Gesellschaft

Welcome to hell. G20 in Hamburg.

Das Gute an diesem G20-Gipfel in Hamburg? Ich sitze zu Hause und lerne für die anstehenden Klausuren. Und dann hören die positiven Aspekte auch schon wieder auf.

Ich hatte überlegt zu einer der Demos hinzugehen. Die Nachttanzdemo am Mittwochabend hatte ich nicht auf dem Schirm, sonst wäre das sicherlich eine Option gewesen. Letzten Endes habe ich mich dann gegen eine Teilnahme entschieden. Denn die Eskalation war so vorhersehbar wie das Amen in der Kirche. Alle Seiten rechneten mit einer Eskalation und sie kam. In der Psychologie nennen wir sowas dann auch self-fullfilling prophecies. Selbsterfüllende Prophezeiungen.

welcome-to-hell-demo-in-hamburg-eskaliert_201707062115_full(Foto: dpa)

Meines Erachtens hätte der Standort Hamburg für ein Gipfeltreffen der Großen und Mächtigen dieser Welt (oder jenen die sich dafür halten) nicht schlechter gewählt werden können. Und das gilt im Grunde für jede Metropole die man hätte auswählen können. So haben die Gipfel in der Vergangenheit oft auf irgendwelchen Bergen oder Inseln stattgefunden. An nicht ganz so leicht erreichbaren oder attraktiven Orten. Das nun also die Chance eine Protestes an einem gut erreichbaren Standort genutzt wird, hätte wohl offenkundiger nicht sein können. Das beinhaltet auch jene Krawallos des schwarzen Blockes. Auch bei denen hat sich Wut aufgestaut, die sich nun massiv entlädt. Das Motto des Demonstrationszuges wurde dementsprechend passend gewählt: "welcome to hell".

Die Polizei hat damit gerechnet. Angesichts der Wahl des eben genannten Mottos und der Ankündigung, dass es den größten Black Block der Geschichte geben würde. Sie haben angekündigt bei den kleinsten Schwierigkeiten dazwischen zu gehen. Und es kam genau so am Donnerstagabend. Nach wenigen Meter wird die Demo gestoppt. Die Polizei in Erwartungshaltung, dass der Schwarze Block randalieren würde und die Demonstranten in der Erwartung, dass die Polizei überreagieren würde. Ob nun Henne oder Ei zuerst da war, wer zuerst randaliert oder überreagiert hat ist für den Aussenstehenden kaum nachvollziehbar und vielleicht eher eine Entscheidung der Gesinnung denn der Tatsachen. Nachvollziehbar ist für mich in jedem Falle, warum die Polizei verhindern wollte, dass der Zug in die bewohnten Viertel vordringt. Und das dürfte spätestens Freitagmorgen auch jedem anderen klar geworden sein.

Sinnlose Zerstörung von Fremdeigentum. Da werden Autos von Privatpersonen angezündet, die mit all dem nichts zu tun haben. Dieser Schwarze Block ist für mich keine Protestbewegung, sondern angereist um mal richtig die Sau rauszulassen.

Man möchte den Reichen und Mächtigen gratulieren zu dieser Wahnsinnsentscheidung eine ganze Stadt lahm zu legen, die Kapazitäten von Feuerwehr, Polizei und Rettungskräften überzustrapazieren und soviel Geld für nur ein Abendessen von einem von euch auszugeben, von dem eine Kleinfamilie eine Woche lang gut essen könnte. Von den Kosten für die Sicherung eures Happenings und den verursachten Kosten für all das Personal und entstandenen Sachschäden und Personenschäden will ich gar nicht anfangen. Die Summe ist für mich ohnehin so groß, dass ich sie mir beim besten Willen nicht vorstellen kann. Das man da sauer wird sollte kein Wunder sein.

Klopft euch auf die Schulter liebe verantwortliche Politiker, ausbaden tut es das normale Volk und vor allem diejenigen die gerade an der Front kämpfen müssen und den ganzen Dreck und Chaos dieser Krawallos beseitigen müssen. Herzlichen Dank auch an den Black Block, das der ganze friedliche Protest an sich nicht ernstzunehmen ist - schon allein weil er untergeht. In diesem Sinne: Danke für nichts.

Ich hoffe ihr lernt wenigstens daraus nie wieder ein Gipfeltreffen in einer Großstadt abzuhalten. Ausser ihr wolltet das genau so. Dann gratuliere ich zur Wahl von Hamburg als Standort. Besser hättet ihr es nicht treffen können.

fucku(Foto: Rasande Tyskar)

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Huch! Status: Normalmensch

Und dann ist da vergangene Woche etwas passiert, mit dem ich ja so bald nicht mehr gerechnet habe. Da stellte ein Mann eine Frage an eine Frau und am Ende der Woche war da Gleichstellung. Wie konnte das denn passieren?

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Damals als ich ernsthaft darüber nachdachte meine damalige Freundin zu heiraten, war zugleich auch ganz klar für mich, dass ich mich zwar binden wollte, aber nicht zu dem Preis einer minderwertigeren Lösung in Form einer eingetragenen Lebenspartnerschaft. Gut. Am Ende kam es dann für mich auch ganz anders, aber das ist eine andere Geschichte.

Was diese irre Idee einer eingetragenen Lebenspartnerschaft eigentlich sollte, dass war mir nie so ganz klar. Es gibt wenige Begrifflichkeiten die weniger unsexy, unromantischer und bürokratischer geklungen hätten als die eingetragene Lebenspartnerschaft. Aber man entschied sich dafür. Und eigentlich war das ja auch recht passend. Man wollte nicht dass Frau und Frau (respektive Mann und Mann) der Bindung zwischen Frau und Mann gleichgestellt ist. Man wollte eine Unterscheidung haben. Man wollte sich abheben können von "andersartigen Lebensformen". Sich besser stellen und der Ehe und damit auch den damit verbundenen Menschen mehr wert zusprechen. Die eingetragene Lebenspartnerschaft im alltäglichen Sprachgebrauch dann durch Homo-Ehe zu ersetzen, empfinde ich persönlich als noch viel ekliger. Homo-Ehe bringt es allen einfach nochmal mit aller Härte vor Augen: Homos sind nicht gleich Heteros. Ja gut. Sind sie auch nicht. Immerhin lieben sie das gleiche Geschlecht und man sollte berechtigterweise als Frau (Mann) immer Angst haben, dass die Lesbe (der Schwule) im Raum einen unwiderstehlich findet und sich aus dem Hinterhalt auf einen stürzt. Das sind ernsthaft Bedenken mit denen man konfrontiert wird! Und es bei weitem nicht so, dass die gleichen Personen Angst davor hätten von einem gegengeschlechtlichen Menschen auf die gleiche Weise bedrängt zu werden. Es ist absurd! Und ich komme vom Thema ab.

Die eingetragene Lebenspartnerschaft oder auch Homo-Ehe ist für mich ein Affront gewesen. Ähnlich einer Situation an der ein umfangreiches Festessen stattfindet, und das Personal darf die Reste essen. Natürlich freut sich auch das Personal, dass es heute leckere und aussergewöhnliche Häppchen verputzen darf. Natürlich ist auch der Akt der Verpartnerung ein schönes Ereignis, das besonders gewürdigt und gefeiert wird. Es setzt ein Zeichen, dass zwei Menschen sich aufeinander festlegen, füreinander da sein und sorgen wollen. Aber sie sind in ihrer Partnerschaft nicht gleichgestellt. Und das gibt mir persönlich den widerwärtigen Beigeschmack von Menschen zweiter Klasse. Das hält Grenzen und Ängste im Kopf aufrecht, die dort nicht sein müssten.

Und nun bin ich erstaunt… oder irritiert… dass ein Mann mit einer einzelnen Frage (und einer Antwort, deren Sinn und Inhalt ich auch nach mehrmaligem lesen nicht erschließen konnte) zu einer raschen Diskussion und noch rascheren Abstimmung geführt hat. Der Mann selbst sei übrigens tatsächlich enttäuscht, dass die konservative Kanzlerin gegen den Einbezug homosexueller Paare in die Ehe gestimmt hat. Kopfschütteln meinerseits und die Frage: Was genau erwartet man von einer konservativen CDU Politikerin? Naja. Nicht mein Problem. Ich freue mich. Alle Verpartnerten, in einer Homo-Ehe befindlichen Paare können in ein paar Monaten aufs nächstgelegene Amt gehen und sich in eine Ehe umtragen lassen. Niemand kann sich dann mehr neu verpartnern lassen. Alle dürfen heiraten. Ein bisschen spät, aber es ist ja auch bisschen müßig sich jetzt darüber aufzuregen. Und dann verschwinden hoffentlich bald die unsäglichen Begriffe Homo-Ehe und eingetragene Lebenspartnerschaft.

Und wir sind alle ganz normale Menschen.

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Ihre Einschätzung bitte.

Ein Freund hat mich vor ein paar Tagen auf einen Eintrag von vor mehreren Monaten angesprochen. Wiedergefunden habe ich ihn jetzt nicht. Aber er machte mich darauf aufmerksam, dass der eigentliche Inhalt offenbar nicht so gut rüberkam.

Ich schrieb darüber, dass wir Menschen auf Grund von Äußerlichkeiten in Schubladen stecken und bewerten. Trauen unserem verwahrlosten Gegenüber nicht zu, dass er sich mit Philosophen auskennt. Trauen dem gut geschminkten Model nicht zu, dass es am liebsten Chips mampft, während sie mathematische Gleichungen löst. Ganz allgemein werden Frauen als weniger durchsetzungsfähig und Männer als unbeherrschter eingeschätzt. Noch bevor man sich überhaupt das Äußere angesehen hat. Dann schauen wir uns das Äußere an und machen die nächsten Schubladen auf und zu. Und viel zu oft ohne dass dies gerechtfertigt wäre.

Schubladen sind praktisch und auch nützlich. Sie erleichtern dem Hirn die Arbeit durch Entlastung. Schnelle Eingruppierung in gefährlich oder ungefährlich. In Schubladen denken ist also menschlich und auch wichtig. Nicht minder wichtig ist aber, sich das bewusst zu machen. Denn nur wenn ich mich darum bemühe die Leute aus Schubladen wieder heraus zunehmen und aus einem anderen Winkel betrachte ist es mir möglich das volle Potential auszuschöpfen. Und wer weiß? Vielleicht verbirgt sich hinter dem pickligen PC-Nerd auch ein Kunstinteressierter junger Mann, der gerne mit dir in eine Ausstellung möchte und sich darüber austauschen will?

Was ich sagen will: Wir alle denken in Schubladen. Wir alle bewerten. Ständig und immer. Und wir brauchen diese Bewertungen auch. Denn Bewertungen sind immer auch Einschätzungen. Und ich möchte meinen Gegenüber gern einschätzen können. Möchte abschätzen können wie er in einer Situation reagiert. Durch Einschätzungen lernen wir andere Menschen auch besser kennen. Und es ist auch verdammt schwierig anderen Leuten wertungsfrei gegenüber zu treten. Bei Leuten die ich schon länger kenne finde ich das sogar fast unmöglich. Ich kann versuchen Menschen wertungsfrei gegenüber zu treten, die ich noch nicht (oder erst sehr kurz) kenne. Und das ist immer noch schwierig genug. Aber nichtsdestotrotz sollte man sich darum bemühen. Vielleicht macht hat so ganz neue unerwartete Begegnungen und kann voneinander lernen?

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Was Psychotherapeuten nicht können.

"Laufen, Sport und Tageslicht machen ganz viel mit deinem Körper. Kein Psychologe kann das."
sagt @realhollowloop drüben bei Twitter

Und damit gebe ich ihr im Ansatz völlig recht. Kein Psychologe kann dir geben was die Sonne mit dir macht. Kein Psychologe kann die Hormone in deinem Körper so ankurbeln wie Bewegung es macht. Und wenn sie Psychologe sagt, meint sie Therapeuten und nicht all die anderen Psychologen die was ganz anderes machen. Aber das nur nebenbei.

Spaziergänge senken den Blutdruck und Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol werden abgebaut. Hormone die zwar sicherlich ihre Berechtigung und spezifische Funktion im Körper haben, wenn wir uns aber ärgern und danach auf dem Sofa sitzen bleiben, dann können die Hormone ihre Flucht- oder Angriffsfunktion nicht erfüllen und richten Schaden im Körper an.

Die Sonne auf der Haut wärmt uns, ich kenne kaum jemanden dem es nicht ein Lächeln ins Gesicht treibt, wenn er oder sie aus der Tür tritt und die warmen Sonnenstrahlen im Gesicht spürt. Ohne Sonnenlicht können benötigte Vitamine wie Vitamin D gar nicht gebildet werden. Das indirekte Sonnenlicht, das durch das Fenster in die Wohnung, oder das Büro hineinscheint reicht dafür nicht aus. Ein bewölkter Himmel dagegen schon. Aber man muss schon vor die Tür gehen.

Da ich selten völlig einer Meinung mit jemandem bin…: Was in weiteren Kommentare durchscheint, ist eine gewisse Abneigung gegen Psychologen (sic!) und Ärzte. Das ist zunächst nicht weiter verwerflich und je nach Erfahrungen durchaus gerechtfertigt. Jedoch ist eine generelle Abneigung gegen professionelle Hilfskräfte die bei psychischen Problemen kontaktiert werden können. Manche meinen man würde da eh nur zugelabert, andere fragen sich was einem das ganze Gelaber über die Kindheit und die Mutter eigentlich bringen soll und wieder andere wissen nicht warum man sich hier eigentlich zum Horst machen soll, während man die Mitglieder einer Gruppentherapie irgendwo im Raum platziert um dann Rückschlüsse auf die eigene Familie zu ziehen. Das kann man ruhig in Frage stellen und sicherlich gibt es so einige Psychotherapeuten die mehr Gulasch reden, als das sie wirklich zielführende Intervention anbieten. Aber schwarze Schafe gibt es überall. Und Fakt ist: Für Psychoanalyse, Tiefenpsychologie und kognitive Verhaltenstherapie gibt es viele Wirksamkeitsnachweise und die systemische Therapie wird (so vermute ich) in den nächsten Jahren folgen und dann auch von den Krankenkassen übernommen werden.

Für den therapeutisch nicht vorgebildeten Normalpatienten ist das Angebot aber nicht überschaubar. In der Regel ist der Unterschied zwischen den Therapieschulen nicht bekannt und man geht zu irgendeinem der die Berufsbezeichnung des Psychotherapeuten auf seinem Schild stehen hat. Und dann ist es vermutlich gar nicht mal so selten, dass man in der falschen Therapie sitzt. In einer tiefenpsychologischen Sitzung, obwohl eine verhaltenstherapeutische Ausrichtung zielführender wäre und umgekehrt. Nachdem man also nun mehrere Wochen oder Monate auf seine Therapie gewartet hat, sitzt man da vor einer Person mit der man nicht zurecht kommen, entweder weil sie zu wenig (wie die Analytikerin) oder zu viel (die Verhaltenstherapeutin) redet, oder weil man sie einfach nicht sympathisch findet. Das frustriert verständlicherweise. Und das macht es auch nachvollziehbar wenn jemand vor einem sitzt und sagt: Ich habe es probiert, aber ich kam damit nicht zurecht. Es hat mir nichts gebracht. Jedoch ist es sehr schade, wenn diese Erfahrung auf alle Psychologen (und damit Fachrichtungen) generalisiert wird mit Aussagen, dass die einen ja eh alle nur vollsülzen würden, und das die einem eh nur sagen worauf man auch selbst kommen kann.

Das Arbeitswerkzeug einer Psychotherapeutin ist vorrangig die Sprache. Es ist der Versuch durch Worte zu helfen. Und ganz häufig ist das so, dass der Therapeut einem nichts sagt, worauf man nicht selbst käme, manchmal weiß man es im Grunde auch schon selbst. Aber das ist eben der Unterschied: Man kommt oft nicht selbst drauf, oder will das was man schon weiß nicht zulassen. Man braucht die Hilfe einer aussenstehenden Person um eine andere Perspektive einzunehmen. Und um diese Perspektive einnehmen zu können lernt jeder Therapeut in seiner Ausbildung verschiedene Techniken.

Um wieder zum Ausgangspunkt zu kommen: Ich halte Bewegung an der frischen Luft und eine halbwegs gesunde und regelmäßige Ernährung für unabdingbar für die psychische Gesundheit. Kein Therapeut kann seinem Klienten das geben was ein gesunder Lebenswandel ihm geben kann. Aber dennoch hat Therapie ihre Berechtigung. Denn es gibt ausreichend Fälle in denen spazieren und Sonne nicht mehr ausreicht. Fälle in denen der Therapeut eine Stütze sein kann und darf um sein Leben wieder auf die Kette zu bekommen. Um wieder genug Kraft zu haben, dass man es vor die Tür schafft.

Es ist okay zu sagen, dass einem eine Therapie nichts geschafft hat. Ich finde es bewundernswert wenn sich jemand selbst aus dem Sumpf ziehen konnte. Aber ich habe auch Verständnis und Empathie für all die jenigen, die es nicht alleine schaffen. Und genau für diese Menschen halte ich es für wichtig, zu vermitteln, dass es okay ist zur Therapie zu gehen. Das Therapien nicht nur schwachsinniges Gelaber sind. Das Therapie helfen kann. Aber Spazieren, Sport und Tageslicht ist eine Grundlage für die psychische Gesundheit. Manche müssen das aber erst lernen. Und das ist okay. Dafür sind wir da.

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Faulheit ungleich Arbeitsverweigerung.

Nochmal zum Thema Faulheit.

Faulheit sollte übrigens nicht mit Arbeitsverweigerung verwechselt werden. Jeder hat diesen einen Arbeitskollegen, der den Drehstuhlpiloten mimt und versucht jegliche Arbeitsanstrengung zu vermeiden. Kollegen die sich von jeglicher Verantwortungsübernahme entledigen. Diesen Kollegen für den man die Arbeit mit erledigen muss, weil sonst andere - im Krankenhaus in der Regel die Patienten - darunter leiden müssen.

Aber diese Leute sind nicht faul im eigentlichen Sinne. Sie sind mehr wie Parasiten die ihre Nische gefunden haben in der sie überleben können, von der Arbeit der anderen profitieren und selbst nichts tun. Das ist aber nur möglich, weil das System in dem sie sich eingezeckt haben, sie mitträgt. Weil Kollegen die Arbeit eben doch immer wieder erledigen, weil andere sonst drunter leiden müssen. Personen die gar nichts dafür können und - im Falle des Krankenhauses - abhängig von dieser Leistung sind. Ein System in dem solche Leute immer mitgezogen werden, auch vom Chef. Das ist dann Arbeitsverweigerung. Nicht Faulheit. Hier ist nichts kreatives und kein verstecktes Potential zu finden. Hier geht es nicht darum den Aufwand durch möglichst effizientes Vorgehen zu minimieren. Hier geht es darum schlichtweg nichts zu tun. Keine Leistung zu erbringen, aber den Lohn dafür einzustreichen was andere für einen erledigen mussten.

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Ich bin faul.

Ich bin faul. Früher dachte ich, das sei etwas schlechtes. Etwas schlechtes wenn es hieß: "die ist nicht dumm, die hat nur keine Lust.". In der Regel habe ich eine Leistung nur erbracht wenn ich wollte. Nur meistens wollte ich nicht. Wusste nicht wofür. Mit dem Durchleben der Pubertät stellte sich immer intensiver die Frage nach dem Sinn und Zweck. Warum sollte ich mehr als nötig tun um durch die Schule hindurchzukommen? Klar. Ich hätte gern bessere Noten geschrieben, hätte mir lieber weniger häufig angehört, dass man sich sicher sei, dass ich mehr leisten könne. Mir konnte die Frage aber nie wirklich einer beantworten. Warum ich all die Sachen lernen sollte, die für mich so wenig interessant und so wenig nützlich für meine aktuelle Lebenssituation waren. Und vorausschauendes Denken ist ja nunmal eher nicht so die Stärke von pubertierenden Teenies.

Was ich mir mit dem heutigen Wissen selbst antworten würde? Das der Schulabschluss gemessen an den eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten möglichst hoch und möglichst gut sein sollte, wenn man es bei der Berufswahl einfacher haben möchte. Eine bessere Antwort fällt mir leider nicht ein. Und ich finde sie erschreckend unbefriedigend.

