Vom Jein zum Ja (Buchtipp).

"Ich halt dich nicht fest und lass dich nicht los" - (Pocahontas, AnnenMayKantereit)

Und weil ich gerade 'nur' an meiner Masterarbeit schreibe, habe ich endlich wieder Zeit und Lust zu lesen. Deswegen folgt hier der nächste Buchtipp. Und Lesetipp, wem ich das Buch nahelegen und empfehlen würde nehm ich diesmal gleich vorweg: DIR. Genau. Dir und schlichtweg jedem einzelnen Menschen der die Absicht hat eine zufriedenstellende Beziehung zu einem anderen Menschen zu führen.

Zugegeben: Das Buch hat keinen besonders ansprechenden Titel, aber das haben meiner Meinung nach die wenigsten Ratgeber-Bücher. Und wenn du das nun liest, wirst du vielleicht sagen: Ich habe keine Bindungsangst oder Probleme mit Bindungen, schließlich habe ich ja schon langfristige Beziehungen geführt. Und ganz eventuell mag das für dich sogar stimmen. Eventuell gehörst du zu den Menschen mit einem sicheren Bindungsstil und hast einen Partner gefunden, der ebenfalls sicher gebunden ist. Das freut mich dann natürlich sehr für dich. Meine - völlig subjektive - Erfahrung aus meinem Umfeld zeigt mir aber, dass die allermeisten in Beziehungen das ein oder andere Problem haben. Manche davon scheinen immer wieder in Beziehungen zu landen in denen sich ein ähnliches Muster abspielt und andere fragen sich warum sie nach einer gewissen Zeit eigentlich immer wieder das Interesse an ihrem Partner verlieren. Vielleicht hast du aber auch das Gefühl, dass deine Beziehungen sonst immer ganz 'gut' und im Kräfteverhältnis ausgeglichen waren, aber von der letzten kommst du irgendwie nicht richtig los. Dann kann dir dieses Buch helfen.

Ähnlich wie schon in Das Kind in dir muss Heimat finden basieren die Annahmen von Stefanie Stahl auf den Prägungen aus unserer Kindheit. Es gibt das innere Kind, dass diverse Glaubenssätze verinnerlicht hat. Die Glaubenssätze führen zu einem bestimmten Verhalten. Zu Schutzstrategien um den angeknacksten Selbstwert zu schützen. Denn der Kern einer Beziehungsproblematik läge im (zu geringen) Selbstwert in mindestens einem der Beziehungspartner.

Im Buch erklärt sie den Unterschied zwischen aktiv und passiv Bindungsängstlichen. Also jenen, die entweder die Verbindlichkeit einer Beziehung nicht ertragen können, weil sie Angst haben sich selbst dann aufgeben und verlieren zu müssen, oder aber Angst vor Verlust haben und lieber selbst davon rennen, bevor es der andere bzw. die andere tut. Und auf der anderen Seite die passiv Bindungsängstlichen, die dem aktiven Part hinterherlaufen aus Verlustangst oder aber weil sie glauben alleine nicht überleben und für sich sorgen zu können, oder sie keine Verantwortung übernehmen wollen und damit in gewisser weise abhängig sind.

Schuld daran seien die Glaubenssätze des inneren Kindes. Im Buch finden sich im Kurzen Übungen wieder, die in Das Kind in mir muss Heimat finden eine ausgiebige Betrachtung finden. Stahl nimmt ihre Leser bei der Hand und erarbeitet mit ihnen zusammen die individuellen Glaubenssätze, Werte, Stärken und Schwächen. Wer intensiv mit dem Buch arbeitet kann sehr viel über sich selbst und seine eigene Beziehungsgestaltung erfahren und zukünftige Beziehungen sicherlich wesentlich bewusster mitgestalten, anstatt - wie bisher vielleicht - sich auf sich selbst zurück zu ziehen und sich dem anderen zu entziehen.

Eine maßgebliche Quintessenz des Buches ist sicherlich: "Erst durch Reden wird ein Weg zum Miteinander gebahnt". Sie hält ihre Leser - die an sich arbeiten wollen immer wieder dazu an mit ihren Partnern über ihre Problematik zu reden. Und wer keinen Partner hat dem rät sie: "Wenn du keinen Partner hast, dann sprich mit Freunden über dein Problem. Und wenn du keine Freunde hast, dann such dir welche. Die Welt ist voll von netten Menschen". Soll heißen: Wer an sich arbeiten will, der ist gut beraten mit einer nahestehenden Person darüber zu reden.

Das Buch, bzw. das lesen des Buches wird dein Problem nicht lösen. Das musst du sicherlich schon selbst tun. Aber es gibt dir gutes Handwerkszeug an die Hand um deine (zukünftige) Beziehungsqualität zu verbessern und dich damit langfristig ein Stück glücklicher zu machen. Denn egal ob du zu denen gehörst, die immer wieder aus Beziehungen flüchten (weil sie zu eng werden, oder die Verlustangst zu groß), oder aber zu jenen die an Beziehungen haften bleiben und sich kaum lösen können, glücklich und zufrieden macht das nicht. Denn am Ende ist dem Menschen ein grundlegendes Bindungsbedürfnis ja mit in die Wiege gelegt.

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