Vor- und Nachteile der Fernstudierei

Meine Uni, die Fernuni Hagen, kann sich mit hohen Zahlen schmücken. Die größte staatliche Fernuniversität Deutschlands, die meisten eingeschriebenen Studenten (70.000), die höchste Abbrecherquote (70%). Gedanken die ich mir vor Studiumsbeginn machte.... nein eigentlich Gedanken die ich mir erst jetzt mache. Die Entscheidung mich in Hagen einzuschreiben, war eher spontaner Natur. Ja ich wollte irgendwann mal studieren. War mir aber nicht sicher ob es Psychologie sein sollte, oder doch was mit Pflegethemen. Eine Kollegin war Schuld (ja, immer die andern). Sie berichtete mir von ihrem Vorhaben, sagte sowas wie: "hey, schreib dich doch auch ein!". Also schrieb ich mich ein. Sovieldazu, aber jetzt zu den Gedanken die ich mir mittlerweile mache. Nicht zuletzt weil ich häufig genug darauf angesprochen werden, wie das denn nun sei, so an der Fernuni zu studieren. Also zunächst ein mal zu den Vorteilen: 1: kann im Prinzip jeder ab Realschulabschluss studieren 2.: unschlagbar günstig (sodass es nicht weh tut aufzuhören, man kann auch einfach reinschnuppern) 3: Freie Zeiteinteilung 4: wer schon im Berufsleben steht muss seinen Lebensstandard nicht runterschrauben 5: Möglichkeit des Teilzeitstudiums was an den allermeisten Präsenzunis nicht so einfach möglich ist. 6: Keine Wartezeit, kein Numerus Clausus, kein bescheuertes undurchschaubares Auswahlverfahren Bei all diesen gut aussehenden Vorteilen, gibt es aber eben auch die Nachteile, von denen man sich vielleicht zu Beginn noch einredet, man könne sich da selber ändern, oder man schaffe das doch noch für den 'kurzen' Zeitraum.... 1: Disziplin.... hat nicht jeder, ich auch nicht unbedingt, aber bis jetzt immerhin noch ausreichend 2: Soziale Kontakte sind schwierig bei Vollzeitstudium 3: Belastung ist zu hoch, wenn man neben dem Job studiert. 4: Vielleicht haben einige Menschen aus gutem Grund gerade mal so die Realschule geschafft, oder sich halt irgendwie durchs Abi gemogelt, sind dann aber überfordert?! Ich selber muss mich auch sehr disziplinieren, mache mir Wochenpläne und plane mir das so dass am Sonntagabend mein Plan erfüllt ist. Klappt meistens, wenn nicht wird die kommende Woche etwas heftiger. Soziale Kontakte und Belastung... auch das merke ich selber an mir. Aber irgendwo muss man sich schon selber klar werden, was einem wie arg wichtig ist. Arbeit zum Beispiel müsste ich im Prinzip gar keine haben, aber dann gibts auch kein Geld. Also arbeite ich 80% Teilzeit und studiere Teilzeit. Damit bleibt immerhin noch genug Zeit für Freunde, und sogar zum Faulenzen. Was aber auf der Strecke bleibt ist etwaige Zusatzliteratur zum Studium. Also lerne ich hier halt nur für die Klausuren, weil ich weiß, dass mein Gleichgewicht sonst gestört wird. Die Belastung ist vor allem in den Wochen vor der Klausur zu spüren. Dann merken es auch meine Kollegen, dass ich ein wenig reizbar bin. Mich verwundert die Abbrecherquote von 70% nicht. Immerhin kann die FU ja auch jeden ohne Limit nach oben aufnehmen, weil die Plätze im virtuellen Hörsaal sind unbegrenzt. Keine langwierigen Anmeldeformalitäten, einfach einschreiben und losstudieren.

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