Im Liegen.

Die Tage als ich ungefähr kurz vor dem Tod ein bisschen krank war, schaut ich mir abends im öffentlich rechtlichen eine Art Reportage über das Rückenleiden der deutschen Bevölkerung an. Es war eher so mäßig interessant, aber ich war schlichtweg zu unmotiviert mich weiter mit dem TV-Programm auseinander zu setzen und dachte so bei mir: Naja. Öffentlich-Rechtlich. Vielleicht ist es ja interessant.

Immerhin beschäftigte mich das Thema dann jetzt doch ein bisschen. So falsch war die Programmwahl dann vielleicht doch nicht. Im Endeffekt ging es darum dass erschreckend viele Leute Rückenprobleme haben, mit der Tendenz zu jüngerem Einstieg in die Problematik. Iman betrachtete Schulmedizinische Ansätze und Ansätze der Traditionellen chinesischen Medizin. Beide Ansätze wurden derart oberflächlich behandelt, dass man sich vielleicht auch darauf hätte beschränken können, mitzuteilen, dass es da verschiedene Behandlungsmöglichkeiten gibt.

Prophylaxe von Rückenschmerzen nahm den Hauptteil der Sendung ein. Was ich ja tendenziell begrüßenswert finde. Man berief sich auf drei Grundpfeiler:
1. Richtig Sitzen
2. Richtig Liegen
3. Richtig Bewegen

Klingt zunächst einmal nicht falsch. Wenn ich nicht weiter nachdenke. Nun gut. Es gibt unzählige Jobs in denen wird mehr gesessen als alles andere. Das ist ungünstig für den Rücken. Der Mensch ist ein Tier der Bewegung. Bewegung ist natürlich. Im Sitzen ist insgesamt wenig Bewegung enthalten. Noch dazu hängt man in aller Regel eher wie ein Fragezeichen in seinem Bürostuhl. Scheißegal wie sehr anatomisch korrekt der Stuhl ist. Die Bequemlichkeit findet ihren Weg. Wie also das Problem lösen? Aufstehen und Bewegen wenn es geht, würde ich sagen. Ist das einzige was hilft. Alles andere sind nur Scheinhilfen.

Richtig Liegen. Hm. Da gab es eine TÜV-geprüfte Liegeberaterin (oder so ähnlich). TÜV-geprüft hört sich nun nach Mega viel intelligentem Wissen an. Grundsätzlich ist gegen einen hochwertigen Lattenrost und eine hochwertige Matratze die dem eigenen Körpergewicht angepasst ist, nichts einzuwenden. Dachte ich so. Klingt ja logisch was die Frau sagt: Wir können dem Körper im Schlaf viel gutes tun. Wäre die Matratze zu hart gäbe es vermehrt Druck auf diverse Körperstellen, was eine Meldung ans Hirn gibt, man solle sich wenden, was wiederum zu einem weniger tiefen Schlaf führen würde. Wenn die Wirbelsäule gerade auf der Matratze liegt und so. Man solle lieber kleinere Kissen nehmen, sodass die Schulter in der Seitenlage frei liegen kann. In Rückenlage darf das Kissen nicht zu hoch und nicht zu niedrig sein, weil der Kopf sonst knickt und so. Und Bauchlage?! Nein, das geht ja gar nicht, weil wo soll er denn hin der Kopf. Bis zu diesem Punkt war ich skeptisch. Nach der "Verteufelung" der Bauchlage war ich raus.

Seit ich mich erinnern kann schlafe ich am liebsten auf dem Bauch. Als Kind schon. Und ich schlief auch immer schon sehr unruhig und bewegte mich viel. Und ich schlief in aller Regel sehr gut und sehr tief. So tief, das mein Vater sich bisweilen sorgte ob ich denn noch leben würde. Rückenschmerzen kannte ich erst später. Als die Schultage länger wurden und mein Bewegungspensum niedriger. Also zumindest das mit der Bauchlage konnte schonmal nicht hinkommen.

Weitere - für mich - logische Schlussfolgerungen ergaben sich: Kinder haben in aller Regel keinen teuren Lattenrost und keine teure gewichtsspezifisch abgestimmte Matratze. Und Kinder haben - in aller Regel - keine Rückenprobleme. Und wer sich schlafende Kinde mal so ansieht.... Die haben allzuoft alles mögliche im Bett, aber keine gerade Wirbelsäule. Ich dachte weiter an mir bekannte Katzen und Hunde. Die schlafen auch nicht in einer Wirbelsäulen-Null-Position. Sondern am liebsten eingerollt. Meist auf eher hartem Untergrund. Boden, Fensterbrett, Teppich. Da ist nichts gewichtsspezifisch abgestimmt und auch nichts darauf ausgerichtet ob das Tier eine Seiten-, Rücken-, oder Bauchlage bevorzugt.

Also was unterscheidet Menschen mit Rückenschmerzen von solchen ohne? Ist es wirklich die teure ergonomisch-abgestimmte Matratze oder der 7-Zonen-Lattenrost der individuell einstellbar ist? Ich bin mir da nicht so sicher. Ich glaube der Schlüssel liegt in der Bewegung. Abwechslungsreicher Bewegung. Wer sich bewegt fördert die Beweglichkeit des gesamten Skeletts. Stärkt die Muskeln. Starke Muskeln können vieles ausgleichen. Ob die individuell zugeschnittene (und kostspielige) Schlaflösung dann noch nötig ist?

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