Ich bin faul.

Ich bin faul. Früher dachte ich, das sei etwas schlechtes. Etwas schlechtes wenn es hieß: "die ist nicht dumm, die hat nur keine Lust.". In der Regel habe ich eine Leistung nur erbracht wenn ich wollte. Nur meistens wollte ich nicht. Wusste nicht wofür. Mit dem Durchleben der Pubertät stellte sich immer intensiver die Frage nach dem Sinn und Zweck. Warum sollte ich mehr als nötig tun um durch die Schule hindurchzukommen? Klar. Ich hätte gern bessere Noten geschrieben, hätte mir lieber weniger häufig angehört, dass man sich sicher sei, dass ich mehr leisten könne. Mir konnte die Frage aber nie wirklich einer beantworten. Warum ich all die Sachen lernen sollte, die für mich so wenig interessant und so wenig nützlich für meine aktuelle Lebenssituation waren. Und vorausschauendes Denken ist ja nunmal eher nicht so die Stärke von pubertierenden Teenies.

Was ich mir mit dem heutigen Wissen selbst antworten würde? Das der Schulabschluss gemessen an den eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten möglichst hoch und möglichst gut sein sollte, wenn man es bei der Berufswahl einfacher haben möchte. Eine bessere Antwort fällt mir leider nicht ein. Und ich finde sie erschreckend unbefriedigend.

Nun könnte man meinen, dass jemand der neben einer 30-Stunden-Arbeitswoche noch ein Studium absolviert hat, weit entfernt von Faulheit ist. Aber um ehrlich zu sein: Gerade hier zahlt sich Faulheit aus, wenn man sich selbst vor einem Burnout schützen möchte. Denn genau dann ist ein funktionierendes effizientes Zeitmanagement der Schlüssel zum Erfolg. Im Mittelpunkt steht also die Frage: Wieviel muss ich von was machen, damit kein Bereich zu kurz kommt. Wieviel Arbeitszeit muss ich erbringen, damit ich mein Leben finanzieren kann? Wieviel Zeit fürs Studium muss ich aufwenden, dass ich einen guten Abschluss habe? Und welche Inhalte kann ich ohne großen Informationsverlust vernachlässigen? Wieviel Freizeit brauche ich?

Ich bin faul. Früher dachte ich, das sei etwas schlechtes. Heute weiß ich, dass Faulheit in einem engen Verhältnis zu Effizienz, Zeitmanagement und Kreativität steht. Denn nur wer faul ist legt Wert darauf die anfallende Arbeit in möglichst kurzer Zeit zu erledigen. Und zwar in einer Qualität in der man nicht ständig nacharbeiten muss. Lieber einmal richtig gearbeitet, als viele male halbherzig. Und nur wer Zeit hat zum Faulenzen kann kreativ sein. Wer arbeitet und unter immensem Druck steht, ist nicht kreativ. Aus Kreativität entstehen große Projekte in Kunst, Kultur und Wissenschaft. Namhafte Softwarefirmen haben das schon lange entdeckt. Nicht umsonst gibt es dort Lego in den Büros. Denn nur wer sich Zeit für eine Auszeit nimmt kann mit frischen Ideen zurückkommen. Ideen, die die Konkurrenz (vielleicht) noch nicht gehabt hat. Ohne solche Möglichkeiten in Industrie und Wirtschaft hätten wir jetzt keine Post-Its… Die Gesellschaft ist gewissermaßen abhängig von faulen Leuten die mit voller Energie und Herzblut Projekten nachgehen die ihnen beim Nickerchen unter einem Baum, einem Spaziergang oder auf dem Klo eingefallen sind.

Früher dachte ich, Faulheit sei etwas schlechtes. Heute weiß ich es besser. Heute weiß ich bei den Dingen die ich tue, aber auch wofür ich sie tue.

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