Leistungsvergleich

"Ich muss die Leistung ja auch immer mit der Leistung der anderen vergleichen."

Mir ist absolut klar, dass Leistungsbewertung immer immer immer eine subjektive Note hat. Ausser man macht harte Multiple Choice Fragen bei denen nur die richtige Antwort zählt. Aber selbst da liegt es manchmal im Auge des Betrachters ob eine der Antworten als korrekt gewertet werden sollte, weil man die Antwortmöglichkeit anders auffasst, als vom Verfasser intendiert. Es gilt sicherlich auch: Je freier die Prüfungsmethode, desto subjektiver. Der absolute Höhepunkt subjektiver Bewertung sind mündliche Prüfungen.

Damit die Bewertung einer Prüfung möglichst objektiv von Statten geht, gibt es Lösungsschemata oder Bewertungsbögen oder ähnliches. Also auch für mündliche Prüfungen gibt es Schemata nach denen eingeteilt werden kann, ob der Prüfling den Stoff nicht gewusst, in erwartbarer Weise gewusst oder gar die Erwartungen übertroffen hat, weil er Dinge über der Lehrinhalte hinaus auch gewusst hat. Es gibt also durchaus die Möglichkeit eine einzelne Person einigermaßen unabhängig von anderen Personen zu bewerten. Das die Leistung des Vorgängers einen Einfluss auf die Bewertung des Nachfolgenden hat, lässt sich sicherlich weder leugnen, noch ganz abstellen. Aber man kann sich ja wenigstens bemühen.

Meiner Auffassung von Leistungsbewertung nach geht es jedoch darum ob ein Prüfling bestimmte Kriterien erreicht, welche die Vergabe einer vorgegebenen Punktzahl bestimmen. Nicht jedoch der Vergleich mit anderen Prüflingen. Denn das wäre ein Wettkampf mit dem Ziel: Möge der oder die Bessere gewinnen.

Und diese ständige (ungefragte) Konkurrenz mit anderen Menschen macht mich wütend. Wütend, weil sie ungerecht gegenüber allen ist. Ich will - wenn überhaupt - nur mit mir selbst in Konkurrenz stehen. Denn schließlich ist das schon anstrengend genug. Aber solange ich mich nicht freiwillig für einen Wettkampf anmelde, möchte ich auch an keinem teilnehmen. In der Universität werde ich aber in den Wettkampf gezwungen, wenn ich nicht gerade eine klassischen schriftliche Prüfung schreibe. Es ist brutal gemein wenn die Ersten einer Vortragsreihe entweder einen Vorteil haben, weil sie ja die Ersten sind, oder aber einen Nachteil haben, weil die Nachfolgenden um Welten bessere Vorträge abliefern, obwohl der erste Vortrag auch gut war.

Also nein: Es ist nicht okay die Leistung einer mündlichen Prüfung mit der Leistung von anderen zu vergleichen. Die Leistung soll daran gemessen werden was der Prüfer unterrichtet hat und was der Prüfling wissen sollte. Nicht daran was die anderen gewusst haben.

Sollte ich jemals in die Position der Prüferin kommen, hoffe ich inständig das ich es besser mache.

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