Buch

Terror - Ferdinand von Schirach.

Ferdinand von Schirach ist in der Welt des Rechts und der Literatur ein bekannter Mensch. Das ZDF verfilmte letztes Jahr die Schuldserie mit Moritz Bleibtreu und das war schon ziemlich gut anzusehen. Neben Essays und Romanen schrieb er mittlerweile auch ein Theaterstück, in dessen Genuss ich vergangene Woche kam.

Das Stück stellt mit einem einfachen Bühnenbild den Gerichtssaal dar. Das Publikum hat die Aufgabe als Schöffengericht den Angeklagten zu verurteilen oder frei zu sprechen. Anderthalb Stunden ist insgesamt nur wenig Bewegung auf der Bühne und dennoch ist man von der Geschichte gefesselt und verliert zu keinem Zeitpunkt die Aufmerksamkeit.
Worum gehts in derer Verhandlung?

Ein Flugzeug auf dem Flug von Berlin nach München wird entführt. Der Terrorist lässt Kurs nehmen auf die voll besetzte Allianzarena in München. Knapp 50 Minuten nachdem der Flugzeugentführer sein Vorhaben kund tat schießt ein Kampfjetpilot die Passagiermaschine ab. 167 Menschen sterben. Dafür überleg 70.000 im Fussballstadion. Mittels Staatsanwalt, Verteidiger und Nebenklägerin (und natürlich auch dem Täter) werden verschieden Ansichten von Gerechtigkeit, Moral und Prinzipien präsentiert. Die Frage die sich jeder Einzelne Zuschauer vor de Urteilsverkündung dann stellen soll ist ob der Täter verurteilt wird, weil er 167 Menschen ermordet hat, oder ob er freigesprochen wird, da er 70.000 andere gerettet hat.

Es stellt sich die Frage ob es gerechtfertigt ist ein Menschenleben gegen ein anderes aufzuwiegen. Ob man einige wenige Menschen (die offenkundig ohnehin dem Tod geweiht sind) opfern darf um eine Mehrzahl zu retten.

Die Auseinandersetzung mit moralischen Dilemmata im Rahmen von Gedankenexperimenten ist nun nicht neu. In den 1950ern wurde der Weichenstellerfall entwickelt: Man stelle sich vor, dass ein Zug ausser Kontrolle geraten ist und nun droht er fünf Menschen zu überrollen. Durch umstellen einer Weiche könnte der Zug umgeleitet werden. Die fünf Menschen überleben. Unglücklicherweise steht aber dort ein einzelner Mensch. Darf nun der Tod eines einzelnen Menschen in Kauf genommen werden um das eben anderer zu retten?

Es ist eine spannende Frage. Hier http://terror.kiepenheuer-medien.de lassen sich die Abstimmungsergebnisse aus den verschiedenen Aufführungen einsehen. In unserem Fall wurde der Angeklagte mit einer 2/3 Mehrheit freigesprochen.

Wer Gelegenheit hat sich das Stück anzusehen: Auf jeden Fall hingehen! Man wird es kaum bereuen.

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Zeig mir wie du deine Schokolade isst, und ich sage dir was für ein Mensch du bist.

Walter Mischel führte (neben einigen anderen Forschern) ganz wahnsinnig spannende Experimente durch. Er setzte Kinder vor Süßigkeiten und sagte ihnen, dass sie diese eine Süßigkeit jetzt gleich essen könnten, oder aber warten könnten bis man wieder zurück in den Raum käme. Wenn sie die vor ihnen liegende Süßigkeit in dem Zeitraum nicht essen würden, bekämen sie zwei Süßigkeiten.





