2018

Leistungsvergleich

"Ich muss die Leistung ja auch immer mit der Leistung der anderen vergleichen."

Mir ist absolut klar, dass Leistungsbewertung immer immer immer eine subjektive Note hat. Ausser man macht harte Multiple Choice Fragen bei denen nur die richtige Antwort zählt. Aber selbst da liegt es manchmal im Auge des Betrachters ob eine der Antworten als korrekt gewertet werden sollte, weil man die Antwortmöglichkeit anders auffasst, als vom Verfasser intendiert. Es gilt sicherlich auch: Je freier die Prüfungsmethode, desto subjektiver. Der absolute Höhepunkt subjektiver Bewertung sind mündliche Prüfungen.

Damit die Bewertung einer Prüfung möglichst objektiv von Statten geht, gibt es Lösungsschemata oder Bewertungsbögen oder ähnliches. Also auch für mündliche Prüfungen gibt es Schemata nach denen eingeteilt werden kann, ob der Prüfling den Stoff nicht gewusst, in erwartbarer Weise gewusst oder gar die Erwartungen übertroffen hat, weil er Dinge über der Lehrinhalte hinaus auch gewusst hat. Es gibt also durchaus die Möglichkeit eine einzelne Person einigermaßen unabhängig von anderen Personen zu bewerten. Das die Leistung des Vorgängers einen Einfluss auf die Bewertung des Nachfolgenden hat, lässt sich sicherlich weder leugnen, noch ganz abstellen. Aber man kann sich ja wenigstens bemühen.

Meiner Auffassung von Leistungsbewertung nach geht es jedoch darum ob ein Prüfling bestimmte Kriterien erreicht, welche die Vergabe einer vorgegebenen Punktzahl bestimmen. Nicht jedoch der Vergleich mit anderen Prüflingen. Denn das wäre ein Wettkampf mit dem Ziel: Möge der oder die Bessere gewinnen.

Und diese ständige (ungefragte) Konkurrenz mit anderen Menschen macht mich wütend. Wütend, weil sie ungerecht gegenüber allen ist. Ich will - wenn überhaupt - nur mit mir selbst in Konkurrenz stehen. Denn schließlich ist das schon anstrengend genug. Aber solange ich mich nicht freiwillig für einen Wettkampf anmelde, möchte ich auch an keinem teilnehmen. In der Universität werde ich aber in den Wettkampf gezwungen, wenn ich nicht gerade eine klassischen schriftliche Prüfung schreibe. Es ist brutal gemein wenn die Ersten einer Vortragsreihe entweder einen Vorteil haben, weil sie ja die Ersten sind, oder aber einen Nachteil haben, weil die Nachfolgenden um Welten bessere Vorträge abliefern, obwohl der erste Vortrag auch gut war.

Also nein: Es ist nicht okay die Leistung einer mündlichen Prüfung mit der Leistung von anderen zu vergleichen. Die Leistung soll daran gemessen werden was der Prüfer unterrichtet hat und was der Prüfling wissen sollte. Nicht daran was die anderen gewusst haben.

Sollte ich jemals in die Position der Prüferin kommen, hoffe ich inständig das ich es besser mache.

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Wichtig sein.

Um mal eine wilde Hypothese in den Raum zu werfen: Jeder Mensch will wichtig sein. Beziehungsweise: Jeder Mensch will von mindestens einem anderen Menschen das Gefühl bekommen wichtig zu sein. Eventuell sogar die Wichtigste Person in dessen Leben. Nicht umsonst läuft die Mehrzahl der Menschen der seriellen Monogamie hinterher. Immer in der Hoffnung der nächste Partner oder die nächste Partnerin gibt einem das was einem zuletzt gefehlt hat. Neben diversen anderen Attributen ist es am Ende doch meist das Bestreben nach diesem Gefühl, der Faktor der uns in unseren Beziehungen leitet. Von dem auch abhängig ist ob uns in der Beziehung was fehlt, oder ob wir eigentlich ganz zufrieden sind so wie es gerade ist.

Dabei ist es ja keineswegs so einfach, dass jeder Mensch das gleiche braucht um sich wichtig und geliebt zu fühlen. Wenn es so wäre, wäre es sicherlich wesentlich einfacher. Aber nein. Wir haben alle unsere ganz eigenen Wünsche und Vorstellungen. Und nur weil man selbst viel daraus schöpfen kann, wenn einem vielleicht alle paar Tage mal der Kopf gekrault wird, heißt das ja noch lange nicht, das das bei meinem Gegenüber, mit dem ich versuche eine zufriedenstellende und kraftschöpfende Beziehung zu führen, genau so ist. Denn der oder die braucht vielleicht etwas ganz anderes um sich gesehen zu fühlen. Unserem Gegenüber ist es vielleicht wichtig jeden Abend eine liebevolle Gute-Nacht-SMS zu bekommen. Oder unerwartet auch mal ein Blümchen oder wasauchimmer. Dinge, die uns selbst vielleicht gar nicht so wichtig sind. Dinge auf die wir genau deshalb gar nicht so schnell kommen.

So verschieden wir in unseren Bedürfnissen aber auch sind, so wollen wir alle unser kleines süßes Größenselbst gefüttert sehen. Wir alle freuen uns ein Loch in den Bauch wenn wir von irgendwem für etwas gelobt werden. Und je wichtiger uns der Erfolg war, desto schöner und wirksamer das Lob und die Anerkennung. Aber eigentlich ist das allerbeste immer noch einfach für das geliebt zu werden was man ist. Ohne dass man dafür erst was leisten müsse. Aber die Art uns Weise auf die Liebe gezeigt wird, wie jemand einer anderen Person zeigt, dass ihm oder ihr diese wichtig ist, das unterscheidet sich. Genau wie die Bedürfnisse. Und manchmal sprechen die Leute unterschiedliche Sprachen. Günstig wärs hier also wohl, wenn man sich hier zusammensetzen und darüber reden würde. Beschreiben würde, was man sich selbst wünscht und erläutern würde wie man selbst Liebe zeigt. Und im Besten Fall kommt man dann zusammen.

Manch einer bekommt im Verlauf seiner Beziehung aber auch das Gefühl, dass er/sie immer wieder sagt und äußert was ihm/ihr wichtig ist und das dann aber trotzdem nichts passiert. Das führt auf die Dauer fast zwangsläufig zu Unzufriedenheit. Wie man damit nun umgeht? Gute Frage. Auch hier hat jeder wieder seine eigene Taktik. Manch einer wartet ab. Das kann gut sein wenn es nur so eine Phase ist, die wieder vorübergeht. Vielleicht hat man selbst gerade Stress und kann gar nicht sehen was die Partnerin gerade für einen selbst alles macht. Vielleicht hat der Partner aber auch gerade Stress. Vielleicht bemüht sich der Partner aber auch tatsächlich nicht (warum auch immer). Hier macht es wahrscheinlich wenig Sinn abzuwarten. Man kann natürlich versuchen nochmals das Gespräch zu suchen, aber irgendwann ist diese Möglichkeit ja auch erschöpft. Also sollte man sich fragen ob man dort bleiben will. Oder man überlegt sich, ob einem diese Gesten wirklich so wichtig sind. Versucht die Perspektive oder den Ausgangspunkt zu wechseln. Eventuell findet man eine Ebene bei der man für sich selbst entscheiden kann: So ist es eigentlich gut. Und meine Partnerin kann halt nicht anders und ich mag sie ja trotzdem ganz gern.

Niemand kann einem sagen wie man sich entscheiden soll. Wie man mit nicht erfüllten Bedürfnissen in der Partnerschaft umgehen soll. Was man aber tun kann ist sich möglichst viele Modelle und Ideen zu einem Problem anzuhören. Denn vielleicht ist irgendwann etwas dabei, womit man was anfangen kann. Und je mehr Modelle man hat, desto mehr kann man ausprobieren. Und dann sieht man plötzlich doch, dass die Partnerin einem eigentlich sehr viel Liebe schenkt und man ihr wichtig ist, aber eben auf ihre eigene Art und Weise.

Und wenn das alles nicht klappt können wir uns immer noch einen Hund kaufen um ihn zu hegen, zu pflegen und mit ihm zu spielen. Dem wir regelmäßig Fressen geben und der uns dann für immer anhimmeln wird. Und genau das wollen wir doch, oder?

Wer sich übrigens fragt, ob und wie er/sie seine Beziehung retten kann oder wer vielleicht eine Idee davon kriegen möchte, warum es letzten Ende doch nicht geklappt hat, der kann gerne diesem Link hier folgen: http://www.liebeskummer.org/liebeskummer-phasen/beziehung_retten/

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#notjustsad Kids Edition

Auch Kinder können Depressionen haben!

Nachdem lange Zeit die Auffassung herrschte, dass Kinder keine Depressionen entwickeln könnten und die Abgrenzung zu einer Angstsymptomatik überdies nur schwer gelingt, weiß man heute, dass ein Großteil der depressiven Erkrankungen im Erwachsenenalter ihren Ursprung im Kindes- und Jugendalter haben.