Nun könnte man meinen, dass jemand der neben einer 30-Stunden-Arbeitswoche noch ein Studium absolviert hat, weit entfernt von Faulheit ist. Aber um ehrlich zu sein: Gerade hier zahlt sich Faulheit aus, wenn man sich selbst vor einem Burnout schützen möchte. Denn genau dann ist ein funktionierendes effizientes Zeitmanagement der Schlüssel zum Erfolg. Im Mittelpunkt steht also die Frage: Wieviel muss ich von was machen, damit kein Bereich zu kurz kommt. Wieviel Arbeitszeit muss ich erbringen, damit ich mein Leben finanzieren kann? Wieviel Zeit fürs Studium muss ich aufwenden, dass ich einen guten Abschluss habe? Und welche Inhalte kann ich ohne großen Informationsverlust vernachlässigen? Wieviel Freizeit brauche ich?

Ich bin faul. Früher dachte ich, das sei etwas schlechtes. Heute weiß ich, dass Faulheit in einem engen Verhältnis zu Effizienz, Zeitmanagement und Kreativität steht. Denn nur wer faul ist legt Wert darauf die anfallende Arbeit in möglichst kurzer Zeit zu erledigen. Und zwar in einer Qualität in der man nicht ständig nacharbeiten muss. Lieber einmal richtig gearbeitet, als viele male halbherzig. Und nur wer Zeit hat zum Faulenzen kann kreativ sein. Wer arbeitet und unter immensem Druck steht, ist nicht kreativ. Aus Kreativität entstehen große Projekte in Kunst, Kultur und Wissenschaft. Namhafte Softwarefirmen haben das schon lange entdeckt. Nicht umsonst gibt es dort Lego in den Büros. Denn nur wer sich Zeit für eine Auszeit nimmt kann mit frischen Ideen zurückkommen. Ideen, die die Konkurrenz (vielleicht) noch nicht gehabt hat. Ohne solche Möglichkeiten in Industrie und Wirtschaft hätten wir jetzt keine Post-Its… Die Gesellschaft ist gewissermaßen abhängig von faulen Leuten die mit voller Energie und Herzblut Projekten nachgehen die ihnen beim Nickerchen unter einem Baum, einem Spaziergang oder auf dem Klo eingefallen sind.

Früher dachte ich, Faulheit sei etwas schlechtes. Heute weiß ich es besser. Heute weiß ich bei den Dingen die ich tue, aber auch wofür ich sie tue.

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Hegelclub.

Vor etwas über einem Jahr war ich bei milden Temperaturen abends mit zwei guten Freunden unterwegs. Einer kam gerade aus dem Urlaub und hatte verschiedene österreichische Biersorten im Gepäck, die wir testen wollten. Nach einem guten Abendessen streunten wir durch die Weststadt und ließen uns schließlich am Rande eine Basketballfeldes nieder. Schräg gegenüber saßen drei offenkundig recht alkoholisierte Herrschaften mit eher unklaren Wohnsitzverhältnissen.

Einer der drei schien in unsere Präsenz mehr hinein zu interpretieren als da war und so kam ein Anderer herüber, sprach uns nett an und erklärte uns dass sein Kumpel irgendwie nervös sei und wenn wir im versichern könnten dass wir nicht wegen ihm dort seien und nur unser Bier trinken wollten, dann könne er das seinem Kumpel sagen und alles wäre in Butter. So wackelte er also wieder zurück und die Situation schien zunächst geklärt. Später kamen sie dann irgendwann alle drei rüber und wir unterhielten uns. Es war bisweilen recht unterhaltsam und witzig. Am Ende blieb der Vermittler vom Anfang noch bei uns und die anderen zogen sich zurück.

Berufsbedingt sind für mich Menschen die eine etwas andere Realitätsauffassung haben als der Rest der sie umgibt nichts neues. Ich höre mir viel an und bleibe lange sitzen bevor ich für mich entscheide, dass eine Situation brenzlig wird und es nun doch besser wäre aufzustehen, weil es sich dann schlichtweg besser ausweichen lässt. Meine zwei Kumpels kommen aus einer gänzlich anderen Ecke. Einer studierter Informatiker der andere studierter Cross-Media-Designer. Kurz: Irgendwas mit Medien. Beide anständig gekleidet mit Mantel und Hut. Dem Erscheinungsbild unseres Gegenübers gewissermaßen diametral entgegen gesetzt.

Warum genau sich die Stimmung verändert hatte weiß ich nicht mehr so genau. Er war irgendwie recht angetan von mir und rückte mir immer wieder auf die Pelle, ließ sich aber immer gut eingrenzen. Solche Situationen sind mir nicht unbekannt und war für mich in dem Fall weniger bedrohlich als viel mehr nervig. Meine zwei Jungs wurden aber immer nervöser und wussten scheinbar nicht so gut mit der Situation umzugehen. Ich hoffte nur sie würden nicht aufstehen und sich vor dem Herrn aufbauen. Ich hatte wenig Lust, dass der Abend in Handgreiflichkeiten endete. Dazu kam es auch Gott sei Dank nicht. Der Herr schimpfte nur etwas herum. Er fühlte sich von den Jungs angegriffen und sagte diverse unverständliche Sachen, die für uns zum Großteil wenig Sinn ergaben. Besonders im Gedächtnis ist mir aber geblieben, dass er ihnen sagte, sie sollen doch zu ihrem Hegelclub gehen, wenn sie sich so überlegen fühlen würden. Im Gedächtnis ist mir das geblieben weil wir, nachdem der Herr und wir jeweils unserer Wege gingen, eine kurze Diskussion darüber hatten.

Die beiden hatten nämlich Häkelclub verstanden. Ich sah für diese Bezeichnung überhaupt keinen Zusammenhang und konnte mir auch nicht erklären was er damit gemeint haben solle. Sie wiesen meinen Einwand, dass er vermutlich Hegelclub meinte (da Hegel ein Philosoph sei und man die Beschäftigung mit Philosophen nun eher Akademikern zuschreibt, die sich nicht so sehr für die unteren Gesellschaftsschichten interessieren und Akademiker nun zum Großteil eher mit Verachtung auf Menschen wie ihn herab schauen) zurück mit der Begründung, dass ich ja wohl nicht im Ernst glauben würde, dass der Mann wisse wer Hegel sei. Ich ließ es erstmal dabei bewenden. Aber die Wahrheit ist, dass mich das bis heute beschäftigt. Und ich frage mich wirklich, was wir uns da eigentlich manchmal für Urteile über andere Menschen anmaßen, die wir überhaupt gar nicht kennen? Vielleicht hat der Mann eine gute Schulbildung gehabt und sogar irgendwann mal ein Studium angefangen? Warum er nun in diesem Zustand vor uns stand, und wie es dazu kam, das können wir ja überhaupt gar nicht beurteilen.

Natürlich brauchen wir unser Schubladendenken, weil es uns das Leben einfacher macht. Aber ich finde wir sollten mit diesen Schubladen umsichtig umgehen. Bevor ich jemanden in eine Schublade stecke, kann ich mir auch wirklich mal die Mühe machen und überlegen, ob ihm diese Schublade auch wirklich gerecht wird, oder ob hinter einer ungepflegten alkoholisierten Fassade mehr steckt, als das was man auf den ersten Blick sieht. Nur weil ich nicht auf den ersten Blick sehe, dass ein Mensch eine gute Ausbildung, herbe Verluste, eine liebende Familie oder sonst irgendwelche beliebigen Erfahrungen im Leben gemacht hat, heißt es nicht, dass es nicht doch so war.

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Universelle Werte

Bevor meine Mutter ihre gesammelten BrandEins Exemplare weg geschmissen hat, hat sie sie netterweise an mich weiter gereicht. Im Grunde ein Wirtschaftsmagazin, jedoch gefüllt mit allerlei interessanten und gut geschriebenen Artikel zur Gesellschaft, Menschen und natürlich Wirtschaft. Jedes Heft hat ein bestimmtes Thema an dem sich die Artikel orientieren. Das aktuelle dass ich gerade lese geht um Ziele. Große Wirtschaftsziele, kleine Wirtschaftsziele und ganz individuelle Ziele. Oder vielmehr die Art und Weise der Zielsetzung.

Ein Artikel hat mich aufmerksam gemacht auf den Sozialpsychologen Shalom Schwartz, der mir irgendwo im Studium auch schon mal begegnet war. Wirklich daran erinnern konnte ich mich jedoch nicht mehr. Er hat sich zusammen mit anderen Wissenschaftlern die Frage gestellt ob es universelle Werte gibt, die allen Menschen unabhängig vom kulturellen Hintergrund gemein sind. Daraus hat sich ein Wertemodell entwickelt. Schwartz und seine Kollegen fanden dann doch einige universelle Werte die sie unter 10 Werteten gruppierten:

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Was nun die Werte mit den eingangs genannten Zielen zu tun haben? Wer nicht weiß, was er im Leben will, der wird sich keine Ziele setzen können. Wer nicht weiß, was er im Leben will, der weiß auch nicht welchen Werten für ihn oder sie selbst wichtig sind. Der Impuls des Artikelschreibers aus dem Magazin ist, sich 5, 10 oder 15 Werte herauszupicken die für einen selbst wichtig sind. Denn erst wer seine Werte wüsste, der kann davon ausgehend auch Ziele für sich selbst entwickeln. Soweit würde ich dem Mann völlig zustimmen. Wer sich darüber bewusst ist, welchen Werten sie in ihrem Leben folgen will, kann nun Ziele bestimmen und einen Weg entwickeln wo die Reise hingehen soll. Ich persönlich halte 15 für zu beliebig und auch 10 noch für übertrieben. Ich halte es für sinnvoll sich - ganz im Sinne der Effizienz - auf wesentliche Dinge zu konzentrieren und nur 5 Werte auszuwählen, die für einen selbst im Leben wichtig sind. Mit diesem Beitrag möchte ich jeden Lesenden dazu ermuntern sich seine 5 wichtigsten Werte rauszupicken. Vielleicht macht es ja im ein oder anderen irgendwas.

Irgendwann hatte ich auch schonmal was zu den Big Five geschrieben (klick), da ging es auch darum die fünf wichtigen Dinge für sein eigenes Leben herauszufinden. Hier knüpfen die hier genannten Werte ganz gut an. Eine wichtige Implikation aus dem Buch, das ich damals gelesen hatte war jedoch auch, dass die Big Five - ebenso wie die Werte - keine festzementierte Wahrheit sind. Werte, Ziele, Big Five… all das unterliegt dem Wandel und die Prioritäten im Leben können sich durchaus ändern. Aber sie können eine Orientierung geben, wenn man eine braucht.

Hier: http://www.migration.uni-jena.de/project4/values/index.php?val=6 könnt ihr das Wertemodell noch einmal grafisch nachvollziehen.


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Verzeihung bitte.

Immer wieder habe ich Leute aus dem professionellen psychologisch - psychiatrischen Sektor (aber auch aus dem Freundes- und Bekanntenkreis) den guten Rat sagen hören, dass sie lernen müssten einander zu vergeben und zu verzeihen. Dass man seinem Schulkamerad verzeihen solle, wenn dieser mal wieder das Pausenbrot geklaut hat, weil er vielleicht zu Hause nicht genug bekommt. Dass man seiner Kollegin verzeihen sollte, wenn man von ihr im Frust angefahren wurde, da es ihr vielleicht gerade nicht gut ging. Dass Kinder es ihren Eltern vergeben sollten, wenn sie misshandelt wurden, da diese ja auch nur versucht hätten ihr Bestes zu geben.

Nun arbeite ich schon einige Jahre in der Psychiatrie und habe Psychologie studiert. Ich kann von mir behaupten, dass ich in dieser Zeit so einige therapeutische Konzepte kennen gelernt habe. Aber das Konzept jemand anderem seine Fehltritte zu verzeihen leuchtet mir nicht ein. Wenn ein Kind seinen Eltern vergibt, dass es von eben jenen misshandelt wurde, legitimiert das Kind dann nicht das Verhalten der Eltern und invalidiert seine eigenen Gefühle und Bedürfnisse? Wenn ich einen Freund vor mir sitzen habe, der vom Expartner nicht gut behandelt wurde, der von diesem gekränkt und verletzt wurde… Wenn dieser Freund dem Ex die Verletzung und Kränkung verzeiht wird dann nicht ebenfalls das Verhalten des Akteurs legitimiert. Das Verhalten desjenigen, dass einer anderen Partei Leid verursacht hat? Wird dann nicht das eigene Verhalten (oder häufig auch die Unfähigkeit zum Verhalten… die erlebte Handlungsunfähigkeit) mit dem Verzeihen des Anderen illegitimiert und Unrechtens? Weil man sich ja doch gerne anders verhalten hätte? Wer kennt das nicht, dass er für in Vergangenheit liegende Erfahrungen viele verschiedene Szenarien zurecht legt, wie man sich hätte verhalten können und ärgert sich dann, dass man das nicht getan hat?.

Natürlich ist es keine Lösung den Rest des Lebens daran zu nagen, immer wieder darauf zurück geworfen zu werden und immer wieder den Schmerz zu aktualisieren, weil man nicht damit abschließen konnte. Und ich glaube tatsächlich auch das Verzeihung ein zentrales Thema an dieser Stelle ist. Aber nicht die Vergebung gegenüber dem "Täter", gegenüber demjenigen der uns verletzt hat, sondern gegenüber uns selbst. In dem wir uns selbst verzeihen, legitimieren wir unser eigenes Verhalten in der entsprechenden Situation. Wir sagen uns: Es war okay wie ich damals reagiert und mich verhalten habe. Ich hatte damals keine anderen Möglichkeiten. Es ist Vergangenheit. Und es ist okay.

Ich glaube, dass die Vergebung gegenüber uns selbst ein zentraler Punkt ist um Sachen aus der Vergangenheit ruhen zu lassen. Und das die Vergebung unseren eigenen Handelns dazu führt sich selbst Selbstwirksamkeit zurück zu geben (falls man sie verloren hatte). Sich selbst wieder als Handlungsfähig zu erleben.

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Das Problem sind die Teilzeitkräfte.

Wenn ich mich mit pflegerischen Kollegen unterhalte geht es oft über privates, häufig auch über Abläufe in Krankenhäusern, die historisch anmutenden Machtkämpfe zwischen Pflege und Arzt, oder aber schlichtweg über die Personalpolitik.

In den allermeisten Fällen ist man sich einig: Auf den Stationen in Krankenhäusern (und dabei ist es völlig egal in welche Institution man schaut) sieht man pflegerische Unterbesetzung. Da ist eine Pflegekraft schnell mal für 8-10 pflegeaufwändige Patienten zuständig, im Nachtdienst sind es gerne mal 20. Oder noch mehr. Und von der Bezahlung für diesen Job will ich gar nicht mal anfangen. Für diejenigen die sich jetzt wenig unter dem Arbeitsaufwand vorstellen können: Stellt euch vor einem Säugling die Windeln zu wechseln und ihn zu füttern. Das entspricht etwa dem Zeitaufwand für die Pflege eines Patienten. Wenn keine aussergewöhnlichen pflegerischen Maßnahmen erforderlich sind. Oben drauf kommt noch die Dokumentation, die ca. ein Viertel der realen pflegerischen Aktivität entspricht. Nun stelle man sich also bitte vor, dass man 8-10 Säuglinge zu wickeln und zu füttern hat und im Nachhinein genauestens aufschreiben muss, was man getan und gefüttert hat und wie es dem Baby so geht. Schwierig das in 8 Arbeitsstunden unterzubringen? Richtig. Ist aber das Problem der jeweiligen Pflegekraft.

Manchmal hört man von seinen pflegerischen Kollegen aber durchaus andere Begründungen für den Pflegemangel auf Station: "Das liegt nämlich an den Teilzeitkräften. Die haben nämlich immer irgendwelche Klausuren* oder sonst irgendwelche Termine." Im Umkehrschluss bedeutet diese Annahme dann auch, dass es keine personellen Probleme gäbe, wenn alle Mitarbeiter Vollzeit arbeiten würden.

Was das heißen soll? Der Pflegenotstand kann durch die Teilzeitkräfte nicht dadurch gestopft werden, dass er eben mal am freien Tag einspringt, oder spontan die nächste Schicht wechselt.

Als Teilzeitkraft hört man auch öfter mal den verdeckten Vorwurf, dass man ja ruhig mal einspringen könnte, wenn man schon so viel frei hätte. Das man auch für weniger Arbeitszeit bezahlt wird, dass man möglicherweise ein Privatleben hat und nicht für die Arbeit lebt, dass man möglicherweise schlichtweg Gründe hat um weniger als 40h/Woche zu arbeiten, kommt diesen Leuten scheinbar nicht in den Sinn. Das man auch als 100%-Kraft dieses desolate System stützt, wenn man immer wieder sein eigenes Privatleben über den Haufen wirft, nur um den Kollegen bei Seite zu springen, wenn man wieder Not am Personal ist (was ungefähr an 2-3 Tagen pro Woche der Fall ist), kommt den Leuten auch nicht in den Sinn. Man ist davon überzeugt, dass die Teilzeitkräfte das Problem sind.

Manchmal bleibt mir auch nur ausdauerndes kräftiges Kopfschütteln als Handlungsalternative übrig.


*Anmerkung: Ich habe während meiner Teilzeittätigkeit ein Teilzeitstudium gemacht. Ich musste zweimal im Jahr zu Klausuren. Nur so von wegen "ständig irgendwelche Klausuren".




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Bewerbung einer Pflegekraft.

Bewerbung für Job xy

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bewerbe mich für ihre ausgeschriebene Stelle und mein Profil ist wie maßgeschneidert für sie. Die Arbeit mit Menschen unterschiedlichster Herkunft bereitet mir ausserordentlich große Freude und bin emotional überdurchschnittlich belastbar. Ich höre mir all deren Geschichten an und stehe ihnen bei wenn sie in menschliche Abgründe blicken müssen und bin Begleiter im Schmerz. Ich bin äußerst flexibel, was ich regelmäßig im Schichtdienst unter Beweis stelle, wenn ich meine Spät- gegen eine Früh- oder einer Nachtschicht tauschen muss. Sehr oft schaffe ich es auch, durch mein koordinatives Geschick und mein ausserordentlich gutes Talent im jonglieren von Terminen auch am Folgetag für eine Schicht einzuspringen, obwohl ein frei geplant war und ich diverse Termine dort vereinbart hatte. Auch physisch bin ich auffallend belastbar, denn ich schaffe es beinahe mühelos zwischen einer Spät- und einer Frühschicht noch einen Bereitschaftsdienst einzulegen. Darüber hinaus bin ich auch überaus genügsam. Ich habe eine gute Ausbildung, ich weiß ganz genau was ich kann, aber ich prahle nicht damit. Ich habe kein Problem damit, mich unter Wert zu verkaufen und meine Arbeitskraft für mehr zur Verfügung zu stellen als mein Körper und Geist auf Dauer leisten kann.

Kurz gefasst: Ich bin ihr Mädchen für alles. Und zwar wirklich alles. Ob es um fachliche pflegerisch-medizinische Kompetenz geht, darum ihnen den Arsch zu retten oder einfach nur um Kaffee zu kochen: Ich kann es. Und ich bin dabei wirklich mehr als bezahlbar.

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Egozentrische Fischleins.



Da ist wohl was dran. Im Grunde sind wir alle ziemlich unbedeutend, wenn man sich das große Ganze betrachtet. Dennoch aber sind wir stets um die Befriedigung unserer eigenen Bedürfnisse bemüht. Was sollen wir auch sonst tun? Unser eigenes Leben und ein ganz kleiner Dunstkreis darum herum ist das Einzige was wir beeinflussen können. Das Handeln in diesem kleinen Dunstkreis gibt uns den Sinn für unsere Existenz. Würden wir uns in diesem kleinen Bereich nicht wichtig nehmen, dann bliebe nichts mehr übrig von uns. Wir sind bemüht unserer Existenz eine Bedeutung beizumessen und von anderen irgendwie wahrgenommen zu werden. Von manchen wollen wir geliebt und von anderen gelobt werden. Und von manchen Menschen will man in Ruhe gelassen werden. Aber auch dann haben wir das Bedürfnis vom Gegenüber in dieser Sache wahrgenommen zu werden und wollen ganz gerne dass sich die andere Person dran hält. Werden wir nicht geliebt, gelobt oder in Ruhe gelassen fühlen wir uns ziemlich schnell verletzt, gekränkt und klein. Das fühlt sich aber nicht gut an, und wir möchten das gerne vermeiden. Zumal sich so eine narzisstische Kränkung wirklich unangenehm anfühlen kann. Und wer will das schon?

