Geduldig.

Menschen die mich kennen wissen, dass ich ein recht unruhiger Zeitgenosse sein kann, der seine Probleme mit dem still sitzen hat. Das trieb bisweilen auch mal meine Lehrerin in der Schule in den Wahnsinn, die mit den sich ständig in Bewegung befindlichen Füßen nicht umgehen konnte. Manchmal treibe ich mit meinem ewigen rumgenestel an irgendwas die umsitzenden Leute am Esstisch in den Wahnsinn, weil ich so gut wie immer irgendwas in den Fingern haben muss. Diejenigen die mich kennen wissen auch, dass Geduld nicht gerade meine Vorzeigetugend ist. Ich selbst hätte mich vor ein paar Jahren auch keinesfalls als diszipliniert beschrieben, aber mittlerweile muss ich doch zugeben, dass es zutrifft.

Ich habe auch heute eine Probleme mit dem Still sitzen. Aber immerhin hat mir das älter werden auch ein paar Erkenntnisse gebracht. Nämlich, dass besonders dann der Fall ist, wenn mich etwas langweilt. Ich habe fest gestellt dass ich durchaus eine ganze Weile konzentriert arbeiten kann, wenn ich das was ich tue machen will, und vor allem wenn es mich interessiert. Und natürlich wenn ich die Möglichkeit habe zwischendurch aufzustehen.

loewe

Still sitzen erfordert Geduld. Geduld während man auf etwas hinarbeitet, damit am Ende ein fertiges Produkt entsteht. Geduld wird einfacher wenn man weiß wofür man geduldig sein soll. In der Schule war mir nie so richtig klar, für was ich mich gedulden sollte. Klar. Ich wollte irgendwie einen Schulabschluss machen, aber es hat mir niemand die Notwendigkeit von Mathe, Deutsch, Englisch und den restlichen Schulfächern für mein Leben und meine Zukunft so vermitteln können, dass ich einen Sinn für Geduld, Disziplin und Fleiß darin gesehen hätte.

Heute sitze ich sehr gerne still und arbeite konzentriert an etwas. Weil ich weiß wofür. Weil ich es mir selbst ausgesucht habe. Und dabei staune ich immer wieder über mich selbst. Obige Schablone ist so ein Staunprojekt. Ich habe hier eine große Leinwand liegen auf die der Löwe aufgetupft werden soll. Dafür brauche ich aber erstmal eine Schablone für einen Löwen. Also malte ich die Vorlage auf ein großes Blatt Papier und übertrug diese dann wiederum auf die Folie. Das war schon ziemlich kleinfieselig. Aber dann folgten fünf Zeitstunden in denen ich all diese kleinen Löwenkopfbestandteile präzise ausschneiden musste. Das bedeutete still sitzen und immer wieder kleine ruhige und kontrollierte Bewegungen ausführen. Wer das schonmal gemacht hat, weiß um diese ganz eigene Unruhe die sich in den Händen entwickelt, wenn man gezwungen ist immer nur kleine kontrollierte Bewegungen zu machen. Was ich damit sagen will: Ich bin stolz drauf, dass ich Geduld aufbringen kann und ich denke wir sollten uns alle immer wieder mit kleinen Aufgaben selbst herausfordern. Vor allem auf den Gebieten in denen wir so unsere Schwierigkeiten haben. Denn nur so können wir wachsen.

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