Während Depressionen früher nach dem sogenannten Kielholzschema in psychogene, endogene und somatogene Ursachen unterschieden wurden, findet die Ätiologie im ICD heute eigentlich keine Berücksichtigung mehr. Im ICD wird ganz grundsätzlich unterschieden zwischen chronischen Depressionen und (rezidivierend auftretenden) depressiven Episoden. Nach den ICD-Kritieren leiden depressive Personen zumeist unter gedrückter Stimmung, Interessenverlust, Freudlosigkeit und Antriebsminderung. Bei Kindern liegt jedoch statt eines depressiven Affektes oft auch eine reizbare Stimmung mit aggressiven Durchbrüchen vor. Und die bei Erwachsenen auftretende Gewichtsabnahme, kann bei Kindern durch ein Ausbleiben der erwarteten Gewichtszunahme gekennzeichnet sein. Eine Klassifikation depressiver Störungen im Kindes- und Jugendalter existiert jedoch weder im ICD noch im DSM. Neben den klassisch depressiven Diagnosen finden im Kindes- und Jugendalter auch die kombinierte Störung des Sozialverhaltens und der Emotionen oder depressive Symptome im Kontext traumatischer Erfahrungen Anwendung.

Eine Depression zeigt sich bei Kleinkindern durch häufiges Weinen, Ess- und Schlafstörungen, sowie Ausdrucksarmut und Spielunlust. Bei Vorschulkindern herrscht oft Traurigkeit und Ängstlichkeit, aber auch Aggressionen vor. Auch Appetitlosigkeit und Schlafstörungen kommen vor. Im Schulalter kommen zur Traurigkeit Schlafstörungen und Appetitlosigkeit, Zukunftsängste und Suizidideen hinzu. Jugendliche leiden unter Selbstzweifeln, Konzentrationsstörungen, labiler Stimmung und Suizidalität. Häufig wirken sie auch apathisch.

Eine Depression ist mehr als nur Traurigkeit und lässt sich von Trauer anhand des auslösenden Verlusterlebnisses abgrenzen. Im Zweifelsfall kann man Zeitkriterien hinzuziehen. Eine Trauerreaktion ist in der Regel nach 4-6 Monaten abgeklungen. Trauerende Kinder und Jugendliche trauern um das was sie verloren haben, depressive Patienten hingegen hängen dem nach was sie nicht bekommen haben.

Ausgangspunkt für die Entwicklung depressiver Störungen sind dabei auf der einen Seite eine genetisch determinierte Vulnerabilität (sprich: eine Empfänglichkeit für depressive Erkrankungen) und auf der anderen Seite defizitäre Erlebnisse und psychosoziale Umstände die sich gegenseitig beeinflussen. Mit der spezifischen Vulnerabilität wird in psychodynamischen Ansätzen eine Art Urverstimmung durch Enttäuschung an frühen Objekten verstanden, aus denen heraus eine orale Fixierung und ein abgewehrter depressive Konflikt entstehen kann. Dabei führen phantasierte (aber auch reale) familiäre Konstellationen mit emotionaler Unterversorgung zum Erleben von Unversorgtheit und autoaggressiver Wendung gegen das Selbst. Es lassen sich zwei depressive Grundkonflikte unterscheiden:

- medialer depressiver Grundkonflikt: Das zu früh verlassene oder wenig geförderte Selbst fühlt sich schutzlos, verletzlich, ausgeliefert und bedroht. Das frühe gute Objekt wird in seiner medialen Gestalt herbeigesehnt, weil dies Ruhe und Entlastung verspricht.
- objektaler depressiver Grundkonflikt: Führt zu einem Selbsterleben in dem alles leer, unlebendig und unwertig wahrgenommen wird.

Der depressive Grundkonflikt kann dabei auf unterschiedliche Art und Weise verarbeitet werden: Altruistisch, narzisstisch, schizoid oder oral-regressiv. Der operationalisierten psychodynamischen Diagnostik folgend bestehen bei depressiven Störungen Probleme auf der Beziehungsachse mit Konflikten zwischen Abhängigkeit vs. Autonomie und Versorgung vs. Autarkie aber auch Selbstwertkonflikte.

Im Hinblick auf die Behandlung ist eine Schweregradeinteilung von Bedeutung. Bei schweren Depressionen ist auch bei Kindern ab 12 oder 14 Jahren eine medikamentöse Behandlung sinnvoll. Ein Behandlungsziel besteht darin, aus der Depression Trauer werden zu lassen. Die Idee dabei ist, dass durch Trauer eine Vernarbung und letzen Endes eine Heilung möglich ist. Der Patient soll erfahren, dass es Möglichkeiten gibt, das Erlebte bzw. den Verlust hinter sich zu lassen. In der Therapie gilt es somit ein gutes Maß an Konfrontation und Unterstützung zu finden.

Im Verlauf der Depression kann sich eine Krise im Sinne akuter Suizidalität entwickeln. Im ambulanten Setting muss festgestellt werden ob eine akute Lebensbedrohung vorliegt und ob der Patient weiterhin ambulant betreut werden kann, oder ob ein geschütztes stationäres Setting notwendig ist. Suizid ist eine ernstzunehmende Bedrohung im Jugendalter, so stellt Suizid nach Verkehrsunfällen die zweithäufigste Todesursache in dieser Altersgruppe dar. Aus psychodynamischer Sicht stellt der Suizid die letzte Konsequenz einer depressiven Reaktion dar. Letzten Endes geht es dabei um die Zerstörung des verloren geglaubten (geliebten) Objektes, aber auch um die Rettung einer Objektbeziehung.

Bei der Behandlung und Einschätzung von Suizidalität sollte man sich tunlichst davor hüten zwischen demonstrativen und echten Suizidimpulsen zu unterscheiden. Jede Suizidankündigung, jeder Gedanke und jeder Impuls in diese Richtung muss ernst genommen werden. Wichtig bei der Einschätzung der akuten Lebensbedrohung ist die Einschätzung der Absprache- und Vertragsfähigkeit der Patienten. Die Abschätzung welche Ressourcen ihm zur Verfügung stehen und wie konkret die Pläne des Patienten sind. Aber auch die Einschätzung wie sehr man auf das Wort des Kindes oder Jugendlichen vertrauen kann, dass er sich in einem definierten Zeitraum nichts antut. Besonders beim Thema Suizidalität ist eine differenzierte und möglichst umfassende Dokumentation wichtig.

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Akutpsychiatrie.

Hinweis vorab: Eine niederschwellige und gut erreichbare psychiatrische Versorgung halte ich für absolut wichtig und brandaktuell. Ich habe auch immer gern mit psychisch kranken Menschen gearbeitet und tue das immer noch gern.

Ich arbeite nun schon einige Jahre in der Psychiatrie. Lange habe ich (bis auf wenige Aushilfstage) auf einer Station für Jugendliche und junge Erwachsene gearbeitet. Die Station verfolgte eine Art integratives Konzept bei dem akutpsychiatrische mit nicht-akutpsychiatrischen Patienten gemeinsam zusammen behandelt werden sollten. Mit ein paar Monaten Abstand zu diesem Konzept, sehe ich diesen Versuch kritisch. Wir haben dort versucht betreuungsintensive Jugendliche, die nicht selten eine engmaschige Betreuung (Kontakt alle 15 Minuten) oder sogar eine 1:1 (dauerhafte Betreuung durch examiniertes Personal) benötigten, mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu behandeln die ebenfalls einen gewissen Betreuungbedarf hatten. Dabei denke ich, dass diese Idee im Grunde funktionieren kann. Sofern ausreichend Personal vor Ort ist, dass entsprechend gut ausgebildet ist. Leider konnte ich über die Jahre zusehen, wie das Personal immer weniger wurde und die Patienten (subjektiv) immer kränker. Die Phasen in denen man mit einer Gruppe Patienten mal Aktivitäten wie Tischkicker oder Basketball durchführen konnte, wurden immer seltener. Denn wie soll gute Pflege funktionieren wenn da zwar drei Pflegekräfte im Dienst sind. Eine davon aber in einer 1:1 Betreuung sitzt, oder eben alle 15 Minuten nach einem Patienten sehen muss, der zweite ein intensives Pflegegespräch mit einem Patienten führt und der Dritte dann für die 16 anderen Patienten zuständig ist, aber eigentlich zur Visite mit muss. Was passiert dann mit den Bedürfnissen dieser 16 Patienten? klar, dass intensive Gespräch von Nummer 2 ist auch irgendwann vorbei. Aber dann steht schon der nächste Patient bereit.

Das größte Problem dabei: Oft war man gar nicht zu dritt, sondern nur zu zweit, weil der Krankenstand mit der zunehmenden Belastung anstieg. Dann gab es glücklicherweise oft noch Pflegeschüler, FSJ, die Teamassistentin oder auch mal Aushilfen von anderen Stationen. Ohne all diese Helfer wäre das System der psychiatrischen Pflege oft genug zusammengebrochen.

