Parkour is....

Parkouris

Wenn es in Gesprächen darum geht ob man denn Sport treibe und wenn ja welchen, blicke ich häufig in große Augen und darf mir dann immer wieder den selben Satz anhören: "Krass, sowas machst du?! Das sind doch die, die immer auf Häusern rumwürfen"

Ja ... Nein. So ist das nicht. Aller Anfang ist schwer und so auch beim Parkour. Das meiste finden auf dem Boden statt und von Zeit zu Zeit auch mal einen Meter über dem Boden. Alles was weiter in die Höhe geht sollte erst auf einem sehr viel weiteren Level und zu einem späteren Zeitpunkt trainiert werden. Also nach 1-2 Jahren Grundlagentraining. Eher 2 Jahre.
Sicherlich sieht man in den einschlägigen Parkour/ Freerunning videos häufig Jungs die von einem Dach zum anderen springen. Dabei wird häufig vergessen, dass diese Jungs meist schon seit 5 Jahren und länger trainieren und das auch nicht jeden Tag tun. Denn auch in Fünf Jahren findet der größte Teil noch immer auf dem Boden statt. Da bin ich mir ziemlich sicher.

Folge-Fragen bestehen dann häufig aus dem Inhalt, ob man sich dabei denn nicht oft verletze. Gerade gestern las ich in einer Zeitschrift, dass die Verletzungsrate bei Mannschaftsportarten wie Fussball, Handball, Volleyball mit Abstand am höchsten ist. Und warum? Weil da mehr oder minder unberechenbare andere Menschen mit von der Partie sind. Parkour ist ein Einzelsport. Klar kann man in der Gruppe trainieren, aber im Endeffekt geht es um dich, deinen Körper, das Objekt und um deinen Geist. Mehr nicht.

Diejenigen Traceure (Parkourläufer) die ich persönlich kenne haben als schlimmste Verletzung mal Schürfwunden oder Prellungen. Selten auch mal ne Gelenksüberlastung. (Die habe ich übrigens auch, aber wohl eher vom Tischkickern)

Manchmal werde ich auch gefragt ob ich denn auch Saltos und solche Dinge machen könne. Um das mal zu klären: Nein kann ich nicht. Ist auch irgendwie uninteressant für mich. Verletzungsrisiko zu hoch. Wobei ich es in einer Halle mit ganz dicken Matten unten drunter sicherlich mal ausprobieren würde.
"Saltos und solche Dinge" sind nicht Bestandteil von Parkour. In Parkour geht es im Prinzip darum mit den eigenen zur Verfügung stehenden Mitteln und Ressourcen möglichst schnell zu entfliehen. Wie ich an anderer Stelle schon anmerkte geht es auch um Effizienz und Schnelligkeit. Der Fluchtgedanke eben. Wer würde schon versuchen langsam und mit Umwegen zu fliehen, wenn er um sein Leben rennen müsste.

Anders verhält es sich in der Sportart "Freerunning". Im Freerunning sind auch die Bewegungselemente von Parkour enthalten, hier geht es aber weniger um Effizienz und Schnelligkeit. Es geht hier vielmehr um die Freiheit der Bewegung. Es geht darum, dass sich jeder Freerunner individuell in seinen Bewegungen ausdrückt. Also auch mit "Saltos und solchen Dingen".

Was mich immer wieder stört ist der Vermischung der beiden Begrifflichkeiten. In den allermeisten Fällen werden sie von Freerunnern vermischt, die eine Notwendigkeit der Trennung nicht sehen. Eventuell gibt es auch keine Notwendigkeit, aber auf der Anderen Seite werden die Begriffe Fussball und Handball auch nicht synonym verwandt.

Man sollte den Unterschied schon kennen, wissen und respektieren wenn man eine der beiden Sportarten betreibt. Alles andere schafft nur Verwirrung für diejenigen die damit kaum etwas am Hut haben, oder neu anfangen.

blog comments powered by Disqus