Free Solo.

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Bildquelle: Capelight.

Am 21.03. (also gestern) kam ein wirklich wahnsinnig sehenswerter Dokumentationsfilm über Alex Honnold und seine Vorbereitungen um den El Capitan - eine legendäre Felsformation im Yellowstone - ohne technische Hilfsmittel zu erklettern. Es sei mal kurz nebenbei bemerkt (falls es auf dem Foto nicht zu erkennen ist): Dieser Felsen ist mit über 900m wirklich sehr sehr hoch und sehr sicher schon mit Seil und Sicherung eine immense Herausforderungen. Je länger man den Film sieht, desto mehr beginnt man sich zu fragen: Wo zur Hölle findet dieser Mann eigentlich Halt?!

Der Film zeigt einen sehr krassen und eindrucksvollen Typen, der eine - wie ich finde - sehr spezielle Herangehensweise an die Dinge hat. Das Klettern verfolgt er mit einer beeindruckenden Zielstrebigkeit und auf den ersten Blick wirkt er wie ein recht charmanter und durchaus intelligenter junger Mann. Schaue ich mir den Film als Psychologin an, entdecke ich da aber auch durchaus Wesenszüge, die ihm diese herausragende Leistung überhaupt erst ermöglichen. So scheint er sich eher weniger an materielle Dinge und auch emotionale Beziehungen zu binden, als es die meisten von uns tun. Dabei ist es nicht so, dass er die Dinge völlig emotionslos angeht. Aber irgendwie scheint er keine Angst zu haben. Irgendetwas scheint es ihm möglich zu machen, dass er in einer solch (durchaus) lebensbedrohlichen Situation einen kühlen Kopf bewahrt und er unbeirrt seinen Weg weiter verfolgen kann. Im Film wird auch ein junger Mann gezeigt, der sehr viel Freude in und an seinem Leben zu haben scheint. Ein Mann, der gerne lebt. Nur eben auf seine besondere Art und Weise.

Man möchte während des Films immer wieder mal die Augen schließen, weil man denkt: Verdammt ist das hoch! Mach das doch nicht Junge! Das ist doch der blanke Wahnsinn! Aber er verfolgt einfach weiter seinen Weg, seinen großen Traum. Er erklettert in unter 4 Stunden diesen Felsen, steht oben drauf, schwitzt kaum und sagt sowas wie: "Joa, fühl mich gut.".

Wer sich für Sport und einzigartige Persönlichkeiten interessiert: Der Film ist absolut sehenswert. Die Psychologen unter uns werden einige interessante Aspekte erkennen und vielleicht werdet ihr wie ich am Ende des Films einfach sprachlos auf den Abspann starren und denken: Was für ein krasser Typ. Und vielleicht werdet ihr dann auf dem Heimweg auch ein wenig traurig denken: Das wird nicht der letzte lebensgefährliche Aufstieg von ihm gewesen sein. Und die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass ihn das gleiche Schicksal ereilen wird, wie viele der Extremkletter. Aber bis dahin: Verdammt krasser Typ. Verdammt sehenswerter Film. Geht ins Kino!


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