Die Überforderung und Unzufriedenheit lag oft genug spürbar in der Luft. Und wir alle waren uns bewusst, dass wir dem eigentlichen Klientel - unseren Patienten - mit so einer Pflege nicht gerecht werden können. Denn es bleibt gar nicht genug Zeit für alle. Von 7,7h Arbeitszeit geht sicherlich eine Stunde für die Pflegerische Übergabe drauf. Weitere 20-30 Minuten für die Übergabe an die Ärzte. Falls Visite ist: Je 1h für 2 Mitarbeiter. Für eine Aufnahme: Minimum 1h. Dokumentation: sicherlich 45 Minuten. Medikamente richten, kontrollieren, verabreichen: 45-60 Minuten. Weitere kleine Tätigkeiten (Essen austeilen, Betten machen, Botengänge), die nichts mit Patientenkontakt zu tun haben: 60 Minuten. Auf dem Papier bleiben also ca. 3h für reine Patientenkontakte. Drei Stunden für 8-10 Patienten und die Anleitung von Schülern, die ja noch irgendwie nebenbei laufen soll. Aus einer psychotherapeutisch ausgerichteten Station mag es möglich sein mit dieser Zeit zurecht zu kommen. Auf einer akut-psychiatrischen Station reicht das oft genug nicht aus. Denn eine Krisenintervention oder Deeskalation interessiert sich nicht dafür, dass du eigentlich nur 15-20 Minuten pro Patient Zeit hast. Auch nicht berücksichtigt sind hier Kontakte mit Eltern die man in dieser Altersgruppe notwendigerweise hat. Oft genug muss man auch hier Informationen geben und auch Beistand leisten.

Man konnte gar nicht allen Patienten gerecht werden.Häufig musste man abwägend welches Problem nun gerade dringlicher war und da gingen vor allem die stilleren schnell unter. Und das war frustrierend.

Jetzt arbeite ich in einer anderen Klinik. Mache dort nur Nachtdienst und helfe dort aus wo ich gebraucht werde. Hin und wieder auch auf einer geschützten Station für Erwachsene. Und dort lässt sich ein ähnliches erahnen. In manchen Nächten ist dort nur eine festangestellte examinierte Kraft und 2 Aushilfskräfte. Mit etwas Glück haben die auch Examen und mit etwas mehr Glück Erfahrung in der Psychiatrie. Fakt ist aber: Die Verantwortung für 30 kranke Menschen bleibt an einer Person hängen. So kann Akut-Psychiatrie in meinen Augen nicht funktionieren.

Aber eigentlich fängt es schon in der Ausbildung an. Dort versucht man den Pflegeschülern ein möglichst umfassendes Bild der Pflegetätigkeit zu geben. Psychiatrische Pflege kommt dabei meist zu kurz. Und so wird man beim Berufsstart ins kalte Wasser gekippt. Soll auf einmal wissen wie man mit eigen- oder fremdaggressiven Menschen umgehen soll. Soll wissen wie man mit seiner eigenen Angst in dieser Situation umgehen soll. Was hier helfen kann ist eine fundierte Ausbildung bevor man in der Akutpsychiatrie durchstartet. Gut wäre Deeskalationstraining schon im Rahmen der Ausbildung. Schon allein weil gefährliche Situation die kurz davor stehen zu eskalieren nicht nur in der Psychiatrie vorkommen, sondern eigentlich in allen Pflegebereichen möglich sind. Und es braucht definitiv einen besseren Personalschlüssel. Dann macht die Arbeit auch wieder Spaß. Dann hat man wieder Zeit für die Patienten und muss weniger Angst haben, denn es sind ja noch genug erfahrene und geschulte Kollegen da.

Und all das ist sehr schade: Denn wir brauchen gute Psychiatrien. Wir brauchen Orte die von Menschen in Krisen angelaufen werden können, in denen diese Leute Halt finden können. Mein Beitrag soll niemanden abschrecken sich in einer Krise an die nächstgelegene psychiatrische Ambulanz oder Notaufnahme zu wenden. Denn die Aktupsychiatrie ist auch immer eine Chance schnell Hilfe zu bekommen und zügig einen stationären Therapieplatz zu bekommen.

Wer Hilfe sucht sollte sie bekommen. Und wer nicht weiß wo, kann hier anfangen: http://www.telefonseelsorge.de


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Elbstrand

Besser Elbsstrand, als gar kein Strand. Und ganz eigentlich mag ich die Hafenkulisse ja auch ganz gern.

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Interkulturelle Psychotherapie

Hinter mir liegt ein Wahlmodul, dass ich mir auf vielen Dimensionen ganz ganz anders vorgestellt habe. Als ich mich für das Modul Interkulturelle Psychotherapie eingeschrieben habe, habe ich erwartet etwas über verschiedene Kulturen zu lernen. Über den Umgang mit psychischen Erkrankungen in anderen Kulturen. Welche Unterschiede liegen zwischen individualistischen und kollektivistischen Kulturen. Treten bestimmte psychische Erkrankungen in anderen Kulturen häufiger auf und wenn ja: warum? Und warum gibt es in verschiedenen Kulturen Erkrankungen die in dieser Form eigentlich nur dort auftreten?

Was ich bekomme habe waren nette Kennenlernen- und Einstiegsspielchen mit einem inhaltlichen Niveau dass die Projektwoche zu Jugendkulturen in der neunten Klasse eigentlich kaum überstiegen hat. Man brachte uns recht zügig nahe, dass es keinen Sinn mache Unterschiede in Kulturen aufzuzeigen, sondern das man herausarbeiten wolle mit welcher therapeutischen Haltung man Patienten mit (vor allem) Migrationshintergrund begegnen würde. In welchem Punkt das nun über die allgemeine emphatische, wertschätzende und authentische Haltung hinausgeht, hab ich jetzt aber immer noch nicht verstanden. Ausser vielleicht das man noch in einem viel größeren Ausmaß seine eigene Unsicherheit und Unwissenheit aushalten müsse, da man ja unmöglich über alle Kulturen Bescheid wissen kann. Mit einem geringen inhaltlichen Niveau hätte ich ja aber eigentlich auch gut leben können. Gerade nach dem letzten Semester kommt mir so ein bisschen Urlaub fürs Hirn gerade recht.

Viel erschrockener war ich ja über den Umgang der Dozenten mit uns. Wir hatten teilweise angeregte und interessante Diskussionen in der Gruppe. Diskussionen nach denen dann und wann einzelne Studierende rausgepickt wurden um sie für ihr (aus Sicht der Dozenten unangebrachtes) Verhalten zu tadeln. Seitens der anderen Teilnehmer traf diese Intervention eher auf Unverständnis.

Ganz besonders gefreut haben wir uns dann aber, als uns eröffnet wurde, dass wir binnen eines Wochenendes und einer Woche (Zeitraum 2 Wochen) eine kleine Studie durchführen sollten. Und jeder der bei Frau Prof. Dr. Sehrambitioniert das Seminar Forschungsmethodik hatte, kriegt bei solchen Worten Herz-Rhythmus-Störungen. Darüber sollten wir in Kleingruppen am Ende eine Präsentation halten.

Was dabei heraus kommt, wenn man solch ein Studienvorhaben in so kurzer Zeit neben dem restlichen Alltagsbetrieb nebenher macht kann man sich vermutlich denken. Gute Forschung sieht vermutlich anders aus.

Aber um mal was gutes zu sagen: Immerhin hab ich ein weiteres Modul und eine weitere Prüfung hinter mich gebracht und das Semester wird zunehmend entspannter.

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Essstörungen.

Ich hab ja letztens irgendwann behauptet, ich würde in unregelmäßigen Abständen Artikel zu ausgewählten psychischen Erkrankungen hier einstellen. Heute ist es mal wieder soweit.

Thematisch möchte ich heute einen kurzen Überblick über die heterogene Welt der Essstörungen geben. Aus einem einfachen (und persönlichen) Grund: Am Donnerstag schreibe ich eine Klausur, die unter anderem dieses Themengebiet abdeckt und was soll ich sagen…. Ich esse zwar gern, aber Essstörungen sind wirklich nicht mein Lieblingsthema. Folglich kann ich mir alles was dazu gehört nur schlecht merken. Irgendwie finde ich nur schwer einen Bezug dazu, obwohl die möglichen Ursachen - sodann man sie aus einem psychodynamischen Blickwinkel betrachtet - durchaus logisch und nachvollziehbar sind.

Zunächst die Frage: Welche Arten von Essstörungen kann man unterscheiden (bzw. welche werden hier im Folgenden unterschieden? Im großen und ganzen sind die relevanten, respektive häufigen, Störungen die Anorexie, die Bulimie und die Binge-Eating-Störung.

Die Anorexie. Genauer gesagt: Anorexia nervosa. Die Betroffenen haben mit einem BMI unter 17,5 ein deutliches Untergewicht, welches sie auf verschiedenen Wegen (Vermeidung hochkalorischer Speisen, selbst herbeigeführtes Erbrechen und/oder Abführen oder auch übermäßige körperliche Aktivität) selbst herbei geführt haben. Im Zentrum steht bei dieser Erkrankung eine sogenannte Körperschemastörung mit der Angst zu dick zu sein, obwohl ein deutliches Untergewicht besteht. Als Folge des restriktiven Essverhaltens und damit einer Mangelernährung mit wichtigen Nährstoffen können pubertäre Entwicklungsschritte verzögert werden, aber auch das Hirn- und Muskelvolumen nimmt ab. Die Patienten selbst klagen häufig über Reizbarkeit, Unruhe und Konzentrationsstörungen, aber auch über Obstipation mit Völlegefühl.