Fakt ist: Wir haben alle unsere Bedürfnisse und wollen diese berücksichtigt sehen. Werden diese nicht berücksichtigt fühlt sich das kacke an. Die Reaktionen darauf sind so unterschiedlich wie das gesamte Farbspektrum. Je nach Beziehungsstatus mit dem jeweiligen gegenüber sind wir mehr oder weniger bereit unseren eigenen Narzissmus zurückzuschrauben und den des anderen zuzulassen. Im Besten Falle hält sich das die Waage, sodass ein ausgeglichenes Kräfteverhältnis entsteht.
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Moral & Urteil.

Wer sind wir eigentlich, dass wir uns ständig ein Urteil über andere Leute und deren Leben anmaßen? Im Grunde wissen wir in aller Regel nichts bis gar nichts über die andere Person. Mit etwas Glück haben wir ein halbwegs stabilen Überblick über unser eigenes Leben.

Jeder von uns hat so seine eigenen Moralvorstellungen und Maximen nach denen er versucht zu leben. Ob die ihm nun bewusst sind oder nicht, spielt weniger eine Rolle. Die Vorstellungen wie die Dinge beschaffen sein sollten, wie man sich selbst anderen gegenüber verhalten möchte und wie man möchte, dass andere sich einem selbst gegenüber Verhalten sind da. Und sie sind bei jedem anders. Und nicht selten hat die Vorstellung davon wie man behandelt werden möchte wenig Ähnlichkeit mit dem wie man andere behandelt. Aber darum gehts ja eigentlich grad gar nicht.


moral
Bild: https://flic.kr/p/3KBnLW

Permanent fällen wir Urteile über uns und unsere Umgebung. Die Urteile über uns mögen dabei in einigen Fällen noch zutreffen, in den allermeisten Fällen sind sie aber derart durch die momentane Stimmungslage beeinflusst, dass man besser beraten wäre nicht über sich selbst zu urteilen, sondern es anderen zu überlassen. Auf der anderen Seite urteilen wir jedoch ständig über andere Leute. Ob wir sie nun kennen oder nicht. Gegenüber Freunden sind wir da im allgemeinen noch wohlgesonnenen, bei der Familie kommt es drauf an wie nah einem die jeweiligen Mitglieder stehen und bei völlig unbekannten kommt uns eher mal in den Sinn, dass das gerade erlebte Verhalten vielleicht gar nicht seine zu Grunde liegende Persönlichkeit ist, sondern vielmehr situativ bedingt.

(an dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass ich keinerlei empirische Grundlagen für all das habe und nur meine Beobachtungen wiedergebe)

Wirklich interessante Beobachtungen kann man aber im Kollegen Bekanntenkreis anstellen. Das kann geradezu faszinierend sein, wer sich da welche Art von Urteil über eine andere Person erlaubt. Man wähnt sich hier in einem Umfeld, in dem man den gegenüber kennt. Man vergisst, dass man die andere Person eigentlich nur oberflächlich kennt. Man weiß nicht, wie das Leben ausserhalb des beiden bekannten Überschneidungsbereiches aussieht. Man vergisst, dass man nur einen winzig kleinen Ausschnitt aus dem Leben der anderen Person kennt. In diesem Bereich finden sich auch jene Art moralische Urteile wieder in denen man die Neu-Verpartnerung einer vor kurzem Verwitweten mehr oder minder offen missbilligt. Aber was um alles in der Welt maßen wir uns da an? Keiner ausser den Beteiligten kann abschätzen, ob die alte Partnerschaft nicht vielleicht schon längst vorbei war, ob die beiden vielleicht eine Art Abmachung hatten. Und selbst wenn nicht? Was gehts irgendwen an?

Warum meinen wir das unsere Moralvorstellungen die richtigen sind und sind nicht in der Lage andere Vorstellung zu akzeptieren und andere Leute einfach ihr Leben leben zu lassen? Und wie die sich nun anziehen, ob sie gerne während des spazieren gehens lesen, oder ob sie erstaunlich zügig einen neuen Partner finden. Was gehts irgendwen anderes an, solang bei anderer Mensch davon Schaden nimmt? Man kann ja für sich selbst entscheiden, dass man sich lieber anders verhalten möchte, aber anderen auch das Anderssein erlauben.

Ich bin für weniger Urteil und mehr Leben.

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Unverbindliche Empfehlung

Sportcut-Empfehlung für die Generation pseudo-Beziehungsunfähig:

Vielleicht solltet ihr euch vor Augen halten dass unsere Generation mittels der online Portale Unverbindlichkeit geradezu zelebriert und perfektioniert. Wenn eine/r heute sagt "ich hab Bock auf dich" heißt das noch lange nicht dass er/ sie morgen auch Bock auf dich hat.

Wir haben die Freiheit der Wahl. Und genau diese wird uns umgekehrt auch zum Verhängnis. Ist saudumm. Ist aber so. Aber wir machen ja auch alle fleißig mit am System über das wir uns immer nur dann beschweren wenn es für uns nicht so läuft wie wir das gerne hätten.

Und jetzt geh was Arbeiten oder putz deine Bude. Das ist wesentlich sinnvoller als sich in der Schmach zu suhlen, dass die/ der Andere einen nicht so unwiderstehlich findet wie es wünschenswert wäre.

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Geht zur Wahl!

Am kommenden Sonntag sind Landtagswahlen in Baden-Württemberg. Ganz grundsätzlich ist es eine gute Idee, den wenigen politischen Einfluss zu nutzen den wir haben und sein Kreuzchen zu setzen. Der Zeitaufwand ist minimal und da die Wahllokale bis um 18:00 offen haben, sollte es auch mit dem schlimmsten Kater möglich sein sich dorthin zu schleppen. Oder man beantragt eben Briefwahl.

sonntagsfrage
Quelle: http://www.infratest-dimap.de/umfragen-analysen/bundeslaender/baden-wuerttemberg/sonntagsfrage/

Und gerade in politischen Zeiten wie der aktuellen ist es umso wichtiger seine Wahl zu treffen. Wir sollten uns mit allen Kräften gegen Rechtspopulismus, Verfassungsmissachtung und Missachtung der Menschenrecht stellen. Die alfa, NPD, und REP werden vermutlich nur vom ganz ganz rechten Rand gewählt. Die AfD hat sich geschickt getarnt und ist durch Nischen und Angstschüren bei den Bürgern angekommen die mit der Politik, den Lebensbedingungen und vor allem sich selbst nicht zufrieden sind. Sie ist für Leute wählbar, die sich selbst nicht rechtspolitisch einordnen würden. Es mag auch so sein, dass einige der Wähler die AfD schlichtweg wegen ihrer Finanz- oder Asylpolitik wählen. Das Problem dabei ist: Man wählt nicht nur einen Aspekt des Parteiprogramms, sondern das Gesamtpaket.

Und für alle Menschen mit dem Argument: "Das wird in den Medien völlig falsch dargestellt!": Hier:
https://www.alternativefuer.de/wp-content/uploads/sites/7/2016/02/Landtagswahlprogramm_AfD-BW_2016.pdf gäbe es dann mal das Wahlprogramm zum nachlesen für alle. Kurz gesagt:

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Kriminalität & Sicherheit


"Datenschutz darf kein Täterschutz sein."

Hört sich ja nett an, aber wie um alles in der Welt, wollt ihr dass denn machen, dass eine Lockerung des Datenschutzes nicht zum Missbrauch der Daten und zu erhöhter Gefährdung potentieller Opfer führt? Was ich in dem Abschnitt rauslese ist vielmehr: Überwachung für alle - bist du lieb und nett, hast du ja eh nichts zu befürchten. Nein. Lieber nicht die Türen öffnen für ein lockeren Datenschutz a la Facebook. Im weiteren steht dort:

"Wirkungsvolle Integration setzt dort an, wo sie am dringendsten benötigt wird, nämlich bei straffällig gewordenen Menschen mit Migrationshintergrund."

Ahja. Ihr wisst aber schon, wer da alles zu den Menschen mit Migrationshintergrund zählt, oder? Alle nach 1949 zugezogene, und Kinder jener Leute. Auch wenn nur ein Elternteil aus dem Ausland zugezogen ist. Oder Spätaussiedler (Zuwanderer mit deutschen Wurzeln aus einem (ehemaligen) Ostblockstaat… allen voran die DDR… oder denken wir mal an all die Deutschen die aus Ungarn zurückkamen). Was ihr mit eurem Wunsch nach einer detailliert aufgeschlüsselten Polizeistatistik aber meint, ist meiner Vermutung nach was anderes…

"Wir regen an, einen 'Tag des Heimschutzes' einzuführen…"

Ich weiß ja nicht ob ich lachen oder weinen soll. Ich hätte dann auch gern den Veggie-Day der Grünen und mehr Schweinefleisch in den Kantinen um mit der CDU zu gehen. Jeder Partei seinen eigenen Schwachsinnstag. Der 'Tag des Bieres' den DIE PARTEI proklamiert halte ich dabei für den erstrebenswertesten.

"Wer als Ausländer in Deutschland schwere Straftaten begeht oder wiederholt straffällig wird…." Blabla.

Was ich in dem Abschnitt vor allem lese: Ausländer. Wie wäre es mal damit etwas neutraler von Wiederholungstätern an sich zu sprechen, anstatt implizit auszudrücken, dass nur Ausländer (oder Menschen mit Migrationshintergrund (jetzt hätte ich doch fast Migrationshitlergrund geschrieben) wiederholt straffällig werden. Mir ist es grundsätzlich egal von welcher Nationalität ich ausgeraubt werde. Hauptsache der Täter oder die Täterin wird geschnappt und kriegt eine angemessene Strafe. Aber eigentlich möchte ich lieber gar nicht ausgeraubt werden.


Asylrecht:

"…Wird dieser Zustrom nicht gestoppt, so ist das Ende der deutschen und europäischen Kultur besiegelt. Die Zukunft unseres Landes und unserer Keiner darf nicht derart verantwortungslosen politischen Hasardeuren überlassen werden."

Es wäre schön, wenn ihr da von euch selbst reden würdet, aber vermutlich tut ihr das nicht. Aber ich finde ja auch, dass durch die Öffnung der Grenze der DDR damals ein Haufen unkultivierter, krimineller und verrohter Menschenschlag die Westdeutsche Kultur zerstört hat.

"Nach australischem Beispiel sind auf dem Mittelmeer aufgebrachte Flüchtlingsboote in ihre Heimathäfen zurückzuschleppen. […] Dies alles ist nicht etwa inhuman – auf diese Weise musste Australien seit über einem Jahr keinen einzigen toten Flüchtling mehr beklagen."

Eh ja. Sie sterben dann eben nicht mehr auf australischem Boden. Traue keiner Statistik die du nicht selbst zurecht gebogen hast.

"Deutschland muss das Recht haben, Menschen, die unsere Kultur, unsere rechtliche Verfasstheit und unsere Werte grundsätzlich ablehnen, oder die ihre archaischen Gesellschaftsstrukturen und Gesetze hierzulande gar einführen wollen, den Aufenthalt zu verweigern."

Andere Kulturen zu achten und respektieren gehört also eher nicht so zu unseren Werten. Liebe AfD: Was genau sind denn diese deutschen Werte eigentlich von denen ihr immer schreibt? Ich weiß es wirklich nicht.

"Dazu gehört das Tragen des islamischen Kopftuchs. Bei ihm handelt es sich um ein religiös-politisches Symbol repressiver Strömungen im Islam und es steht für die Ungleichbehandlung der Frau."


Gut dass ihr umfassend darüber informiert seid, wofür das Kopftuch steht. Eine geringere Aussagekraft haben nur die Vorhersagen bezüglich meiner Partnerschaftsqualität anhand meiner Schlafposition. Ähnlich schlau wäre auch folgende Aussage: "Menschen mit Torte im Gesicht sind dumm."


Finanzpolitik:


"Nicht nur Steuerhinterzieher, sondern auch Steuerverschwender schaden unserem Gemeinwesen. Die Verschwendung von Steuergeldern ist genauso hart zu bestrafen wie die Steuerhinterziehung."

Gut. Dann fangt doch bitte bei euch selbst an. Um die Parteifinanzierung zu erhalten, habt ihr (ebenso wie DIE PARTEI) eine Lücke im System ausgenutzt und Gold verkauft um den Zielumsatz zu erreichen, den man benötigt um die Parteifinanzierung abzugreifen. Ich empfinde meine steuerliche Beteiligung an eurer Parteifinanzierung als Verschwendung.


"Bürgerarbeit statt Hartz IV […] Bürgerarbeit soll ca. 30 Wochenstunden umfassen und mit ca. 1.000 EUR monatlich sozialversicherungspflichtig entlohnt werden."

Yay! Zurück zur Zwangsarbeit. Reduktion von nicht-geringfügig entlohnten Arbeitsplätzen. Degradierung des Wertes von Arbeit.


Familie:

"Wir respektieren die eingetragene Lebenspartnerschaft. Deren Gleichstellung mit der Ehe lehnen wir aber ab. Das Recht auf Adoption muss Ehepaaren vorbehalten bleiben. Wir sind fest davon überzeugt, dass es für das Wohl von Kindern und Jugendlichen am besten ist, wenn sie von Vater und Mutter umsorgt aufwachsen."

"Dass derzeit mehr als jede dritte Ehe in Deutschland geschieden wird, ist nicht akzeptabel."

"da nur die Ehe zwischen Mann und Frau eine Familie begründen kann."


Kurz gefasst: Ehe zwischen Mann und Frau. Kinder nur für diese Konstellation. Eingetragene Lebenspartnerschaften werden eher Zähneknirschen toleriert. Scheiden lassen solltet ihr euch bite auch nicht. Alleinerziehende gelten dann fortan auch nicht mehr als Familie.

"Kindergarten und Schule sind auf Mädchen zugeschnitten, Jungen erfahren eine strukturelle Benachteiligung."

Aahhhja. #hyposparty ?!

"Die Alternative für Deutschland setzt sich für eine Willkommenskultur für Un- und Neugeborene ein und wendet sich gegen alle Versuche, Abtreibungen zu bagatellisieren, sie staatlicherseits zu fördern oder sie gar zu einem „Menschenrecht“ zu erklären. Schwangeren in Not müssen konkrete Hilfen angeboten werden, damit sie sich für ihr Kind entscheiden können."

Keine Abtreibungen mehr. Ungewollte Schwangerschaften? Hätteste mal besser aufgepasst.

"Die Bindungsforschung hat eindeutig gezeigt, dass es für die seelische und soziale Entwicklung und die spätere Bildung von Kindern und Jugendlichen am besten ist, wenn sie von Vater und Mutter umsorgt aufwachsen können."

Nein hat sie nicht. Das ist schlichtweg falsch. Die Bindungsforschung hat gezeigt, dass Kinder dann am besten aufwachsen, wenn sie einen sicheren Bindungsstil zu wenigstens einer Person aufbauen können. Ob diese weiblich oder männlich ist, ist egal. Es muss auch nicht ein biologisches Elternteil sein, sondern kann auch der Nachbar oder die Kindergärtnerin sein. Und ob die Bindungsmuster mit den Erziehungsberechtigten immer so den sicheren Bindungsstil aufweisen, halte ich für sehr zweifelhaft.


Bildung:

Kurz gefasst: Elitenförderung. Kriteriumsorientierung. Noten - Noten - Noten. Individualität & Neigungsbezogene Unterrichtsangebote: Fehlanzeige. Zucht und Ordnung!

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Entschuldigung. Nach dem Bildungsabschnitt wollte ich dann auch nicht mehr weiterlesen. Aber das könnt ihr dann ja auch selbst machen.

Hab ich schonmal erwähnt, dass mich das Logo der Partei immer an Werbung für potenzsteigerende Arzneimittel erinnert? Dieses Viagrau-Blau mit dem aufwärtsgerichteten Pfeil. Irgendwie verstörend.


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Wir haben das Streiten verlernt. Dank an die sozialen Apps.

Es ist der Wahnsinn. Wir leben in einer Welt mit wahnsinnig tollen Möglichkeiten, die verfügbaren Technologien sind der Hammer. Auf meinen Laptop, das Internet und vor allem das Smartphone will ich auf keinen Fall verzichten müssen. Aber gerade das Smartphone hat so seine Tücken. Wer ein Smartphone hat, gilt als immer online und immer verfügbar. Einige meiner Freunde und Bekannten haben das Anzeigen des Onlinestatus und die Lesebestätigung in den Kurzmitteilung-Apps bewusst abgeschaltet, da sie sich nicht dem Stress aussetzen wollen direkt antworten zu müssen, sobald sie eine Nachricht gelesen haben.

Das Smartphone kann uns viel Arbeit abnehmen, in Zeiten ohne Arbeit dient es der Beschäftigung und eigentlich immer wenn Zeit ist dient es dem sozialen Austausch über diverse Apps. Aber gerade dieser soziale Austausch kann zum Stress werden. Der Sender am anderen Gerät erwartet eine rasche Rückmeldung sobald die Nachricht als gelesen markiert ist. Es besteht wenig Verständnis dafür, dass man möglicherweise keine Zeit oder im Moment keine Lust hat zu antworten. In der Konsequenz schalten einige eben diese Lesebestätigung aus.

Wirklich bedenklich finde ich aber diese absolute Abart schwierige Themen oder gar Streitgespräche über Kurzmitteilungen zu führen. Das Phänomen beobachte ich in meinem Freundeskreis leider erschreckend häufig und auch ich selbst hatte da auch so meine Erlebnisse in den vergangenen Jahren. In jüngster Vergangenheit hab ich mich gerade zu dem Thema mit ein paar Leuten unterhalten. Und ich versteh es nicht. Das heißt, nein. Eigentlich verstehe ich es doch.

Wir sind mittlerweile fast alle irgendwie vernetzt… Facebook, WhatsApp, iMessage….. Wir pflegen unsere Sozialen Kontakte über diese Netzwerke. Sehen uns vielleicht seltener, bzw. häufiger durch den Bildschirm der in unseren Händen liegt. Wenn ich nun auf jemanden sauer bin, muss ich nicht warten bis ich diese Person wieder sehe. Ich muss noch nicht mal aktiv werden, mich aus dem Haus bewegen oder auch nur irgendwo anrufen. Nein. Ich kann eine für mich recht gefahrlose Option wählen, die sofort verfügbar ist. Es ist ein bisschen wie als würde man seinen Frust ins Tagebuch schreiben. Nur viel besser. Statt ins Tagebuch schreiben wir einfach eine Kurzmitteilung. Und der Frust wird recht ungefiltert bei der Person abgeliefert die wir für unseren Frust verantwortlich machen. Das bei einer Textnachricht sehr wichtige nonverbale Informationen verloren gehen - da gar nicht vorhanden - kommt uns gar nicht in den Sinn. Wir vernachlässigen voll und ganz den Fakt, dass mein Gegenüber möglicherweise völlig unvorbereitet von dem Frust überrascht wird, wir wissen nicht in welcher Situation er diese Nachricht erhält und wir wissen auch nicht wie er diese Nachricht auffasst. Von Problemen mit der Autokorrektur wollen wir mal gar nicht anfangen. Man lädt also seinen Frust mehr oder minder ungefiltert irgendwo ab. Um dann nicht mehr verfügbar zu sein. Man benutzt eine Einbahnstraße. Und eigentlich ist das ziemlich unfair. Das ist ein bisschen so als ob man jemandem aus dem Schlaf heraus ein rohes blutiges Schnitzel ins Gesicht klatscht und dann schon wieder zum Fenster raus ist, bevor der andere überhaupt nur die Chance hat zu Fluchen.

smartphonestreit
Bildquelle: https://flic.kr/p/C2zce8

Ein Streitgespräch über WhatsApp zu führen ist der Missbrauch eines sozialen Netzwerkes als asoziales Netzwerk. Und obendrein ziemlich feige. Zumindest wenn man gar nicht dazu bereit ist das betreffende Thema dann auch im direkten Kontakt zu besprechen. Weil dann müsste man sich ja dem möglichen Gegenwind des Anderen aussetzen. Und das wollen wir ja lieber mal vermeiden. Weil wir dann angreifbar sind, uns unsere Verletzlichkeit dann bewusst wird. Und dann kommt mir der erschreckende Gedanke, dass wir gar nicht mehr richtig streiten können. Dass wir vielleicht gar nicht mehr in der Lage sind einer Gegenpartei zuzuhören, Kritik anzuhören, reflektieren und anzunehmen. Vielleicht werden wir im Zuge der Weiterentwicklung virtueller sozialer Netzwerke immer egoistischer und selbstbezogener.

