Wichtig sein.

Um mal eine wilde Hypothese in den Raum zu werfen: Jeder Mensch will wichtig sein. Beziehungsweise: Jeder Mensch will von mindestens einem anderen Menschen das Gefühl bekommen wichtig zu sein. Eventuell sogar die Wichtigste Person in dessen Leben. Nicht umsonst läuft die Mehrzahl der Menschen der seriellen Monogamie hinterher. Immer in der Hoffnung der nächste Partner oder die nächste Partnerin gibt einem das was einem zuletzt gefehlt hat. Neben diversen anderen Attributen ist es am Ende doch meist das Bestreben nach diesem Gefühl, der Faktor der uns in unseren Beziehungen leitet. Von dem auch abhängig ist ob uns in der Beziehung was fehlt, oder ob wir eigentlich ganz zufrieden sind so wie es gerade ist.

Dabei ist es ja keineswegs so einfach, dass jeder Mensch das gleiche braucht um sich wichtig und geliebt zu fühlen. Wenn es so wäre, wäre es sicherlich wesentlich einfacher. Aber nein. Wir haben alle unsere ganz eigenen Wünsche und Vorstellungen. Und nur weil man selbst viel daraus schöpfen kann, wenn einem vielleicht alle paar Tage mal der Kopf gekrault wird, heißt das ja noch lange nicht, das das bei meinem Gegenüber, mit dem ich versuche eine zufriedenstellende und kraftschöpfende Beziehung zu führen, genau so ist. Denn der oder die braucht vielleicht etwas ganz anderes um sich gesehen zu fühlen. Unserem Gegenüber ist es vielleicht wichtig jeden Abend eine liebevolle Gute-Nacht-SMS zu bekommen. Oder unerwartet auch mal ein Blümchen oder wasauchimmer. Dinge, die uns selbst vielleicht gar nicht so wichtig sind. Dinge auf die wir genau deshalb gar nicht so schnell kommen.

So verschieden wir in unseren Bedürfnissen aber auch sind, so wollen wir alle unser kleines süßes Größenselbst gefüttert sehen. Wir alle freuen uns ein Loch in den Bauch wenn wir von irgendwem für etwas gelobt werden. Und je wichtiger uns der Erfolg war, desto schöner und wirksamer das Lob und die Anerkennung. Aber eigentlich ist das allerbeste immer noch einfach für das geliebt zu werden was man ist. Ohne dass man dafür erst was leisten müsse. Aber die Art uns Weise auf die Liebe gezeigt wird, wie jemand einer anderen Person zeigt, dass ihm oder ihr diese wichtig ist, das unterscheidet sich. Genau wie die Bedürfnisse. Und manchmal sprechen die Leute unterschiedliche Sprachen. Günstig wärs hier also wohl, wenn man sich hier zusammensetzen und darüber reden würde. Beschreiben würde, was man sich selbst wünscht und erläutern würde wie man selbst Liebe zeigt. Und im Besten Fall kommt man dann zusammen.

Manch einer bekommt im Verlauf seiner Beziehung aber auch das Gefühl, dass er/sie immer wieder sagt und äußert was ihm/ihr wichtig ist und das dann aber trotzdem nichts passiert. Das führt auf die Dauer fast zwangsläufig zu Unzufriedenheit. Wie man damit nun umgeht? Gute Frage. Auch hier hat jeder wieder seine eigene Taktik. Manch einer wartet ab. Das kann gut sein wenn es nur so eine Phase ist, die wieder vorübergeht. Vielleicht hat man selbst gerade Stress und kann gar nicht sehen was die Partnerin gerade für einen selbst alles macht. Vielleicht hat der Partner aber auch gerade Stress. Vielleicht bemüht sich der Partner aber auch tatsächlich nicht (warum auch immer). Hier macht es wahrscheinlich wenig Sinn abzuwarten. Man kann natürlich versuchen nochmals das Gespräch zu suchen, aber irgendwann ist diese Möglichkeit ja auch erschöpft. Also sollte man sich fragen ob man dort bleiben will. Oder man überlegt sich, ob einem diese Gesten wirklich so wichtig sind. Versucht die Perspektive oder den Ausgangspunkt zu wechseln. Eventuell findet man eine Ebene bei der man für sich selbst entscheiden kann: So ist es eigentlich gut. Und meine Partnerin kann halt nicht anders und ich mag sie ja trotzdem ganz gern.

Niemand kann einem sagen wie man sich entscheiden soll. Wie man mit nicht erfüllten Bedürfnissen in der Partnerschaft umgehen soll. Was man aber tun kann ist sich möglichst viele Modelle und Ideen zu einem Problem anzuhören. Denn vielleicht ist irgendwann etwas dabei, womit man was anfangen kann. Und je mehr Modelle man hat, desto mehr kann man ausprobieren. Und dann sieht man plötzlich doch, dass die Partnerin einem eigentlich sehr viel Liebe schenkt und man ihr wichtig ist, aber eben auf ihre eigene Art und Weise.

Und wenn das alles nicht klappt können wir uns immer noch einen Hund kaufen um ihn zu hegen, zu pflegen und mit ihm zu spielen. Dem wir regelmäßig Fressen geben und der uns dann für immer anhimmeln wird. Und genau das wollen wir doch, oder?

Wer sich übrigens fragt, ob und wie er/sie seine Beziehung retten kann oder wer vielleicht eine Idee davon kriegen möchte, warum es letzten Ende doch nicht geklappt hat, der kann gerne diesem Link hier folgen: http://www.liebeskummer.org/liebeskummer-phasen/beziehung_retten/

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