Die Bulimia nervosa (kurz: Bulimie) kann eine mögliche Entwicklung aus der Anorexie heraus sein, aber auch für sich allein auftreten. Im Vordergrund stehen Ängste vor Gewichtszunahme (häufig bei Normalgewicht), welche die Patienten versuchen mit restriktivem Essverhalten in den Griff zu bekommen. Jedoch wird das restriktive Essverhalten durchbrochen von Heißhungerattacken. Diese wiederum führen zu den eben beschriebenen Ängsten vor Gewichtszunahme und Schuldgefühlen, deren Spannung mit selbst herbei geführtem Erbrechen gelöst wird. Der Tagesablauf der Betroffenen ist dabei geprägt von Gedanken an Essen und Essanfälle werden erst dann unterbrochen wenn Bauchschmerzen, Erschöpfung oder andere äußere Umstände eintreten.

Die Anorexie und die Bulimie unterscheiden sich nun vor allem darin, dass bei der Anorexie der Wunsch im Vordergrund steht abzunehmen und dies versucht wird mit einem stark kontrollierten (zwanghaft anmutenden) Essverhalten zu erreichen. Bei der Bulimie steht hingegen der Wunsch im Vordergrund nicht zunehmen zu wollen, nachdem durch Heißhungerattacken die Kontrolle verloren wird. Während Patienten mit Bulimie häufig einen großen Leidensdruck angeben, berichten anorektische Patienten eher seltener von einem persönlichen Leidensdruck

Im Rahmen der Binge-Eating Störung kommt es ebenfalls wiederholt zu Heißhungerattacken, wie bei der Bulimia nervosa beschrieben, jedoch werden keine gegenregulierenden Maßnahmen eingeleitet. In der Folge kommt es meist zu (starkem) Übergewicht, bzw. Adipositas. Adipositas meint die übermäßige Vermehrung von Körperfett und lässt sich ab einem BMI von über 30 in verschiedene Schweregrade einteilen. Jedoch zählt die Adipositas nicht zu den psychischen Störungen. Die Binge-Eating Störung jedoch schon.

Ein generelles diagnostisches Problem ist, dass die Häufigkeit bei Männern (auf Grund der Diagnosekriterien die sich vor allem an Frauen ausrichten) unterschätzt wird. Männer zeigen häufig ein anderes Gewichtsideal und zeigen beispielsweise ein pathologisches Verhalten hinsichtlich ihres Muskelaufbaus.

Zu Beginn habe ich den psychodynamischen Blickwinkel angesprochen auf den ich jetzt noch kurz eingehen möchte. Während das restriktive Essverhalten der Anorexie zum einen als Hilferuf nach Liebe, Geborgenheit (kümmer dich um mich! Fütter mich!) und Anerkennung (schau wie diszipliniert ich bin!) kann das restriktive und kontrollierte Essverhalten als Beweis für Kontrolle über den Körper und letzten Endes als Sieg über sich selbst und Sieg über das Mittelmaß interpretiert werden. Letzt genanntes entbehrt nicht einer gewissen narzisstischen Komponente. Beginnt die Essstörung vor Einsetzen oder zu Beginn der Pubertät bleibt die Entwicklung der körperlichen Reife unter Umständen aus bzw. verzögert sich. Dies ist Grund zur Annahme, dass die Betroffenen sich durch die Symptomatik vor den Anforderungen des Erwachsenenlebens, aber auch des Sexuallebens und anderen Leistungsanforderungen, schützen wollen (platt gesagt: Wenn ich nicht zur Frau werde, muss ich keinen Sex haben.). Im Bereich der Adipositas bzw. der Binge-Eating Disorder wird davon ausgegangen, dass bei den Patienten ein depressiver Grundkonflikt (ein Begriff den ich jetzt erstmal nicht weiter erkläre) besteht, der dann oral verarbeitet wird. Das Selbst (bzw. die Person) bekommt vom Objekt (einer andere Person) emotional nicht das was sie braucht. Gewisse emotionale Bedürfnisse werden also nicht befriedigt. Das führt zu einer unsicheren Bindung des Selbst an das Objekt. In der Folge wird - um die innere Stimmungslage zu regulieren und emotionale Bedürfnisse zu befriedigen - alles einverleibt was da ist (Es egal was es ist, Hauptsache es macht satt!).

Das mag sich nun auf den ersten Blick vielleicht etwas konstruiert anhören. Wenn man aber häufiger mit dieser Patientengruppe zu tun hat, kommt man (meiner Meinung nach) nicht umhin anzuerkennen, dass diese psychodynamisch-tiefenpsychologischen Aspekte durchaus ihre Berechtigung haben.

Essstörungen sind ein ernstzunehmendes Problem. Bis zu 20% der Anorexien verlaufen tödlich und nur knapp die Hälfte der Patienten wird wieder gesund. Vor allem die körperlichen Folgeschäden werden dabei zum Problem. Neben Verletzungen im Mund-, Rachen- und Speiseröhrenbereich durch wiederholtes Erbrechen sind vor allem Herz- und Nierenschäden durch Mineral- und Nährstoffmangel hochgefährlich. Nicht zuletzt nimmt durch den Eiweißmangel auch noch die Muskel- und Hirnmasse ab, dies ist jedoch bei Wiederaufnahme eines normalen Essverhaltens reversibel.

Neben diesen Dreien gibt es noch weitere Essstörungen. Vor allem unter dem Etikett "Atypische Essstörungen" wird ein Großteil der Diagnosen vergeben. Das Problem hierbei: Die Diagnose der atypischen Essstörungen fällt unter eine sogenannte Restekategorie. Und für Restekategorien gibt es keine spezifischen Behandlungspläne.

Und nachdem ich das nun alles runtergeschrieben habe, habe ich immerhin festgestellt, dass ich doch gar nicht so wenig über Essstörungen weiß und das für die Klausur eventuell auch ausreichen könnte.

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FAQ FernUni Edition

Weil ich gerade vor Beginn des Wintersemester immer wieder Mails bekomme mit Fragen rund um das Bachelorstudium an der FernUni Hagen, hab ich dafür jetzt mal ein FAQ erstellt, damit ich nicht immer wieder die gleichen Fragen beantworten muss.

Hier gehts lang: http://kampfkeks.net/psychologiestudium/faq/faq.html

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Scham, Schuld und Existentielle Ängste

Es war wieder Selbsterfahrungswochenende. Diesmal mit den Themenschwerpunkten Scham, Schuld und existentiellen Ängsten.

Wir alle schämen uns für irgendwas. Einige schämen sich, wenn sie Klopapier einkaufen, andere haben Schwierigkeiten damit vor einer Gruppe zu sprechen und wieder andere erröten wenn sie voll auf Helene Fischer abfahren und dann nach ihrem Musikgeschmack gefragt werden. Dabei ist Scham - wie wir gleich zu Beginn gelernt haben - eine gänzlich nutzlose Gefühlsregung. Sie entwickelt sich durch Erziehung und Sozialisationserfahrung, durch Lernen am Modell und Beobachtung von Rollenvorbildern. Sicherlich ist es sinnvoll die Regeln der Gesellschaft zu lernen und sich nicht völlig schambefreit in der U-Bahn zu entblößen und sich dort umzukleiden. Oder auch zu lernen, dass es nicht angebracht ist, in einem Meeting ein Gespräch über Geschlechtskrankheiten zu beginnen. Jedoch geht es hierbei um die Fähigkeit sich an gesellschaftlich geltende Normen anzupassen. Also um ein Verständnis von dem was in der jeweiligen Situation angebracht ist und was nicht. Schamempfinden ist jedoch überflüssig.

Die Dinge für die wir uns schämen, sind Dinge die allen Menschen passieren können. Wir schämen uns, wenn wir stürzen, wenn wir zum Bus rennen. Wir schämen uns ganz erheblich wenn es um unsere Sexualität geht. Dabei ist es sicherlich sinnvoll und wünschenswert, wenn man nicht offenherzig mit jeder Person detailliert über sein Sexualleben spricht, jedoch gibt es keinen Grund zur Scham für das Ausleben seiner Sexualität.

Zum Thema Scham haben wir an diesem Wochenende verschiedene Übungen gemacht. Die schönste davon war, dass jeder von uns sich in die Mitte eines Stuhlkreise setzen sollte (und allein das ist häufig schon schambesetzt und unangenehm, weil man plötzlich im Mittelpunkt des Interesses steht) und reihum sollte jeder eine Sache nennen, die er am Mittelpunkts-Menschen mag. Und obwohl man wusste, dass man nur positives zu hören bekommen würde, war die Situation mit Anspannung verbunden und ein Stück weit unangenehm. Auf der anderen Seite wirkte die Übung aber wie eine positive Emotionsdusche an einem Tag, an dem ich das wirklich gut gebrauchen konnte.

