Wir behandeln hier ja keine Befindlichkeiten, sondern Laborwerte...nich wahr?

Stethoskop
http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Stethoskop.jpg | Michael Movchin

Ich weiß gar nicht so genau wo ich eigentlich damit anfangen soll die Fehler zu bemängeln, die der Arzt in diesem noch so kurzen Satz von sich gab. Vorwegnehmend kann ich aber vermelden: Diesen Arzt (der noch dazu Professor ist) werden ich nicht mehr aufsuchen.

1. WIR schon mal gar nicht. WIR können möglicherweise gemeinsam einen Behandlungsplan erstellen, aber ER schlägt eine Behandlung vor und ICH kann darauf eingehen.
2. Symptome sind ernstzunehmende Sachverhalte, wohingegen Befindlichkeiten eine abwertende Aussage darüber sind. Befindlichkeiten sind so etwas wie Müdigkeit oder Hunger. Symptome sind sowas wie "chronische Erschöpfung" und "gesteigerter Appetit.
3. Laborwerte: Wichtig, aber sicherlich nicht der Nabel der Welt. Laborwerte und andere medizinische Befunde haben kaum Bedeutung, solange man nicht Symptome betrachtet. Symptome ohne pathologischen medizinischen Befund sind dafür keine Seltenheit. Ganz im Gegenteil. Kommt sogar recht häufig vor
4. "nich wahr?!" Noch weniger wertschätzend geht kaum.

Alles in allem hat der werte Herr Doktor alles dafür getan, dass ich seine Kompetenz schwer anzweifle und ihm jegliche Fähigkeit des konstruktiven Patientenkontaktes abschreiben möchte. Zu diesem Eingangsatz, kam dann noch erschwerend hinzu, dass ich nicht ausreden durfte und er mir nicht zuhörte. Das man dann Symptome mit Befindlichkeiten durcheinanderbringt wundert mich dann eigentlich nur noch geringfügig.

Also liebe angehende Mediziner und auch schon jahrelang ausgelernte Mediziner (und am Besten auch der Rest der Welt), merkt euch ein paar kleine kommunikative Verhaltensregeln:
1. Sprich nur in der ICH-Form, never ever in der WIR-Form (beliebtes Beispiel, und immer noch gar nicht so selten in deutschen Krankenhäusern: "Na, wie geht es uns denn heute?!)
2. Höre zu.
3. Laborwerte sind nicht das Maß der Dinge.

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