Maskieren und Verweigern. Ein Rant.

Ich hab lang überlegt, ob ich überhaupt was dazu schreiben soll, denn alles was man zu diesem Thema öffentlich kund tut hat aktuell Potential für einen Shitstorm. Aus der einen oder der anderen Ecke. Aber nun mache ich es doch.

Schaut man in die sozialen Netzwerke, könnte man den Eindruck gewinnen, dass die Gesellschaft gespalten ist. Aufgespalten in jene, die die Maskenpflicht voll befürworten und jene, die die Masken unerträglich finden. Schaut man in sein direktes reales Umfeld sieht die Lage (hoffentlich) etwas weniger dramatisch aus und es sind mehr Graustufen zu entdecken.

Klinkt man sich auf Diskussionen bei Twitter ein mit einer kritischen Bemerkung kommt allzu häufig nur ein: Dann trag die Maske halt nicht und sei Teil des Problems. Völlig ab vom Thema und völlig fern der Realität, dass ich im Alltag meine Maske trage wenn es erforderlich ist (und noch sehr hübsche dazu, will ich meinen!). Aber das scheinen manche Menschen nicht zusammenzubringen. Das man sich an die Regeln halten kann und dennoch kritisch sein kann. Wenn man hübsche Masken trägt, ist es übrigens auch nur halb so schlimm….

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Was ich sagen will: Die Diskussionen und Argumente sind mitunter völlig absurd. Ich verstehe zum Beispiel überhaupt nicht, warum man sich aus T-Shirt-Stoff zwar ohne weiteres eine Maske nähen darf und dass dann auf vollständig akzeptiert wird, wenn diese getragen wird. Aber wehe du hast deinen Lappen zu Hause vergessen und ziehst die kurzer Hand das T-Shirt über die Nase. Dann ist das völligst inakzeptabel… "Das bietet ja gar keinen Ausreichenden Schutz!". Ja ne sorry. Deine selbst genähte Einhorn-Maske oder deine mehrfach getragene Einmalmaske lassen natürlich jegliche Viren erzittern… Mal im Ernst: Für was diese Masken wirklich gut sind (und weshalb sie im OP getragen werden): Die Maske hält deine Spucketröpfchen beim Sprechen auf. Und das ist gut. Denn in den groben Tröpfchen liegt ne hohe Viruslast wenn du ne Infektion der Atemwege hast. Was diese einfachen Masken aber nicht können: Kleinstpartikel filtern. Aerosole sind super klein. Unter 5 Mikrometer nämlich (Quelle: RKI). Die Alltagsmaske, der MNS, die OP-Maske ist für diese Partikel zu grobmaschig und reicht als Atemschutz nicht aus, dafür bräuchtet ihr ne FFP-Maske (Quelle: TBRA 250). Aber das sollte mittlerweile hinlänglich gekannt sein. Also warum zur Hölle stellen sich immer noch genug Leute hin und pöbeln wegen der Aerosole rum? Die umgeben uns sowieso. Mit oder ohne Maske. Mit Maske aber weniger Spucke.

Ein weiterer Schutzaspekt: Die Maske schützt davor, sich mit kontaminierten Händen ins Gesicht zu fassen. Ja gut. Was soll ich dazu sagen? Wir verstauen unsere Einmal- oder Mehrfachmaske professionell in der Hosentasche, Handtasche oder lässig am Arm, fummeln mehrmals daran herum um den Sitz zu korrigieren, fassen uns unter die Maske, weil die Nase halt gerade juckt und gewaschen oder gewechselt werden die auch nicht unbedingt regelmäßig, wenn ich mich so umschaue. Aber klar. Die Maske schützt vor Kontamination durch die Hände. Oder halt auch nicht. Viel wahrscheinlicher ist, dass die Maske unsere Hände kontaminiert wenn wir sie vor dem Supermarkt aufsetzen und wir dann mit den kontaminierten Händen den Einkaufswagen durch den Wagen manövrieren.

"Aber es geht doch darum wofür die Maske steht!". Ach ja? Für was steht sie denn? Etwa für die Einschränkung von Freiheit, Rederecht und Demokratie? Wer hat dir eigentlich diesen Floh ins Ohr gesetzt? Bill Gates mit einem seiner Mikrochips? Wenn die Maske überhaupt ein Symbol für irgendwas darstellt, dann doch wohl viel eher für den Grad der Verzweiflung und Hilflosigkeit angesichts eines Virus gegen den auch die westliche und wohlhabende Welt machtlos ist. Wir haben schlichtweg kein besseres Mittel zu unserem Schutz. Das macht die Maske noch lange zu keinem Wundermittel, denn die Alltagsmaske kann immer noch nicht viel mehr außer deine wütende Spucke auffangen, wenn du dich über deinen Sitznachbarn echauffierst, weil er die Maske unter der Nase trägst, während du dir Kirschen unter der Maske in den Mund schiebst.