Vielleicht sollten wir auch einfach mal alle aufhören Diskussionen über eine winzige Tastatur in ein elektronisches Gerät einzuhacken und uns mit den Tücken der Autokorrektur rumschlagen. Viellicht sollten wir mehr miteinander reden und weniger schreiben. Ich für meinen Teil hab mir überlegt, dass ich vielleicht in Zukunft gar nicht mehr auf emotionales Geblaffe in Kurzmitteilungen eingehen möchte. Schon allein weil es mir viel zu anstrengend ist die richtigen Worte für die schriftliche Form zu finden. Es ist nämlich so, das es auf der schriftlichen Ebene sehr viel schwieriger ist einen Text so zu verfassen, dass beim Empfänger genau die Information ankommt, die ich als Sender beabsichtigt hatte. Im realen Kontakt können hier nonverbale Signale eingesetzt und gedeutet werden. Oder man fragt einfach schnell nach. Konflikte klären sich
face-to-face einfach wesentlich effizienter und zielorientierter.



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Terror - Ferdinand von Schirach.

Ferdinand von Schirach ist in der Welt des Rechts und der Literatur ein bekannter Mensch. Das ZDF verfilmte letztes Jahr die Schuldserie mit Moritz Bleibtreu und das war schon ziemlich gut anzusehen. Neben Essays und Romanen schrieb er mittlerweile auch ein Theaterstück, in dessen Genuss ich vergangene Woche kam.

Das Stück stellt mit einem einfachen Bühnenbild den Gerichtssaal dar. Das Publikum hat die Aufgabe als Schöffengericht den Angeklagten zu verurteilen oder frei zu sprechen. Anderthalb Stunden ist insgesamt nur wenig Bewegung auf der Bühne und dennoch ist man von der Geschichte gefesselt und verliert zu keinem Zeitpunkt die Aufmerksamkeit.
Worum gehts in derer Verhandlung?

Ein Flugzeug auf dem Flug von Berlin nach München wird entführt. Der Terrorist lässt Kurs nehmen auf die voll besetzte Allianzarena in München. Knapp 50 Minuten nachdem der Flugzeugentführer sein Vorhaben kund tat schießt ein Kampfjetpilot die Passagiermaschine ab. 167 Menschen sterben. Dafür überleg 70.000 im Fussballstadion. Mittels Staatsanwalt, Verteidiger und Nebenklägerin (und natürlich auch dem Täter) werden verschieden Ansichten von Gerechtigkeit, Moral und Prinzipien präsentiert. Die Frage die sich jeder Einzelne Zuschauer vor de Urteilsverkündung dann stellen soll ist ob der Täter verurteilt wird, weil er 167 Menschen ermordet hat, oder ob er freigesprochen wird, da er 70.000 andere gerettet hat.

Es stellt sich die Frage ob es gerechtfertigt ist ein Menschenleben gegen ein anderes aufzuwiegen. Ob man einige wenige Menschen (die offenkundig ohnehin dem Tod geweiht sind) opfern darf um eine Mehrzahl zu retten.

Die Auseinandersetzung mit moralischen Dilemmata im Rahmen von Gedankenexperimenten ist nun nicht neu. In den 1950ern wurde der Weichenstellerfall entwickelt: Man stelle sich vor, dass ein Zug ausser Kontrolle geraten ist und nun droht er fünf Menschen zu überrollen. Durch umstellen einer Weiche könnte der Zug umgeleitet werden. Die fünf Menschen überleben. Unglücklicherweise steht aber dort ein einzelner Mensch. Darf nun der Tod eines einzelnen Menschen in Kauf genommen werden um das eben anderer zu retten?

Es ist eine spannende Frage. Hier http://terror.kiepenheuer-medien.de lassen sich die Abstimmungsergebnisse aus den verschiedenen Aufführungen einsehen. In unserem Fall wurde der Angeklagte mit einer 2/3 Mehrheit freigesprochen.

Wer Gelegenheit hat sich das Stück anzusehen: Auf jeden Fall hingehen! Man wird es kaum bereuen.

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Emotionales Outsourcing.

Ein Freund von mir sucht (mehr oder minder aktiv) eine Partnerin. Das sorgt in unseren Unterhaltungen immer wieder für interessante und spannende Stories, schon allein, weil es unfassbar spannend ist andere Menschen und deren Lebensweise kennen zu lernen. Zumindest im Ansatz. Und es sorgt für überaus erstaunliche Einblicke in die scheinbar völlig verquere Gefühlswelt unserer Generation. (Wobei ich mich eigentlich nicht auf die eine Generation beschränken will, weil ich in der Tat gar nicht weiß, ob das ein aktuelles gesellschaftliches Drama ist, oder ob es schon zuvor alles so irrwitzig war).

Also was erzählte er mir?

Es beginnt ganz klassisch: Die Verkäuferin seiner Lebensmittel fand er ganz attraktiv und freundlich und je öfter er dort einkaufen ging, desto netter fand er sie. Irgendwann gingen sie aus, aßen leckere Sachen und unternahmen unterhaltsame Dinge. Bevor sich die freundschaftliche Beziehung intensivieren konnte wurde es - für mich - interessant. Die Dame erzählte ihm von irgendeinem Typ mit dem sie zeitgleich zu den Treffen mit ihm eine intimere Beziehung gepflegt habe, aber emotional sei das für sie nicht so interessant. Gegenüber meinem Freund sei es aber eher irgendwie anders rum. Und bevor sie sich da weiter emotional engagiere und die Beziehung intensiver und intimer würde, wolle sie gerne wissen wie es nun bei ihm aussähe. Genau. Es klingt irgendwie verdreht und kompliziert. Mein Freund sah mich recht entgeistert an und fragte mich, was das denn für ein Konzept sei. Was das solle. Ob das vielleicht emotionales Outsourcing sei. Hier vögeln und dort fühlen?! Ich musste lachen. Nicht zuletzt weil er eine ganz spezielle Art hat solcherlei Dinge zu erzählen.

Emotionales Outsourcing. Der Begriff blieb mir im Kopf. In den Tagen danach begegnete mir dieses 'Konzept' auch in ganz anderen Kontexten. Und zwar gar nicht mal so selten. Da werden Gefühle und Emotionen in Situation und an Personen abgeladen die damit überhaupt gar nichts zu tun haben. Um mal ein wenig abstraktes Beispiel zu wählen:

"Emotionales Outsourcing - Schwedenversion" Wir kaufen eine größere Menge Möbel zum Eigenaufbau zu Hause in einem großen Möbelhaus. Beim Aufbau zu Hause fehlt in einem Paket eine Schraube und in irgendeinem Holzstück ist ein Kratzer. Ausserdem lag der Hund in der Abwesenheit auf dem Sofa und hat dort seine Haare vom Typ Superhaftung eingearbeitet und der Chef hat uns am Tag zuvor mit irgendwas auf die Palme gebracht. Statt sich die fehlende Schraube im nächstgelegenen Baumarkt zu besorgen und sich zu sagen, dass sich der Kratzer an der Seitenwand des Schrankes befindet, welche niemand jemals sehen wird tut man folgendes: Wir packen frustriert und entnervt die Sachen wieder in den Karton, suchen noch eine halbe Stunde den Kassenbon um zu merken, dass er sich noch im Geldbeutel befindet und fahren 35 km zum Möbelhaus zurück. Die Fahrt über versuchen wir eine gewisse Aggressivität aufrechtzuerhalten und legen uns die Worte zurecht die wir dem Mitarbeiter an der Service-Theke an den Kopf knallen können. (Die Option in einem adäquaten Umgangston einen Umtausch des Artikels zu erbitten ist nicht verfügbar, da wir uns ja noch über die Hundehaare und den Chef aufregen. Dinge die wir glauben nicht ändern zu können). Das tun wir dann auch. Der Service-MA kann zwar nicht für unsere Lage und eigentlich wissen wir das auch, aber nach geglücktem Umtausch (okay…. wir finden es natürlich auch noch völlig überflüssig und unangebracht und nicht im geringsten Kundenorientiert, dass man den Umtauschartikel an der Warenausgabe abholen muss und er einem nicht direkt an der Service-Theke ausgehändigt werden kann), laufen wir selbstzufrieden durch den Laden, klopfen uns im Geiste auf die Schulter, dass wir es diesem furchtbar inkompetenten Konzern mal so richtig gezeigt haben, verlaufen uns fast im Labyrinth und kaufen uns danach einen Hot Dog. Weil mal ganz ehrlich: Selbst wenn alle völlig inkompetent sind in allen Bereichen…. des geht nichts über die Hot Dogs.

Was haben wir getan? Wir haben unseren Frust - der im Ausgangspunkt äußerst wenig mit dem mangelhaft verpackten Artikel zu tun hatte - an einer Stelle abgeladen wo er überhaupt gar nichts zu suchen hatte. Haben unsere Emotionen outgesourced. Und wir sind täglich von solchen Menschen umgeben. Jeden Tag sind wir mit Menschen konfrontiert, die ihren emotionalen Müll bei uns abladen und wir stehen in der Regel ziemlich irritiert da und fragen uns, was wir nun eigentlich gemacht haben. An manchen Tagen nehmen wir uns sowas sehr zu Herzen und an anderen Tagen merken wir ganz klar, dass wir damit überhaupt nichts zu tun haben und man gerade nur als Mülleimer missbraucht wird.

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Generation Y - Wieso, Weshalb, Warum. Und wofür eigentlich?

Was die Generation Y ausmacht wird in diesem Wikipedia-Artikel eigentlich gut erläutert. Aber um es noch mal kurz zusammenzufassen: Wer zwischen 1977 bis 1998 geboren wurde, zählt zu dieser Generation. Während die Elterngeneration mal irgendwann eine Ausbildung absolviert hat und in diesem Job häufig bis zum Rentenalter arbeitet (oder gearbeitet hat) und die Elterngeneration auch für viele Sachen gekämpft hat, scheint das Verhalten in meiner Generation eher geprägt von Ziellosigkeit, Treibenlassen, Nicht-festlegen-wollen und dem Streben nach dem Besseren.

Genauer betrachtet ist das Verhalten gar nicht so ziellos wie es nach aussen hin wirkt. Wir sind aufgewachsen in einer Welt in der sich - nicht zuletzt durch massive technologische Errungenschaften - unzählige Möglichkeiten ergeben. Eine Entscheidung zu treffen wohin man im Leben will, welche Ziele man erreichen will, ist nicht wirklich einfach. Und es wird umso schwieriger wenn man so viele Möglichkeiten präsentiert bekommt. Wenn man erzogen wurde mit dem gut gemeinten Wissen: "Du kannst alles werden was du willst". Aber was will ich eigentlich? Wer bin ich überhaupt? Und wer sind all diese anderen Menschen? Sind es Konkurrenten, oder sind es Freunde die mir auf meinem Weg Unterstützung bieten können? Generation Y ist als Bezeichnung nicht ganz unberechtigt. Ich weiß nicht wie es in den Generationen vor mir oder nach mir war. Ich weiß nur, dass sich in meinem Bekanntenkreis (der sich oh Wunder! auf das Altersspektrum von 23 - 36 bezieht) viel hinterfragt wird. Jeder ist irgendwie auf der Sinnsuche und fragt sich was seine großen Ziele im Leben sind. Meine Eltern hatten in dem Alter schon zwei Hosenscheisser zu Hause und ganz andere Probleme (vermute ich).

Ich (und eben auch alle meine Bekannten) stehen aber vor einem Bällchenbad voller Möglichkeiten und Optionen. Ich für meinen Teil hab eine Ausbildung angefangen, in dem Wissen, dass der Job mich nicht bis zum Eintritt des Rentenalters erfüllen wird. Aber: Ich kann ja alles werden was ich will. Glücklicherweise hab ich mich irgendwie zum Abitur durchgeschleppt und mir standen damit in der Tat mannigfaltige Möglichkeiten zur Verfügung. Nach der schulischen Ausbildung springen wir alle voll motiviert in eben jenes Bällchenbad. Und je tiefer wir graben, desto gewisser wird eines: Eine Qualifikation allein wird nicht ausreichen. Die Zukunft ist ungewiss. Zusätzlich zu Plan A, brauchen wir Plan B. Und Plan C. Und wenn das nicht funktioniert müssen wir uns ganz flexibel wie ein Aal durch das Bällchenbad schlängeln und uns einen anderen Platz suchen.

Wir haben Angst uns festzulegen. Wir haben Angst, dass der Job den wir machen uns nicht erfüllt. Verdammt! Wir suchen allen Ernstes nach dem Sinn und der Erfüllung. Wollen ein besseres Leben als alle anderen. Wir wollen auf diese abgefahren bunte Wiese und als glückliche Einhörner Regenbögen pupsen. Wir tun uns schwer uns mit dem Mittelmaß zufrieden zu geben. Wir wollen es besser machen als die anderen. Streben nach Zieloptimierung. Manche verlieren das Leben darüber hinaus aus den Augen. Sie haben soviel Angst davor, die falsche Entscheidung zu treffen, dass sie sich gar nicht mehr festlegen wollen. Serielle Monogamie war gestern. Heute finden sich in meinem Umfeld hier und da polyamouröse Beziehungen und Bestrebungen. Polyamorie ist nicht zu verwechseln mit offenen Beziehungen. Es geht nicht um das Sammeln von One Night Stands sondern um das Aufbauen von langfristigen (Liebes-)Beziehungen mit mehreren Menschen. Das Konzept ist für mich gewissermaßen ein Sinnbild für diese Generation. Man legt sich nicht fest. Aber irgendwie auch doch. Man baut sich eine Beziehung zu Partner A und Partner B auf. Vielleicht auch noch Partner C. Oder doch was ganz was anderes. Man hat Angst was zu verpassen. Angst sich besseren Möglichkeiten zu verschließen, sofern man sich selbst vom Markt nimmt, weil man sich auf einen Partner festgelegt hat. Wer sich mehrere Partner sucht, hat evolutionäre Vorteile. Da kann der Vater für die Kinder dabei sein, der Partner mit dem man ins Ballett geht und die Partnerin mit der man Berge besteigt. Wir können alles werden was wir wollen! Wir müssen uns nicht mal auf ein Geschlecht festlegen. Werde bei der Partnerwahl, noch bei uns selbst. Facebook bietet 60 Möglichkeiten sich selbst irgendwo auf der Gender-Skala einzusortieren. What the Fuck!? 54 der Begrifflichkeiten kenne ich nicht mal.

Die Sache mit der Partnerwahl…. Würde ich jedesmal einen Kurzen trinken, wenn mir einer sagt, dass er sich für beziehungsgestört und bindungsunfähig hält, ich wäre von morgens bis abends voll. Ihr habt alle keine Beziehungsstörung und ihr habt auch alle keine Bindungsstörung (also gut, die Meisten von euch nicht). Ihr seid aber alle Opfer geworden von der Sehnsucht, als pupsendes Einhorn über eine Blumenwiese zu hüpfen. Und ihr seid auch alle Opfer von Partnern geworden, die euch genau aus den Gründen verlassen haben (oder gar nicht erst wollten), weil diese nach der Einhornwiese suchen. Wir sind alle Opfer unserer Angst, dass wir uns mit weniger als der Blumenwiese zufrieden geben. Das wir kein Einhorn sein können. Oder nein. Dass wir ein Einhorn sein könnten, aber die falschen Entscheidungen treffen und uns die Tür zur saftigen Pupswiese verschlossen bleibt.


Krone_wegwerfen


Aber liebe Eltern. So schlimm sich das jetzt auch anhört: Es geht uns nicht schlecht. Wir brauchen nur etwas länger als ihr um herauszufinden was wir aus unserem Leben machen wollen. Unsere Ausbildung ist vermutlich erst abgeschlossen wenn wir 35 Jahre als sind. Ob wir dann schon unseren Partner fürs Leben gefunden haben (oder wenigstens für die nächsten drei Jahre…) Sorry. Wir wissen das nicht. Wie sollen wir denn wissen, was sich noch für Möglichkeiten ergeben? Ihr habt uns gesagt: Ihr könnt alles werden was ihr wollt. Und wir versuchen genau das. Wir müssen nur erst rausfinden, was wir werden wollen, wenn wir mal groß sind. Und wir wollen uns immer gern die Option offenhalten zuzuschlagen, sollte sich eine bessere Aussicht bieten.

Keine Sorge: Für jeden von uns kommt irgendwann der Tag, an dem wir merken, dass wir schon längst Einhörner sind. Dass wir schon längst über die Blumenwiese schweben und das wir jede Möglichkeit haben glücklich zu werden. Wir werden vermutlich immer Angst haben etwas zu verpassen. Aber wir sind dann cool damit. Weil wir wissen, dass wir alles werden können was wir wollen. Weil wir oft genug unsere Prioritäten und Fahrtrichtung geändert haben. Weil wir verschiedene Ausbildungen gemacht haben. Weil wir nicht ganz nach unten fallen. Weil wir neben Plan A und B, flexibel sind uns auch was anderes auszudenken.

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Shortcut: Silvester, Flüchtlinge und Übergriffe.

Nur mal so am Rande, weil man in den sozialen und unsozialen Medien ja gerade wieder meint ausrasten zu müssen und voreilige Schlüsse aus Vorkommnissen zieht, deren Randbedingungen uns allen reichlich unbekannt sind:

Wäre ich ein kleinkrimineller Intensivtäter mit dem Tätigkeitsschwerpunkt 'Taschendiebstahl' würd ich mir wohl ein paar meiner Diebeskumpels suchen und mich an einen Ort begeben an dem viele Menschen sind, die im besten Falle schon etwas betrunken sind und an einem wo es laut ist. Möglicherweise in Kleingruppen an Silvester Leute beklauen.

Wäre mal so ein alternatives Erklärungsmodell zu 'Oh Gott, die Flüchtlinge werden uns alle umbringen!'

Und nur zur Klarstellung: Ich bin weder kleinkriminell noch Intensivtäter. Ich geh nicht mal bei rot über die Ampel, was diverse Menschen zu spontanen Heiterkeitsanfällen verleitet.

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Der Narzisst wohnt in uns allen.

Nachdem nun die Bachelorarbeit Richtung Fertigstellung geht, suchte ich eine neue Beschäftigung. Die hab ich jetzt erstmal gefunden im lesen psychologischer Bücher. Damit ich davon auch was behalte, schreib ich mir was auch und stelle Zusammenfassungen hier ein. Und hier folgt der erste Kandidat:

Alice Miller: Drama des begabten Kindes und die Suche nach dem wahren Selbst (1979).


narzisst

Sigmund Freud habe im Alter von 15 Jahren in sein Buch geschrieben, das der schlimmste Egoist derjenige Mensch sei, dem es noch nie in den Sinn gekommen sei, dass er ein Egoist sei. Alice Miller knüpft in psychoanalytischer Tradition daran an und rekurriert bei der Entwicklung der narzisstischen Störung auf Erlebnisse in frühester Kindheit. Als das Kind seinen gesunden Narzissmus nicht ausleben durfte. Die Phase gehört zu den Entwicklungsphasen in der frühen Kindheit, die wir im Besten Falle alle haben durchleben dürfen. Eine Phase, in der das Kind sein ureigenes Bedürfnis erleben darf, in dem es selbst als das was es jeweils ist, beachtet und angenommen wird. Nun geht es in dem Buch keineswegs darum, alle Mütter und Väter an den Pranger zu stellen und ihnen die Schuld für die Störungen des Kindes zu geben. Sie hebt jedoch hervor, dass die Eltern bei der Erziehung ihres Kindes häufig ihre eigenen Erfahrungen aus der Kindheit wiederholen. Weil ihnen der Einfluss ihrer eigenen Kindheit nicht bewusst ist. Was daraus resultiert sind 'begabte Kinder', die ihre gelernt haben ihre eigenen Bedürfnisse zurückzustellen und ihre Antennen ganz auf die Bedürfnisse anderer ausgerichtet haben. Das führt im späteren Leben häufig zu Problemen.

Wichtig ist zunächst die Unterscheidung zwischen gesundem Narzissmus, als einem gesunden Selbstgefühl und der umangezweifelten Sicherheit, dass empfundene Gefühle und Wünsche zum eigenen Selbst gehört. Diese Sicherheit muss nicht reflektiert werden, sie ist einfach da. Demgegenüber können bei der narzisstischen Störung die natürlichen narzisstischen Bedürfnisse nicht in die Persönlichkeit integriert werden. Sie werden abgespalten, teilweise verdrängt und behalten eine archaische Form, was die spätere Integration erschwert. Menschen mit narzisstischen Störungen fehle ein emphatisches internalisiertes Selbstobjekt, weshalb sie nicht von Gefühlen überrascht werden können. Bei ihnen fänden nur solche Gefühle Zutritt, die die innere Instanz - die Erbin der Eltern - zulässt und gutheißt. Der Preis den es dafür zu zahlen gilt, ist die Depression und Innere Leere.

