Türöffner.

Früher hatte ich einige Schwierigkeiten damit allein irgendwohin zu gehen. Also jetzt nicht alleine zum Supermarkt, oder alleine in die Stadt fahren um Dinge zu besorgen. Sondern alleine weiter weg zu gehen. In eine andere Stadt zu gehen.

Ich hätte damals nach dem freiwilligen sozialen Jahr nach Wien gehen können. Hätte dort Psychologie studieren können und wäre mittlerweile schon Diplompsychologin und würde als Psychologin irgendwo arbeiten. Ich hatte einen Studienplatz dort. Ich hätte mir einige Schwierigkeiten des Bachelor-Master-Desasters durchaus ersparen können. Aber ich habe es nicht gemacht. Zu groß war die Angst vor dem Ungewissen. Die Sorge wie man in einer weit entfernten Stadt eine Wohnung finden könnte und wie man es schaffen sollte neben dem Studium das nötige Kleingeld zu verdienen schien mir unbewältigbar. Ich hatte auch nicht die geringste Idee wie andere Studierende das eigentlich schafften.

Und nun 11 Jahre später sitze ich hier in Hamburg. Nebenher nach Heidelberg zu pendeln um dort weiterhin ein paar Stunden im Monat zu arbeiten erscheint mir gar nicht so schlimm, auch wenn andere immer wieder darüber erstaunt sind, dass ich diese Strecke auf mich nehme. Dabei sind das 10 Zeitstunden in denen ich für Hin- und Rückweg im Zug sitze und nichts besseres zu tun habe als was für die Uni zu arbeiten. Und ich mach das ja auch nicht jedes Wochenende. Wenn ich einen Job in Hamburg hätte fänd ich es auch suboptimal, dass mir das freie Wochenende nicht zur Freizeitplanung zur Verfügung steht. Insofern ist das alles relativ.

Man muss aber auch sagen, dass mir der Umzug nach Hamburg viel weniger leicht gefallen wäre, wenn ich letztes Jahr nicht meinen Single-Trip gemacht hätte. Der hat mir gezeigt, dass man mit Leuten schnell in Kontakt kommen kann wenn man möchte und dass man zumindest für Stunden oder Tage Gefährten finden kann mit denen man was unternehmen kann. Aber auch wenn nicht, gibt es viel zu entdecken.

Und Hamburg macht es einem hier vielleicht aber auch besonders einfach: Hier gibt es wahnsinnig viel zu entdecken! Es muss einem gar nicht langweilig werden. Und wenn doch gibts ja immer noch Netflix und Bücher.

Was will ich eigentlich sagen? Für mich war dieser Umzug eine Chance aus dem bisherigen Leben auszubrechen. Ich brauchte mal dringend einen Tapetenwechsel und ich musste was anderes sehen. Es ist nicht so, dass ich es in Heidelberg nicht mehr ausgehalten hätte. Ganz im Gegenteil. Ich mag die Stadt total gern. Aber wenn man sehr lange an einem Ort ist, dann hat man so seine Routinen. Man rostet gewissermaßen ein. Man traut sich vielleicht wenig Neues. Man kommt nicht raus aus der Komfortzone. Wie soll man sich denn weiterentwickeln, wenn man seine Komfortzone nicht verlässt? Richtig: So gut wie gar nicht. Der Umzug in eine neue Stadt am anderen Ende von Deutschland in der ich niemanden kenne ist nun wirklich weit ausserhalb meiner Komfortzone gewesen. Und dieser Ausbruch stellt Herausforderungen an mich. Und es macht so unendlich viel Spaß neue Leute kennen zu lernen, neue Sachen auszuprobieren und sich auf ganz andere Charaktere einzustellen. Auf der anderen Seite ist man zunächst aber auch viel allein. Mit sich selbst allein. Muss sich überlegen was man nun den ganzen Tag mit sich anfängt. Denn wenn man niemanden kennt, muss man erstmal neue Kontakte knüpfen und an Freundschaften arbeiten. Das kann mitunter anstrengend werden. Aber ich finde man lernt sich dadurch auch neu kennen. Zumindest wenn man sich darauf einlässt. Fakt ist: Ich habe seit ich im April hier her gezogen bin allerhand zu tun und komme gar nicht groß dazu fotografieren zu gehen oder Bilder zu malen. Lesen ist während der Vorlesungszeit eh schon immer schwierig. Aber das kenne ich ja aus den letzten Jahren auch nicht anders.

Der Punkt ist: Wer woanders hingeht, macht nicht unbedingt eine Tür hinter sich zu, aber vor sich sicherlich einige neue Türen auf. Und das kann sehr schön sein wenn man ein bisschen mutig ist und sich darauf einlässt. Abgesehen davon ist Hamburg einfach schön. Und die Uni ist toll. Und alles ist grad ziemlich toll. Naja gut. Das Meiste ;)

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