Gutachten. Gut achten!

Manche wollten gerne wissen wie es mit Jura so läuft. Wer die Entwicklungen mitbekommen hat, weiß dass ich mir nach dem Abschluss des Psychologie-Bachelors im Rahmen einer gewissen Euphorie zwei Modul in Bachelor für Rechtswissenschaften geordert habe. Mit der Überlegung: Es könnte ganz sinnvoll sein, wenn man im Ansatz versteht, worum es in Gesetzen geht, mit denen man mitunter konfrontiert wird. Aber auch im Hinblick auf meinen Psychologiemaster und meine Überlegung, dass vielleicht irgendwann mal der Zeitpunkt kommt, dass ich ein psychologisches Gutachten schreiben muss. Ganz sicher wird sich das psychologische Gutachten von einem juristischen Gutachten unterscheiden. Aber ich bin mir auch absolut sicher, dass keiner es besser versteht astreinere und sachlichere Gutachten zu schreiben als die Juristen. Und wer weiß?! Vielleicht biege ich doch noch in die Rechtspsychologie ab. Dann habe ich zumindest schon etwas Vorwissen auf das ich zurückgreifen kann.

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Ich bestellte mir also noch die Billig-Ausgabe des BGB und dann saß ich hier mit meinen Studienbriefen. Und war ganz fasziniert wie andersartig der Schreibstil ist. Und überhaupt die Herangehensweise an einen Fall. Psychologie und Jura sind sich hier in ihrer Herangehens- und Ausdrucksweise gewissermaßen diametral entgegen gesetzt. Umso faszinierender für mich. Ich laß mich also so durch die Einführung ins BGB und dachte mir, dass ich jetzt auch mal eben so eine Einsendeaufgabe einschicken könnte und mich danach dem Propädeutikum widmen könnte. Rückblickend wäre es wohl umgekehrt wesentlich sinnvoller gewesen. Da das Propädeutikum die Einführung in die Gutachtentechnik und das Fach der Rechtswissenschaften überhaupt darstellt. Ich bin mir also ziemlich sicher, dass ich einen Haufen Müll abgegeben habe. Aber da ich bislang keine Rückmeldung bekam, gehe ich auch fast davon aus, dass diese Einsendearbeit irgendwo verschwunden ist.

Auch wie man beide Fächer lernt ist komplett unterschiedlich. In Psychologie musste ich wahnsinnig vieles auswendig lernen. Das Verständnis kam mit dem Faktenwissen. In Jura muss ich ziemlich wenig wissen. Ich muss mehr können. Das Wissen kommt mit dem Verständnis. Dem Verständnis der Gutachtenmethode. Dem Verständnis wie man ein Gutachten strukturiert. Und das allein ist schon gar nicht so einfach wie es sich zunächst mal anhört.

Juristen lieben Definitionen. Definitionen machen die Arbeit einfacher. Es muss immer ganz klar sein worum es geht. Und in aller Regel ist das zunächst einmal gar nicht so klar. Denn im Endeffekt gehen Juristen mit Konflikten um. Und Konflikte an sich sind schon nicht einfach. Wenn dann aber noch ein Jurist hinzugezogen werden muss, dann schon dreimal nicht. Also wird definiert und interpretiert und dargelegt. Aber immer in der korrekten Reihenfolge.

Wie es also läuft? Hervorragend! Ist wie Urlaub vom auswendig lernen, aber trotzdem bemüht man sein Hirn.

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