Weitergehend beschreibt sie zwei Seiten ein und derselben Medaille. Auf der einen Seite befindet sich die Grandiosität als Abwehr der Depression und Abwehr des tiefen Schmerzes über den Selbstverlust. Der grandiose Mensch sei nie wirklich frei, da er von der Bewunderung der Bezugsobjekte abhängig sei und die Selbstachtung von Eigenschaften, Funktionen und Leistungen abhängt die ohne Vorwarnung zusammenbrechen können. Der grandiose Mensch besetzt Andere narzisstisch, damit sie ihm diese Bewunderung geben können. Auf der anderen Seite der Medaille lauert die Depression als Leere, Sinnlosigkeit des Daseins und Einsamkeit. Die Depression führt in die Nähe der Wunde (aus der Kindheit), jedoch könne "die Trauer über das Vermisste, das in der entscheidenden Zeit vermisste" zur Vernarbung führen. Depression und Grandiosität. Beide signalisieren ein inneres Gefängnis bestehend aus brüchiger Selbstachtung, Perfektionismus, Verleugnung verachteter Gefühle, Angst vor Liebesverlust, starker (aber abgespaltener) Aggression, Anfälligkeit für Kränkungen und Schuldgefühle sowie Ruhelosigkeit. Depression wird bewertet als Signal des Selbstverlustes, Verleugnung der eigenen Gefühlsreaktion, die als lebensnotwendige Anpassung aus Angst vor Liebesentzug in der Kindheit begann.

"Die wohl größte narzisstische Wunde - nicht als das, was man war, geliebt worden zu sein - kann ohne Trauerarbeit nicht heilen. Sie kann entweder (…) abgewehrt werden (siehe Grandiosität/ Depression), oder, im Wiederholungszwang, immer wieder aufgerissen werden". Hierin beschreibt Alice Miller die zentrale Funktion um die verpassten Chancen aus der Kindheit zu trauern, da nur so die Wunden heilen könnten. Sie schreibt weiter: "Aber hat der Patient in seiner Analyse wiederholt bewusst erlebt, wie er als Kind im ganzen Werk seiner Erziehung manipuliert wurde und welche Vergeltungswünsche das in ihm hinterlassen hat, dann wird er schneller als bisher Manipulationen durchschauen und wird weniger das Bedürfnis haben selbst zu manipulieren".


Fazit: Das Drama des begabten Kindes ist zwar schon vor einigen Jahren veröffentlicht worden, an der Aktualität hat sich jedoch kaum etwas geändert. Auch wenn ich den ständigen Bezug der Psychoanalytikergemeinde auf die Mutter und den Vater kritisch beäuge, ist deren Einfluss gerade bei der Entwicklung von Persönlichkeitsstörungen wohl kaum von der Hand zu weisen. Wichtige Punkte in dem Buch sind die Unterscheidung zwischen gesundem Narzissmus in Abgrenzung zur narzisstischen Störung, wobei ihr wichtig war, dass es nicht um den pathologischen Narzissmus ginge. Das Buch lässt sich gut lesen, selbst ohne großartige psychologische Vorkenntnisse. Sie führt die Begriffe verständlich ein und bleibt auf einer allgemein verständlichen Ebene. Es wird kein Vorwurf an die Elterngeneration formuliert, sondern vielmehr der dringende Ratschlag sich mit seinen eigenen unbewussten Mustern auseinanderzusetzen, sodass man nicht darauf angewiesen ist von anderen Menschen Liebe und Anerkennung zu erwerben. Wem ich das Buch empfehle? Jedem. Kann nicht schaden, sich (ganz offiziell und narzisstisch) mit sich selbst zu beschäftigen. Oder um es mit Alice Miller zu sagen: Jeder Einzelne von uns hat im Inneren eine verborgene Kammer, in der sich die Requisiten des eigenen Kindheitsdramas befinden.

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Facebook.

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Bildquelle: https://mkhmarketing.wordpress.com

Es soll ja Leute geben die keinen Facebookaccount haben. Dann gibt es da Leute, die haben einen und nutzen ihn im Grunde nicht wirklich. Und es gibt welche die nutzen ihren Account recht rege. Alles nachvollziehbar und legitim.

Was mir nicht so recht einleuchtet sind Menschen mit Account, die sich darüber beschweren, wieviel Bullshit den ganzen Tag dort gepostet wird und wie bekloppt man das alles fände und das man auf Facebook gar keinen Wert läge. Diese Unterart der Facebook-Nutzer redet auch immer wieder davon, dass sie sich dort eigentlich abmelden wollen, weil es sie so nervt. Was ich mich da frage: Warum erzählt ihr das eigentlich jedem, und verkrümelt euch nicht einfach sang und klanglos aus dem Netzwerk? Warum stellt ihr euch an, wie Menschen die gerade zum Vegetarier geworden sind und jedem erzählen, wie toll das Leben ohne Fleisch ist (natürlich während man gerade im Burgerladen steht)? Ich kann darüber nur den Kopf schütteln und denk mir dabei: Junge, dein Facebook ist dir wichtiger, als du zugeben willst.

Getoppt wird sowas eigentlich nur noch von der Sorte Leute, die einem im realen Leben ans Bein pissen wegen des Facebook-Freundestatus. What the Fuck?! Was ist in euren Hirnen eigentlich los? Die Kombination aus: Mir ist Facebook ja nicht wichtig, aber ich bin jetzt dann schon ein bisschen gekränkt, weil du mich entfreundet hast.

Was ist mit unserer Generation eigentlich los, dass wir unsere zwischenmenschlichen REALEN! Beziehungen anhand unseres fb-Freundesstatus bewerten? Warum lassen wir zu, dass so ein abgefuckter virtueller Mist eigentlich unser reales Leben als Privatperson tangiert? Warum muss ich mir überlegen, ob ich irgendwas von irgendwem like, und wer sich deshalb auf die Füße getreten fühlen könnte? Wenn ich einen Grund hätte Facebook den Rücken zuzukehren, dann wäre das so ein Grund. Das es mein reales Privatleben tangiert. Kinder…. Kommt klar auf euer Leben und vor allem: Lebt es da draussen, wo ihr zu Hause seid, und nicht am Smartphone, Rechner oder Tablet. Und lasst den Freundesstatus dass sein was er ist: Nichts. Denn was zählt, sind eure Kontakte im wahren Leben. Das was zwischen euch Individuen passiert.

Und wenn euch das entfreunden, oder der Like eines Freundes auf der Chronik eines anderen Freundes irgendwie abfuckt, dann solltet ihr vielleicht wegen eurer Selbstwertproblematik therapeutische Hilfe suchen. Oder bei Facebook einfach mal abmelden und nicht immer nur davon reden. Dann wäre auch eurer Umwelt geholfen, weil sie sich das Gejammer dann nicht mehr anhören müssten. Echt jetzt.

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Vertrauen.

Vertrauen. Was ist das eigentlich?


Vertrauen

Oben stehendes ist eine der schönsten und prägnantesten Definitionen dazu, die ich während des Studium lesen durfte. Vertrauen ist ein großes Ding. Da gibt es Menschen denen schenkt man nur allzu leicht und allzu gern sein Vertrauen. Da gibt es Menschen, die schenken anderen Menschen 'zu schnell' Vertrauen. Und andere die tun sich immens schwer damit. Aber diese eine Definition bringt es recht kühl auf wenige wichtige Punkte. Man erbringt gegenüber einem anderen Menschen freiwillig eine Leistung. Ohne sein Zutun. Man verlässt sich darauf, dass der Andere dieses Vertrauen gewissermaßen in Ehren hält und es nicht missbraucht. Vertrauen muss einem anderen Menschen gar nicht ausgesprochen werden. Es ist einfach da. Oder eben auch nicht. Derjenige der Vertrauen schenkt sichert sich nicht ab, gegen Vertrauensmissbrauch. Es gibt auch im Grunde keine Sicherungsmaßnahme dagegen. Klar haben wir in der Klinik Schweigepflicht, was es den Patienten ermöglichen soll ein vertrauensvolles Umfeld zu erleben. Aber ein vertrauensvolles Umfeld ist dennoch weit entfernt von wirklichem Vertrauen.

Manche sagen, dass man sich Vertrauen erst erarbeiten müsse. Ich glaube nicht, dass dies so richtig treffend ist. Vertrauen ist da, oder eben nicht. Das Fundament jeglicher Beziehungen ist ein gewisses Ausmaß an Vertrauen. Selbst in der dubiosesten Geschäftsbeziehung muss man darauf Vertrauen können, dass der Gegenüber die Leistung erbringt, die er zugesichert hat.

Vertrauen kann sich entwickeln. Dafür muss sich der Gegenüber gar nicht erst als Vertrauensvoll erweisen. Das ich jemandem Vertraue mein Vertrauen schenke, liegt ganz bei mir. Und damit es im Leben auch interessant bleibt, soll nicht unbeachtet bleiben, dass Vertrauen auch verloren gehen kann. Aber erfahrungsgemäß ist das in den seltensten Fällen auf Dauer angelegt. Zwischenmenschliche Ereignisse sind eine komplexe, nahezu undurchschaubare und bisweilen auch verwirrende Angelegenheit.

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Partnerbörse.

Vermutlich tragen Partnerbörsen nicht umsonst ihren Namen. Ein Freund jedenfalls ist nicht darum verlegen, die Partnersuche mit Begriffen aus der Finanzwelt zu beschreiben.

Folgt man seinen Ausführungen geht es in der Partnersuche lediglich darum, das Akquise zu betreiben, das eigene Portfolio aufzufüllen und ein Papier das droht an Wert zu verlieren, bei Zeiten zu verkaufen, bzw. abzustoßen, bevor man selbst Verlust macht.



strandlauf

So betrachtet trifft es der Begriff Partnerbörse ziemlich gut. Oder auch die Frage, ob man 'auf dem Markt' sei. Es geht darum ob man zur Verfügung steht und ob man für jemand anderen einen potentiellen Mehrwert darstellt. Und darum wann der richtige Zeitpunkt ist, eine Wertanlage wieder abzustoßen, bevor man selbst Verluste macht und drauf zahlt. Sinn der unterschiedlichen Dating-Portale (und jeder 08/15 Party) ist ja durchaus vor allem: Akquise, Akquise, Akquise. Da wird geschrieben, geflirtet, getroffen, abgewägt ob es die Investition von Zeit und Energie wert ist. Ob man selbst etwas dazu gewinnen kann. Was auch immer das nun sei.

Mein Kumpel ist auch der Überzeugung, dass es sich bei der Partnerakquise durchaus als sinnvoll erweist - wie bei Geldanlagen eben auch - nicht nur auf eine Wertanlage zu setzen, sondern auf mehrere. Polyamorie wäre wohl das Stichwort dafür. Ob man diesen Weg nun für sinnvoll erachtet, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Unabhängig davon, was man von dem Lebenskonzept halt: Im Rahmen der Partner-Finanzwelt-Analogie aber durchaus ein passender Ansatz.


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EIN (!!) Single! Einer!

Es ist schon ein paar Wochen her und ich war mit einer Freundin unterwegs. Im Auto lief das Radio, es kam gerade Werbung: "Alle 11 Minuten verliebt sich ein Single über Parship." Es tönt unüberhörbar von links: "Ja genau! EIN Single, genau einer!" Ich gucke sie teilweise verwirrt und teilweise amüsiert an. "Ja, ist doch wahr. Ein Single verliebt sich und der andere nicht."

Das war Einstieg in eine Unterhaltung über diverse Partnerbörsen die auf dem Markt sind. Und da gibt es eine Menge… Es gibt speziell welche für Ältere Semester, für Homos, für Heteros, sicherlich auch für andere Vorlieben. Die Elite kann sich von dem Rest des unstudierten Pöbels abgrenzen lassen. Es gibt web-basierte und es gibt Apps nur fürs Smartphone. Es gibt haufenweise Angebote, für die man bezahlen kann, wo dann irgendwelche fancy Features freigeschaltet werden. Wir hatten beide schon Erfahrungen mit unterschiedlichen Angeboten gesammelt und auch im jeweiligen Freundeskreis sind Flirtapps und Flirtportale nicht unbekannt. Es scheint zur heutigen Zeit dazu zu gehören.

Es gibt auf der anderen Seite auch viele Leute die den Rückgriff auf derlei Angebote nicht ganz nachvollziehen können, oder ihm eher kritisch gegenüber stehen. Anonymität, Beliebigkeit und Axtmörder sind an der Stelle beliebte Befürchtungen. Man würde die Leute lieber im realen Leben kennen lernen. Und ich frage mich dann häufig: Wieviel weniger anonym, beliebig und axtmörderisch sind eigentlich die Leute die man des Nächtens, alkoholisiert trifft?

Anonymität. Ein gewisser Grad von Anonymität gibt Sicherheit. Es ist einfacher jemanden im virtuellen Raum anzuschreiben. Eine Zurückweisung bekommen nur die zwei beteiligten Personen mit. In einer Bar sehen das potentielle mehrere nicht Beteiligte Menschen.

Status. Wer auf einer Flirt-Plattform unterwegs ist, der sucht nach etwas. Bei größeren Plattformen, kann man seinen Status einigermaßen detailliert beschreiben, sodass für den Gegenüber klar wird, was gesucht ist. In der Bar und auf der Straße, weiß kein Mensch wer vergeben ist und wer überhaupt gerade Lust hat, sich zu unterhalten.

Match. Es ist sicherlich einfacher Leute anzuschreiben, bei denen das System einem mitteilt, dass der andere einen auch gut findet.

Block. Wer nervt wird geblockt. Er läuft einem nicht hinterher, weiß nicht wo man wohnt und wo man sich überhaupt gerade aufhält.

Auf der anderen Seite: Vor dem ersten Date weißt du nie, ob das Foto das man dir zur Verfügung schickte auch tatsächlich der Realität entspricht. Das weißt du erst beim Date. Und dann kommt es auch durchaus mal vor, dass man lieber unentdeckt weiterfahren möchte. Ausserdem wird es an einem gewissen Punkt super nervig die immer gleichen Fragen zu beantworten und gleichen Geschichten zu erzählen. Wer das länger macht, der wird sicherlich im Verlauf wählerischer. Ein anderer Freund erzählte mir die Tage, dass er damals eine Excel-Tabelle angefertigt hatte mit Textblöcken zu Fragen, die immer wieder gefragt wurden, sodass er sie nur noch einfügen musste.

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Von A nach B.

Oder auch: What the Fuck?!

Alphabet

A will B. Der Weg dorthin scheint eigentlich recht kurz und einfach zu sein. Die meisten von uns gehen den direkten Weg aber selten. Man verirrt und verwirrt sich mit zahlreichen anderen Optionen, bis man unter Umständen gar nicht mehr so recht weiß was man eigentlich will.

Der Weg von A nach B erfolgt nur allzu oft über Umwege. Da wird durch das ganze Alphabet gekreiselt, hier und da was ausprobiert, wieder verworfen - weil nicht für gut befunden. Eventuelle nochmal an einen früheren Ort zurück gekehrt. Nach ein paar weiteren Extrarunden - nach denen alle Umstehenden Betrachter restlos und zur Gänze verwirrt sind - landet man doch wieder bei Lösung B. Und überlegt sich, ob man nicht doch lieber C nehmen sollte.

Seien wir mal ehrlich: Wir kennen das doch alle.

Aber warum machen wir es uns manchmal so verdammt schwer?

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Inhalte sind austauschbar.

An manchen Tage tue ich mir schwer mit meinen Mitmenschen und deren eigenartigen Verhaltensweisen. Ich versuche in der Regel aus deren Verhalten schlau zu werden. Teilweise weil es mein Job ist und teilweise weil die Leute in meinem Privatleben auf nicht unbedingt schlüssiger agieren. Ein mir sehr geschätzter Kollege brachte dass vor einiger Zeit mit einem Satz auf den Punkt, der sich gewissermaßen bei mir eingebrannt hat:


inhalte

Und genau darum geht es. Ich kann mich davon gar nicht ausnehmen, dass auch ich bisweilen auf der Handlungsebene etwas andere fabriziere, als ich auf der verbalen Ebene von mir gegeben habe. Aber ich bin stets bemüht um eine möglichst hohe Kongruenz dessen was ich zu jemandem sage und dem Outcome wie ich mich dieser Person gegenüber dann verhalte. Ob das immer so gut hinhaut müssen vermutlich andere beurteilen.

Im Großen und Ganzen ist also viel weniger interessant was die Leute zu einem sagen, sondern viel interessanter was auf sie auf der Handlungsebene tun und was auf der Beziehungsebene ankommt. Um nachvollziehen zu können, was auf der Beziehungsebene passiert ist es von Vorteil, wenn man ein gewisses Gespür für seine Mitmenschen mitbringt und noch viel mehr einen ehrlichen Blick in sich selbst werfen kann. Dabei gibt es jedoch zwei hervorstechende Probleme:

1. Man ist immer (wirklich immer!) bestrebt, das zu glauben, was einem der Gegenüber auf der verbalen Ebene mitteilt.
2. Man ist verletzt und - je nach Sachlage - auch schonmal gerne gekränkt in seinem Stolz wenn man die Inkongruenz zwischen verbaler und Handlungsebene erkennt. Man fühlt sich belogen.

Also wie ist das ganze aufzulösen? Ich vermute: Gar nicht. Man kann sich bewusst machen, dass kaum ein Mensch es schafft wirklich ehrlich zu anderen zu sein, weil es uns allen äußerst schwer fällt ehrlich zu uns selbst zu sein. Wir leben alle bis zu einem gewissen Grad in unserer ganz eigenen Realität. Und zwar in einer, die unseren Selbstwert maximal schützt. Wer immer gnadenlos kritisch und ehrlich sich selbst gegenüber ist, der kommt im Leben vermutlich auch einfach nicht weit. Man müsste sich ständig fragen was man eigentlich will und ob der Weg auf dem man sich gerade befindet zielorientiert ist um das erwünschte Outcome zu erreichen.

Vielleicht muss man sich mit der Radikalen Akzeptanz zufrieden geben, dass die Dinge nun mal sind wie sie sind. Das verbale Ebene und Handlungsebene so gut wie nie zusammenzufallen scheinen, sondern sich immer eine Diskrepanz ergibt. Manchmal allerdings möchte ich an dieser Erkenntnis verzweifeln und versuche Erklärungsmodelle zu finden, warum sich Menschen so verhalten.

Und um das Ganze zu veranschaulichen. Ein Beispiel das wirklich jeder kennt, der bereits ein bis zwei erfolglose Beziehungsversuche hinter sich hat. Mindestens ein Part kommt auf die Idee:

Verbal: "Ich mag dich, lass uns Freunde bleiben."
Handlung: Nichts. Unter Umständen auch gerne mal halbfertige Antworten auf Kontaktversuche.
Beziehungsebene: Von 'Ich mag dich' nicht mehr viel zu merken. Dafür aber sehr viel von: 'Ich mag meine Ruhe von dir und du bist mir ziemlich egal'


Wer würde angesichts solche Inkongruenzen nicht verzweifeln. Es ist ein Tritt ins Gesicht mit einem Hundescheiße beschmierten Schuh.

Was da auf der Beziehungsebene ankommt und ob das so beabsichtigt ist, das steht auf einem ganz anderen Blatt. Häufig sind da wohl irgendwelche Ängste im Hintergrund. Aber woher soll man das wissen, wenn man nicht miteinander redet.

Also wie löst man das auf: Ich würde jetzt mal ganz naiv sagen: Indem man miteinander offen und ehrlich umgeht. Aber das scheint schwieriger zu sein, als ich mir das in meiner kleinen Welt vorstelle. Oder wir einigen uns alle darauf überhaupt nicht mehr miteinander zu reden. Und nur noch auf der Beziehungs- und Handlungsebene zu agieren. Aber das ist genauso utopisch.

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Zwei Fragen stellen sich mir.

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Nein. Eigentlich stellen sich mir täglich via 4223 Fragen. Manche davon simpel zu beantworten, andere völlig irrelevant und manche sind kniffliger aber es lässt sich eine Lösung finden. Und dann gibt es da diese Sorte von Fragen, die einem immer wieder im Kopf rum gehen. Die Sorte, die einen ins Grübeln bringt, mitunter auch an einem nagen und vielleicht sogar zermürbend sind. Fragen auf die man keine Antwort findet. Vielleicht weil es keine gibt.

Zwei solcher Fragen die mich immer wieder beschäftigen, auf dich aber weder eine Antwort kriege, noch eine befriedigende erwarten kann, sind diese hier:

1) Wie geht man damit um, wenn für einen selbst alles gesagt ist, die andere Partei aber noch Fragen hat?

