Das Problem sind die Teilzeitkräfte.

Hin und wieder unterhalte ich mich tatsächlich mit pflegerischen Kollegen. Oft über privates, auch häufig auch über Abläufe in Krankenhäusern, die historisch anmutenden Machtkämpfe zwischen Pflege und Arzt, oder aber schlichtweg über die Personalpolitik.

In den allermeisten Fällen ist man sich einig: Auf den Stationen in Krankenhäusern (und dabei ist es völlig egal in welche Institution man schaut) sieht man pflegerische Unterbesetzung. Da ist eine Pflegekraft schnell mal für 8-10 pflegeaufwändige Patienten zuständig, im Nachtdienst sind es gerne mal 20. Oder noch mehr. Und von der Bezahlung für diesen Job will ich gar nicht mal anfangen. Für diejenigen die sich jetzt wenig unter dem Arbeitsaufwand vorstellen können: Stellt euch vor einem Säugling die Windeln zu wechseln und ihn zu füttern. Das entspricht etwa dem Zeitaufwand für die Pflege eines Patienten. Wenn keine aussergewöhnlichen pflegerischen Maßnahmen erforderlich sind. Oben drauf kommt noch die Dokumentation, die ca. ein Viertel der realen pflegerischen Aktivität entspricht. Nun stelle man sich also bitte vor, dass man 8-10 Säuglinge zu wickeln und zu füttern hat und im Nachhinein genauestens aufschreiben muss, was man getan und gefüttert hat und wie es dem Baby so geht. Schwierig das in 8 Arbeitsstunden unterzubringen? Richtig. Ist aber das Problem der jeweiligen Pflegekraft.

Manchmal hört man von seinen pflegerischen Kollegen aber durchaus andere Begründungen für den Pflegemangel auf Station: "Das liegt nämlich an den Teilzeitkräften. Die haben nämlich immer irgendwelche Klausuren oder sonst irgendwelche Termine." Im Umkehrschluss bedeutet diese Annahme dann auch, dass es keine personellen Probleme gäbe, wenn alle Mitarbeiter Vollzeit arbeiten würden.

Was das heißen soll? Der Pflegenotstand kann durch die Teilzeitkräfte nicht dadurch gestopft werden, dass er eben mal am freien Tag einspringt, oder spontan die nächste Schicht wechselt.

Als Teilzeitkraft hört man auch öfter mal den verdeckten Vorwurf, dass man ja ruhig mal einspringen könnte, wenn man schon so viel frei hätte. Das man auch für weniger Arbeitszeit bezahlt wird, dass man möglicherweise ein Privatleben hat und nicht für die Arbeit lebt, dass man möglicherweise schlichtweg Gründe hat um weniger als 40h/Woche zu arbeiten, kommt diesen Leuten scheinbar nicht in den Sinn. Das man auch als 100%-Kraft dieses desolate System stützt, wenn man immer wieder sein eigenes Privatleben über den Haufen wirft, nur um den Kollegen bei Seite zu springen, wenn man wieder Not am Personal ist (was ungefähr an 2-3 Tagen pro Woche der Fall ist), kommt den Leuten auch nicht in den Sinn. Man ist davon überzeugt, dass die Teilzeitkräfte das Problem sind.

Manchmal bleibt mir auch nur ausdauerndes kräftiges Kopfschütteln als Handlungsalternative übrig.

blog comments powered by Disqus