Guten Tag, ich bin eine Manikerin.

Nachdem ich vor ein paar Wochen schon das Vergnügen hatte eine narzisstisch gestörte Person zu spielen und meiner Gegenübersitzerin - die mich in einer Übung zu Anamnesegesprächen explorieren sollte - für 20 Minuten das Leben schwer zu machen, durfte ich heute mal wieder eine Patientin spielen. Bei der Auswahl zwischen Depression, Anpassungsstörung und Manie fiel mir die Wahl dann doch sehr leicht. Ich mag Herausforderungen, somit wollte ich gerne eine Manikerin sein.

Ich legte also los. In bester Laune präsentierte ich Ideen, ließ die Diagnostikern nicht ausreden und ignorierte ihr Distanzbedürfnis indem ich an ihren Haaren und ihrem Schal herumfummelte. Freute mich darüber, was man als Maniker alles mögliche "darf", was man ansonsten niemals machen würde. Ich hatte den Kopf voll mit anderen Ideen. Nach 10 oder 15 Minuten kreativen Einfälleproduzierens und ständigem Gerede, war ich ziemlich erschöpft. Den Fragen die mir gestellt wurden konnte ich ohnehin kaum folgen, was mir gesagt wurde, kam nur schwer bei mir an. Aber dann konnte ich ihnen wirklich nicht mehr folgen. Mein Gehirn hatte sich in irgendeinen Sicherheitsmodus gerettet und lieber die herumgehenden Blätter durch das Fenster beobachtet. Sich auf die Fragen zu konzentrieren war dann wirklich kaum mehr möglich. Es war nicht nur für die arme Diagnostikern anstrengend, die versuchte ihren Fragebogen durchzubekommen, sondern auch für mich. Nach insgesamt 20 Minuten brauchte ich dringend ein Pause. Zum Glück waren wir dann auch fertig mit der Übung. In mir zurück bleibt aber ein Gefühl dafür, wie heftig es im Hirn eines Manikers abgehen muss, da in dessen Hirn non-stop mehrere Tage oder Wochen am Stück die Neuronen abfeuern was geht.

Die eigentliche Aufgabenstellung war im Übrigen die Ausführung des strukturierten klinischen Interviews nach DSM (kurz: SKID). Man darf sich das als Interviewfragebogen vorstellen, in dem nur diese Fragen an den Klient gestellt werden sollen. Keine Fragen darüber hinaus. Das macht die Sache einerseits recht starr, andererseits aber in gewisser Hinsicht Narrensicher.

Was ich dabei heute gelernt haben ist ein gewisse Ahnung von dem Gefühl einer Manie und dass ein strukturierter Fragebogen bei einem Menschen in einer akuten manischen Phase nicht unbedingt das richtige diagnostische Instrument ist.

blog comments powered by Disqus