Forschungsmethoden oder warum mir dieses Semester die Nerven raubt.

"Ich hoffe in Ihnen den Funken der Leidenschaft für die Forschung wecken zu können!"



So oder so ähnlich stand die Dozentin Anfang des letzten Semesters vor uns. Und ich dachte schon fast, dass dieser Satz wahr werden könnte. Denn sie hat sehr sicher ziemlich was drauf und gab sich schwer viel Mühe dieses recht unbeliebte Fach rund um Regression, Varianz und Testkonstruktion verständlich zu machen. Es war recht schnell klar, dass wir hier einem hohen Anspruch und hohen Anforderungen gegenüberstanden. Nun im zweiten Semester wünsche ich mir das - wesentlich gemütlichere - erste Semester wieder zurück.

Neben den anderen sechs Prüfungsleistungen sollen wir in Forschungsmethoden eine kleine Studie durchführen. Eigentlich gar nicht so unattraktiv. Bis man anfängt nach einer Forschungsfrage zu suchen. Die dann abgelehnt wird, weil es nicht in ausreichendem Maße einer Forschungslücke entspricht. Man sucht weiter fleißig in dem Themengebiet, dass einem interessant erschien. Gräbt sich in die Literatur und überlegt was man sonst noch untersuchen könnte. Geht zum nächsten Seminartermin, wird abgelehnt, weil zu wenig Konstrukte. Gräbt sich weiter in die Literatur in Themengebiete die schon gar nicht mehr so gut dem eingangs gewählten entsprechen. Findet neue Forschungsfragen. Geht zum Seminar. Wird abgelehnt. Bekommt Vorschläge gewisse Konstrukte mit einzubauen, die so gar nicht zum Thema passen. Sucht weiter Literatur. Wird abgelehnt. Bevor man im Rahmen des Seminars dann aber einen völligen Nervenzusammenbruch erleidet, wird das Thema beim sechsten oder siebten Termin dann doch noch angenommen. Einige konstruieren immer noch ihre Forschungsfrage. Die ersten haben ihre Fragebögen schon online. Auch wir basteln nun endlich fleissig am Online-Fragebogen. Und haben endlich wieder Zeit. Ob wir zufrieden sind mit unserer Fragestellung spielt an diesem Punkt schon gar keine Rolle mehr. Wichtig ist nur noch, dass wir weiter kommen. Und endlich wieder Zeit haben. Sooooo viel Zeit. Zeit um endlich all die andern Inhalte aus den anderen Modulen aufzuarbeiten in denen man ja noch Prüfungen hat.


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Sicherlich ist es immer sehr schwer eine Forschungslücke zu finden…. aber ob man die im Rahmen eines Seminars finden muss in dem es vor allem darum geht einmal den Forschungsprozess zu durchlaufen (mit Formulierung einer Fragestellung, Auswahl der passenden Instrumente, Erhebung, Auswertung und Präsentation der Ergebnisse), das sei mal dahin gestellt. Vor allem wenn man sieht, dass die Nachbarkohorten mit anderen Dozenten wesentlich geringere Anforderungen haben und eben einfach nur irgendeine Fragestellung untersuchen sollen, ohne eine Forschungslücke gefunden zu haben. Das Leben ist ungerecht. Und wird es vermutlich immer auch bleiben. Also finden wir uns damit ab, weil wir es nicht ändern können und machen unser Projekt einfach weiter.

Aber dafür dürfen wir uns doch eigentlich glücklich schätzen, dass wir die Gelegenheit bekommen wirklich was zu lernen. Und eigentlich sollten uns die Nachbarkohorten ja schon fast Leid tun, dass die nicht so hohe Anforderungen haben. Und vielleicht würde ich mich auch glücklich schätzen mehr lernen zu können als die Anderen. Aber vielleicht studiere ich auch ganz eventuell einen Masterstudiengang der durch die Bolognareform damals zerhackstückt und verschult worden ist. In dem für die freie Entfaltung persönlicher Wissenschaftsinteressen keine Zeit mehr bleibt. Also zumindest nicht für die normal leistungsstarken Studierenden. Weil das ganze System so stark auf Leistung und Massenabfertigung ausgerichtet ist.

Der Funken Leidenschaft für die Forschung…. wenn es ihn mal gegeben hat, der glimmt jetzt allenfalls noch vor sich hin. Schade eigentlich.

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