Wir sind Teil des Problems oder: Kommunikation ist echt kompliziert.

Wir alle kennen solche Situationen: Wir sind sauer auf die Welt. Wir fühlen uns irgendwie verstoßen, unverstanden und ungerecht behandelt. Wir verstehen eigentlich auch gar nicht so genau, was da eigentlich gerade vor sich geht oder was da passiert ist. Wir wissen nur, dass alles gerade schief zu laufen scheint und sich die Menschen uns gegenüber seltsam verhalten und das macht uns wütend, denn irgendwie scheinen wir gar keinen Einfluss darauf zu haben.

Doch ist das wirklich so? Haben wir wirklich keinen Einfluss auf die Situation? Sind wir wirklich nur passive Wesen, die den Geschehnissen ausgeliefert sind? Oder haben wir vielleicht doch auch selbst einen Anteil an der Krise in der wir gerade stecken? Sicherlich wird es auch immer wieder Menschen geben, die sich einfach seltsam verhalten und wo wir selbst wirklich nicht viel dazu beigetragen haben, dass komische Situationen entstehen. In aller Regel sind wir letzten Endes aber als Menschen immer auch soziale Wesen und somit zumeist Teil des Geschehens.

Wir sind also Teil der Geschehnisse und somit auch mit-verantwortlich für unseren eigenen Ärger. In anderen Worten: Meist sind wird selbst Teil unseres Problems. Das ist erstmal gar nicht schlimm, sondern nur eine Feststellung. Ausgehend von dieser Feststellung ist es oft ein guter Anfang sich zunächst einmal auf sich selbst zurück zu ziehen. Nicht um der Mittelpunkt zu werden um den die Welt kreist und weiter in seinem Leid zu versinken und sich unverstanden zu fühlen. Sondern um ein Gefühl für sich selbst wiederzufinden oder zu entwickeln. Sich selbst kennenzulernen

Der Rückzug auf sich selbst dient auch dazu aufzuhören, um die anderen zu kreisen. Zu überlegen warum sich die anderen Personen so verhalten haben, warum die vielleicht so gemein zu einem waren und was die zugrunde liegenden Motive gewesen sein mögen. Denn das alles bringt uns nicht weiter. Das hält uns nur von uns selbst fern. Und die anderen können wir sowieso nicht ändern. Aber an uns selbst können wir arbeiten, wenn wir wollen.

Wir können also an unserem Rückzugsort überlegen, welchen Anteil man selbst zu den Geschehnissen beigetragen hat. Wir machen beim nachdenken vielleicht die Beobachtung, dass wir immer wieder in solche Konflikte kommen, in denen wir uns unverstanden fühlen. In denen wir das Gefühl haben, dass alles schief läuft und alles was wir anpacken im Chaos endet. Gerade das spricht dafür, dass es da Anteile in uns drin gibt, die uns immer wieder in solche Situationen manövrieren. Was genau das ist, kann total unterschiedlich sein. (An dieser Stelle möchte ich die Podcast-Folgen von Curse mit dem Titel "Selbstsabotage erkennen und umwandeln" (LINK) empfehlen. Da geht nicht direkt um Konflikte und den eigenen Anteil daran, sondern viel eher um die Arbeit mit sich selbst und wie man sich selbst von Zeit zu Zeit daran hindert glücklich und zufrieden zu werden, weil wir uns von inneren Glaubenssätzen irgendwie abhalten lassen. Aber das Thema ist glaube ich auch gar nicht so weit von diesem Thema hier entfernt).

Wenn du ein paar Aspekte herausgefunden hast, wie du dazu beigetragen haben könntest, dass die Situation sich genau dahin entwickelt hat wo du mit deinem Konflikt oder deiner Krise nun stehst, dann hast du einen wichtigen Punkt erreicht: Du hast verstanden, dass du nicht nur das passive Opfer in diesem Konflikt (oder auch anderen Konflikten) bist. Sondern, dass auch du in gewisserweise als Täter aufgetreten bist. Und auch das ist gar nicht schlimm. Das macht dich zu einem Menschen. Wir sind alle fühlende Wesen. Das bedeutet aber auch, dass wir nicht immer alles total super machen. Sondern, dass wir alle auch Fehler machen und anderen Menschen weh tun. Auch wenn das überhaupt nicht in unserer Absicht lag. Aber menschliche Kommunikation hat dann doch ziemlich viele Irrwege, auf denen man falsch abbiegen kann.

Wenn wir also sauer mit der Welt sind, ist es zunächst einmal absolut okay wütend zu sein. Man ist ja in einer Situation, wo man so nicht hinwollte und alles ist doof. Aber es ist auch sinnvoll sich bewusst zu machen, dass Menschen weder nur Opfer, noch nur Täter sind. Dass menschliche Kommunikation unglaublich viele Irrwege hat und es sinnvoll sein kann - trotz all des eigenen Ärgers - einen Schritt zurück zu machen und zu versuchen sich die Situation von ein paar anderen Seiten anzusehen. Wenn es dir gelingt, die generelle Problematik mit der Kommunikation im Hinterkopf zu behalten, dann wird es dir auch ziemlich sicher möglich sein, mehr Verständnis für die anderen Beteiligten deiner Konfliktsituation aufzubringen. Das soll nicht heißen, dass man alles okay finden und entschuldigen muss was passiert ist. Es soll viel mehr heißen im Hinterkopf zu behalten, dass alle Beteiligten sowohl Täter als auch Opfer sind. Alle sind quasi Teil des Problems.


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Bildquelle: https://www.schulz-von-thun.de/die-modelle/das-kommunikationsquadrat

Abstand und das Hinterfragen des eigenen Anteils löst dabei aber nicht unbedingt einen bestehenden Konflikt. Auch wenn du dich bemühst deinen Anteil am Problem zu hinterfragen und zu reflektieren ist das Eine. Es bedeutet aber noch lange nicht, dass, nur weil man selbst meint, etwas sortiert zu haben, dass andere das ebenso verstehen, wie man es sich selbst gedacht hat. Und da wären wir wieder bei Schulz von Thun und dem 4-Ohren-Modell. Der Sender codiert das eine und der Empfänger encodiert was anderes. Die größten Missverständnisse entstehen dabei, wenn Sender und Empfänger sich auf unterschiedlichen Inhaltsebenen befinden und vor allem auch dann, wenn der Empfänger sich zum Beispiel gefühlsmäßig in einer ganz anderen Situation befindet. Vielleicht findet sich sogar der Empfänger in einer Situation wieder, in der er sich unverstanden fühlt und das Gefühl wird dann noch verstärkt, obwohl es dem Sender eigentlich um was ganz anderes ging. Kommunikation kann manchmal echt kompliziert sein. Aber das sagte ich schon.

Aber auch wenn Abstand und Hinterfragen keinen Konflikt lösen können. So holt uns das Erkennen des eigenen Anteils doch aus unserer passiv erduldenden Opferrolle heraus. Wir sind dann in der Lage zu erkennen, dass wir sowohl Opfer als auch Täter und vielleicht auch irgendwas dazwischen zugleich gewesen sein können. Wir sind in der Lage zu erkennen, dass uns nicht nur Dinge widerfahren, sondern dass wir die Geschehnisse durch unseren Anteil auch mit-gestaltet haben. Und das gibt uns ein ganzes Stück weit Selbstwirksamkeit - also den Glauben die Welt aktiv mitgehalten zu können - zurück. Wir werden wieder Handlungsfähig.

Und wir wissen am Ende etwas mehr über uns und können es besser machen. In der Zukunft.

Link zum erwähnten Podcast: Selbstsabotage erkennen und umwandeln.

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