Neben durchaus niedlich zu betrachtenden Kindern erbrachten verschiedene Längschnittstudien auch diverse Ergebnisse. So stellt man fest, dass 25-30jährige die im Vorschulalter länger auf die Süßigkeiten hatten verzichten können, sich nun leichter taten langfristige Ziele zu verfolgen, gefährliche Drogen zu meiden und ein höheres Bildungsniveau erreichten. Insgesamt waren sie belastbarer und anpassungsfähiger und hatten einen geringeren BMI. Was davon nun auf die damalige Fähigkeit des Belohnungsaufschubes zurückzuführen ist, lässt sich aber so einfach gar nicht beantworten.

Um es mit John Watson zu sagen: "Eine Prädispostion, bedeutet noch lange keine Prädetermination". Sprich: Nur weil man eine Veranlagung zu einem bestimmten Verhalten hat, heißt es noch lange nicht, dass man diese auch immer in jeder Situation zeigt. Wer nur schwer auf Schokolade/ Chips/ Zigarette verzichten kann, hat in erster Linie die positiven Eigenschaften vor Augen. Kann förmlich fühlen wie die Schokolade auf dem Mund zergeht, wie sich das Paprikaaroma der Chips ausbreitet und wie die Entspannung nach dem ersten Zug an der Zigarette eintritt. Man will dieses positive Gefühl sofort. Um Walter Mischel zu zitieren: "So hat ein verlockender, appetitiver Reiz eine erregende, motivierende Qualität […] die Wirkung, die ein Reiz auf uns hat, hängt also davon ab, wie wir ihn mental repräsentieren." Das heißt eben nichts anderes als zuvor gesagtes: Wir stellen uns vor wie es ist wenn wir uns jetzt gleich belohnen. Wir fühlen all diese positiven Dinge die dann eintreten werden. Und weil wir als Menschen stets davon getrieben sind unser Wohlbefinden hochzutreiben, wollen wir das gute Gefühl am liebsten sofort. Aufschieben ist schwierig.

Ich selbst halte mich wahrlich nicht für einen Experten in Sachen Selbstdisziplin. Immer wieder esse ich viel zu viele Süßigkeiten, stelle am nächsten Morgen fest, dass das letzte Bier schlecht war und mit dem Rauchen hab ich einige Male versucht aufzuhören. Gescheitert bin ich stets an meiner Disziplin. Aussenstehende sehen das jedoch zum Teil ganz anders. Sie betrachten andere Teile meines Lebens und melden mir eine hohe Selbstdisziplin zurück. Dass ich mich doch immer wieder zum Sport aufraffen würde, das Studium neben dem Beruf durchgezogen hätte und mich im Zuge dessen immer wieder selbst strukturiert hätte, dass ich mich auch wirklich zum lernen hinsetze. Es verhält sich also vielmehr so, dass man wohl beides sein kann: Selbstdiszipliniert und so gar nicht selbstdiszipliniert. Es kommt auf den Bereich an den man betrachtet.

Viele, viele, viele Leute berichten, dass sie haufenweise Süßigkeiten gegessen hätten, als sie mit dem Rauchen aufgehört hätten. Das lässt sich ganz einfach erklären: Selbstkontrolle zum Zeitpunkt 1 (Nein, ich rauche jetzt nicht) vermindert die Selbstkontrolle zu Zeitpunkt 2 (Nein, die Gummibären…. ach Scheiß drauf! Hab heute genug gelitten beim Nichtrauchen. Her mit den Gummibären! Und den anderen Krempel auch noch!).

Walter Mischel macht in seinem 350 Seiten starken Buch durch - gut verständliche populärwissenschaftliche Ausdrucksweise - deutlich was für erfolgreiche Selbstkontrolle nötig ist. Er hebt die wesentliche Rolle Exekutiver Funktionen hervor, ohne die wir keine Chance hätten unsere Ziele zu wählen und zu verfolgen. Die Exekutiven Funktionen zeichnen sich dabei durch 3 Merkmale aus:
1. sie erinnern uns an unser gewähltes Ziel
2. sie lenken unseren Blick auf den Weg den wir schon erreicht haben und zeigen uns auf, an welcher Stelle wir Korrekturen vornehmen müssen
3. sie hemmen impulsive Reaktionen

