Objektpermanenz.

Input aus der Fortbildung vergangene Woche.

Im Zuge der frühkindlichen Entwicklung lernen wir alle, dass der Ball nicht einfach weg ist und Papa zaubern kann. Irgendwann kommt der Punkt, an dem leuchtet uns ein, dass Papa den Ball immer noch in der Hand hält, der Ball aber durch ein anderes Objekt verdeckt wird. Wir wissen, dass der Ball noch da ist. Das nennt man Objektpermanenz.

Wir sollten das alle als Kleinkinder gelernt haben. Haben wir aber nicht alle. Es gibt erwachsene Menschen für die ist ein Objekt, oder hier relevanter: ein Mensch, schlichtweg nicht mehr da, wenn er nicht mehr da ist. Sie können nicht spüren, dass dieser Mensch wieder kommt, aber jetzt gerade nun mal zur Arbeit muss. Diese Menschen haben oft eine Beziehungs- und/ oder Bindungsstörung vom Borderline-Typ. Für den Gegenüber ist das mitunter nicht nachvollziehbar, warum das für den Betreffenden ein mittleres bis größeres Drama ist. Sie müssen als Erwachsene mühsam lernen, was der Großteil spielend als kleines Kind lernt. Und für die Erwachsenen ist es vermutlich doppelt so schwer das zu erlernen, weil die anderen oft wenig Verständnis dafür aufbringen können, weil das Verhalten mitunter doch recht bizarr wirkt.

Warum haben einige Menschen Objektpermanenz nicht erlernen können? Für eine gesunde Entwicklung braucht es eine beständige Umgebung mit einigermaßen erkennbaren Regelmäßigkeiten und Vertrauen. Vertrauen darauf, dass die Bindungspersonen verfügbar sind. Fehlt dieses Vertrauen, bleiben keine Ressourcen um andere wichtige Entwicklungsschritte zu durchlaufen. Die Kinder sind stets damit beschäftigt, sich zu vergewissern, dass sie nicht alleine bleiben, dass sich jemand um sie kümmert. Die Kinder sind gestresst.

Was kann es diesen Leuten einfacher machen? Das Erleben von Regelmäßigkeit, Beständigkeit und Vertrauen. So können sie lernen, einer wichtigen Bezugspersonen zu vertrauen, dass sie wieder kommt, auch wenn sie jetzt gerade erstmal gehen muss. Im Rahmen der Fortbildung wurde uns auch der Begriff der Übergangsobjekte näher gebracht. Das sind kleine Gegenstände, welche man den Betroffenen aushändigen kann, damit sie etwas vom Anderen bei sich tragen können. Und diesen Brauch kennen wir doch im Grunde alle: Diese kleinen Geschenke und Aufmerksamkeiten, die man aus dem Umfeld bekommt. Oder die man selbst an jemanden verschenkt. Freunden schenkt man Fotos aus dem gemeinsamen Urlaub. Verliebte schenken sich immer wieder Kleinigkeiten die sie dann mit sich herum tragen können. Ich finde so schwer nachvollziehbar ist der Wunsch gar nicht, dass manche Menschen eine gewisse Rückversicherung brauchen um zu wissen, dass der andere Mensch einen mag und an einen denkt, auch wenn sich die beiden ein paar Tage nicht sehen, oder sprechen.

Objektpermanenz. Ich finde es nur auf den ersten Blick bizarr, dass jemand nicht darauf vertraut, dass jemand nicht verschwunden ist, nur weil er gerade nicht da ist. Es gibt genügend eifersüchtige Menschen da draussen, die ihrem Partner nicht vertrauen, wenn er gerade allein unterwegs ist.

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