Hypothesenagglutinierung

Weil das Wort so schön ist, steht es heute hier. Hypothesenagglutinierung

Auszüge aus der Literatur:

"Eine sehr elaborierte Form der Rekonstruktion der diagnostischen Urteilsbildung in Form konfigurationaler Modell" [...] " Es handelt sich um Verfahren der schrittweisen Rekonstruktion diagnostischer Entscheidungen in Form logisch miteinander verknüpfter ('agglutinierter') Hypothesen (...), die zu einer Diagnose führen. Ziel ist es dabei, die häufig nur impliziten Entscheidungsregeln von Diagnostiker im Rahmen eines Wechselspiels zwischen Befragung, Begründung, vorläufiger Regelformulierung und deren anschließender Modifikation explizit zu machen."

Ahja. Sonst noch jemand weitere Fragezeichen im Gesicht? Was haben wir denn da...:

- sehr elaborierte Form der Rekonstruktion der diagnostischen Urteilsbildung : Eine Methode um herauszufinden, wie eine Diagnose (Depression zum Beispiel) zu Stande gekommen ist.
- Verfahren der schrittweisen Rekonstruktion: Eins nach dem anderen halt. In kleinen Schritten geht man den diagnostischen Prozess durch um herauszufinden wie die Diagnose zu stande kam.
- in Form logisch miteinander verknüpfter ('agglutinierter') Hypothesen: Im Grunde nur einfache Wenn-Dann-Regeln. Wenn Patient häufig weint, ist er traurig. Wenn er immer traurig ist, dann hat er eine Depression (wobei das jetzt doch sehr stark vereinfacht ist)
- die häufig nur impliziten Entscheidungsregeln von Diagnostiker: Der Diagnostiker (also im Fall der Depression jetzt mal ein Psychologe) urteilt nicht nur auf Grund objektiver und für jeden nachvollziehbaren Regeln, sondern häufig aus einer Art Gefühl heraus, dass eine Diagnose jetzt zutrifft. Mütter zum Beispiel beruhigen ihr Baby mit Hilfe solcher impliziten Regeln, die ihnen selbst häufig nicht bewusst sind.
- anschließender Modifikation explizit zu machen: Die endgültige Diagnose steht fest. Und die (vormals impliziten) Regeln wurden herausgefunden und offen gelegt, sodass sie nachvollziehbar sind.

Man könnte auch einfach sagen, dass die Hypothesenagglutinierung eine Vorgehensweise ist, um diverse Annahmen über eine Sache zusammenzufassen. Könnte man. Muss man aber nicht.
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