Ist die Pharmakotherapie wirklich der goldene Weg?

pillen

Ihr Standpunkt war zusammengefasst: Wenn in klinischen Studien "erwiesen" wurde, dass ein Medikament oder eine Methode gegen Placebos getestet wurde und keine von den Placebos abweichende Wirkung eintrat, dann ist die Methode beziehungsweise das Medikament unwirksam.

Im genaueren ging es dabei hauptsächlich um Psychopharmaka wie Antidepressiva und alternative Heilmethoden wie Akupunktur.

Meinen Standpunkt werde ich jetzt im folgenden versuchen zu erläutern:

Wer sich auf Studien beruft ohne diese selbst gelesen zu haben, hat keine Ahnung. Das schließt mich im Übrigen mit ein. Zum einen können Studien an sich viel erzählen. In der Psychologie ist es sogar so, dass die allermeisten Hypothesen die aufgestellt und getestet werden sich in den Ergebnissen bestätigen. Damit will ich nicht sagen, dass die Testmethoden falsch sind, sondern dass Studien häufig Gefahr laufen in einer konfirmatorischen Informationssuche zu ersticken. Also das nur zur Hypothese passende Informationen gesucht werden. (an dieser Stelle wollte ich eigentlich ein passendes Diagramm einfügen, was ich vor ein paar Wochen fand, aber heute finde ich es nicht mehr, ich werde es nachreichen, sodenn ich es finde)

Das Problem ist, dass sich viele Leute auf Studien berufen. Aber die allermeisten haben nicht die Studie selbst gelesen, sondern eine Zusammenfassung. Schon wer die Studie liest, steht stets vor dem Frage: Wieviel Wahrheit und Nutzen steckt in der Information?
Es gehen ein paar Wissenschaftler her, stellen eine Hypothese auf und wollen diese testen. Soweit, so gut. Am Anfang einer solchen Studie wird auch beschrieben, warum sie auf diese Fragestellung kamen und was der bisherige Forschungsstand dazu sagte. Im weiteren Verlauf wird beschrieben welche Personen an der Studie teillgenommen haben, wie diese ausgewählt wurden, wie und was getestet wird, die Hypothesen werden ausformuliert und lauter solche Dinge. Hier lassen sich schon eventuelle Beschränkungen erahnen. Die Stichprobe der Teilnehmer ist eventuell begrenzt, weil es nur Männer waren oder hauptsächlich Personen über 60 Jahren, oder nur welche im Rollstuhl. Irgendwie sowas. Diese potentiellen Einschränkungen gilt es zu erkennen und ganz am Ende des Studienartikels nochmal aufzuführen. Weitere Probleme kann es auch bei der Dauer der Studie geben, oder bei der Auswahl der Befragungsinstrumente. Man kann einiges richtig machen bei Untersuchungen, aber viel mehr falsch.
Nach diesem Methodenteil, kommt die Auswertung und Interpretation. So. Und hier liegt der Hund (zumindest der größte Teil des Hundes) begraben. Es wird in keiner Studie jedes einzelne Ergebnis komplett durchdiskutiert. Es wird - basierend auf den Hypothesen die man testen will - eine Auswahl getroffen und diese wird dann interpretiert. Der ausgefuxte und wache Leser merkt jetzt schon: Aha, dann werden ja auch einige Dinge gar nicht besprochen in dem Text und mir fehlt eventuell Information..... JACKPOT!!!! Deswegen sagt man auch so im alltagschargon: "Traue keiner Studie die du nicht selbst gefälscht hast" Nun. Wirklich fälschen muss man die meisten Studien gar nicht, aber es kommt im Großen und Ganzen darauf an, wie ich die Ergebnisse präsentiere. (Die Politik macht das seit Jahren sehr erfolgreich so.....)

Das Problem der Studien kurz zusammengefasst: Der geneigte informierte Mensch liest (wenns gut läuft) also die Interpretation einer Studie, die von den Wissenschaftlern aber bereits auch schon interpretiert wurde. (Wenns schlecht läuft ist es die Interpretation der Interpretation, der Interpretation dessen was die Bildzeitung über eine andere Interpretation geschrieben hat, und dann glauben die Menschen, dass Milch die Ausgeburt der Hölle ist. Oder so ähnlich.)

Und um jetzt den Weg zurück zum Antidepressiva/ Akupunktur-Thema zu kommen: Viele, viele, viele und noch mehr Studien werden finanziert von unseren führenden Pharmakonzernen von nebenan. Der Verdacht liegt nahe, dass diese bestimmte Ergebnisse sehen wollen. Sie wollen also das Ergebnis sehen: "Antideperessiva XY hat im Vergleich zu Placebo eine Wirkung." Gleichzeitig wollen ist es ihnen aber auch sehr genehm wenn eine andere Studie herausfindet: "wenn ich Menschen Theaternadeln, statt echter Akupunkturnadeln auf die Haut piekse, hat das den gleichen Effekt"
Ich möchte hier nicht bestreiten, dass ein paar gute Gespräche hilfreicher sind, als andere Methoden, aber ein wenig mehr Skepsis gegenüber Studien die man nicht einmal selbst gelesen hat ist dann schon angebracht.

Ich kenne keine solche Studie, aber ich weiß dass Akupunktur nicht von heute auf morgen wirkt. Ich weiß, dass der Grundgedanke/ die Philosophie dahinter ist gestörte Energieflüsse im Körper wieder zu korrigieren. Und das kann seine Zeit dauern. Das dauert auch mal ein halbes bis ganzes Jahr. Ich kann mir gut vorstellen, dass es schon an diesem Punkt methodische Einschränkungen gab. Immerhin weiß ich, was ich in den nächsten Tagen tun werde. (Studien zum Thema raussuchen und lesen).

Zum Thema Antidepressiva: Ich glaube, dass die allermeisten Konsumenten solcher Mittel einen genauso großen Nutzen davon hätten, wenn sie ein Placebo und eine wirklich gute Therapie erhalten würden. Andererseits glaube ich auch (besser: ich bin voll davon überzeugt), dass kein einziger Patient von der alleinigen Gabe eines Psychopharmakas profitieren würde. Es braucht zur Genesung auch die passenden Umstände/ Umweltbedingungen und vor allem die richtige Therapie. (abgesehen von der medikamentösen, gibt es ja noch einiges andere an Therapiemöglichkeiten).

Meine Kollegin fragte mich dann schlussendlich, ob ich mir zutrauen würde Psychotiker zu therapieren ganz ohne Medikamente. Zunächst bejahte ich das. Heute habe ich ein wenig darüber nachgedacht und bejahe das eingeschränkt.

Wenn ich ausreichend Mittel dazu hätte würde ich einen Versuch starten, mit so wenigen medikamentösen Mitteln wie möglich auszukommen. Wer hochakut verängstigt ist, oder gar aggressiv, der würde dann auch medikamentöse Unterstützung erhalten. Aber hauptsächlich würde ich (in meiner kleinen Utopie) gerne versuchen diese Leute ganzheitlich zu behandeln. Also ausreichend Bewegung, Optimierung der Ernährung, raus aus der Reizüberflutung. Das sind jetzt drei Dinge die mir spontan einfallen. Und es gibt sicherlich noch mehr was man tun kann. Aber das ist eben nur meine kleine Utopie. Ich weiß auch nicht inwieweit das funktionieren würde, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass die Selbstheilungskräfte des Körpers so einiges schaffen können, wenn sie ein wenig Unterstützung kriegen.

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