Scham kann auf Schuld folgen. Schuld ist dabei durchaus sinnvoll, ist sie doch wichtiger Bestandteil unseres Rechtsverständnisses. Zwar geht es in der Straftäterbehandlung heute nicht mehr wie im Mittelalter darum gleiches mit gleichem zu vergelten, damit eine Schuld beglichen wird, sondern auch sehr um Resozialisierung der Täter, jedoch ist ein maßgeblicher Bestandteil der Resozialisierung auch immer die Übernahme von Schuld. In der psychotherapeutischen Praxis ist es häufig eher umgekehrt. So geht es dort oft darum die erlebte Schuldlast der Patienten zu reduzieren.

Nach Scham und Schuld haben wir uns den existentiellen Ängsten gewidmet. Also mit Ängsten vor Dingen die gewissermaßen unabänderlich sind, wie zum Beispiel dem Tod oder Isolation oder unabänderlichem Leid. Oder aber auch davor den Sinn des Lebens nicht zu finden. Besonders spannend war für mich hier die Arbeit in Kleingruppen zu den Fragen 1) Gibt es einen Gott/ Göttin und was macht er/sie? 2) Was passiert nach dem Tod? 3) Welchen Auftrag hast du im Leben? Wir hatten in unserer Gruppe eine angeregte Diskussion darüber, da jeder die Fragen unterschiedlich beantwortete. Auch wer nicht an Gott glaubte, glaubte häufig an irgendeine Art höhere Instanz. Für mich persönlich sind die Antworten auf die drei Fragen miteinander verwoben. So hat die Idee einer höheren Instanz Einfluss auf meinen Glauben daran, was nach dem Tod passiert und schlussendlich darauf welchen Auftrag ich im Leben habe. Und obwohl ich mir auf einer rationalen Ebene recht sicher bin, dass nach meinem Tod ziemlich sicher nichts ist, und dass es keine höhere Instanz gibt, die irgendwas auch nur annähernd lenkt, so halte ich mich dennoch auf einer spirituellen Ebene daran fest. Das mag ein narzisstischer anmutender Wunsch sein, dass mein Leben auf diesem Planeten nicht völlig nutzlos und beliebig ist, oder vielleicht auch nur die Unfähigkeit mit das Nichts vorzustellen.

Ich freu mich schon auf die nächsten beiden Seminar-Wochenende, die leider erst im Wintersemester sein werden, dafür aber zum Ausgleich mit einem tiefenpsychologischem Schwerpunkt.

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The Circle

Kürzlich las ich das Buch "The Circle" von Dave Eggers. Letztes Jahr war der Film auch in den Kinos und ich freue mich schon auf die Gelegenheit eben jenen zu sehen.

Um grob die Story zu umreißen: Mae fängt ein bei einem großen Unternehmen, dem Circle, zu arbeiten. Dieses Unternehmen ähnelt in vielerlei Hinsicht Facebook und ist im Kern ein soziales Netzwerk mit Klarnamenpflicht und hat auch schon eine Bezahlmethode implementiert die einem das Leben vereinfachen soll, weil man ja nur noch den einen Account braucht um diverse wichtige und nützliche Apps zu verwenden und auch um den eigenen Geldverkehr zu regeln. Datenschützerherzen hüpfen schon jetzt im Dreieck.

Jedenfalls beginnt Mae dort in der Customer Experience zu arbeiten und das ist sowas wie der Kundendienst für die diversen Apps die das Unternehmen entwickelt hat. Der ganze Firmencampus ist zum einen recht groß und zum anderen hoch modern, hip und supercool. Jeder will dort arbeiten. Ständig finden irgendwelche wahnsinnig coolen Veranstaltungen statt und Gesundheit wird groß geschrieben. So bekommt Mae ganz am Anfang ein Armband welches diverse Parameter wie Schritte, Herzfrequenz, Temperatur und noch so einiges anderes misst. Und natürlich bekommt sie auch ein neues Handy mit dem sie dann am sozialen Netzwerk teilnehmen soll. Immer wenn sie zu irgendwelchen Veranstaltungen (am Besten auf dem Campus) geht, soll man darüber berichten. Weil wie sollen die anderen sonst erfahren was sie cooles verpasst haben? Und natürlich muss man auch jede noch so kleine unbedeutende Anfrage (egal ob privat oder beruflich) beantworten, denn sonst ist am anderen Ende der Leitung ganz schnell jemand beleidigt.

Nun arbeitet sich Mae an ihrem neuen Arbeitsplatz ein und hat erst zwei Bildschirme zum arbeiten und am Ende hab ich leider nicht mehr mitgezählt… 8 oder 9 vielleicht. Einer ist für die eigentliche Arbeit und die restlichen für irgendwelche sozialen Aktivitäten. Und alle müssen am Besten gleichzeitig beachtet werden. Die ganze Story spitzt sich zu als Mae sich dazu entschließt ein transparenter Mensch zu werden und sich tagsüber beinahe lückenlos (bis auf dreiminütige Toilettengänge) zu filmen. Beziehungsweise zu filmen was sie so den ganzen Tag tut. Damit wird sie schnell zu einer sehr einflussreichen Person im Unternehmen und im gesamten Circle und damit auf der Welt.

Was sie leider nicht merkt ist, dass gar nicht alle Menschen auf dem Planeten es so supercool finden, dass sie ständig überwacht werden könnten, dass individuelle Vorlieben auf Schritt und Tritt verfolgt werden und somit die Werbung um mich rum optimiert wird. Dass es keine Rückzugsorte mehr gibt, weil mit dem Zusammenschluss aller Menschen im sozialen Netzwerk und dem Einsatz verschiedener Apps es in Kürze möglich ist jeden Menschen zu lokalisieren. Verkauft wird das den Menschen mit einem radikalen Rückgang an Kriminalität und einer Vereinfachung des Lebens.

Und sie merkt auch nicht, dass sie ihr eigentliches Leben Stück für Stück verliert, weil alles nur noch im virtuellen sozialen Netzwerk stattfindet. Kaum einer hat noch Zeit um wirklich Kajak fahren zu gehen, weil man an irgendwelchen Gruppen darüber partizipieren soll und beschäftigt ist jedem zu erklären warum man woauchimmer nicht hin kann.

Obwohl ich den Roman wirklich sehr gut geschrieben fand, konnte ich ihn nicht am Stück durchlesen. Oft musste ich ihn weg legen, weil ich den Gedanken an eine derartig überwachte Welt nicht ausgehalten habe. Mir nicht vorstellen konnte wie es sein kann, dass man nicht merkt auf welchen Abgrund man da zusteuert. Dabei ist mir ja wohl bewusst, dass ich verschiedene soziale Netzwerke selbst ja auch benutze und so einiges an Informationen über mich ins Netz blase.Aber ich hab auch die Kamera von meinem Laptop angeklebt, weil ich dann doch nicht will, dass mir jemand zuguckt. Und ich kaufe mir auch ganz sicher keine Alexa die 'mithört'. Mir reichte schon das Erlebnis letzten Sommer, als ich mich darüber unterhielt, dass ich einen neuen Rucksack benötigen würde und mir dann 'zufällig' Abends bei Facebook passende Produktplatzierungen geliefert wurden. Ohne dass ich mich online schon nach Rucksäcken umgesehen hätte. Und natürlich habe ich aus Bequemlichkeit auch gern die Option "über Facebook anmelden" benutzt. Weil ich faul bin. Jetzt bin ich mir nicht so sicher, ob das die beste Idee des Tages war.

Nun ist aber die Frage: Was mach ich mit meinem Wissen? Mit dem Wissen, das ich ja nicht erst seit gestern habe, dass Facebook und Co. jeden von uns ausspionieren und wir nur ach so bereitwillig alle möglichen Daten zur Verfügung stellen, obwohl wir doch recht gut wissen, dass unsere Daten verkauft werden. Womöglich werd ich das nun immer im Hinterkopf behalten wenn ich im Netz unterwegs bin und mich für irgendwas registrieren muss. Werde mir überlegen ob ich wirklich will, dass ein Konzern wie Facebook oder Google diese Information von mir bekommt.

Denn ich will ganz sicher keine Welt, in der andere Menschen potentiell zu jedem Zeitpunkt wissen könnten wo ich bin und was ich dort tue.

Das Buch ist jedenfalls gut und aufrührend auf eine ganz andere Art.

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Tavemünde

Kurze Auszeit an der Ostsee bei schönstem Frühlingswetter,

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Selbsterfahrung

Nach einem anstrengenden zweiten Semester erhofften wir uns alle nach der letzten Prüfung ein wenig Zeit zum durch atmen. Viel Zeit war ohnehin nicht vorgesehen, denn nur neun Tage nach eben jener letzten Prüfungsleistung sollte das dritte Semester beginnen. Umso weniger erfreut waren wir alle, als uns das Wochenende vor dem Vorlesungsbeginn durch ein ganztägiges Wochenendseminar genommen wurde. Was genau dieses Seminar thematisch nun beinhaltete wusste keiner so genau. Es nennt sich irgendwas mit Praxisfeldern, im Modulhandbuch steht was von Hospitationen die man machen solle, von anderen Studierenden hörte man jedoch, dass es in diesem Modul um Selbsterfahrung ging.

