Ich wollte dass es ein Training bleibt.

Jedes Jahr muss ich da durch. Reanimationstraining. Einigen meiner Kollegen gelingt es von Zeit zu Zeit sich da durchzumogeln. Ich selbst sehe mich stöhnend mit den Augen rollen, warum es denn jedes Jahr wieder nötig ist. Aber ich geh dann ja auch hin. Höre mir an, dass man den nicht ansprechbaren Patienten laut anspricht, ein bisschen rüttelt. Bestenfalls schon Kollegen gerufen hat und einen Notruf absetzt. Dann kommt die Sache mit dem Drücken und dem Beatmen. Und nachdem jeder mal gedrückt hat und sich mit dem Ambu-Beutel und der Maske eins abgemurkst hat, gehen alle Beteiligten nach einer halben Stunde wieder zurück auf ihre Stationen. Jedesmal denke ich mir: Warum muss das eigentlich jedes Jahr sein? So unnötig. Das bisschen Drücken und Beatmen kriegt man ja wohl hin. Aber im Endeffekt tut es auch nicht so weh. Ist ja schließlich auch Arbeitszeit.

Ich war auch immer ganz zufrieden damit, dass nur an der Puppe zu üben. Und eigentlich war ich eh der Meinung, dass ich das für den Rest meines Leben nur an der ramponierten Plastikpuppe mache, die bei uns den ausgefallenen Namen "Fr. Müller" trägt.

Bis heute. Heute war es dann real. Wobei das mit der Realisierung erstaunlich lange gedauert hatte. Da ich eine völlig andere Situation erwartet hatte. Ich hatte erwartet bei einer Fixierung helfen zu müssen. Nicht bei einem vitalen Notfall. Also brauchte ich eine ganze Weile um die Situation mit wenig Personal und einem bewegungslosen Patienten erstmal zu erfassen und richtig einzuordnen.

Was ich jetzt wieder weiß: Wenn dein Körper Stresshormone in beträchtlichem Ausmaß ausschüttet, dann weiß du nicht mehr soviel. Dann ist bis 30 zählen auch schon gar nicht so einfach. Und das jährliche Reanimationstraining hat schon durchaus seine Berechtigung.

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