EIN (!!) Single! Einer!

Es ist schon ein paar Wochen her und ich war mit einer Freundin unterwegs. Im Auto lief das Radio, es kam gerade Werbung: "Alle 11 Minuten verliebt sich ein Single über Parship." Es tönt unüberhörbar von links: "Ja genau! EIN Single, genau einer!" Ich gucke sie teilweise verwirrt und teilweise amüsiert an. "Ja, ist doch wahr. Ein Single verliebt sich und der andere nicht."

Das war Einstieg in eine Unterhaltung über diverse Partnerbörsen die auf dem Markt sind. Und da gibt es eine Menge… Es gibt speziell welche für Ältere Semester, für Homos, für Heteros, sicherlich auch für andere Vorlieben. Die Elite kann sich von dem Rest des unstudierten Pöbels abgrenzen lassen. Es gibt web-basierte und es gibt Apps nur fürs Smartphone. Es gibt haufenweise Angebote, für die man bezahlen kann, wo dann irgendwelche fancy Features freigeschaltet werden. Wir hatten beide schon Erfahrungen mit unterschiedlichen Angeboten gesammelt und auch im jeweiligen Freundeskreis sind Flirtapps und Flirtportale nicht unbekannt. Es scheint zur heutigen Zeit dazu zu gehören.

Es gibt auf der anderen Seite auch viele Leute die den Rückgriff auf derlei Angebote nicht ganz nachvollziehen können, oder ihm eher kritisch gegenüber stehen. Anonymität, Beliebigkeit und Axtmörder sind an der Stelle beliebte Befürchtungen. Man würde die Leute lieber im realen Leben kennen lernen. Und ich frage mich dann häufig: Wieviel weniger anonym, beliebig und axtmörderisch sind eigentlich die Leute die man des Nächtens, alkoholisiert trifft?

Anonymität. Ein gewisser Grad von Anonymität gibt Sicherheit. Es ist einfacher jemanden im virtuellen Raum anzuschreiben. Eine Zurückweisung bekommen nur die zwei beteiligten Personen mit. In einer Bar sehen das potentielle mehrere nicht Beteiligte Menschen.

Status. Wer auf einer Flirt-Plattform unterwegs ist, der sucht nach etwas. Bei größeren Plattformen, kann man seinen Status einigermaßen detailliert beschreiben, sodass für den Gegenüber klar wird, was gesucht ist. In der Bar und auf der Straße, weiß kein Mensch wer vergeben ist und wer überhaupt gerade Lust hat, sich zu unterhalten.

Match. Es ist sicherlich einfacher Leute anzuschreiben, bei denen das System einem mitteilt, dass der andere einen auch gut findet.

Block. Wer nervt wird geblockt. Er läuft einem nicht hinterher, weiß nicht wo man wohnt und wo man sich überhaupt gerade aufhält.

Auf der anderen Seite: Vor dem ersten Date weißt du nie, ob das Foto das man dir zur Verfügung schickte auch tatsächlich der Realität entspricht. Das weißt du erst beim Date. Und dann kommt es auch durchaus mal vor, dass man lieber unentdeckt weiterfahren möchte. Ausserdem wird es an einem gewissen Punkt super nervig die immer gleichen Fragen zu beantworten und gleichen Geschichten zu erzählen. Wer das länger macht, der wird sicherlich im Verlauf wählerischer. Ein anderer Freund erzählte mir die Tage, dass er damals eine Excel-Tabelle angefertigt hatte mit Textblöcken zu Fragen, die immer wieder gefragt wurden, sodass er sie nur noch einfügen musste.

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