The Circle

Kürzlich las ich das Buch "The Circle" von Dave Eggers. Letztes Jahr war der Film auch in den Kinos und ich freue mich schon auf die Gelegenheit eben jenen zu sehen.

Um grob die Story zu umreißen: Mae fängt ein bei einem großen Unternehmen, dem Circle, zu arbeiten. Dieses Unternehmen ähnelt in vielerlei Hinsicht Facebook und ist im Kern ein soziales Netzwerk mit Klarnamenpflicht und hat auch schon eine Bezahlmethode implementiert die einem das Leben vereinfachen soll, weil man ja nur noch den einen Account braucht um diverse wichtige und nützliche Apps zu verwenden und auch um den eigenen Geldverkehr zu regeln. Datenschützerherzen hüpfen schon jetzt im Dreieck.

Jedenfalls beginnt Mae dort in der Customer Experience zu arbeiten und das ist sowas wie der Kundendienst für die diversen Apps die das Unternehmen entwickelt hat. Der ganze Firmencampus ist zum einen recht groß und zum anderen hoch modern, hip und supercool. Jeder will dort arbeiten. Ständig finden irgendwelche wahnsinnig coolen Veranstaltungen statt und Gesundheit wird groß geschrieben. So bekommt Mae ganz am Anfang ein Armband welches diverse Parameter wie Schritte, Herzfrequenz, Temperatur und noch so einiges anderes misst. Und natürlich bekommt sie auch ein neues Handy mit dem sie dann am sozialen Netzwerk teilnehmen soll. Immer wenn sie zu irgendwelchen Veranstaltungen (am Besten auf dem Campus) geht, soll man darüber berichten. Weil wie sollen die anderen sonst erfahren was sie cooles verpasst haben? Und natürlich muss man auch jede noch so kleine unbedeutende Anfrage (egal ob privat oder beruflich) beantworten, denn sonst ist am anderen Ende der Leitung ganz schnell jemand beleidigt.

Nun arbeitet sich Mae an ihrem neuen Arbeitsplatz ein und hat erst zwei Bildschirme zum arbeiten und am Ende hab ich leider nicht mehr mitgezählt… 8 oder 9 vielleicht. Einer ist für die eigentliche Arbeit und die restlichen für irgendwelche sozialen Aktivitäten. Und alle müssen am Besten gleichzeitig beachtet werden. Die ganze Story spitzt sich zu als Mae sich dazu entschließt ein transparenter Mensch zu werden und sich tagsüber beinahe lückenlos (bis auf dreiminütige Toilettengänge) zu filmen. Beziehungsweise zu filmen was sie so den ganzen Tag tut. Damit wird sie schnell zu einer sehr einflussreichen Person im Unternehmen und im gesamten Circle und damit auf der Welt.

Was sie leider nicht merkt ist, dass gar nicht alle Menschen auf dem Planeten es so supercool finden, dass sie ständig überwacht werden könnten, dass individuelle Vorlieben auf Schritt und Tritt verfolgt werden und somit die Werbung um mich rum optimiert wird. Dass es keine Rückzugsorte mehr gibt, weil mit dem Zusammenschluss aller Menschen im sozialen Netzwerk und dem Einsatz verschiedener Apps es in Kürze möglich ist jeden Menschen zu lokalisieren. Verkauft wird das den Menschen mit einem radikalen Rückgang an Kriminalität und einer Vereinfachung des Lebens.

Und sie merkt auch nicht, dass sie ihr eigentliches Leben Stück für Stück verliert, weil alles nur noch im virtuellen sozialen Netzwerk stattfindet. Kaum einer hat noch Zeit um wirklich Kajak fahren zu gehen, weil man an irgendwelchen Gruppen darüber partizipieren soll und beschäftigt ist jedem zu erklären warum man woauchimmer nicht hin kann.

Obwohl ich den Roman wirklich sehr gut geschrieben fand, konnte ich ihn nicht am Stück durchlesen. Oft musste ich ihn weg legen, weil ich den Gedanken an eine derartig überwachte Welt nicht ausgehalten habe. Mir nicht vorstellen konnte wie es sein kann, dass man nicht merkt auf welchen Abgrund man da zusteuert. Dabei ist mir ja wohl bewusst, dass ich verschiedene soziale Netzwerke selbst ja auch benutze und so einiges an Informationen über mich ins Netz blase.Aber ich hab auch die Kamera von meinem Laptop angeklebt, weil ich dann doch nicht will, dass mir jemand zuguckt. Und ich kaufe mir auch ganz sicher keine Alexa die 'mithört'. Mir reichte schon das Erlebnis letzten Sommer, als ich mich darüber unterhielt, dass ich einen neuen Rucksack benötigen würde und mir dann 'zufällig' Abends bei Facebook passende Produktplatzierungen geliefert wurden. Ohne dass ich mich online schon nach Rucksäcken umgesehen hätte. Und natürlich habe ich aus Bequemlichkeit auch gern die Option "über Facebook anmelden" benutzt. Weil ich faul bin. Jetzt bin ich mir nicht so sicher, ob das die beste Idee des Tages war.

Nun ist aber die Frage: Was mach ich mit meinem Wissen? Mit dem Wissen, das ich ja nicht erst seit gestern habe, dass Facebook und Co. jeden von uns ausspionieren und wir nur ach so bereitwillig alle möglichen Daten zur Verfügung stellen, obwohl wir doch recht gut wissen, dass unsere Daten verkauft werden. Womöglich werd ich das nun immer im Hinterkopf behalten wenn ich im Netz unterwegs bin und mich für irgendwas registrieren muss. Werde mir überlegen ob ich wirklich will, dass ein Konzern wie Facebook oder Google diese Information von mir bekommt.

Denn ich will ganz sicher keine Welt, in der andere Menschen potentiell zu jedem Zeitpunkt wissen könnten wo ich bin und was ich dort tue.

Das Buch ist jedenfalls gut und aufrührend auf eine ganz andere Art.

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