Es ist elementar, dass wir uns ein individuelles Ziel setzen, dass wir erreichen möchten. Ohne Zielsetzung kein Ansporn. Ohne Ansporn keine Anstrengung. Ohne Anstrengung keine Weiterentwicklung. Ob und in welchem Ausmaß uns Anstrengungen jedoch anspornen oder aber ermüden hängt von motivatonaler Bedeutung, Einstellungen, Standards und nuntja… eben Zielen ab. Auf unserem Weg zur Zielerreichung werden wir immer wieder aufschießende heiße Impulse abfangen müssen, sie durch unsere Kognition abkühlen müssen. Uns selbst vom Sinn und der Notwendigkeit des Wartens überzeugen müssen. Wie man seine heißen Impulse, sein Verlangen nach der Schokolade/ der Zigarette/ wasauchimmer abkühlt…. das ist so individuell wie alles am Menschen. Fakt ist: Es hilft sich in greifbarer Nähe eine Ersatzbelohnung bereit zu halten. Statt der Zigarette eben Gummibären. Statt der Gummibären nackte Frauen. Oder was anderes. Der Phantasie sind kaum Grenzen gesetzt.

Schlussbemerkung: Als ich das Buch mit auf die Arbeit brachte schaute mich eine Kollegin schwer erstaunt an und sagte: "Und du liest ernsthaft 350 Seiten nur über Marshmallow-Projekte?!" - Ja und Nein. Aufhänger sind verschiedene Konzeptionen des Marhmallow-Tests. Mischel kommt auch immer wieder dorthin zurück. Aber eigentlich geht es vielmehr um Belohnungsaufschub, Willensstärke und Selbstkontrolle. Eingebettet in wissenschaftliche Forschungsarbeiten, eigene Beobachtungen und kurzen Erzählungen einzelner Probanden. Der Schreibstil ist für den Laien sehr gut nachvollziehbar, aber es scheint auch hinsichtlich wissenschaftlicher Gesichtspunkte gut fundiert und für den psychologisch vorgebildeten keineswegs langweilig, sondern recht unterhaltsam und kurzweilig.

Von was ich hier eigentlich die ganze Zeit rede: "
Der Marshmallow-Test: Willensstärke, Belohnungsaufschub und die Entwicklung der Persönlichkeit." Geschrieben von einem wichtigen Mann der Psychologie: Walter Mischel. Veröffentlicht 2015.

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Big Five for Life.

Das Leben ist zu kurz um es mit Smalltalk zu verbringen. Warum also sprechen wir so oft über belanglose Dinge wenn wir einander treffen? Warum nutzen wir nicht die Zeit die wir haben für Gespräche über wirklich interessante Sachverhalte? Über uns als Person, wie wir leben, warum wir so leben, was unsere individuelle Persönlichkeit jeweils ausmacht? Manchmal habe ich die Befürchtung, dass viele Menschen gar nicht so recht wissen was sie ausmacht.

John Strelecky wirft in seinem Buch "The Big Five for Life - Was wirklich zählt im Leben" die Frage nach dem Zweck der Existenz auf. Er scheint sich im Buch vordergründig an Führungskräfte zu richten. Postuliert, dass der Zweck der Existenz des Individuums zum Zweck der Existenz des Unternehmens passen müsse, da man ansonsten Mitarbeiter bezahlen würde, die unproduktiv seien, da sie ausschließlich zum Lebensunterhalt arbeiten gehen würden und ansonsten in einem nicht allzu geringen Ausmaß mit dem Job ziemlich unzufrieden seien. Laut Strelecky werden Mitarbeiter ein Burnout erreichen, wenn sie Überstunden machen um etwas zu erreichen, was ihnen nicht wichtig ist. Überstunden die nur dem Zweck dienen, Geld aufs Konto zu bringen um am Ende damit aufhören zu können. In der Tat ist die Frage nach dem Zweck der Existenz nicht nur für Unternehmen wichtig, sondern für jeden einzelnen. Wie kann man ein glückliches und erfülltes Leben führen, wenn man gar nicht weiß wo seine eigenen Prioritäten liegen?