2) Wie damit umgehen, wenn man selbst zwar keine Fragen hat, aber eigentlich noch was zu sagen hätte, die andere Partei aber nicht zuhören möchte?

Es gibt verschiedene vorstellbare Handlungsoptionen. Kontaktabbruch vs. Bereitschaft sich mit dem andern auseinanderzusetzen sind vermutlich nur zwei von vielen. Am Ende haben wir aber in jedem Fall eine Situation in der die Wünsche beider Parteien diametral entgegen gesetzt zu sein scheinen. 

Ein bisschen hoffe ich auf Input von anderen Seiten. Ich komm mit meiner Grübelei über diese Fragen nicht weiter. Weiß nicht was der beste Weg ist. Fürchte, dass es gar nicht "den besten Weg" gibt. Das die indi-, Inter- und intraindividuellen Situationen so multivariat und multifaktoriell sind, dass es gar unmöglich ist eine halbwegs einfache und für mich zufriedenstellende Antwort darauf zu geben.


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Die Sache mit der Flüchtlingspolitik.

Ich bin eine besorgte Bürgerin. Mehr als besorgt, wenn ich aus den diversen Medien erfahre was da für ein Bullshit von sich gegeben wird. Durch die Bank weg, von Kleinbürgern über Bildungsbürger, vom Azubi bis zum Akademiker. Keine Intelligenzgruppe und keine soziale Schicht wird ausgelassen. Und das macht es für mich so bedenklich und bedrohlich. Da gibt es eben nicht nur diese 4 Trierer Teletubbies die intelligenzgemindert in die Kamera repetiv in die Kamera sabbern: "444 - Buntes Trier - Nicht mit mir". Da gibt es eben auch den ein oder anderen Politiker der von Asylmissbrauch spricht und erst nach mehrmaligen Hinweisen ob das denn nicht gefährlich sei immer wieder von Missbrauch zu sprechen, eben dies unterlässt. Ob er kapiert hat wo das Problem liegt? Fraglich.



Da ich mir selten Fernseh- und Radioprogramm antue erfahre ich die meisten Dinge über das Internet. Unfassbar vieles läuft über Facebook. Jeden Tag scrolle ich über die verschiedensten Meldungen von verschiedensten Leuten. Und frage mich bisweilen ernsthaft, ob die Leute wirklich derart kognitiv eingeschränkt sind. Anders kann ich es mir nicht erklären, wenn sich eine junge Dame dazu hinreissen lässt im öffentlichen Facebook-Raum die Erbauung von KZ-Lagern fordert um das Problem zu lösen, um sich dann am nächsten Tag zu wundern, dass es eine Anzeige gegen sie gab. Wegen Volksverhetzung. Zu Recht. Zur Zeit scheint es mehr als wichtig hinzuschauen und sich wirklich kritisch Gedanken zu machen. Alles zu hinterfragen, was einem vorgesetzt wird.

Asylmissbrauch. Das ist sicherlich ein Problem. Und es ist sicherlich auch ein Problem, dass die Gerichte mit den Asylverfahren völligst überlastet sind und sich die Verfahren auf Grund der Überlastung viel zu sehr in die Länge ziehen. Aber das ist nicht das akute Problem der Flüchtlinge. Die alles andere als Heimaturlaub und Asylmissbrauch im Sinn haben. Diese Leute flüchten vor Krieg und Hunger. Vor Gewalt und völliger Perspektivlosigkeit. Flüchten mit der Gewissheit, dass sie auf der Flucht womöglich durch Erschöpfung, Krankheit, Hunger oder Gewalt sterben. Flüchten mit der Gewissheit, dass wenn sie nicht flüchten, ganz sicher sterben werden.

Die Flüchtlinge nehmen uns keine Arbeit weg. Diese Flüchtlinge bekommen nicht mehr Geld als ein Hartz-IV Empfänger. Sie können von uns vor allem eines bekommen: Ein Dach überm Kopf, Essen, ein paar Klamotten und Sicherheit. Wobei letzteres immer fraglicher wird, wenn ich mir anschaue was in Freital oder Heidenau und auch andernorts passiert. Die Flüchtlinge, sind Flüchtlinge, weil sie vor etwas flüchten. Ja, es sind verdammt viele. Ja, es wird schwierig eine sinnvolle mittel- und langfristige Lösung zu finden. Man stampft also kurzfristige Lösungen aus dem Boden. Denn irgendwo müssen sie ja erstmal hin. Die flüchtenden Menschen.

Langfristig ist die Unterbringung in den Turnhallen keine Lösung. Die anderen besorgten Bürger, die (um es mal euphemistisch auszudrücken) die Zunahme der Flüchtlinge vor Ort kritisch beäugen, sind weniger besorgt. Vielmehr haben sie Angst. Angst dass man ihnen was weg nimmt. Geld, Privilegien, Besitz, Freiheiten. Und mit den Turnhallen nimmt man ihnen tatsächlich was weg. Das Privileg in einer überdachten Halle ihrem Hobby nachzugehen. Der Sportunterricht wird ganz offenkundig davon beeinflusst sein, wenn die Sporthalle mit 800 Menschen belegt ist. Aber ganz im Ernst: Könnt ihr vielleicht auf noch höherem Niveau jammern? Es ist notwendig, dass andere Lösungen gefunden werden. Wird brauchen Flüchtlingsheime und wir brauchen auf juristischer Ebene ein beschleunigtes Asylverfahren. Es ist aber auch notwendig, dass wir uns um die Menschen kümmern, die Schutz bei uns suchen. Es ist notwendig, weil wir alle Menschen sind. Es ist notwendig, weil wir hier so privilegiert sind, weil wir helfen können. Weil wir in der glücklichen Lage sind, dass wir nicht vor Gewalt, Repression, Diktatur, Krieg und Hunger flüchten müssen. Wir haben einfach nur Glück, dass es uns gerade gut geht. Aber das kann sich im Grunde jederzeit ändern. Und was machen wir dann, wenn wir flüchten müssen?

Ich bin eine besorgte Bürgerin. Besorgt wegen der braunen Entwicklung die sich gerade wie eine Seuche im Land auszubreiten scheint.

Und am Ende beantwortet uns ein 4-jähriger die Flüchtlings- und Ausländerfrage:
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Abnorme Homos.

Vor kurzem gab es in Irland eine Abstimmung, bei der man sich mehrheitlich für die Homo-Ehe aussprach. Daraufhin stieg das Interesse an der Homo-Gleichberechtigungs-Diskussion sprunghaft an um jetzt auch schon wieder beinahe gänzliche abgeflaut zu sein. War zu erwarten. 

Nun lese ich gerade Akif Piriniccis geistige Ergüsse in dem Werk 'Deutschland von Sinnen'. Bereits im ersten Kapitel wusste ich nicht so recht, ob ich nun eigentlich lachen, oder weinen solle. Gegen Ende des zweiten Kapitels kommt mir der Gedanke, dass er als Kabarettist womöglich Chancen hätte. Wäre da nicht sein Begehren, für seine Ergüsse ernst genommen zu werden. 

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Eines der Hauptprobleme die sofort ins Auge stechen: Der Herr hat leider nicht im Geringsten Ahnung vom Homo-Thema über dass er sich dort echauffiert. Dabei vergisst er natürlich nicht, stets zu betonen, dass er nichts gegen Homosexualität habe, aber diese abartige Lebensform muss ja nun wirklich nicht im alltäglichen Leben präsent sein. Das faszinierende dabei ist: Ausgehend von Fakten, ist er in der Lage zielsicher die falschen Schlüsse daraus zu ziehen. Muss man erstmal hinkriegen. Natürlich ist Homosexualität nicht normal. 'Normal' ist zunächst einmal eine statistische Begrifflichkeit und nimmt Bezug auf die Norm, den Durchschnitt, dass was bei den meisten Menschen der Fall ist. Mit einem Bevölkerungsanteil von knapp 5% kann man Homosexualität wohl recht fundiert als abnorm beschreiben. Wäre da nicht Wertigkeit, die dem Begriff der 'Abnormalität' oft beigemengt wird. Wie dem auch sei. Schwul, lesbisch, Bi oder schlicht und ergreifend nicht Heterosexuell zu sein ist abweichend von der Mehrheit, etwas besonderes. Im Zuge der Sozialisierung und des Fortschrittes sind wir als Menschen in einer demokratischen Gesellschaft aber mittlerweile (gottseidank!!!) zum überwiegenden Teil in der Lage zu erkennen, dass Homosexualität zwar abnorm, aber eben nicht abnorm ist. Dass sie abweichend von der Norm der Heteros ist, nicht aber abnorm in einem ganz grundlegenden Sinne. Homosexualität gehört zum Leben dazu. Nicht nur zum menschlichen Leben, sondern auch zum Tierreich. Es ist normal wenn man nicht hetereosexuell ist. Diese Variationen gibt es seit Anbeginn der Menschheit. 

Wovor haben die Leute Angst, wenn es um die Homo-Ehe geht? Das ihnen irgendwas weggenommen wird? Die Wertigkeit ihrer heiligen Hetero-Ehe im Nichts aufgeht? Mir wird das nicht so ganz klar.

Ein allgemeine Denkfehler liegt darin, die standesamtlich Trauung mit der Kirchlichen zu verwechseln. Die eingetragene Lebenspartnerschaft ist der Versuch all jene Homos ruhig zu stellen, die sich gerne offiziell auf ihre Partnerschaft festlegen möchten. Eben wie die Heteros bei der Eheschließung. Die Lebenspartnerschaft ist zu allererst mal eines: ein unfassbar hässlicher Begriff. Und zum anderen schlicht und ergreifend nicht gleichzusetzen mit der Ehe. 

Was will eigentlich ich? Ich wünsche mir die Öffnung der Ehe für den homosexuellen Anteil der Bevölkerung. Denn nur die Ehe steht unter dem vollen staatlichen Schutz laut Grundgesetz. Was ich vom Staat erwarte, ist die Schaffung dieser Möglichkeit, sodass - falls ich mich festlegen möchte auch eine Partnerschaft - ich haargenau die gleichen Rechte habe wie all die glücklich verheirateten Heteros. Denn meine partnerschaftlichen Gefühle unterscheiden sich nicht von anderen. Ich erwarte nicht, dass ich in der Kirche getraut werden kann. Mir persönlich käme es irgendwie seltsam vor an einem Ort einen Bund einzugehen der heterosexueller nicht sein könnte. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden. Aber aufzustehen und panisch mit den Händen zu Fuchteln wenn es darum geht die ehe auf staatlicher Ebene zu öffnen, und zu behaupten dass man kirchliche Werte verraten würde.... Das ist einfach nur lachhaft für all diejenigen die in der Schule aufgepasst haben, als es um die Grundwerte der Gesellschaft ging: Unter anderem die Trennung von Staat und Kirche. Das die Realität bisweilen anders aussieht, das weiß ich auch. Aber dennoch kann man ja mal darauf hinweisen, dass es gar nicht unerhebliche Unterschiede gibt zwischen standesamtlicher Trauung und kirchlicher Trauung.

Was den Herrn Pirincci an den Homos aber wirklich zu stören schein, ist die angeblich omni-präsenz in den Medien. Das der Fokus zu Ungunsten anderer wichtiger gesellschaftlicher Probleme verschoben würde. Vielleicht konsumiert er mehr Medien als ich das tue, aber ich kann diese beschworene Omnipräsenz nicht entdecken. Und ganz im Ernst: Wenn der Anteil dieser abnormen Homos in der Gesellschaft bei 5% liegt, warum sollen diese dann nicht in einem ähnlichen Anteil in den Medien ihren Platz bekommen?

Und warum scheint eigentlich niemand mal das größte Bedürfnis zu sehen: Die Meisten wollen einfach alle nur ihre Ruhe haben. Gleichsam all den Spießbürgern die mit ihrem Volvo in die Vorstadt-Siedlung mit gerade Rasenkante ziehen. Ich will niemanden der mich als 'Experten' befragt, wenn es um die Homo-Ehe geht, niemanden der mich fragt wer der Mann in der Beziehung ist und schon recht niemanden der mir erklärt wie furchtbar tolerant er ist, aber dass man Homosexualitat ja nun wirklich nicht schon in der Schule unterrichten müsse. Ich will nur meine Ruhe. Mehr will ich gar nicht.

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Multiple Identitäten

Die Psychiatrie kennt eine psychische Störung, bei dem die Betroffenen mehrere Persönlichkeiten in sich tragen. Darum geht es hier nicht.

Es geht darum, dass jeder von uns verschiedene Identitäten in sich trägt. Jeder hat so seine eigene ganz individuelle Persönlichkeit, die in verschiedenen Kontexten unterschiedliche Ausprägungen zeigt. Jeder Mensch fühlt sich im Normalfall verschiedenen sozialen Gruppen zugehörig und nicht nur einer. Im Alltag wird das alles sehr vereinfacht. Auch in der Fachwelt spricht man häufig nur von der 'Peer-Group'. Das ist nicht unbedingt falsch, aber so ganz richtig ist es letzten Endes auch nicht.

Vielmehr ist es doch so, dass wir uns auf verschiedene Peer-Groups aufteilen. Da mag es die Gruppe derer geben, mit denen man gemeinsam die Schulbank gedrückt hat, oder die Gruppe der Arbeitskollegen/ Kommilitonen/ Sportbuddies. Im Rahmen jeder dieser einzelnen Peer-Groups (schlicht und ergreifend gemeint ist eine Bezugsgruppe über die man sein soziales Ich definiert) zeigt man unterschiedliche Aspekte seiner Persönlichkeitsausprägungen. Das soziale Ich besteht somit aus multiplen Identitäten, dass sich aus den verschiedenen 'Ichs' der verschiedenen Bezugsgruppen zusammensetzt.

Inwieweit man selbst mitbestimmen kann, welche Gruppe für einen selbst als Bezugsgruppe gilt ist fraglich. Gerne würde ich behaupten, dass ich in meinen Entscheidungen mit wem ich mich so umgebe gänzlich frei bin. Im Endeffekt bin ich in diesen Entscheidungen aber erstaunlich unfrei.
Welche Schulkameraden ich habe hängt mehr davon ab, wer da zu Beginn des Schuljahres zusammengewürfelt wird. Die freie Entscheidung besteht letzten Endes nur darin, dass ich mir aussuchen kann mit wem aus dieser Menschenansammlung ich mich anfreunden möchte. Die Arbeitskollegen such ich mir noch viel weniger aus. Die ergeben sich vielmehr aus meiner Berufs- und Betriebswahl. Klar. Ich kann die Abteilung oder den Betrieb wechseln, wenn ich möchte. Aber auch dann werde ich wieder einer bestimmten Menschenkonstellation zugeteilt. Bei der Wahl meiner Sportbuddies bin ich da schon deutlich freier, wenn mir meine Trainingspartner nicht passen, dann such ich mir andere. Natürlich aus dem beschränkten Pool derer, welche die gleiche Sportart betreiben wie ich.

Andere soziale Zugehörigkeiten sind gar nicht wählbar. Die bestehen auf Grund von biologischen Merkmalen (Geschlecht/ Sexuelle Orientierung/ Hautfarbe) oder aufgrund des Einkommens (Unter-/ Mittel-/ Oberschicht).

Vermutlich definiert man sich selbst aber auch sehr viel weniger über die Zugehörigkeit zu verschiedenen Peer-Groups, vermutlich ist das übergeordnete Merkmal wichtiger für die eigene Identität. Sprich: Welchen Beruf habe ich gelernt/ über ich aus? Was studiere ich? Welchen Sport mache ich?

Für mich persönlich heißt das: Ich bin Kinderkrankenschwester. Ich bin angehende Psychologin. Ich bin Traceuse (Parkour-Sportlerin). Ich bin Arbeitnehmer und ich bin Studentin. Wobei ich mich in steigendem Maße als Psychologie-Studentin identifiziere und in sinkendem als Pflegekraft, je näher der Bachelor-Abschluss rückt. Und ich freu mich derbe drauf.

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Wut im Bauch.

Wut. Wer kennt das nicht? Wer es nicht kennt, der lügt, oder hat ein ernstzunehmendes Problem. Wut gehört laut Paul Ekman zu den Basisemotionen, die in allen Kulturkreisen zu beobachten und darüber hinaus erblich bedingt sein. (Er hat auch das sogenannte FACS entworfen... Ein System um Gesichtausdrücke zu erkennen. Manch einer kennt die Anwendung der Technik aus der TV-Serie "Lie to me"). Jedenfalls gehört Wut zu den Basisemotionen. Die anderen Basisemotionen sind Furcht, Verachtung, Traurigkeit, Überraschung und Ekel.

Physiognomy

Zur Entstehung von Wut gibt es schon diverse Theorien. Laut Freud ist jedem Mensch ein Aggressionstrieb angeboren. Werden die Aggressionen unterdrückt, kommt es zu Störungen. Ein Theoretischer Klassiker. Taugt mir persönlich aber eher wenig zur Erklärung wo Wut herkommt. Laut Bandura werden Aggressionen erlernt durch Beobachtung von Vorbildern. Auch das taugt mir persönlich wenig. Beide Theorien erklären eher wo Aggressionen herkommen. Aggressionen sind aber eher mal eine Begleiterscheinung von Wut. In aggressivem Handeln wird Wut sichtbar. Wesentlich pragmatischer und eingängiger finde ich persönlich die Frustrations-Aggression-Theorie. Laut dieser führen Frustrationen eben zu Aggressionen. Das entbehrt einer gewissen Logik. Und erklärt in meinen Augen auch die Entstehung von Wut. Irgendwas funktioniert nicht wie es soll, oder Irgendwer löst durch sein Verhalten Frustration in mir aus. Es entsteht Ärger, vielleicht auch Zorn und wenn es ganz schlimm ist auch Wut.

Wut an sich ist eine heftige Emotion. Manche beschreiben es als brennen von innen, andere zerreißt es. Wut führt nicht selten zu impulsiven Reaktionen. Aber nicht unbedingt. In jedem Fall ist Wut schwer zu beherrschen und schwer auszuhalten. Wut ist eine Emotion die raus will.

Wut will irgendwo hin. Wut will nicht im Körper bleiben. Keiner will das die Wut im Körper bleibt, eben weil sie schwer beherrschbar ist und weil sie schwer auszuhalten ist. Wut ist im Bauch. Und sie will da weg. Oft fängt der Körper an zu zittern, Fäuste werden geballt, Beine werden unruhig, der Magen krampft sich zusammen. Die Stresshormone sorgen für vermehrte Durchblutung, die Herzfrequenz und die Atemfrequenz steigt, Pupillen werden weit und die Muskeln angespannt. Der Körper ist in einem fight-or-flight-Zustand. Entweder flieht man, zieht sich zurück aus der Situation, entfernt sich soweit wie möglich vom Wutauslöser, oder man kämpft. Die Wut kehrt sich nach aussen. Man wird laut, schimpft, manche werden handgreiflich oder lassen ihre Wut an Gegenständen raus. Es ergeben sich gewissermaßen 2 Möglichkeiten: Entweder die Wut und Erregung schiesst in die Beine (Stichwort: Restless-Legs) und der Körper will eigentlich einfach nur noch weg, oder die Wut bahnt sich ihren Weg in die Arme... bereit zum Kampf gewissermaßen.

Und dann gibt es noch eine dritte Möglichkeit: Wir schlucken unsere Wut runter. Weil es gerade nicht in die Situation passt. Weil Wut sozial kein angemessenes Verhalten ist, weil man selbst Ärger vermeiden will, weil man vielleicht Angst hat. Man schluckt den Ärger runter. Die Wut bleibt im Bauch. Der Magen krampft und irgendwann findet man alles so zum kotzen, dass man eben kotzt. Wut findet ihren Weg raus.

Ich sage nicht das einer der drei Wege irgendwie besser wäre. Es gibt Zeiten, da ist es das richtige zu gehen. Es gibt Zeiten da ist es das richtige laut zu werden, sich selbst zu vertreten und seinen Willen durchzusetzen. Und es gibt Momente da ist es besser den Ärger zunächst zurückhalten. Aber man sollte ihn dann später wieder hochholen und sich anschauen was da los war. Nur nicht runterschlucken und es dabei belassen.

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Kann das dann weg?