Über die nachhaltige Sinnhaftigkeit des Lock-Downs den wir in Deutschland hatten kann man sicherlich streiten. Und man sollte ihn auch diskutieren. Aber welche Einschränkungen haben wir denn aktuell noch ganz konkret? Ich hab das sicherlich nicht deutschlandweit im Blick…. Aber im Grunde kann man doch so gut wie alles wieder machen. Teilweise mit anderen Bedingungen als vorher, aber das Leben ist wieder möglich. Und natürlich wünsche ich mir auch weniger Regularien. Einfach spontan wieder hingehen wo man möchte. In den Urlaub fliegen ohne zu checken, ob der Urlaubsort vielleicht gerade ein Risikogebiet ist. Essen gehen ohne sich in eine Liste einzutragen. Aber auch für all diese Maßnahmen gilt: Es ist der einigermaßen verzweifelte Versuch einem Virus etwas entgegen zu setzen wo andere Handlungsoptionen aktuell noch fehlen.

Einen weiteren Lock-Down herbei zu beschwören ist ähnlich beknackt wie zu behaupten es habe in Deutschland keinen Lock-Down gegeben. Ich glaube, jedes Mal wenn jemand behauptet, es habe keinen Lock-Down in Deutschland gegeben, dann fällt irgendwo ein insolventer Kleinunternehmer vom Stuhl. Bei den Befürchtungen und Rufen vor bzw. nach einem zweiten Lock-Down frage ich mich schon ob da überlegt wird, welche Kosten (wirtschaftlich, sozial und gesundheitlich) der erste Lock-Down verursacht hat und noch nach sich ziehen wird. Auf die Jahresabrechnung einiger Unternehmen bin ich da wirklich sehr gespannt. Mit den Corona-Maßnahmen verhält es sich doch im Endeffekt wie mit jedem Medikament: Wir brauchen davon so viel wie nötig, aber auch so wenig wie möglich.

Ich find die Maske im Alltag auch mehr als nur nervig, aber… Wo zur Hölle ist das Problem sich eine Maske aufzusetzen, wenn man seinen Einkauf erledigt? Und wo zur Hölle nochmal ist das Problem andere Leute einfach mal in Ruhe zu lassen? Ja, dann tragen manche die Maske halt unter der Nase. In aller erster Linie sieht das dumm aus, aber dann setz dich halt nicht neben diese Person, wenn du hoffst, dass die Maske auch Aerosole bei der Nasenatmung aufhalten kann. Hört doch auf andere Menschen pauschal in eine Kiste zu stopfen. "Der hat keine Maske, der ist ein Verweigerer!". Ja weißt du denn, ob der/die Mensch nicht vielleicht einen medizinischen Grund hat? Wer bist du denn, dass du dir darüber ein Urteil erlauben darfst? Fass dich doch an die eigene Nase…. Ach ne, besser nicht… Aber kümmer dich um dich selbst. Sei andern ein Vorbild für einen Umgang den du wünschst, dass man ihn mit dir selbst pflegt. Am Ende des Tages bist du die einzige Person, auf die du Einfluss hast. Fang bei dir selbst an, da hast du genug zu tun. Und hör auf dich so zu verhalten, als sei die Maske die alles entscheidende Problemlösung. Ist sie nicht. Sie ist vielmehr ein Mittel der Verzweiflung, dass vor allem dabei hilft Abstand zu halten und Tröpfchenflug zu mindern. Der Einfluss auf Aerosole ist arg begrenzt, die erreichen dich vermutlich sowieso. Mit oder ohne MNS. Also nutz doch deine Energie lieber dafür Leute anzupöbeln, die dir zu nah auf die Pelle rücken.

Natürlich darfst du alles scheiße finden, natürlich darfst du die Maske und die Maßnahmen scheiße finden. Natürlich darfst du auf die Straße gehen und protestieren. Wenn du das aber machst und auf die Corona-Eindämmungsverordnung mit Maske & Abstand scheißt, dann wunder dich aber bitte nicht, wenn deine Kritik nicht ernst genommen wird. Und vor allem: Man geht nicht mit Nazis auf die Straße. Man stellt sich ihnen entgegen, Gott verdammt!

Und an die, die sich heftig über Maskenverweigerer aufregen. Die fordern, dass man jenen medizinische Hilfe vorenthalten sollte, an die, die gar Äußerungen treffen wie: "ihr gehört mal ein paar Wochen ins KZ!". Was genau stimmt mit euch eigentlich nicht? Was genau unterscheidet euch eigentlich noch von einem Feld-Wald-Wiesen-Nazi? Merkt ihr eigentlich noch wie menschenverachtend ihr euch da äußert, wenn ihr meint entscheiden zu können/wollen welches Leben es wert ist, dass man medizinische Hilfe leistet und welches nicht?! Da könnt ich kotzen!

In der Zusammenfassung: Kümmert euch um euren eigenen Kram, seid bisschen netter zueinander (was auch bedeutet Raum für andere Perspektiven zu lassen) und stellt euch klar gegen Rechts. Nicht daneben.

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