Wie definieren wir Erfolg, wenn wir nicht wissen was wir erreichen wollen? Wir können selbst definieren was als Erfolg gelten soll, wenn wir unsere eigenen Big Five kennen. Also ein Bewusstsein für die fünf Dinge haben, die wir tun/ sehen/ erleben möchten bevor wir sterben.

Im Buch wird eine einfache Formel präsentiert: K + A < O. Kosten und Aufwand sollen geringer sein als das Output. Was zunächst logisch klingt birgt eine Gefahr: Bei Berechnung der Kosten und des Aufwands schreckt man häufig zurück und führt eine Maßnahme nicht durch. Anstatt sich das Output anzusehen und zu überlegen ob sich Kosten und Aufwand lohnen. Das klingt trivial - weil es das ist. Solange das Outcome größer ist als Kosten und Aufwand zusammengenommen, lohnt sich die Unternehmung.

Am Ende ist das Buch doch wieder nur für Führungskräfte geschrieben: "In jedem Moment unserer Existenz sind wir dazu aufgerufen zu führen, selbst wenn es lediglich dem Zweck dient, uns selbst zu führen."

Fazit: An dieser Stelle überlege ich, wem man dieses Buch empfehlen könnte…. Vermutlich jedem, der irgendwie mehr vom Leben erwartet und erhofft, aber nicht weiß wo er anfangen soll. Im Endeffekt wird im Rahmen einer netten kleinen Geschichte die Message verpackt, dass jeder seines Glückes Schmied ist, dass man sich selbst führen muss und dass man erstmal für sich selbst rausfinden muss, was einem wichtig ist im Leben, und was man erlebt und erreicht haben möchte bevor man stirbt. Im besten Falle hat man nach der Lektüre eine leichte Idee von seinen eigenen Big Five. Viel wahrscheinlicher ist jedoch, das man danach noch mehr Fragen hat. Denn was einem das Buch nicht gibt sind eben jene individuellen Big Five. Die muss man schon noch selbst rausfinden.

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Der Narzisst wohnt in uns allen.

Nachdem nun die Bachelorarbeit Richtung Fertigstellung geht, suchte ich eine neue Beschäftigung. Die hab ich jetzt erstmal gefunden im lesen psychologischer Bücher. Damit ich davon auch was behalte, schreib ich mir was auch und stelle Zusammenfassungen hier ein. Und hier folgt der erste Kandidat:

Alice Miller: Drama des begabten Kindes und die Suche nach dem wahren Selbst (1979).


narzisst

Sigmund Freud habe im Alter von 15 Jahren in sein Buch geschrieben, das der schlimmste Egoist derjenige Mensch sei, dem es noch nie in den Sinn gekommen sei, dass er ein Egoist sei. Alice Miller knüpft in psychoanalytischer Tradition daran an und rekurriert bei der Entwicklung der narzisstischen Störung auf Erlebnisse in frühester Kindheit. Als das Kind seinen gesunden Narzissmus nicht ausleben durfte. Die Phase gehört zu den Entwicklungsphasen in der frühen Kindheit, die wir im Besten Falle alle haben durchleben dürfen. Eine Phase, in der das Kind sein ureigenes Bedürfnis erleben darf, in dem es selbst als das was es jeweils ist, beachtet und angenommen wird. Nun geht es in dem Buch keineswegs darum, alle Mütter und Väter an den Pranger zu stellen und ihnen die Schuld für die Störungen des Kindes zu geben. Sie hebt jedoch hervor, dass die Eltern bei der Erziehung ihres Kindes häufig ihre eigenen Erfahrungen aus der Kindheit wiederholen. Weil ihnen der Einfluss ihrer eigenen Kindheit nicht bewusst ist. Was daraus resultiert sind 'begabte Kinder', die ihre gelernt haben ihre eigenen Bedürfnisse zurückzustellen und ihre Antennen ganz auf die Bedürfnisse anderer ausgerichtet haben. Das führt im späteren Leben häufig zu Problemen.

