Terror - Ferdinand von Schirach.

Ferdinand von Schirach ist in der Welt des Rechts und der Literatur ein bekannter Mensch. Das ZDF verfilmte letztes Jahr die Schuldserie mit Moritz Bleibtreu und das war schon ziemlich gut anzusehen. Neben Essays und Romanen schrieb er mittlerweile auch ein Theaterstück, in dessen Genuss ich vergangene Woche kam.

Das Stück stellt mit einem einfachen Bühnenbild den Gerichtssaal dar. Das Publikum hat die Aufgabe als Schöffengericht den Angeklagten zu verurteilen oder frei zu sprechen. Anderthalb Stunden ist insgesamt nur wenig Bewegung auf der Bühne und dennoch ist man von der Geschichte gefesselt und verliert zu keinem Zeitpunkt die Aufmerksamkeit.
Worum gehts in derer Verhandlung?

Ein Flugzeug auf dem Flug von Berlin nach München wird entführt. Der Terrorist lässt Kurs nehmen auf die voll besetzte Allianzarena in München. Knapp 50 Minuten nachdem der Flugzeugentführer sein Vorhaben kund tat schießt ein Kampfjetpilot die Passagiermaschine ab. 167 Menschen sterben. Dafür überleg 70.000 im Fussballstadion. Mittels Staatsanwalt, Verteidiger und Nebenklägerin (und natürlich auch dem Täter) werden verschieden Ansichten von Gerechtigkeit, Moral und Prinzipien präsentiert. Die Frage die sich jeder Einzelne Zuschauer vor de Urteilsverkündung dann stellen soll ist ob der Täter verurteilt wird, weil er 167 Menschen ermordet hat, oder ob er freigesprochen wird, da er 70.000 andere gerettet hat.

Es stellt sich die Frage ob es gerechtfertigt ist ein Menschenleben gegen ein anderes aufzuwiegen. Ob man einige wenige Menschen (die offenkundig ohnehin dem Tod geweiht sind) opfern darf um eine Mehrzahl zu retten.

Die Auseinandersetzung mit moralischen Dilemmata im Rahmen von Gedankenexperimenten ist nun nicht neu. In den 1950ern wurde der Weichenstellerfall entwickelt: Man stelle sich vor, dass ein Zug ausser Kontrolle geraten ist und nun droht er fünf Menschen zu überrollen. Durch umstellen einer Weiche könnte der Zug umgeleitet werden. Die fünf Menschen überleben. Unglücklicherweise steht aber dort ein einzelner Mensch. Darf nun der Tod eines einzelnen Menschen in Kauf genommen werden um das eben anderer zu retten?

Es ist eine spannende Frage. Hier http://terror.kiepenheuer-medien.de lassen sich die Abstimmungsergebnisse aus den verschiedenen Aufführungen einsehen. In unserem Fall wurde der Angeklagte mit einer 2/3 Mehrheit freigesprochen.

Wer Gelegenheit hat sich das Stück anzusehen: Auf jeden Fall hingehen! Man wird es kaum bereuen.

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