Dauerlauf. Eine Hassliebe

Während eine Kommilitonin von mir immer tolle Figuren durch den Park läuft, gleichen meine Streckenverläufe eher verschiedenen Kartonagen und Verpackungsmaterialien. Da erfreuen sich eher die Menschen mit einer Vorliebe für geometrische Formen dran, als ein kreativer Geist.

Als ich vor zweieinhalb Jahren mit dem Lauftraining anfing, fand ich das eigentlich nicht so toll. Es war langweilig und frustrierend. Nach 2km hätte ich mich röchelnd an den Wegesrand legen können. Nach erstaunlich kurzer Zeit wollte ich mehr. In meinem Umfeld sprachen gerade alle davon, dass sie bei einem Halbmarathon mitmachen wollten. Ich begann mein Training für die 10km. Aus dem Halbmarathon wurde nichts, weil dann irgendwie alle verletzt waren und keiner Zeit hatte. Die 10km packte ich dennoch. Oder besser gesagt: Die 10km packten mich.

Nachdem ich mir damals ein paar Runden dazu mogeln musste um überhaupt in die Notenskala beim unsäglichen Cooper-Test (12min möglichst weit laufen) zu kommen hätte ich nie von mir gedacht, dass ich mal Freude am Laufen finden könnte. Aber da ist sie nun: Die Hassliebe zum Dauerlauf. Hass weil es einfach ziemlich anstrengend ist und ich garantiert nicht sonderlich vorteilhaft aussehe wie ich da vor mich hin schwitze und schnaufe. Liebe, weil es ziemlich geil ist hinterher, wenn man sich angestrengt hat und sich seine Leistung nochmal vor Augen führt. Liebe, weil es währenddessen doch ziemlich geil ist. Weil es beinahe was meditatives hat wie ich da so durch die Felder renne. Ich hab hier alle Zeit der Welt. Naja zumindest solange wie der Lauf ist. Zeit in der ich nichts anderes tun und erledigen kann als zu laufen. Ich kann in Ruhe über allen möglichen Krempel nachdenken. Mein Hirn ein Stück weit von all den Gedanken befreien die sich dort während der körperlichen Untätigkeit stapeln. Was in der Zeit des Laufes passiert, das passiert. Ich werde es nicht ändern können, weil ich gar keine andere Möglichkeit habe, als es Geschehen zu lassen. Weil ich nur das eine tun kann in dem Moment: Laufen.

Und ich glaube das ist etwas was wir viel zu selten tun: Uns auf eine Sache konzentrieren und die Dinge einfach geschehen lassen.

Mein nächstes Ziel? Die 10km unter einer Stunde. Und dann nächstes Jahr doch mal einen Halbmarathon anvisieren.

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