Wichtig ist zunächst die Unterscheidung zwischen gesundem Narzissmus, als einem gesunden Selbstgefühl und der umangezweifelten Sicherheit, dass empfundene Gefühle und Wünsche zum eigenen Selbst gehört. Diese Sicherheit muss nicht reflektiert werden, sie ist einfach da. Demgegenüber können bei der narzisstischen Störung die natürlichen narzisstischen Bedürfnisse nicht in die Persönlichkeit integriert werden. Sie werden abgespalten, teilweise verdrängt und behalten eine archaische Form, was die spätere Integration erschwert. Menschen mit narzisstischen Störungen fehle ein emphatisches internalisiertes Selbstobjekt, weshalb sie nicht von Gefühlen überrascht werden können. Bei ihnen fänden nur solche Gefühle Zutritt, die die innere Instanz - die Erbin der Eltern - zulässt und gutheißt. Der Preis den es dafür zu zahlen gilt, ist die Depression und Innere Leere.

Weitergehend beschreibt sie zwei Seiten ein und derselben Medaille. Auf der einen Seite befindet sich die Grandiosität als Abwehr der Depression und Abwehr des tiefen Schmerzes über den Selbstverlust. Der grandiose Mensch sei nie wirklich frei, da er von der Bewunderung der Bezugsobjekte abhängig sei und die Selbstachtung von Eigenschaften, Funktionen und Leistungen abhängt die ohne Vorwarnung zusammenbrechen können. Der grandiose Mensch besetzt Andere narzisstisch, damit sie ihm diese Bewunderung geben können. Auf der anderen Seite der Medaille lauert die Depression als Leere, Sinnlosigkeit des Daseins und Einsamkeit. Die Depression führt in die Nähe der Wunde (aus der Kindheit), jedoch könne "die Trauer über das Vermisste, das in der entscheidenden Zeit vermisste" zur Vernarbung führen. Depression und Grandiosität. Beide signalisieren ein inneres Gefängnis bestehend aus brüchiger Selbstachtung, Perfektionismus, Verleugnung verachteter Gefühle, Angst vor Liebesverlust, starker (aber abgespaltener) Aggression, Anfälligkeit für Kränkungen und Schuldgefühle sowie Ruhelosigkeit. Depression wird bewertet als Signal des Selbstverlustes, Verleugnung der eigenen Gefühlsreaktion, die als lebensnotwendige Anpassung aus Angst vor Liebesentzug in der Kindheit begann.

"Die wohl größte narzisstische Wunde - nicht als das, was man war, geliebt worden zu sein - kann ohne Trauerarbeit nicht heilen. Sie kann entweder (…) abgewehrt werden (siehe Grandiosität/ Depression), oder, im Wiederholungszwang, immer wieder aufgerissen werden". Hierin beschreibt Alice Miller die zentrale Funktion um die verpassten Chancen aus der Kindheit zu trauern, da nur so die Wunden heilen könnten. Sie schreibt weiter: "Aber hat der Patient in seiner Analyse wiederholt bewusst erlebt, wie er als Kind im ganzen Werk seiner Erziehung manipuliert wurde und welche Vergeltungswünsche das in ihm hinterlassen hat, dann wird er schneller als bisher Manipulationen durchschauen und wird weniger das Bedürfnis haben selbst zu manipulieren".