Und weil die Wahrscheinlichkeit hoch war, dass es sich um Selbsterfahrung handelt, wollte ich gerne an diesem Seminar in meiner Kohorte teilnehmen und nicht in irgendeine andere Kohorte gesteckt werden, wo ich die Leute so gar nicht kenne. Also verschoben wir unseren Urlaub gegen einen Aufpreis um einen Tag. Noch dazu sollte es ein schönes warmes und sonniges Frühlingswochenende in Hamburg werden. Entsprechend angesäuert bin ich am ersten Tag dorthin gefahren. Spätestens am zweiten Tag war ich versöhnt mit dem geraubten Wochenende. Wir haben die Gruppenaufgaben häufig draußen in der Sonne gemacht und uns mehr oder weniger schlimme Sonnenbrände eingehandelt.

Thematisch ging es diese ersten drei Tage um Wut, Angst, Selbstwert und das eigene zentrale Beziehungsthema. Zu Wut und Angst haben wir in kleinen Gruppen anhand eines eigenen Beispiel ein ABC-Schema erstellt und ich habe im Grunde das erste Mal so richtig verstanden wie man damit arbeitet und wozu das ganze gut sein kann. Auch dass es Unterschiede bei der Erstellung der Schemata gibt, je nach dem um welche Emotion es geht. Will ich Wut explorieren, dann geht es viel um Normen und Werte die mir selbst wichtig sind und verletzt werden, bei Angst dagegen geht es vielmehr um Hypothesen die ich über die Welt und die Annahmen anderer in Bezug auf meine Person oder andere Personen aufstelle die dann im weiteren Verlauf zu Angst führen. Das Wut-Thema war für mich emotional schwieriger als das Angstthema, da man bei der Frage wann man zum ersten Mal Wut empfunden hat (bzw. sich daran erinnern kann) dann doch eher mit schmerzlichen Erinnerungen besetzt ist. Beim Thema Angst dagegen hatte ich zunächst Schwierigkeiten überhaupt ein passendes Beispiel zu finden, weil ich gar nicht so richtig wußte wovor ich eigentlich Angst habe die über ein Unwohlsein hinausgeht. Aber am Ende war dieses Gefühl des Unwohlseins auch ausreichend für die Aufgabe.

Auch interessant war dann noch die Frage nach dem Selbstwert und wer eigentlich Einfluss auf meinen Selbstwert haben kann. Die Antwort auf die Frage ist recht trivial: Nur ich selbst und sonst niemand. Ich selbst bin es, die den Selbstwert an Dinge wie Leistung, Partnerschaft, Status, soziale Anerkennung oder andere Dinge koppelt. Und jeder einzelne von uns koppelt seinen Selbstwert an andere Dinge. Es heißt nun, dass unser Selbstwert nun stabiler würde, dadurch dass wir uns bewusst gemacht hätten, woran wir unseren Selbstwert gekoppelt haben. Wir werden sehen was passiert.

Am dritten und letzten Tag des ersten Wochenendes blieb es weiterhin spannend. Man gab uns eine einfache Technik an die Hand wie man innerhalb von 50 Minuten die Knackpunkte der Biografie herausarbeiten kann. In neuen Kleingruppen mit Kommilitonen die wir noch nicht so gut kannten wurden wir von eben diesen zu unserer Biografie befragt. Welche wichtigen Personen gab es, als ich 10 war und wieso fehlten da welche, die man sonst erwartet hätte? Was hat sich zum heutigen Zeitpunkt geändert und warum? Haben die Großeltern vielleicht schon was Einschneidendes erlebt und zu wem in der Familie hatte man eine sichere oder unsichere Bindung. Welche unausgesprochenen „Familienregeln“ gab es und welches zentrale Beziehungsthema hat sich daraus bei mir entwickelt? Es war zunächst etwas befremdliche seine Geschichte mit mehr oder weniger fremden Leuten zu teilen. Andererseits teilten auch die Dinge mit mir, die in der normalen Kommunikation niemals zur Sprache kommen würden. Wir wissen nun Dinge übereinander, die andere vielleicht nicht wissen und irgendwie hat sich so zum Teil eine neue Ebene oder Sichtweise auf diese Personen eingestellt. Und ich bin wieder neugierig was Menschen antreibt, welche Geschichte sie mit sich rumtragen und wie sie zu dem geworden sind, was sie heute sind. Diese praxisnahe Erfahrung tat nach einem theorieüberladenen Semester einfach nur gut. Es wurde wieder ein bisschen klarer warum ich mir das eigentlich antue.


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Dissoziation, Konversion, Somatisierung.

Dieser Blog soll wieder mehr Inhalte, spezifischer mehr psychologische Inhalte bekommen, darum wird es nun in unregelmäßigen Abständen Beiträge zu ausgewählten Themen der Psychologie geben. Mal mehr und mal weniger komplex. Mal mit mehr und mal mit weniger Gesellschaftsbezug.

Heute beginne ich mit einem etwas komplexeren Thema, werde aber versuchen, das möglichst nachvollziehbar darzustellen. Und zwar mit der tiefenpsychologischen Sicht auf Dissoziation, Konversion und Somatoforme Störungen.

Dissoziation ist ein Phänomen, dass wir durchaus alle aus dem Alltag kennen, wenn wir in Tagträumen versinken und wir das Gefühl für die Zeit und unsere Umgebung verlieren. Oder wenn wir uns vor der geöffneten Kühlschranktür wieder finden und weder wissen wie wir dort hin gekommen sind, noch was wir da eigentlich wollten, denn Hunger haben wir gar nicht.

Unter pathologischer Dissoziation werden unterschiedliche Phänomene zusammengefasst die eine Person in irgendeiner Form den Bezug zu sich oder der Umwelt verlieren lässt. Und reicht von Amnesiezuständen, über veränderte Körperwahrnehmungen bis hin zur dissoziativen Identitätsstörung, bei der unterschiedliche Persönlichkeiten in einer Person ausgebildet werden.

Aus historischer Perspektive entspringt die Dissoziation - ebenso wie die Konversion - dem Hysteriebegriff. Beziehungsweise wurde die Hysterie im Wechsel als Dissoziation oder Konversion beschrieben. Heute sind die drei Phänomene jeweils unterschiedliche Richtungen gegangen, haben aber weiterhin Überschneidungspunkte.

Im Wortsinn bedeutet Dissoziation Trennung, Ablösung oder Zerfall und meint somit das Gegenteil von Assoziation und beschreibt einen Prozess der Desintegration und Defragmentierung des Bewusstseins, des Gedächtnisses, der Identität und der Wahrnehmung. Soll heißen: Bestimmte Anteile meiner Selbst werden abgespalten und nicht ins Selbstkonzept (also wie ich mich selbst wahrnehme und definiere) integriert. Dieser Logik folgend kann Dissoziation als Mechanismus zum Schutz vor unerträglichen Realitäten definiert werden, welche die individuelle kognitive und emotionale Reizverarbeitungskapazität überschreiten.

Zur Veranschaulichung: Wenn ich mich im Kriegsgebiet befinde und miterleben muss wie eine Bombe menschliche Körper zerfetzt, stellt die Dissoziation mein eigenes Überleben sicher, indem diese Erlebnisse abgespalten und nicht integriert werden. Meine basalen Überlebensinstinkte bleiben jedoch intakt. Zurück zu Hause schützt mich die Dissoziation weiterhin. Und zwar vor den überwältigenden Gefühlen die mit dem erlebten Trauma in Zusammenhang stehen. Jedoch schränkt mich die dissoziative Symptomatik unter Umständen recht deutlich in der Lebensqualität und Lebensbewältigung ein.

Die Dissoziation lässt sich als am ehesten beschreiben als Rückzug vom Bewusstsein, wobei einströmende Reize und der Effekt überwältigender Emotionen reduziert werden. Das kann man sich in etwa als Narkose des Bewusstseins oder von Körperregionen vorstellen.

Demgegenüber stehen bei der Konversion Triebimpulse im Vordergrund, die vom Über-Ich abgewehrt und ins Unbewusste verdrängt werden. So entsteht eine unbewusste Phantasie und eben jene Phantasie kann dann als Körpersymptom dargestellt werden. Konversionssymtpome sind als weniger durch äußere Anlässe wie Traumata verursacht, sondern viel mehr durch sogenannte innere Konflikte.

Die Konversion stellt aus tiefenpsychologischer Sicht die Abwehr des inneren Konflikte in Form der Übersetzung eines psychischen Inhaltes in physisches Symptom das. Das Symptom stellt dabei einen Kompromiss zwischen Triebwunsch und seiner Abwehr dar. Die Wahl eines körperlichen Symptoms (statt eines psychischen Symptoms) eröffnet also die Möglichkeit einen psychischen Konflikt auf die physische Ebene zu verschieben. Bedeutet somit also eine Über-Ich-Entlastung. Abgesehen davon ergeben sich durch das Körpersymptom auch neue Beziehungsmöglichkeiten im Sinne eines sekundären Krankheitsgewinns, bei dem der Betroffene verstärkte Aufmerksamkeit und Zuwendung erhält und zum Beispiel Versorgungswünsche erfüllt werden.