2014

Die vergangenen Jahre plätscherten so dahin, zum Teil kaum bemerkt von mir, kaum beachtet von mir. So wenig beachtet, dass ich mich die letzten Tage immer wieder frage: Was hab ich die letzten 10 Jahre eigentlich gemacht? Wenn man sich es so anschaut wohl ne ganze Menge. Schulabschluss - FSJ - Ausbildung - Arbeitsplatz gefunden - Studium begonnen - Mich an Beziehungen versucht - In Beziehungen gescheitert - Freunde gefunden - viele Freundschaften hinter mir gelassen - mit dem Rauchen aufgehört - wieder angefangen - aufgehört - repeat - und wieder aufgehört letzten Endes - Sport entdeckt. Mich gefunden und wieder verloren. Das Übliche halt. Was man halt so durchmachen muss zwischen 20 und 30.

2014.... Oder auch: Die End-Zwanziger-Krise. Diese Wo-komm-ich-her-wo-will-ich-hin und ist-das-überhaupt-das-richtige. Wenn ich mich umschaue: Normalität. Anfang-Mitte 20 fangen sie alle an sich zu überlegen wo es hin soll, welche Ziele man im Leben hat, mit welchem Lebenskonzept man glücklich werden kann. Alle sind ordentlich am schaffen und basteln. Manche verzweifeln ein bisschen. Aber sie sind alle voller Tatendrang. Dann kommen die Jahre die so dahinplätschern. In denen man den Weg abläuft den man sich zurecht gelegt hat. Bis man sich ein paar Jahre weiter wieder überlegt, ob das der "richtige" Weg war. Sich fragt ob es denn überhaupt den richtigen Weg gibt. Sich fragt, ob man auf dem Weg weitermachen will, oder das Gleis wechselt. Sich fragt, wie oft man sich das in der Zukunft eigentlich noch fragt.

Ich hab mich vieles gefragt im vergangenen Jahr. Hab vieles hinterfragt.... alles hinterfragt. Vieles beim Alten belassen. Einiges verändert. Umgekrempelt. Dinge die manche Menschen so zu tun scheinen Ende 20. Laut Hören-Sagen. Es ist ja nicht so, dass alles schlecht gewesen wäre. Aber immer diese kleine Stimme im Kopf: Es könnte auch wesentlich besser sein. Also hab ich umstrukturiert. Nicht immer ohne Verwunderung durch Aussenstehende. Aber dennoch nicht aufgehört einfach zu machen. Und jetzt geht das Jahr dem Ende zu. Anstrengend war es. Und vorbei darf es jetzt bitte sein. Ein neues Jahr darf jetzt bitte gerne anfangen. In der irren Hoffnung, dass dann alles ganz viel besser wird. Weil man nicht umsonst soviel Energie aufgewandt haben will.

Nächstes Jahr wird ein Topp-Jahr. Nicht zuletzt weil ich mein Studium mit dem Bachelor abschließen werde und danach wieder ein neuer Lebensabschnitt ansteht. Wieder Veränderungen. Ich kann offenbar gar nicht genug davon kriegen!

Aber mit diesem Jahr bin ich durch. Restlos. Kann das dann weg, jetzt?

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Beziehungsfundament.

Manchmal schlafe ich schlecht. Dann lieg ich nachts wach und denke nach über verschiedenste Dinge. Heute nacht dachte ich nach über Beziehungen. Was braucht eine - ich rede im folgenden ausschließlich von partnerschaftlichen Liebesbeziehungen, ausser ich sage was anderes - Beziehung um langfristig überdauernd, stabil und erfüllend zu sein? In meinen Gedankengängen kam ich zu 5 "Grundpfeilern".... oder Aspekten.... Merkmalen die vorhanden sein müssen, nach meiner Meinung.

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Vertrauen. Damit ist zum einen gemeint das Vertrauen in den Partner, dass er einen nicht ohne weiteres verlässt, nicht ohne weiteres einfach eben mal fremd geht, nur weil er/ sie sich nett mit einer anderen Person verlässt. Es bezieht sich also zum Teil auf Eifersucht. Die ja in geringem Ausmaß noch irgendwie 'belebend' sein mag (nach Aussage diverser Menschen, die recht Eifersüchtig sind).... überschreitet Eifersucht ein gewisses Maß, dann ist es schädlich und anstrengend für die Beziehung. Andererseits ist mit Vertrauen gemeint, dass man seinem Partner gewisse Dinge anvertraut die man sonst keinem erzählen würde. Das gegenseitige Vertrauen sich gegenseitig Geheimnisse anzuvertrauen.

Ehrlichkeit. Für mich persönlich ist Ehrlichkeit mit das wichtigste. Jeder der mich kennt, weiß dass ich im Grunde nicht lügen kann. Manchmal mach man sich lustig darüber wenn ich es versuche und Anfang rumzustammeln. Und selbst wenn es geklappt haben sollte, fühle ich mich hinterher so elend, dass ich dann doch die Wahrheit sagen muss. Insofern sage ich es meist von vornherein. Und handel mir damit gar nicht mal so selten Ärger ein, den ich mit einer Lüge niemals gehabt hätte. In einer Partnerschaft ist Ehrlichkeit ohnehin wichtig. Hängt eng zusammen mit dem Vertrauen. Wie soll ich jemand vertrauen, der nicht ehrlich zu mir ist? Allen voran muss jeder bei sich selbst anfangen ehrlich zu sich zu sein. Was will man und wo will man hin? Wer sich solche Fragen nicht selbst ehrlich beantworten kann, kann auch kaum ehrlich zu anderen sein. Wie sollte das auch funktionieren? Ehrlichkeit fängt also bei jedem selbst an und sollte mit dem Partner geteilt werden, wenn es was langfristiges und erfülltes geben soll. Lügen lasten schwer.

Unterstützung. Partner sollten sich gegenseitig unterstützen. Füreinander da sein, sich unliebsame Aufgaben teilen. Die moderne Welt sieht ja in aller Regel so aus, dass beide arbeiten gehen. Alltägliche Aufgaben wie Haushalt können gemeinsam erledigt werden. Je nachdem wie das Arbeits- und Beziehungskonzept nun aussieht, gibt es da diverse Möglichkeiten des Aufteilens und gegenseitigen Unterstützens. Was in meinen Augen zu Unzufriedenheit auf mindestens einer Seite führt, ist wenn ein Beziehungspartner den kompletten Haushalt schmeißt und der andere sich ins gemachte Nest setzt. Das könnte man auch unter einseitiger Unterstützung verbuchen und führt dazu dass der andere irgendwann ausgelaugt ist, wenn es keinen entsprechenden Ausgleich gibt.

Leidenschaft. Es mag asexuelle und platonische Beziehungen geben. Meine Welt ist das nicht und ich kann mit dem Konzept tatsächlich nicht viel anfangen. Fehlt dieser Aspekt, dann ergibt sich in meiner Welt eine freundschaftliche Beziehung. Möglicherweise eine intensive und tiefgebende freundschaftliche Beziehung. Aber eben eine Freundschaft. Keine Partnerschaft. Wer seinen Partner also nicht (mehr) attraktiv und anziehend findet, wem die Leidenschaft und Erotik in der Beziehung fehlt, der sollte womöglich doch mal grundlegend über seine Beziehung nachdenken. Ob sich die einstmalige Liebesbeziehung, nicht etwa doch in einer Freundschaft verwandelt hat. Kommt vor.

Freiraum. Gemeinsame Interessen sind hervorragend. Gemeinsam Zeit verbringen ist hervorragend. Ist wichtig für jede Beziehung. Wenn jeder nur sein Ding macht, sind wir ja schon wieder eher bei einer Freundschaft. Auf der anderen Seite braucht jeder so seinen eigenen Bereich. Auch wenn der nur klein ist. Aber es braucht einen Bereich, der sich nicht mit dem Beziehungspartner überschneidet. Egal ob das nun getrennte Arbeitsplätze sind, unterschiedliche sportliche Aktivitäten oder ein Freundeskreis der sich nur zum Teil überschneidet. Neben der Nähe und Zeit die man mit dem Partner teilt und verbringt, neben dem gemeinsamen Raum, braucht jeder auch ein bisschen Freiraum für sich. Sonst besteht Gefahr, dass man sich gegenseitig abhängig voneinander macht. Und dann ist es eben keine Partnerschaft, sondern eine Abhängigkeit. Das ist ein gewaltiger Unterschied.

Das sind nun 5 Aspekte die meiner Meinung nach wichtig sind um eine überdauernde Beziehung zu führen, mit der man glücklich werden kann. Mag sein, dass das nur Dinge sind, die mir wichtig wären, aber ehrlich gesagt nehme ich mir jetzt mal die Überheblichkeit raus da ein wenig auf die überwiegende Mehrheit der westlichen Welt zu generalisieren. So siehts nämlich aus. Weil ich es kann.

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Notwendig, aber nicht hinreichend.

Man braucht so einige Dinge zum Leben. Jeder setzt da andere Prioritäten. Die meisten Mensch streben nach einem erfüllten Leben. Ein Leben dass über das Mittelmaß hinaus geht. Wenigstens ein bisschen. Glücklich wollen wir sein, nicht allein wollen wir sein, ein sinnhaltiges Leben wollen wir führen. Aber was braucht man dafür?

Essen? Notwendig, aber nicht hinreichend.
Wasser? Notwendig, aber nicht hinreichend.
Geld? Notwendig, aber nicht hinreichend.
Bewegung? Notwendig, aber nicht hinreichend.
Soziale Kontakte? Notwendig, aber nicht hinreichend.

Eines alleine reicht nicht aus. Im Gegenteil. Wenn nur eine Komponente fehlt, dann funktioniert das System nicht. Genauer gesagt: Es funktioniert eine ganze Weil, bis der Speicher leer ist und das komplette System zusammenbricht. Es kann nur als Gesamtheit funktionieren. Aber dann stehen die Chancen auf das vielbeschriebene erfüllte Leben gar nicht so schlecht. Glaube ich.

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Patientenverfügung.

Auf den ersten Blick mag es möglicherweise etwas befremdlich klingen, wenn sich unter 30-jährige mit Dingen wie Testament und Patientenverfügung auseinandersetzen. Ein paar Schritte weiter gedacht ist es gar nicht mehr so abwegig. Und in jüngster Vergangenheit bin ich an verschiedenen Ecken damit in Berührung gekommen. Und zwar nicht, weil ich soviel mit alten Menschen zu tun hätte. Ganz im Gegenteil. Wie dem auch sei.

Ich machte mir Gedanken darüber. Einen Organspendeausweis habe ich schon seit einer ganzen Weile. Den auszufüllen kostet nicht soviel Überwindung. Das wirkt nicht befremdlich auf andere. Das ist gewissermaßen Normalität, dass man sich über einen potentielle Organspende im Falle seines Ablebens Gedanken macht. Jeder weiß das Unfälle passieren und das es schnell vorbei gehen kann. Aber keiner mag wirklich länger darüber nachdenken. Weil es Angst macht. Das Lebensende macht Angst. Und es macht oft anderen Angst, wenn man sich selbst über sein Lebensende Gedanken macht. Dabei gehört es nunmal einfach dazu.

Also gut. Den Organspendeausweis habe ich nun schon eine Weile. Dachte auch immer mal drüber nach: Was will ich eigentlich für eine Behandlung wenn ich einen schweren Unfall haben sollte. Wenn man nicht weiß ob ich es überlebe, wenn man nicht weiß ob das Leben danach noch Lebensqualität hat? Hab den Gedanken dann aber immer wieder weg geschoben. Weil ich mir dafür Zeit nehmen wollte, darüber nachzudenken. Was ich will und was ich nicht will. Und habe mir die Zeit lange nicht genommen. Bis jetzt. Jetzt habe ich also mit Hilfe von Textbausteinen (--> hier verfügbar: Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz) eine Patientenverfügung zusammengebastelt. Ich bin damit noch nicht ganz fertig. Muss nochmal überlegen ob das alles so hinkommt. Ob ich klar ausgedrückt habe was ich will und was nicht. Ich werde mir das also in ein paar Tagen nochmal überdenken. Und weil ich nun gerade schon dabei war, fand ich es in dem Zuge dann auch nur konsequent mir über ein Testament Gedanken zu machen. Aber das mal nur so nebenbei erwähnt.

Worauf ich hinaus will: Der Tod gehört zum Leben dazu. Und jeder sollte sich Gedanken machen, wie viel lebenserhaltende Maßnahmen er oder sie im Zweifelsfall wünscht. Es wäre schade wenn man sich aus Angst vor dem Thema nicht damit auseinandersetzt und dann keiner weiß was man sich gewünscht hätte. Und anderen diese Entscheidungen überlassen werden. Anderen die in dem Moment vielleicht gar nicht in der Lage sind irgendwelche Dinge zu entscheiden, weil sie mit der Situation völlig überfordert sind.

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Inhalte vs. Beziehungsebene

In der zwischenmenschlichen Beziehung gibt es Inhalte und es gibt eine Beziehungsebene. Die Beziehungsebene kann eine Freundschaft, Feindschaft, kollegiale Beziehung, partnerschaftliche Beziehung, oder auch ein gelegenheitsbekanntschaft bzw. zweckbekanntschaft in Form der Aldi-Kassiererin sein. Es ist egal wie es definiert wird. Menschen stehen untereinander in Beziehung. Sie haben alle untereinander eine irgendwie geartete Bindung. Das kann definiert sein, oder es kann einfach sein. Aber definitiv ist: Es ist.

Wenn wir uns also miteinander unterhalten, miteinander in Kontakt treten, haben wir eine Beziehung. In irgendeiner Form. Wir tauschen uns verbal und nonverbal aus. Vermitteln uns gegenseitig verbal diverse Inhalte. Wir unterhalten uns, verständigen uns, haben Missverständnisse. Das ist alles gut und schön. Wir unterhalten uns ja schließlich alle gern. Also ich zumindest. Gespräche und diese Inhalte wirken zurück auf die Beziehungsebene. Aber dennoch. All diese Inhalte die da ausgetauscht werden, all dass was gesagt wird ist höchst sekundär.

Inhalte sind austauschbar.

Wirklich interessant ist dagegen was auf der Beziehungsebene passiert. Was man an Informationen aufnimmt, wenn man sich anschaut welches Verhalten der Gegenüber zeigt und welche Reaktion das in mir auslöst. Wenn man es schafft sich von dem zu lösen, dass man immer versucht alles auf kognitiver Ebene zu lösen. Wenn wir das schaffen, können wir viel über den anderen und auch über uns selbst erfahren. Dann erfahren wir wo wir mit dem anderen in der zwischenmenschlichen Beziehung stehen, ohne dass wir großartig nachfragen müssten. Wir müssten dem gegenüber streng genommen nicht mal zuhören. Weil die Inhalte die da rüber kommen. Sind nebensächlich.

Wer sich also auf das verlässt was ein anderer sagt ist im Leben vermutlich schlecht bedient und sollte anfangen mehr auf den Bauch zu hören. Denn der vermittelt uns den Eindruck davon was auf der Beziehungsebene passiert.

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Über Nähe und Distanz.

Wenn ich mir meinen Freundeskreis so ansehe und mir die Geschichten so anhöre, die jeder einzelne (und sicherlich auch ich und du auf der anderen Seite des Bildschirms) zu berichten weißt, dann sehe ich da immer wieder erstaunliche Dinge. Gerade wenn es um das zulassen von Nähe und was Wahren von Distanz geht.

Nähe und Distanz ist ein allgegenwärtiges Thema. Jeder einzelne von uns entscheidet in einem eher unbewussten und abstrakten Prozess wen er wie nah an sich ran lassen möchte. Manchmal können wir willentlich darauf Einfluss nehmen, häufig scheint es aber doch eher so zu sein, dass wir die Intensität mit der wir die Nähe eines anderen zulassen gar nicht mal so bewusst steuern können. Mancher fühlt sich seinem Bedürfnis nach Nähe ausgeilefert und/ oder weiß nicht wie er Distanz herstellen soll.

Einige scheinen damit gar keine Probleme zu haben. Vertrauen den Leuten scheinbar leicht, scheinen von aussen betrachtet ein ausgewogeneres & gesundes Gespür dafür zu haben wen sie nah an sich ran lassen möchten und wen sie sich lieber ein wenig auf Distanz halten.

Andere glauben, dass sie gar nicht ohne weiteres fähig sind Nähe zuzulassen und dass sie dafür sehr viel Vertrauen beim Gegenüber brauchen. Genau diese Spezies ist dann zumeist völlig irritiert wenn sie jemandem begegnen dem sie innerhalb kürzester Zeit sehr nah kommen, oder vielmehr den Anderen sehr nah an sich ranlassen. Wenn ich mir dann das Verhalten dieser Personen so ansehe, dann entdecke ich häufig ein wiederkehrendes und ähnliches Muster. Es wird Nähe und Vertrautheit zugelassen, und dann scheint eine Art Angst zu entstehen. Angst vor wasauchimmer. Vielleicht einfach weil sie es von sich selbst nicht gewohnt sind, dass jemand so nah an sie rankommt. Die Reaktion darauf ist dann nicht selten: Abstand suchen. Erstmal wieder sortieren und schauen was passiert ist. Ob es Schäden am Haus gibt. Erst wenn man das Haus auf Schadenfreiheit überprüft hat kann es in die nächste Runde gehen. Das kann eine ganze Weile so gehen. Und entweder pendelt sich das dann ein und es wird ein normales Maß gefunden, oder es geht noch eine Weile so weiter, bis einer von beiden nicht mehr kann. Entweder die Person, die die ungewohnte Nähe nicht aushält, oder die andere Person, welche diese Nähe-Distanz-Wechsel nicht mehr aushalten kann. Oder aber die beiden finden tatsächlich ein Arrangement damit umzugehen.

Und dann gibt es noch ein anderes interessantes Phänomen: Nähe zulassen ist für die einen einfacher für die anderen schwieriger. Soweit so gut. Für die meisten dürfte es im Endeffekt eher ein angenehmer Zustand sein. Zumindest behaupte ich das mal. Weil ich glaube dass Nähe ein überindividuelles menschliches Bedürfnis ist, das nach Befriedigung strebt. Folglich wird das Bedürfnis nach Nähe befriedigt, wenn man einem anderen Menschen nah ist. Oder sich nah fühlt und das bestenfalls auch noch auf Gegenseitigkeit beruht. Die Folge sollten angenehme Gefühle sein.
Schmerzhaft wird es dann wenn dann eine Distanz hergestellt werden soll zu einem Menschen dem man zuvor nah war. Das kann bisweilen einen langwierigen Prozess mit vielen Tränen und viel innerem Leid und Schmerzen bedeuten. Es ähnelt dann einer Art Craving-Verhalten, wobei in wiederkehrenden Episoden ein großes Verlangen nach der Nähe des Anderen besteht und man alle möglichen Dinge tun will (anrufen, email schreiben, vorbeigehen...). Und diese Phase kann tatsächlich erstaunlich lange andauern. Und unabhängig davon ob man ein Mensch ist der einfach Nähe zulassen kann oder sich dabei eher schwer tut: Beim schaffen von Distanz werden die Karten dann wieder neu gemischt. Nur weil sich einer schwer tut jemand an sich ran zu lassen, heißt dass nicht dass er den anderen deswegen leichter oder genauso schwer wieder gehen lassen kann.

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Psycho vs. Homo

"Psychische Erkrankungen könne man nicht wie etwa Homosexualität einfach outen"

Sagte irgendein intelligenter Mensch in diesem Artikel hier: http://www.stern.de/gesundheit/anti-stigma-projekt-ich-bin-in-therapie-na-und-2134348.html

Und offenkundig hat er keine Ahnung von dem was er da sagte. Eigentlich ging es um deutsche Kopie eines amerikanischen Projektes. Ziel des Projektes ist die Ent-Stigmatisierung psychischer Erkrankungen (-->
http://www.ichbinintherapie.psystudents.org), bzw. dem schlichten Besuch bei einem Therapeuten. Nun unterliegt die deutsche Webseite gerade einer rechtlichen Prüfung, ob das datenschutzrechtlich alles soweit unbedenklich sei und ob die Betroffenen die sich dort outen sich nicht selbst mehr schaden als anderen nützen. Aber das soll hier nicht das Thema sein.

Ich bin im verlinkten Artikel über eben diesen Satz gestolpert: "Psychische Erkrankungen könne man nicht wie etwa Homosexualität einfach outen"

Ich frage mich dabei ernsthaft ob dieser Person eigentlich jemand ins Hirn gekackt hat. Denn wenn das outing bezüglich der wieauchimmer gearteten Sexualität eines nicht ist, dann einfach. Und ich würde fast behaupten, dass es so einige Menschen gibt, für die das Outing als Schwuler oder als Lesbe sehr viel schwieriger ist, als zu sagen: Du ich bin gerade wegen Depressionen in Therapie.