Fazit: Das Drama des begabten Kindes ist zwar schon vor einigen Jahren veröffentlicht worden, an der Aktualität hat sich jedoch kaum etwas geändert. Auch wenn ich den ständigen Bezug der Psychoanalytikergemeinde auf die Mutter und den Vater kritisch beäuge, ist deren Einfluss gerade bei der Entwicklung von Persönlichkeitsstörungen wohl kaum von der Hand zu weisen. Wichtige Punkte in dem Buch sind die Unterscheidung zwischen gesundem Narzissmus in Abgrenzung zur narzisstischen Störung, wobei ihr wichtig war, dass es nicht um den pathologischen Narzissmus ginge. Das Buch lässt sich gut lesen, selbst ohne großartige psychologische Vorkenntnisse. Sie führt die Begriffe verständlich ein und bleibt auf einer allgemein verständlichen Ebene. Es wird kein Vorwurf an die Elterngeneration formuliert, sondern vielmehr der dringende Ratschlag sich mit seinen eigenen unbewussten Mustern auseinanderzusetzen, sodass man nicht darauf angewiesen ist von anderen Menschen Liebe und Anerkennung zu erwerben. Wem ich das Buch empfehle? Jedem. Kann nicht schaden, sich (ganz offiziell und narzisstisch) mit sich selbst zu beschäftigen. Oder um es mit Alice Miller zu sagen: Jeder Einzelne von uns hat im Inneren eine verborgene Kammer, in der sich die Requisiten des eigenen Kindheitsdramas befinden.

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Die Eleganz des Igels.

Worum es in dem Buch geht steht hier.
Warum ich es gelesen hab, liegt am Julibuch des Lesezirkels.

Die Eleganz des Igels ist ein Buch das ich vermutlich nie gelesen hätte, wären da nicht Umstände gewesen, die mich im Endeffekt dazu brachten. Und wie es so oft passiert, war es für mich recht langwierig die ersten 150 Seiten (nicht ganz die Hälfte) zu lesen. Solche Startschwierigkeiten haben Gründe:
1.) Das Buch ist langweilig
2.) Das Buch ist zwar interessant aber einfach nur anstrengend
3.) Das Buch gleicht einem Wein (oder der Leber...) und gedeiht mit Fortschreitendem Alter

Fangen wir von vorne an: Auf der Buchrückseite stehen Zitate aus diversen Medien. Unter anderem auch: "Ein modernes Märchen, erfrischend und intelligent." Und irgendwie passt das auch. In Tagebuchform geschriebene Erlebnisse, philosophisch ausgeschmückte Erzählungen. Erzählungen über ein Schattendasein, übers verstecken und im Endeffekt darüber, dass die Protagonisten gar nicht so glücklich mit ihrem selbstgewählten Weg sind.

Wie schon gesagt, hatte ich anfangs so meine Schwierigkeiten. War ich müde brauchte ich das Buch nicht in die Hand nehmen, weil die philosophischen Einträge der Concierge doch sehr viel meiner Aufmerksamkeit und Konzentration abverlangten. Aber diese Texte wichen dann zum Teil Erzählungen des Tages. Schöne Beschreibungen des Geschehens im Hause. Es hat begonnen mir Spaß zu machen, großen Spaß sogar. Spätestens als der neue Bewohner einzog. Mit ihm zog Aktion ins Buch. Die Charaktere überdenken ihren bisherigen Weg, überdenken ihr bisheriges Handeln.

Ein Buch über den Lebensweg, eigene Prioritätensetzung und geistigen Wandel. Ein Buch mit diversen Ergebnissen und ungeschriebenen Lebensweisheiten. Es vermittelt die Gewissheit, dass es jedem möglich ist sein Leben selbst in die Hand zu nehmen, jeder hat die Chance aus der eigenen Existenz das zu machen, wozu er Lust hat. Aber häufig muss erst etwas dafür geschehen, dass man es merkt. Manch einer muss eben mit der Nase reingestupst werden.

Im Endeffekt: Wenig Aktion, wenig was passiert, viel was erzählt wird bis ins Detail ausgeschmückt. Zwei realitätsnah erzählte Lebensgeschichten, wovon mich eine am Ende zum Weinen gebracht hat. Die Geschichte fesselt dann doch :) Und irgendwie kann ich dann doch nicht viel dazu sagen...hmmm...

