ÖPNV-Kabarett

War heute mal wieder auf die ÖPNV angewiesen. Zugegebenermaßen muss ich ja vorweg einwerfen, dass die Anbindung hier völlig in Ordnung ist und meistens funktioniert auch alles. Dann gibt es aber auch wieder Tage wie diesen, wo für die ÖPNV alles aus dem Ruder zu laufen scheint.

Ich stehe also an der Haltestelle. OEG. Fachhochschule. Eine unübersichtlich große Horde von Fachhochschulstudenten (vermutlich) steht schon dort und wartet. Ich denke mir jetzt schon: "Ups das wird aber knapp wenn die da alle in eine so eine kleine Straßenbahn reinmüssen." Zum Glück waren die alle so unfassbar gebildet und genial, dass sie alle zusammen ganz vorne als Traube einsteigen wollten. Hinten waren "wir" sehr viel weniger. Die Bahn kommt (natürlich verspätet um 2 Minuten) und ist gerammelt voll. 5 Leute steigen aus, zwanzig quetschen sich rein (ich natürlich auch). 10 Müssen draussen bleiben. Kein Platz mehr. Absolut keiner. Nach 5 Minuten fällt dem Fahrer dann auch mal ein durchzusagen, dass man doch von Trittbrettern steigen möge, da sich die Türen sonst nicht schlössen. Ein echt fixer Typ.

Mein Hinterteil berührt 5 oder 6 andere Ärsche. Soviel dass ich das ich dass gar nicht mehr rausfinden konnte. Die Dame vor mir schafft es trotzdem bei jeder Bremsung fast umzufallen.
An den nächsten Haltestellen will kaum einer aussteigen, die Berufsschüler dort müssen warten auf die nächste oder übernächste heillos überfüllte Bahn).


hbf

Puh. Vierter Halt Hauptbahnhof. Die OEG erbricht Menschenmassen. Ab zum Gleis. Will ja mit der S-Bahn weiter Richtung nach Hause. In der Bahnhofshalle laufen verwirrte Bahnhofsmitarbeiter und unzufriedene Reisende rum. Keine Neuigkeit. Scheint wie immer. Das Gleis ist ähnlich voll wie immer. Es folgen Durchsagen:
1. Meine Damen und Herren an Gleis 8, die S-Bahn nach Karlsruhe fährt jetzt ein
2. Meine Damen und Herren an Gleis 8, irgendein Zug nach woanders hin fährt heute von woanders
3. Meine Damen und Herren an Gleis 8, es fährt ein Zug aus Karlsruhe ein, bitte nicht einsteigen
4. Meine Damen und Herren an Gleis 8, die S-Bahn nach Karlsruhe fährt jetzt ein
5. Meine Damen und Herren an Gleis 8, es fährt ein Zug aus Karlsruhe ein, bitte nicht einsteigen
6. Meine Damen und Herren an Gleis 8, die S-Bahn nach Karlsruhe fällt heute aus

Die S-Bahn aus Karlsruhe fährt schließlich und endlich ein, es folgt Durchsage Nummer 7, dass man in diesen Zug nicht einsteigen soll, ich mache mich mit der aussteigenden Masse auf den Weg zurück zur Straßenbahnhaltestelle um einen anderen Weg nach Hause zu wählen. Es motzen Menschen am Bahnsteig, dass das jetzt ja wohl nicht sein kann. Allenvoran eine gut beleibte Frau mit Fahrrad. Sie sollte auch recht behalten, denn kaum haben ich 10 Treppenstufen erklommen, folgt Durchsage Nummer 8-15 (sie wurde mehrmals wiederholt) "Die S-Bahn nach Karlsruhe an Gleis 8 ist jetzt abfahrbereit." Yay! Wunderbar. Fahr ich halt doch S-Bahn.

Natürlich fährt sie zu spät los. Was denn sonst. Ich wundere mich jedenfalls nicht. Ich stehe der beleibten Frau mit Rad gegenüber. Sie motzt ein wenig. Jeder kennt diese Art von fremden motzenden Menschen. Sie sind auf Suche nach gleichgesinnten, mit denen sie sich dann in eine Motzextase hineinmotzen können. Bis zum Motzorgasmus. Leider steigt niemand ein. Also bleibt sie eine einsame unzufriedene dicke Frau mit Fahrrad, die mich amüsiert. Mit ihrem Gemotze, dass die Bahn ja nun schon wieder 3 Minuten Verspätung hätte und so weiter und sofort. Mein Bedürfnis nach Amüsement wird vollends befriedigt, als sie - wie ich auch - an der nächsten Haltestelle ausstieg. Mit dem Rad dauert es vom Bahnhof bis dorthin 10 Minuten. Aber es tut gut, wenn man für die eigene Verspätung jemand anderen die Schuld geben kann.

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