Abnorme Homos.

Vor kurzem gab es in Irland eine Abstimmung, bei der man sich mehrheitlich für die Homo-Ehe aussprach. Daraufhin stieg das Interesse an der Homo-Gleichberechtigungs-Diskussion sprunghaft an um jetzt auch schon wieder beinahe gänzliche abgeflaut zu sein. War zu erwarten. 

Nun lese ich gerade Akif Piriniccis geistige Ergüsse in dem Werk 'Deutschland von Sinnen'. Bereits im ersten Kapitel wusste ich nicht so recht, ob ich nun eigentlich lachen, oder weinen solle. Gegen Ende des zweiten Kapitels kommt mir der Gedanke, dass er als Kabarettist womöglich Chancen hätte. Wäre da nicht sein Begehren, für seine Ergüsse ernst genommen zu werden. 

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Eines der Hauptprobleme die sofort ins Auge stechen: Der Herr hat leider nicht im Geringsten Ahnung vom Homo-Thema über dass er sich dort echauffiert. Dabei vergisst er natürlich nicht, stets zu betonen, dass er nichts gegen Homosexualität habe, aber diese abartige Lebensform muss ja nun wirklich nicht im alltäglichen Leben präsent sein. Das faszinierende dabei ist: Ausgehend von Fakten, ist er in der Lage zielsicher die falschen Schlüsse daraus zu ziehen. Muss man erstmal hinkriegen. Natürlich ist Homosexualität nicht normal. 'Normal' ist zunächst einmal eine statistische Begrifflichkeit und nimmt Bezug auf die Norm, den Durchschnitt, dass was bei den meisten Menschen der Fall ist. Mit einem Bevölkerungsanteil von knapp 5% kann man Homosexualität wohl recht fundiert als abnorm beschreiben. Wäre da nicht Wertigkeit, die dem Begriff der 'Abnormalität' oft beigemengt wird. Wie dem auch sei. Schwul, lesbisch, Bi oder schlicht und ergreifend nicht Heterosexuell zu sein ist abweichend von der Mehrheit, etwas besonderes. Im Zuge der Sozialisierung und des Fortschrittes sind wir als Menschen in einer demokratischen Gesellschaft aber mittlerweile (gottseidank!!!) zum überwiegenden Teil in der Lage zu erkennen, dass Homosexualität zwar abnorm, aber eben nicht abnorm ist. Dass sie abweichend von der Norm der Heteros ist, nicht aber abnorm in einem ganz grundlegenden Sinne. Homosexualität gehört zum Leben dazu. Nicht nur zum menschlichen Leben, sondern auch zum Tierreich. Es ist normal wenn man nicht hetereosexuell ist. Diese Variationen gibt es seit Anbeginn der Menschheit. 

Wovor haben die Leute Angst, wenn es um die Homo-Ehe geht? Das ihnen irgendwas weggenommen wird? Die Wertigkeit ihrer heiligen Hetero-Ehe im Nichts aufgeht? Mir wird das nicht so ganz klar.

Ein allgemeine Denkfehler liegt darin, die standesamtlich Trauung mit der Kirchlichen zu verwechseln. Die eingetragene Lebenspartnerschaft ist der Versuch all jene Homos ruhig zu stellen, die sich gerne offiziell auf ihre Partnerschaft festlegen möchten. Eben wie die Heteros bei der Eheschließung. Die Lebenspartnerschaft ist zu allererst mal eines: ein unfassbar hässlicher Begriff. Und zum anderen schlicht und ergreifend nicht gleichzusetzen mit der Ehe. 

Was will eigentlich ich? Ich wünsche mir die Öffnung der Ehe für den homosexuellen Anteil der Bevölkerung. Denn nur die Ehe steht unter dem vollen staatlichen Schutz laut Grundgesetz. Was ich vom Staat erwarte, ist die Schaffung dieser Möglichkeit, sodass - falls ich mich festlegen möchte auch eine Partnerschaft - ich haargenau die gleichen Rechte habe wie all die glücklich verheirateten Heteros. Denn meine partnerschaftlichen Gefühle unterscheiden sich nicht von anderen. Ich erwarte nicht, dass ich in der Kirche getraut werden kann. Mir persönlich käme es irgendwie seltsam vor an einem Ort einen Bund einzugehen der heterosexueller nicht sein könnte. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden. Aber aufzustehen und panisch mit den Händen zu Fuchteln wenn es darum geht die ehe auf staatlicher Ebene zu öffnen, und zu behaupten dass man kirchliche Werte verraten würde.... Das ist einfach nur lachhaft für all diejenigen die in der Schule aufgepasst haben, als es um die Grundwerte der Gesellschaft ging: Unter anderem die Trennung von Staat und Kirche. Das die Realität bisweilen anders aussieht, das weiß ich auch. Aber dennoch kann man ja mal darauf hinweisen, dass es gar nicht unerhebliche Unterschiede gibt zwischen standesamtlicher Trauung und kirchlicher Trauung.

Was den Herrn Pirincci an den Homos aber wirklich zu stören schein, ist die angeblich omni-präsenz in den Medien. Das der Fokus zu Ungunsten anderer wichtiger gesellschaftlicher Probleme verschoben würde. Vielleicht konsumiert er mehr Medien als ich das tue, aber ich kann diese beschworene Omnipräsenz nicht entdecken. Und ganz im Ernst: Wenn der Anteil dieser abnormen Homos in der Gesellschaft bei 5% liegt, warum sollen diese dann nicht in einem ähnlichen Anteil in den Medien ihren Platz bekommen?

Und warum scheint eigentlich niemand mal das größte Bedürfnis zu sehen: Die Meisten wollen einfach alle nur ihre Ruhe haben. Gleichsam all den Spießbürgern die mit ihrem Volvo in die Vorstadt-Siedlung mit gerade Rasenkante ziehen. Ich will niemanden der mich als 'Experten' befragt, wenn es um die Homo-Ehe geht, niemanden der mich fragt wer der Mann in der Beziehung ist und schon recht niemanden der mir erklärt wie furchtbar tolerant er ist, aber dass man Homosexualitat ja nun wirklich nicht schon in der Schule unterrichten müsse. Ich will nur meine Ruhe. Mehr will ich gar nicht.

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