber hinaus erblich bedingt sein. (Er hat auch das sogenannte FACS entworfen... Ein System um Gesichtausdrücke zu erkennen. Manch einer kennt die Anwendung der Technik aus der TV-Serie "Lie to me"). Jedenfalls gehört Wut zu den Basisemotionen. Die anderen Basisemotionen sind Furcht, Verachtung, Traurigkeit, Überraschung und Ekel.

Physiognomy

Zur Entstehung von Wut gibt es schon diverse Theorien. Laut Freud ist jedem Mensch ein Aggressionstrieb angeboren. Werden die Aggressionen unterdrückt, kommt es zu Störungen. Ein Theoretischer Klassiker. Taugt mir persönlich aber eher wenig zur Erklärung wo Wut herkommt. Laut Bandura werden Aggressionen erlernt durch Beobachtung von Vorbildern. Auch das taugt mir persönlich wenig. Beide Theorien erklären eher wo Aggressionen herkommen. Aggressionen sind aber eher mal eine Begleiterscheinung von Wut. In aggressivem Handeln wird Wut sichtbar. Wesentlich pragmatischer und eingängiger finde ich persönlich die Frustrations-Aggression-Theorie. Laut dieser führen Frustrationen eben zu Aggressionen. Das entbehrt einer gewissen Logik. Und erklärt in meinen Augen auch die Entstehung von Wut. Irgendwas funktioniert nicht wie es soll, oder Irgendwer löst durch sein Verhalten Frustration in mir aus. Es entsteht Ärger, vielleicht auch Zorn und wenn es ganz schlimm ist auch Wut.

Wut an sich ist eine heftige Emotion. Manche beschreiben es als brennen von innen, andere zerreißt es. Wut führt nicht selten zu impulsiven Reaktionen. Aber nicht unbedingt. In jedem Fall ist Wut schwer zu beherrschen und schwer auszuhalten. Wut ist eine Emotion die raus will.

Wut will irgendwo hin. Wut will nicht im Körper bleiben. Keiner will das die Wut im Körper bleibt, eben weil sie schwer beherrschbar ist und weil sie schwer auszuhalten ist. Wut ist im Bauch. Und sie will da weg. Oft fängt der Körper an zu zittern, Fäuste werden geballt, Beine werden unruhig, der Magen krampft sich zusammen. Die Stresshormone sorgen für vermehrte Durchblutung, die Herzfrequenz und die Atemfrequenz steigt, Pupillen werden weit und die Muskeln angespannt. Der Körper ist in einem fight-or-flight-Zustand. Entweder flieht man, zieht sich zurück aus der Situation, entfernt sich soweit wie möglich vom Wutauslöser, oder man kämpft. Die Wut kehrt sich nach aussen. Man wird laut, schimpft, manche werden handgreiflich oder lassen ihre Wut an Gegenständen raus. Es ergeben sich gewissermaßen 2 Möglichkeiten: Entweder die Wut und Erregung schiesst in die Beine (Stichwort: Restless-Legs) und der Körper will eigentlich einfach nur noch weg, oder die Wut bahnt sich ihren Weg in die Arme... bereit zum Kampf gewissermaßen.

Und dann gibt es noch eine dritte Möglichkeit: Wir schlucken unsere Wut runter. Weil es gerade nicht in die Situation passt. Weil Wut sozial kein angemessenes Verhalten ist, weil man selbst Ärger vermeiden will, weil man vielleicht Angst hat. Man schluckt den Ärger runter. Die Wut bleibt im Bauch. Der Magen krampft und irgendwann findet man alles so zum kotzen, dass man eben kotzt. Wut findet ihren Weg raus.

Ich sage nicht das einer der drei Wege irgendwie besser wäre. Es gibt Zeiten, da ist es das richtige zu gehen. Es gibt Zeiten da ist es das richtige laut zu werden, sich selbst zu vertreten und seinen Willen durchzusetzen. Und es gibt Momente da ist es besser den Ärger zunächst zurückhalten. Aber man sollte ihn dann später wieder hochholen und sich anschauen was da los war. Nur nicht runterschlucken und es dabei belassen.

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