Eine Woche Rechtswissenschaften

BGB_von_1896
Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ABGB_von_1896.jpg

In meiner Post-Bacheloretten-Euphorie hab ich mich kurzerhand in Rechtswissenschaften (Bachelor of Laws - Kurz: LL.B.) eingeschrieben und zwei Module bestellt. Warum? Vermutlich aus unstillbarem Wissensdurst, dem Wunsch in juristischen Fragen nicht völlig aufgeschmissen zu sein… zu anderen Teilen auch einfach um den Studentenstatus zu behalten und um nicht aus dem Lernen rauszukommen. Vielleicht hab ich auch einfach Angst nichts zu tun zu haben. Ob ich überhaupt Prüfungen schreibe, bleibt noch abzuwarten.

Jedenfalls. Was kann ich nach einer Woche im Besitz des Moduls 55101-3 Bürgerliches Recht I so sagen? Juristen lieben Definitionen. Sie lieben sie, liebkosen sie und vergöttern sie. Die Art sich auszudrücken geschieht unter dem Deckmäntelchen der Informationsverdichtung, aber mal ehrlich: So manches kann man auch wesentlich simpler ausdrücken ohne der Informationsverstreuung anheim zu fallen. Juristen können alles definieren. Und sie tun es auch. Vermutlich nehmen sie ihre Definitionen abends ins Bett und neben dieser einen Liebe ist gar keine andere möglich. Die Liebe zum Definiendum und Definiens hat aber natürlich auch ihre schönen Seiten. Da alles definiert wird, was nicht zu schnell davon gelaufen ist, darf man sich auch über die Definition von groben Undank erfreuen.

Das spannende für mich: Ich habe meinen Abschluss gerade in einem Wissenschaftsgebiet gemacht, in dem man zwar stets bemüht ist einheitliche Definitionen für bestimmte Begrifflichkeiten, Umstände und Zustände zu finden, aber in der das Auffinden von Definitionen auf der anderen Seite oftmals gar nicht so einfach ist. Man frage sich wo hört Aggression auf und wo fängt Gewalt an? Was ist Liebe? Was ist überhaupt ein Gefühl? Und wo verdammt liegt eigentlich der Unterschied zu Emotionen?

Auf den ersten Blick scheinen sich in den Rechtswissenschaften solche Fragen nicht zu stellen. Man scheint davon auszugehen, dass man wirklich alles einwandfrei und allgemeinverständlich definieren kann, sodass jeder das Selbe unter einer Sache versteht.

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