Tote Mädchen lügen nicht.



Tote Mädchen lügen nicht ist eine Serie die es seit Ende März bei Netflix (auch in deutscher Sprache…) gibt. Im Original ist die Serie betitelt mit 13 Reasons why und das halte ich definitiv für den besseren Titel. Denn der deutsche Titel löst in mir eher das Gefühl aus, dass es dort um kleine Teenie-Dramen geht, die nicht ganz ernstzunehmen sind. In der Tat geht es aber um viele kleine und auch große Dinge die einem Mädchen während ihrer Highschoolzeit passiert sind und am Ende zu ihrer Entscheidung zum Suizid enden.

Die Serie ist in 13 Folgen von 50-60 Minuten aufgeteilt. In der ersten Folge lernt man Clay kennen, der zu Hause ein Päckchen mit 7 Kassetten vorfindet. Besprochen wurden sie von Hannah vor ihrem Tod. Pro Folge wird jeweils eine Kassettenseite erzählt. Pro Kassettenseite berichtet Hannah von jeweils einem Grund der zu ihrer finalen Entscheidung geführt hat. Es geht dabei um Themen wie Mobbing, Stalking und Vergewaltigung. Es geht darum, dass sich die Jugendliche am Ende sehr einsam, hilflos und wertlos fühlt. Sie kommt zum Schluss, dass sie ihre Situation nicht mehr aushalten kann und es für alle einfacher oder besser wäre, wenn sie nicht mehr da wäre.

Die Tage habe ich zwei Artikel im Internet gelesen in denen vor dieser Serie gewarnt wurde. Sie sei verharmlosend, stelle Suizid als mögliche Lösung dar oder würde durch den bekannten Werther-Effekt erst zum Suizid anregen.

Zu Punkt 1: Meinem Empfinden nach ist genau das Gegenteil der Fall. Der Suizid wird nicht romantisiert dargestellt. Er tut mit jeder Folge weh. Es tut weh sich anzuhören was Hannah als Gründe berichtet, es tut weh die Hinterbliebenen zu sehen wie sie um ihr eigenes Leben kämpfen und um das verlorene Leben trauern. Die Serie zeigt sehr gut, dass mit einem Suizid einzig und allein das Leben der betreffenden Person endet, die anderen Leben jedoch gehen weiter und keines davon wird leichter.

Zu Punkt 2: Ich finde keineswegs, dass in der Serie Suizid als mögliche Lösung angeboten wird, sondern im Gegenteil. Die Serie schreit in meinen Augen förmlich danach sich Hilfsangeboten zuzuwenden. Hilfe von anderen anzunehmen. Anderen Hilfe anzubieten. Und mal von sich selbst zurückzutreten und sich für einen kurzen Moment zu überlegen, was die eigenen Handlungen bei jemand anderem auslösen können. Das man nie wissen kann, was beim Gegenüber eigentlich gerade los ist und man sich einander also stets respektvoll begegnen sollte.

Zu Punkt 3: Ja, es gibt Berichte über Suizide die nach einem Vorbild-Suizid. Es gibt Annahmen über Zusammenhänge zwischen medial aufbereiteten Berichten über Selbstmord und einer darauffolgend ansteigender Suizidrate. Die Berichterstattung über Suizide von Prominenten ist nicht umsonst meist eher zurückhaltend. Was ich aus mehreren Gründen begrüssenswert finde, da das Andenken des Toten und seiner Hinterbliebenen geschützt werden sollte. Jedoch bin ich auch der Meinung, dass Suizid (und psychische Erkrankungen allgemein) immer noch zu häufig tabuisiert werden. Ja, Suizid macht Angst. Keiner von uns will eine nahestehende Person, Arbeitskollegen oder anders bekannte Person durch einen Selbstmord verlieren. Nahezu jeder fragt sich hinterher, ob man nicht irgendwas übersehen hat oder hätte tun können. Man hat Angst, da könnte Schuld bei einem selbst liegen. Die Entscheidung hat jedoch eine einzelne Person ganz für sich allein getroffen. Dadurch, dass hier die Hinterbliebenen mit ihrem Schmerz und ihrer Verzweiflung immer wieder im Vordergrund sind, liegt für mich der Fokus ganz klar auf dem Schmerz den ein Suizid verursacht und keineswegs darauf Suizid als Option anzubieten.

Ich fand die Serie gut und lohnenswert. Man konnte die Verzweiflung und Ohnmacht der Beteiligten sehr gut nachspüren. Es gibt wohl keine FSK-Einstufung, jedoch find ich einige Szenen schon recht heftig und würde die unter 16 Jahren eher weniger empfehlen.


Wer hier gelandet ist und Hilfe braucht, oder einfach mal mit jemandem reden möchte, oder jemanden kennt der Hilfe braucht, dem sei Frnd ans Herz zu legen. Dort finden sich Kontaktadressen und Hilfsmöglichkeiten.

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