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Der Steppenwolf.

Der Steppenwolf ist ein grenzgeniales Buch von Hermann Hesse, welcher ein absolutes Vorzeigetalent ist wenn es um amüsant verdrehte Formulierungen geht.
Harry Haller ist der Steppenwolf. Bezeichnet sich selbst so. Damit will er verdeutlichen, dass er nicht ein simpler 08/15 Mensch ist, der sein Dasein fristet, sondern dass er ein Mischwesen aus Wolf und Mensch ist. Der Wolf als jemand, den alle fürchten, mit dem niemand was zu tun haben will. Aussenseiter halt. Paradox, denn eigentlich sind Wölfe ja ausgesprochene Rudeltiere... Irgendwas hat er da wohl falsch verstanden.
Eines Abends beschließt Harry Haller, nach einem missglückten Resozialisierungsbesuchs eines ehemaligen Freundes mit dem er sich früher wohl gut unterhalten konnte, sich das Leben zu nehmen. Aus Angst vor der Heimkehr kehrt er zunächst auf einem Fest ein auf welchem er Hermine kennen lernt, die ihn in eine komplett neue Welt einführt.

Es finden sich in dem Buch Formulierungen, mit denen sich vermutlich jeder immer wieder Mal identifizieren kann, da doch mit Sicherheit jeder schon einmal in einer halbwegs verzweifelten missgelaunten Lage war. Es ist ein Buch, über dass man auch noch 3 Wochen später nachdenken kann und immer wieder neue Schlüsse draus zieht. Man kann was mitnehmen für sich selbst. Lohnt sich auf jeden Fall ein Blick rein :D
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Kinder vom Bahnhofsklo

So ich weiß jetzt wer Christiane F. war. Und weil cih so neugierig war hab ich im Netz mal gesucht ob es sie noch gibt. Und ja das tut es tatsächlich. Sie hat auch einen Sohn. Sie hat es also tatsächlich geschafft vom Heroin wieder loszukommen. Und das wo es doch nur wenige schaffen nach einem Entuzg und einer Therapie weiterhin clean zu bleiben. Über 80% werden rückfällig. Und sie hat es ganz ohne Therapie geschafft.

Respekt. Ich denke Sucht und Abhängigkeit sind wirklich mit die miesesten Dinge die einen im Leben widerfahren können. Die wenigsten kommen ohne fremde Hilfe wieder da raus. Ich sehs ja schon an mir wenn ich mir sag ich hör jketzt mit dem Rauchen auf. Um dann am Wochenende in der Illusion zu versinken 'die eine Kippe von der wirst du nich abhängig', obwohl ich von anderen weiß, dass diese eine Kippe sie wieder zurückgeworfen hat. Irgendwie wunder ich mich doch dass man da nich schon längst an seinen eigenen Lügen erstickt is. Durch die ganze Selbstbetrügereien. Ich kann mir ungefähr ausmalen wieviel schlimmer es is von Heroin abhängig zu sein. Mich nerven schon die ständigen Gedanken an die eine letzte Zigarette die ich doch jetzt noch rauchen könnte. Und danach hör ich auf... ganz bestimmt.

Diese - keine Ahnung wieviele - letzte Kippe war gestern um eins. Mal sehen für wie lang ich es diesmal aufhalte. Mit dem Wissen dass es doch diese eine Kippe an diesem einen Abend is die einen wieder zurück voll in die Sucht wirft. Egal was man sich alles einreden will.

Die Buchtipps des Tages:

Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo Wer das noch nich gelesen hatte, sollte das umgehend nachholen. Für mich gehört es zu Allgemeinbildung. Abschreckend und Aufweckend und überhaupt.

Hans Georg Noak - Trip Ich mochte den Autor schon seit 'Rolltreppe abwärts'. Auch kiffen is nich ganz ungefährlich.
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