Zur Veranschaulichung: Es gibt psychogene Krampfanfälle, welche echten Krampfanfällen zum Teil täuschend ähnlich sehen, jedoch fehlen doch einige Aspekte von Krampfanfällen (z.B. gibt es nicht die charakteristischen neurologischen Veränderungen). Triebwunsch kann hier zum Beispiel ein Versorgungswunsch sein, indem symbolisiert dargestellt wird, dass man hilflos ist und auf den anderen angewiesen ist. Der Wunsch versorgt zu werden wird sich selbst aber nicht zugestanden und kann nicht formuliert und emotional kommuniziert werden, sondern wird abgewehrt und auf körperlicher Ebene mit Hilfe des Krampfanfalls darstellt.

Konversion stellt also eine Erzählung mit körperlichen Mitteln dar. Daher erfüllt das körperliche Symptom auch eine Symbolfunktion. Das bedeutet, dass sich das Symptom wie ein Traumelement deuten lässt. Die Dissoziation stellt demgegenüber eine Überstimulierung und Narkose dar. Das Symptom der Dissoziation symbolisiert nicht, sondern ist Folge einer Intrusion. Es ist also keine Deutung (wie bei der Konversion) möglich.

Von der Konversion und der Dissoziation abzugrenzen sind dann noch somatoforme Krankheitsbilder. Hier können drei grundlegende Typen unterschieden werden:
- Erschöpfungs- und Müdigkeitszustände
- Funktionsstörungen
- und Schmerzen an unterschiedlichen Lokalisationen.

Im Unterschied zu den traumatischen Erlebnissen und inneren Konflikten die bei dissoziativen und Konversionsstörungen zugrunde liegen, stehen bei somatoformen Störungsbildern eher ängstlich getönte Überzeugungen im Forderung die den Betroffenen dann zu bestimmen Verhaltensweisen drängen. Zum Beispiel einem intensiven Inanspruchnahme-Verhaltens der Gesundheitsversorgung.

Man könnte an dieser Stelle nun noch auf die Achse der psychosomatischen Totalität eingehen…. Aber da wird's dann wirklich ein bisschen…. abgefahren.

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Verhaltenstherapeutische Interventionen. Oder: Wie behandle ich dann eigentlich mein studentisches Burnout?

"Wie läuft's eigentlich mit dem Studium?" - "Joa, muss. Noch ein Jahr."

Ich könnte aber auch sagen, dass das vergangene Semester mir wirklich sehr viel abverlangt hat. Dass mirdas zeitliche Arrangement der Prüfungsleistungen seitens der Hochschule nicht wirklich zusagt und das es einfach scheiße viel Arbeit war und ist. Und das sag ich als jemand, der wirklich zu Beginn des Semesters dabei ist, Zusammenfassungen schreibt und den Stoff aufarbeitet. Ich weiß auch gar nicht wie man das anders schaffen kann.

Wie es also läuft wollt ihr wissen? Ich bin - wie die meisten meiner Kommilitonen - recht erschöpft und schwer ausgelastet. Stellenweise überfordert. Und dann noch leicht entmutigt, weil wir nach der letzten Prüfung nächste Woche gerade mal 5 Werktage Pause haben, ehe jemand an der Hochschule beschlossen hat, dass es eine ziemlich gute Idee wäre noch vor Vorlesungsbeginn am Montag ein jeweils ganztägiges Seminar von Freitag bis Sonntag einzuschieben. Frei nach dem Motto: Nach dem Semester ist bereits das neue Semester.

Der einzige Lichtblick: Das dritte Semester scheint wesentlich entspannter zu werden. Nicht nur, weil wir insgesamt seltener zur Uni müssen, sondern auch weil wir weniger Prüfungen haben und die noch dazu wesentlich angenehmer verteilt sind.

Seit Neurowissenschaften vergangene Woche (yay! lief gut!!) hab ich mich in Verhaltenstherapeutische Interventionen gestürzt. Angefangen bei der ersten Welle mit der grundlegenden Basis klassischer und operanter Konditionierung, über die zweite Welle mit den prominenten Vertretern Aaron Beck und Albert Ellis hin zu den Verfahren der dritten Welle von denen der ein oder andere sicherlich schon was gehört hat. Achtsamkeit, DBT, MKT und weitere illustre Abkürzungen die sich ähnlich anhören und ähnliche Inhalte haben, sodass es schwer ist sie auseinander zu halten.

Und weil mir schnell langweilig wird habe ich neben den Altbekannten Zusammenfassungen die man >>hier<< findet wieder eine Playlist bei YouTube zum Thema erstellt. >>hier entlang bitte<<

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Neurowissenschaften

Ich mache in den vergangenen Tage nichts anderes, ausser die Vorlesungen zu Neurowissenschaften vorwärts und rückwärts durchzukauen. Und weil das ziemlich zermürbend ist, habe ich auf die letzten Meter angefangen für verschiedene Störungsbilder bei YouTube entsprechende Videos zu finden, die den neuranatomischen/ neurowissenschaftlichen Schwerpunkt beleuchten. In der verlinkten Playlist findet ihr einführende und oberflächliche, jedoch grundlegende, Inhalte zum Hirn, den Netzwerken die uns beim Denken, Handeln und Fühlen helfen und wie das alles mit dem Körper und der Psyche zusammenhängt.

Ist auch jeden Fall ein niederschwelliger und bisweilen unterhaltsamer Einstieg in ein doch recht umfangreiches und komplexes Thema.

Und wer sich noch ein bisschen genauer fürs Thema interessiert, der darf sich auch gerne an meinen (bzw. an unseren) Lernkarten dazu bedienen. Die man aber eigentlich auch nur dann versteht, wenn man die entsprechenden Vorlesungen dazu kennt. Zu den Lernkarten hier entlang.


Ab zur Playlist:

https://www.youtube.com/playlist?list=PLfSdWoETXfPz4puzCWOemIV160DoYewJ5


Aber das wichtigste Video ist eigentlich sowieso das hier:





Stammhirn, Stammhirn!
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Winter in Hamburg

Genauer gesagt im Hammer Park. Es war schweinekalt und wunderschön.

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Sex and the City

Wir mussten in diesem Semester ein kleines Forschungsprojekt machen. Das sollte für ein Seminar so nebenher laufen. Eins kann ich vorweg verraten: Es hatte den Umfang einer besseren Bachelorarbeit und vielleicht auch so mancher Masterarbeit. Nur das wir nicht so viel Text schreiben mussten.

Wir sollten eine Forschungslücke finden (Anm. der frustrierten Studierenden: die in der anderen Kohorte mussten keine finden und konnten einfach *irgendwas* rumforschen), diese mit Literatur begründen und uns eine Fragestellung basteln. Darauf aufbauend eine Stichprobenplanung (also wieviele Probanden müssen meinen Fragebogen ausfüllen, damit ich einen signifikanten Effekt finden kann, sodenn es einen gibt?) und natürlich Zusammenstellung der Fragebögen und Auswertung mit der statistischen Methode unserer Wahl (oder auch Qual. So genau weiß man das jetzt auch nicht mehr).

SiSl

In diesem Prozess sollte die Fragestellung seitens der Dozentin umgeworfen werden, neue Konstrukte gefühlt wahllos dazu gepackt werden (am Ende haben wir zwei Konstrukte mit abgefragt, die sie haben wollte, die inhaltlich überhaupt keinen Sinn ergaben und auch in die Analyse keinen Eingang gefunden haben, weil … eh… sinnlos.) Nachdem wir dann dachten: Okay, jetzt nur noch die statistische Analyse, hatten wir wiedermal nicht mit der Professorin gerechnet die meinte die statistische Methode mehrfach ändern zu müssen, weil sich ja kein Effekt gefunden hat. Ich hab mal gehört, dass wissenschaftliches Vorgehen irgendwie anders ist. Das ging dann soweit, dass ich sie vor weiteren Kontakten gebrieft habe, dass ich eine weitere Umstellung der statistischen Methode psychisch nicht aushalten würde und leider sonst einen Stress bedingten Heulkrampf erleiden müsse.

Naja. Letzten Endes haben wir den Zusammenhang von sexueller Orientierung mit psychologischen Konstrukten wie Sensation Seeking, Sexual Sensation Seeking, Soziosexualität und Mating Strategies untersucht.

Genauer gesagt ob

  1. sich die Mittelwertsausprägungen in eben diesen Konstrukten zwischen den Geschlechtern und den sexuellen Orientierungen unterscheiden.
  2. und welcher der Prädiktoren Sensation Seeking, Sexual Sensation Seeking und Mating Strategies wohl am meisten Vorhersagewert an Soziosexualität hätte und ob sich dies in Abhängigkeit der sexuellen Orientierung wohl unterscheidet.

Zur ersten Frage lässt sich sagen, dass es Geschlechterunterschiede gibt, wobei die Männern in allen Ausprägungen die Nase vorn haben (was jetzt laut Forschungsliteratur auch nicht die Wahnsinnsneuigkeit ist). Jedoch gab es keine Unterschiede der sexuellen Orientierung, die wir vermutet haben. Laut den deskriptiven Ergebnissen waren zwar Unterschiede erkennbar im Konstrukt Soziosexualität (man vögelt gern rum) mit hohen Werten für Bisexuelle Frauen und niedrigen für Bisexuelle Männer, aber dieser Unterschied ist statistisch nicht signifikant geworden.

