4 Wochen Psychologin - 4 Wochen Eingliederungshilfe

Vor ziemlich genau vier Wochen stand ich im Kolloqium - der mündlichen Verteidigung meiner Masterarbeit - vor meinen Prüferinnen. Ich redete mir den Mund 13 Minuten fusselig und trocken, beantwortete die Fragen und wurde danach beglückwünscht zu meiner bestandenen Masterarbeit. Und damit auch freudig aufgenommen in den Kreis der Psychologinnen. Ich hab das Happening gebührend mit Käsekuchen gefeiert und direkt am nächsten Tag meine erste Stelle als Psychologin angetreten.

„Der Arbeitnehmer wird als Psychologin eingestellt.“ Das mit dem Gendern muss man dort wohl erst noch lernen und irgendwie ist es mir dann doch ein bisschen egal und erheitert mich viel mehr, als das es mich ärgert.

Aber Katha, erzähl doch mal! Wie ist es denn bei deiner neuen Arbeitsstelle und was machst du da überhaupt? Das will ich euch verraten:

Ich betreue psychisch kranke Erwachsene im Rahmen der Eingliederungshilfe. Der Fokus liegt erfreulicherweise viel weniger darauf die Klienten auf den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln, sondern vielmehr darin den Klienten eine Teilhabe am Leben zu ermöglichen. Und sei das nun durch Unterstützung bei der Haushaltsführung oder dem Einkauf, oder aber auch bei Behördengängen und Arztbesuchen, so darf es bei manchen auch einfach mal eine Runde um den Block mit einem Kaffee sein. Ich arbeite dort in einem kleinen Team, jedoch mache ich die Termine mit meinen Klienten selbst aus, was mir eine gewisse Planungsfreiheit und Flexibilität gibt. Oft bringen die Klienten selbst schon Ideen mit, was sie in ihrer Betreuungszeit erledigen möchten (oder müssen), in manchen Fällen muss ich aber mit den Klienten zusammen erstmal überlegen was ansteht, oder zu was man sich motivieren könnte. Neben den Einzelterminen gibt es diverse Gruppenangebote. Ich habe das Glück bei einer Mittagstisch-Gruppe direkt als Vertretung einspringen zu können und kann so das Angenehme (Essen und Unterhaltung) mit dem Nützlichen (Eingliederung) verbinden zu können.

Diese Form ambulanter Versorgung ist für mich nun etwas ganz neues, bringe ich doch jahrelange Erfahrung aus dem stationären Setting mit. Aber es ist genau das was ich wollte. Raus aus dem teilweise sehr vorstrukturierten (aber streckenweise auch erschreckend unstrukturiertem) Stationsalltag, rein in das freiere ambulante Setting.

Und was soll ich sagen: Ich hab Spaß bei meiner Arbeit. Zumindest solange wir nicht über die Vergütung sprechen.

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