Interkulturelle Psychotherapie

Hinter mir liegt ein Wahlmodul, dass ich mir auf vielen Dimensionen ganz ganz anders vorgestellt habe. Als ich mich für das Modul Interkulturelle Psychotherapie eingeschrieben habe, habe ich erwartet etwas über verschiedene Kulturen zu lernen. Über den Umgang mit psychischen Erkrankungen in anderen Kulturen. Welche Unterschiede liegen zwischen individualistischen und kollektivistischen Kulturen. Treten bestimmte psychische Erkrankungen in anderen Kulturen häufiger auf und wenn ja: warum? Und warum gibt es in verschiedenen Kulturen Erkrankungen die in dieser Form eigentlich nur dort auftreten?

Was ich bekomme habe waren nette Kennenlernen- und Einstiegsspielchen mit einem inhaltlichen Niveau dass die Projektwoche zu Jugendkulturen in der neunten Klasse eigentlich kaum überstiegen hat. Man brachte uns recht zügig nahe, dass es keinen Sinn mache Unterschiede in Kulturen aufzuzeigen, sondern das man herausarbeiten wolle mit welcher therapeutischen Haltung man Patienten mit (vor allem) Migrationshintergrund begegnen würde. In welchem Punkt das nun über die allgemeine emphatische, wertschätzende und authentische Haltung hinausgeht, hab ich jetzt aber immer noch nicht verstanden. Ausser vielleicht das man noch in einem viel größeren Ausmaß seine eigene Unsicherheit und Unwissenheit aushalten müsse, da man ja unmöglich über alle Kulturen Bescheid wissen kann. Mit einem geringen inhaltlichen Niveau hätte ich ja aber eigentlich auch gut leben können. Gerade nach dem letzten Semester kommt mir so ein bisschen Urlaub fürs Hirn gerade recht.

Viel erschrockener war ich ja über den Umgang der Dozenten mit uns. Wir hatten teilweise angeregte und interessante Diskussionen in der Gruppe. Diskussionen nach denen dann und wann einzelne Studierende rausgepickt wurden um sie für ihr (aus Sicht der Dozenten unangebrachtes) Verhalten zu tadeln. Seitens der anderen Teilnehmer traf diese Intervention eher auf Unverständnis.

Ganz besonders gefreut haben wir uns dann aber, als uns eröffnet wurde, dass wir binnen eines Wochenendes und einer Woche (Zeitraum 2 Wochen) eine kleine Studie durchführen sollten. Und jeder der bei Frau Prof. Dr. Sehrambitioniert das Seminar Forschungsmethodik hatte, kriegt bei solchen Worten Herz-Rhythmus-Störungen. Darüber sollten wir in Kleingruppen am Ende eine Präsentation halten.

Was dabei heraus kommt, wenn man solch ein Studienvorhaben in so kurzer Zeit neben dem restlichen Alltagsbetrieb nebenher macht kann man sich vermutlich denken. Gute Forschung sieht vermutlich anders aus.

Aber um mal was gutes zu sagen: Immerhin hab ich ein weiteres Modul und eine weitere Prüfung hinter mich gebracht und das Semester wird zunehmend entspannter.

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