Zur zweiten Frage: Short Term Mating Orientation (man sucht jemanden für ein kurzzeitig angelegtes Intermezzo) war für alle drei sexuellen Orientierung der stärkste Prädiktor hinsichtlich Soziosexualität. Bei den Bisexuellen aber weitaus der Stärkste, bzw. in dieser Gruppe sogar der einzig Signifikante. Was das jetzt genau heißt, konnten wir aber leider auch nicht beantworten. Wir haben mal gemutmaßt, dass sich Soziosexualität bei Homosexuellen und Heterosexuellen womöglich durch andere Konstrukte als Short Term Mating besser erklären lässt (Leicht erkennbar, dass der Madame du SPSS das natürlich zu dünn war).

Um einen Effekt der sexuellen Orientierung hinsichtlich der Mittelwertsunterschiede (also für Frage 1) zu finden, war unsere Stichprobe deutlich zu klein. Wir hatten knapp 280 Probanden und hätten 850 gebraucht und einen kleinen Effekt wie unseren hier überhaupt zu finden. Vor allem hätten wir mal wesentlich mehr Männer gebraucht. Da gab es nämlich eindeutig zu wenig. Also wenig verwunderlich wenn ein kleiner Effekt dann gar nicht erst signifikant bzw. entdeckt werden kann.

Und was sagt uns das jetzt? Alles in allem haben wir jetzt keine signifikanten Einflüsse der sexuellen Orientierung auf die Ausprägung in den Konstrukten Sensation Seeking, Sexual Sensation Seeking, Soziosexualität und Mating Strategies gefunden.

Wer jetzt noch mehr dazu sehen will, dem sei unsere >>einigermaßen schicke PowerPoint<< empfohlen. Bei all dem Frust den wir damit hatten, so sind wir auch doch ein bisschen stolz drauf.


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Anpfiff für die Lernphase.

Das Semester neigt sich dem glorreichen Höhepunkt der mit vier Prüfungen ordentlich gefeiert wird. Letzte Woche fand die letzte regelhafte Veranstaltung in der Uni statt, aber auch die drei Wochen zuvor waren die Meisten nur noch sporadisch anwesend und rechneten akribisch aus wie oft sie noch zu welchem Seminar kommen müssen um die magischen 60% der Anwesenheit zu erreichen.

Normalerweise würde ich mich wohl kaum darüber freuen, dass mir im März nun all diese Prüfungen bevorstehen und ich eigentlich viel zu wenig Zeit habe mich darauf vorzubereiten. Aber dieses Semester war anders. In vielerlei Hinsicht.

Denn selten…. eigentlich noch nie… war ein Semester derart anstrengend für mich. Nicht einmal als ichmeiste 30h/Woche arbeiten zu müssen und zwei Module (sprich Vollzeitpensum) an der FernUni machen zu müssen. Aber das hab ich mir ja auch nur einmal angetan. Und wäre die finanzielle Investition in diese Ausbildung nicht derartig hoch, hätte ich entschieden ein Semester dran zu hängen und zwei Module aufzuschieben. Aber die Sache mit dem Geld tut weh. Und sie setzt einen unter Druck. Und dann leidet neben meinem seelischen Gleichgewicht leider auch die Qualität der Ausbildung.

Klar, sagen immer alle: sie lernen hier ja nicht für die Klausuren, sondern bilden die Basis für ihr späteres Berufsleben. Und ich würde ganz gerne in diesen Tenor einstimmen. Aber die Organisation der Module und Prüfungen macht es - zumindest mir - völlig unmöglich auch nur einen Krümel mehr zu tun als das was klausurrelevant ist. Schade für die eigentlich interessanten Inhalte.

Schon zu Beginn dieses Semesters war uns eigentlich allen klar, dass es ein hartes wird. An der Zahl sieben Prüfungsleistungen sollen erbracht werden. Drei davon habe ich jetzt schon mit mehr oder weniger glorreichen Ergebnissen hinter mir. Und bin jetzt eigentlich so weit, dass ich dringend Urlaub brauche.

Aber jetzt fängt die Lernerei eigentlich erst richtig an. Das ist eigentlich kein Grund zur Freude. Aber ein wenig erleichtert bin ich dann doch schon. Immerhin muss man nicht mehr dreimal die Woche in die Uni fahren und muss mehr oder weniger überflüssige (vom prüfungsrelevanten Standpunkt aus betrachtet) Veranstaltung absitzen um auf seine Anwesenheit zu kommen. Zeit in der man wunderbar die Wohnung putzen, zum Sport gehen oder einkaufen gehen könnte. Oder einfach schlafen.

Das zweite Mastersemester an der MSH hat sehr an mir gezehrt. Und wenn ich mich an der Uni so umgesehen habe, dann auch an so manch anderem. Warum man im ersten Semester nur drei Prüfungen und das zweite dann zum Todessemester mit sieben Prüfungen macht entzieht sich meinem Verständnis. Und auch der Sinn einer Anwesenheitspflicht erschließt sich mir auch immer noch nicht. Denn wenn die Veranstaltung mich scheinbar gut auf eine Prüfung vorbereitet und mir Wissen vermittelt komme ich so und so. Und wenn sie mir keinen Mehrwert zu bringen scheint, schreib ich entweder eine Hausarbeit und der Rest ist mir in so einem Semester herzlich egal, oder die Veranstaltung ist einfach schlecht. Natürliche Selektion im Hochschulbetrieb.

Immerhin habe ich diverse Dinge über mich selbst gelernt. Zum Beispiel wo meine Grenze der Belastbarkeit liegt. Oder dass ich viel bessere Leistung bringen kann, wenn ich selbst entscheiden kann, wann ich mich mit welchen Inhalten auf welche Art beschäftige. Und dass ich in Forschungsmethoden zu viel Zeit und Energie reingesteckt habe.

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Es gibt kein MUSS im Leben.

Es gibt kein MUSS im Leben, das einzige was man MUSS ist sterben. So etwas oder so etwas ähnliches haben wir doch alle schonmal von irgendwem gehört, als wir sagten "Ich muss noch dies und jenes erledigen". Wie man darauf reagiert ist wohl unterschiedlich. Ich hab entweder etwas erwidert wie "jaja, aber ich will ja" oder ich war irgendwie eher etwas genervt über diesen wenig hilfreichen und stützenden Kommentar.

Aber stimmt das denn, das es kein Muss im Leben gibt. Das man die freie Wahl hat in dem was man tut und was man lässt? Oberflächlich betrachtet mag das stimmen. Oberflächlich betrachtet gibt es zwei Dinge auf der Welt die auf jedes atmende Tier auf dieser Welt zu trifft. Es wurde irgendwann geboren und es wird irgendwann sterben. Und nur der Mensch glaubt, dass die Zeit dazwischen von ihm selbst nach eigenen Wünschen und Vorstellungen gestaltet werden kann.

Denn sofern man in dieser Welt nicht sterben will muss man schon einige Dinge tun, abgesehen vom atmen, welches eine Entscheidung vom autonomen Nervensystem ist, aber wenn wir nicht gerade absichtlich die Luft anhalten keine autonome Entscheidung von uns selbst ist. Man muss essen und trinken und man muss sich regelmäßig mal bewegen wenn man sich keine Druckstellen liegen will.

Und was erfordert essen und trinken im Normalfall (also wenn ich nicht gerade höchst pflegebedürftig auf andere Menschen angewiesen bin)? Richtig. Irgendeine Form von Aktivität. Entweder muss ich mein Essen selbst jagen und sammeln und eine Wasserquelle mit Trinkwasser finden, oder ich geh in den Supermarkt meines Vertrauens und kauf es dort. Mit Geld. Und auch für das Geld muss ich wieder irgendwas tun. Das Essen muss meist noch irgendwie verarbeitet werden, z.T. gekocht. Dafür benötigt es eine Kochstelle. Und nachts brauche ich noch einen sicheren Schlafplatz. Sicherlich gibt es einige die versuchen von der Gesellschaft relativ autonom zu leben, aber die meisten Menschen aus meiner Umgebung bevorzugen dann doch Wohnung oder Häuser. Und auch die müssen bezahlt werden.

Irgendwo muss das Geld also herkommen. Den wenigsten unter uns wird so viel Erbschaft zugefallen sein oder haben einen Werbejingle geschrieben sodass sie das Problem gelöst haben. Also muss man arbeiten gehen wenn man Geld haben will. Natürlich kann man das auch lassen, aber das Geld das man vom Arbeitsamt bekommt ist jetzt auch nicht so reichlich und auch die wolle das man Bewerbungen schreibt und Kurse besucht, die sie einem anbieten.

Wenn ich mein Leben im Rahmen meiner Möglichkeiten nach meinen Wünschen und Vorstellungen gestalten will, dann gibt es da schon einiges an Muss. Ich muss regelmäßig einkaufen, meine Rechnungen bezahlen, arbeiten gehen und mein Studium zu Ende bringen.

Deswegen muss ich jetzt auch wirklich los und mir statistische Auswertungen angucken. Sonst wird's schwierig mit den Leistungen in der Uni die ich für die Beendigung des Studiums erbringen muss.

Vielleicht ist es also weniger eine Frage von dem was ich initial muss, sondern vielmehr von dem was ich in meinem Leben will (und was ich dafür dann tun muss).

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