Wenn ich mich an mein Outing erinnere war das alles andere als einfach. Ich habe mir in der Schule im Vorfeld viel anhören müssen, weil ich so spät mit meinem ersten Freund um die Ecke kam, den ich dann auch nur hatte damit endlich mal Ruhe ist. Später folgte noch ein anderer. Aber dennoch wusste ich dass das wohl nicht mein Weg ist. Aber durch das was ich mir in den Fluren und auf dem Schulhof habe anhören müssen hatte ich Angst. Ich sah ja überall, dass es nicht normal war. Dass über 'solche' anders geredet wurde. Und nicht zuletzt habe ich unabhängig von meiner sexuellen Orientierung doch auch einige unschöne Erinnerung an die Schulzeit. Das alles macht es nicht einfach. Ich habe viele Jahre drüber nachgedacht, habe das als Problem viele Jahre mit mir rumgeschleppt, bis ich es dann eines Tages endlich öffentlich formulieren konnte. Mit schwitzigen Händen und Angst im Nacken. Glücklicherweise unbegründet. Erstaunlicherweise freuten sich alle mit mir, dass ich es endlich gesagt hatte. Weil es eh jedem klar war. Und ich habe Glück dabei gehabt. Andere haben entweder keine Wahl weil sie durch dritte geoutet werden, oder sie machen nach dem Outing negative Erfahrungen. Müssen sich Beleidigungen anhören, erfahren körperliche Gewalt, werden von den Eltern vor die Tür gesetzt.

Und das Outing als Homo machst du nicht nur einmal. Das machst du ständig. Immer wieder. Und es gibt Situationen da ist es einfacher und es gibt Situationen da ist es deutlich unangenehmer. Es gibt Situationen da muss man sich dumme Sprüche anhören, wird dumm angemacht und blöd ausgefragt. Das sind Dinge die machen ein Outing nicht einfach. Weil ich keine Lust habe mich solchen Fragen zu stellen. Weil es sich auch schlicht und ergreifend nicht gut anfühlt diskriminiert zu werden.

Was mich also ärgert an der Aussage: Es impliziert dass ein Outing einfach wäre. Ist es aber nicht. Ich sage nicht dass es einfacher wäre sich für den Therapeutenbesuch zu outen. Ich sage aber auch nicht dass ein Homo-outing einfacher wäre. Ich sage: Beides kann schwierig sein. Beides ist vermutlich auch schwierig, da beides intime Themen sind, welche die Öffentlichkeit so gesehen erstmal nichts angehen. Aber nur dadurch dass man zeigt, dass es viele von einer Sorte gibt, scheint diese Sorte zur Normalität zu werden. Und wenn etwas zur Normalität geworden ist, dann ist ein Outing nicht mehr notwendig.

und nachfolgend noch ein 'ach so einfaches' Outing eines schwulen jungen Mannes:
http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Panorama/d/5325278/outing-endet-in-katastrophe---und-wird-doch-belohnt.html


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Ein Wunsch.

Einen Wunsch. Wenn ich einen Wunsch frei hätte... Ich würde mir wünschen, dass sie niemand mehr umbringt.

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Suizidalität ist nicht wirklich ein Thema, über das häufig und viel und ausreichend gesprochen werden würde. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Zum einen äußern die Betroffenen ihre Suizidgedanken häufig nicht, teils aus Scham weil man so etwas ja nicht tut, teils weil sie sich diese Option einfach offen halten möchten und befürchten an der Durchführung gehindert zu werden. Zum anderen weiß die Umwelt auch nicht wie man mit Suizidgedanken oder der Suizidalität einer nahestehenden Person umgehen soll. Es macht Angst. Da steht auf der einen die Sorge, dass es jemandem so schlecht geht, dass er daran denkt sich das Leben zu nehmen, und auf der anderen Seite ein Stück weit Hilflosigkeit, weil man gar nicht weiß wie man damit eigentlich umgehen soll. Aus Hilflosigkeit entsteht Angst. Angst dass sich dieser nahestehende Mensch wirklich etwas antut und man nicht helfen konnte.

In meiner Arbeit in der Psychiatrie werde ich jeden Tag mit Suizidgedanken und Suizidalität, mitunter auch mit suizidalem Verhalten konfrontiert. Ich habe dabei noch keinen einzigen Patienten erlebt der tatsächlich tot sein wollte. Jeder einzelne will dass sich die derzeitige Situation ändert. Sei das nun die tatsächlich aktuelle Lebenssituation, oder seien es die quälenden Erinnerungen an eine belastende Vergangenheit. Die Betroffenen haben bis zum Punkt an dem sie an Suizid denken, alles in ihrer Macht stehende getan um ihre Situation zu verändern. Sich ein lebenswertes Leben aufzubauen. Sie sind dabei aber aus den verschiedensten Gründen gescheitert. Was dann noch übrig bleibt scheint eine logische Schlussfolgerung: "Mir kann keiner helfen, das wird sich nie ändern und ich will das keine Sekunde länger ertragen." Wie dann mit den Suizidgedanken umgegangen wird ist unterschiedlich. Viele haben zunächst einmal Angst vor ihren eigenen Gedanken, andere gewöhnen sich irgendwie daran und lernen damit umzugehen und wieder andere empfinden ihre Suizidgedanken als trostspendend, da sie wissen dass ihnen diese Option immer offen steht. Viele quälen sich lange Zeit allein damit rum, bevor sie jemandem davon erzählen. Eben weil sie sich schämen dafür, dass sie ihrem Leben ein Ende setzen wollen, weil sie sich schämen dafür nicht anders mit ihren Problemen umgehen zu können. Keinen anderen Ausweg zu wissen. Und häufig auch weil sie andere nicht belasten wollen. Weil wir in unserer Gesellschaft scheinbar auch lernen, dass wir unsere Probleme möglichst allein lösen sollen und niemandem zur Last fallen sollen.

Dann gibt es da noch den Unterschied zwischen Suizidgedanken und tatsächlich suizidalen Handlungen. In der täglichen Arbeit sind wir bemüht mit den Patienten möglichst offen über Suizidgedanken zu sprechen und Absprachen zu treffen mit denen beide Parteien umgehen können. In der Regel ist der Patient durch seine Suizidgedanken stark belastet und will diese loswerden. Und wir wollen mit dem Patienten einen anderen Weg zur Bewältigung der problematischen Situation finden. Ein suizidales Verhalten beschreibt das Ausführen von Handlungen die mit suizidaler Absicht ausgeführt werden. An dieser Stelle gilt es für uns, den Patienten zunächst daran zu hindern sich zu suizidieren und dann im weiteren Schritten auch wieder an anderen Strategien zur Bewältigung der problematischen Situation zu arbeiten.

Ich bin im Übrigen der festen Überzeugung, dass jeder einzelne sich über das Thema Suizid schonmal Gedanken gemacht hat. Auf die eine oder andere Art und Weise. Ich bin auch der Meinung dass man darüber tatsächlich offen reden sollte. Denn ich absolut davon überzeugt, dass kein einzelner sterben will, sondern seine Situation einfach nicht mehr länger erträgt. Und daran sollte man arbeiten. Die Situation zunächst erträglicher gestalten um darauf folgend ein lebenswertes Leben, ein erfülltes Leben zu gestalten. Ich wünsche mir also, dass sich keiner mehr suizidiert, sondern dass jeder die Hilfe erhält die benötigt wird um aus einer ausweglos scheinenden Situation ein neues angenehmes Leben aufzubauen. Weil ich weiß dass das geht.

Ein Suizid hinterlässt immer ratlose Gesichter. Weil keiner so genau weiß wie er damit umgehen soll. In meinem Umfeld gab es bisher 3 Suizide. Nur einer davon eine Patientin von mir. Ich konnte mit keinem so wirklich gut umgehen. Weil man sich immer überlegt, ob man nicht hätte etwas anders machen können. Auch wenn man rein rational genau weiß, dass es die Entscheidung einer Einzelperson war, an der man einfach nichts ausrichten konnte. Aber man weiß eben auch, dass diese Leute Hilfe hätten haben können. Das die Situation durchaus hätte geändert werden können.

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Wir können alle Rassisten sein.

"Der Rassist ins uns" ist der Titel eines Workshops. Die Blauäugigen wurden von den Braunäugigen separiert. Die Braunäugigen befinden sich dabei in der besseren Postion, die blauäugigen stellen die diskriminierte Gruppe dar. Es sind alltäglich zu beobachtende Mechanismen, welche Diskriminierung begünstigen. Es passiert jeden Tag.

... Heute mal wieder was sehr persönliches....

Ich bin das Kind deutscher Eltern. Mit deutschen Großeltern und vermutlich noch Urgroßeltern. Ich habe braune Haare und braune Augen. Eine helle Haut. Und trotzdem habe ich ein Problem mit Diskriminierung. Jeden Tag. Ich bin groß, habe kurze Haare und ziehe Frauen den Männern vor. Ich gehe jedes Mal mit gesenktem Kopf in die Damentoilette. Warum? Weil ich jedes Mal, wirklich jedes Mal irgendwie von der Seite angelabert werde. Ich sei auf dem falschen Klo, ist dabei noch das netteste. Begründung dafür sind keineswegs rassistische und ausgrenzende Hintergründe, sondern das ich zu männlich aussehen würde. Die Schuld wird also mir selbst zurückgegeben. Ich seh nicht so aus, wie es erwartet wird. Das ist vergleichsweise harmlos. Aber das ist Diskriminierung. Es gibt viele Tage an denen macht mir das nichts aus. Da kann ich darüber hinwegsehen. Aber es gibt auch Tage... an denen trifft mich das. Es trifft mich, dass ich in irgendeine Gruppe abgegrenzt werde.

Diese Gesellschaft ist so unfassbar weit von Gleichstellung entfernt wie der Mond von der Erde. Und wenn ich dann Diskussionen darüber lese, dass man schwul nicht als Schimpfwort benutzen sollte, werde ich regelmäßig wirklich ärgerlich, weil das am eigentlichen Problem so meilenweit vorbei geht. Es geht nicht um irgendwelche Beleidigungen und Schimpfwörter. Es geht um den Alltag. Um die gleiche und gleichwertige Behandlung im Alltag. Und wenn wir (ihr) das hinkriegen, können wir meinetwegen auch über die akzeptablen Schimpfwörter reden.

--> Der Rassist in uns: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2174378/Der-Rassist-in-uns

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Wir sind hier doch alles Psychologen.

Diskussionen in Moodle....

Meist ist nicht viel los in Moodle. Jedes beginnende Semester kommen neue Leute, die alte Dinge fragen, weil sie nicht zu verstehen scheinen wie eine Suchmaschine funktioniert. Das gehört dazu zu so einem Forumsleben. Hin und wieder kommt es zu längeren Diskussionen zu ganz verschiedenen Themen. Desöfteren sind dort dann die bekannten Kommunikationsprobleme zu beobachten wie zum Beispiel Ironie, die in geschriebenen Beiträgen häufig nur schlecht zu erkennen ist. Oder aber die eigenwillige (aber durchaus nicht abwegige) Interpretation fremder Beiträge, sodass man sich selbst dann als Person angegriffen fühlt und verbal zurückschlägt. Weil man offenkundig vergessen hat, dass man sich aktuell in einer Diskussion ohne Mimik und Gestik befindet, und weil man wohl auch vergisst, dass man bei Verständnisproblemen einfach mal nachfragen könnte.

Für mich gibt es mindestens einen Brüller-Satz an dem jede Moodle-Diskussion ihr Ende findet. Was danach folgt ist meist nicht mehr zu gebrauchen. Irgendwann kommt immer einer der es rausposaunt: "Wir sind doch hier alles Psychologen..."
Ich frage mich jedes verdammte mal: Und nun? Nur weil wir "doch alles Psychologen" sind, können wir theoretisch alle ganz super diskutieren? Nur weil wir "doch alles Psychologen" wären wir in der Lage einander zu verstehen? Nur weil wir "doch alles Psychologen" sollen wir alle mal schön nett zueinander sein? Ein Maschinenbau-Student kann doch auch nicht zwingend einen Eierkocher reparieren!

Darüber hinaus sind "wir alle" dort gar keine Psychologen. Die meisten sind auf dem Weg zu einem B. Sc. in Psychologie. Danach dürfen wir uns nicht Psychologe nennen. Das dürfen wir erstritt einem M. Sc. in Psychologie. Also sind "wir alle" schon mal keine Psychologen. Allenfalls angehende. Aber das dürfte man so auch nicht sagen, weil die Bachelors sind ja gar keine Psychologen. Streng genommen. Insofern ist diese Aussage schonmal von rundweg falsch. Und von der anderen Seite betrachtet einfach dumm, weil sich hinter der Aussage absolut kein Inhalt versteckt.

Aber ein gutes hat der Satz: Wenn der Satz kommt, ist die Diskussion tot. Da gehen dann noch ein paar weitere inhaltsleere Postings ins System, da gibt es dann noch ein paar Wiederholungen von bereits gesagtem. Aber die Luft für Inhalte wurde verpestet. Man kann sich also dann getrost zurückziehen.

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Beziehungsratgeber

beziehungsproblem
Fotoquelle: http://www.flickr.com/photos/polarity/

Die meisten meiner Freunde wenden sich nicht an mich, wenn sie Fragen bezüglich ihres Beziehungsstatus zu einer weiteren oder mehreren weiteren Personen haben. Das mag seine Gründe haben, die dem Einzelnen möglicherweise gar nicht mal so bewusst sind. Mein ganz persönliches Erklärungsmodell: Es hat einen guten Grund, dass man mich nicht fragt.

In solchen Dingen geht es häufig darum, dass der Gegenüber seelisch-moralischen Beistand sucht und eher weniger auf der Suche nach gewinnbringenden Ratschlägen ist. Die Betütelungsvariante ist eher weniger mein Verhaltensmodell. Ich kann mich daneben setzen und mir das ganze anhören. Ja, im zuhören bin ich ganz gut. Wenn es dann aber um diese liebevoll-aufmunternden Gespräche geht, dann bin ich darin nicht so gut. Deshalb kommen nicht so viele Leute mit ihrem Liebeskummer zu mir. Und das ist auch gut so. Denn sonst käme ich ja immer wieder in die Verlegenheit zu bemerken, das ich da ein Defizit habe. Und wer merkt sowas schon gerne?

Was ich im Gegenzug - glaube ich - ganz gut kann ist: Ehrlichkeit. Wenn es wirklich gewünscht ist (was meiner Erfahrung nach eher selten der Fall ist, in der sozialen zwischenmenschlichen Kommunikation), dann gebe ich gerne meine ehrliche und ganz persönliche Einschätzung zum Thema. Oft ist das dann so, dass solche "Ratschläge" nicht wirklich erwünscht sind, da sie zumeist den Gegenüber dazu auffordern, exakt das Gegenteil von dem zu tun was sie bisher getan haben, bzw. was der derzeitige Handlungsimpuls will.

Und weil das anstrengend ist, fragt man mich selten in solchen Dingen. Möglicherweise wirke ich auch einfach nicht sonderlich kompetent auf dem Feld der Beziehungsratgeber. Mein Erklärungsmodell gefällt mir hier allerdings deutlich besser.

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Das Master-Desaster.

Nachdem ich jetzt endlich Mitglied im BDP (Berufsverband für Psychologen) geworden bin, erhalte ich regelmäßig einen Newsletter. Heute kam mal wieder einer.

Interessanteste Info für mich: Auch die DGPs (Deutsche Gesellschaft für Psychologie) hat nun eingesehen, dass die Struktur dieser Bachelormisere einfach furchtbar ist. Wir müssen einen Numerus Clausus zum Bacheloreinstieg hinlegen der für Durchschnittsmenschen schlichtweg unerreichbar ist. Oder man ist hartnäckig und sitzt seine Wartesemester (10-12) ab und freut sich dann über die Studienzugangsberechtigung. Oder man geht an die FernUni Hagen, die aber im Bachelorstudium keine Klinische Psychologie anbietet. Und abgesehen davon ist ein Fernstudium auch einfach nicht Jedermanns Sache.

Irgendwann während des Bachelorstudiums (ich glaub es war am Ende meines fünften Semesters (von insgesamt 12 Semestern) wurde dann auch mir klar: Verdammt! Wenn ich den Bachelor dann in der Tasche habe, dann habe ich noch lange keine Berechtigung zum Master. Die Geschichte wiederholt sich. Es gibt nur für einen Bruchteil der Bachelorabsolventen einen Masterplatz. Also wieder einen NC. Wer einen Bachelorschnitt hat der schlechter als 2,0 erreicht hat, der faktisch kaum eine Chance sein Studium zu Ende zu führen. Wäre möglicherweise halb so tragisch, wenn man mit seinem Bachelorabschluss denn eine Anstellung finden würde. Der Arbeitsmarkt für B.Sc. in Psychologie existiert aber praktisch nicht. Wer mit dieser Qualifikation eine Anstellung gefunden hat, der hat die Nadel im Heuhaufen gefunden.

Die Forderung sollte also nicht sein, dass ein Arbeitsmarkt für Bachelorabsolventen geschaffen wird, sondern dass jeder der sein Studium mit dem Master abschließen will, diese Chance auch erhalten soll. Was soll dieser Mist mit der doppelten Bewerbung für einen Abschluss?

Pressemitteilung der DGPs.Mehr lesen...
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Ehegattensplitting für alle.

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Der heutige Tag gibt Anlass zum feiern. Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden, dass die bisherige Regelung bezüglich des Ehegattensplitting verfassungswidrig ist. Bisher konnten die Steuervorteile die durchs Ehegattensplitting entstanden sind nur von Hetero-Paaren genutzt werden.

Jetzt muss die Regierung handeln. Jetzt geht das nämlich nicht mehr. Also nicht mehr wie bisher, denn auch Homo-Paare sollen vom Ehegattensplitting profitieren können. Vor dem Bundesverfassungsgericht gibt es hier nämlich keinen Unterschied zwischen "Ehe" und "eingetragene Lebenspartnerschaft".

Vielleicht schaffen wir es in diesem Zug zu einer Ehe die für alle gleichermaßen gilt. In der keine Unterschiede zwischen Hetero und Homo gemacht wird?!

http://www.tagesschau.de/inland/ehegattensplitting-karlsruhe100.html

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Tanzverbot

Im Radio läuft heute die Diskussion: Pro oder Contra Tanzverbot.

Meine Meinung ist ganz klar gegen ein Tanzverbot aus folgenden Gründen:
- es ist mein Wochenende
- Staat und Kirche sollten getrennt sein
- ich find die Kirche und ihre Machenschaften sowieso völlig daneben, und wäre schon längst ausgetreten, wenn ich nicht zu faul wäre mir die Zeit zu nehmen um zum Bürgeramt zu laufen.



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Im Radio sind dann Beiträge von fleißigen Hörern zu hören, die mitteilen, dass der Mensch an sich ja schon so stressige Berufe haben und man doch einfach mal innehalten sollte. Dem setze ich entgegen: Entschuldige mal?! Wer bist du denn, darüber zu entscheiden, was anderen gut tut und was nicht? So eine Aussage kann nur jemand treffen, der Montag - Freitag arbeitet und jedes Wochenende frei hat.
Menschen die im Schichtdienst mit Wochenendbeteiligung arbeiten haben oft nur an wenigen Wochenenden Zeit weg zu gehen und zu tanzen. Gut manche mögen das nicht und schieben lieber ne ruhige Kugel. Das ist okay so, aber das ist ein anderes Thema.
Ich habe jetzt mal wieder ein Wochenende frei. Es ist Ostern. Ich würde gerne feiern gehen. Aber es geht nicht. Innehalten kann ich an meinen anderen freien Tagen unter der Woche. Was soll das überhaupt sein?! Innehalten? Den Fokus auf die eigenen Bedürfnisse lenken und ausruhen?!

Sorry, wer das nicht im Alltag einbauen kann ist selbst Schuld und tut mir auch nicht leid. Ich brauche dafür keine kirchliche Verordnung.

(und der Vollständigkeit halber: natürlich freue ich mich über kirchliche Feiertage. Aber wenn die der Konsequenz halber abgeschafft werden würden, dann wäre auch das in Ordnung. Eben weil ich nicht hinter der Kirche stehe.)

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Weihnachten wird unterm Baum entschieden?!



Solcher und ähnlicher Werbung mit eben diesem Slogan kann man dieser Tage eigentlich nur dann entgehen, wenn man zu hause bleibt und ein Buch liest.
Denn sie ist überall anzutreffen: TV, Internet, Prospekte die ungewollt im Briefkasten liegen, Radio, Riesige Plakate an der Straße.

Soweit so gut. Eigentlich stört es mich nicht weiter. Ich finde die Werbekampagne die derzeit läuft genauso bescheuert wie alle anderen von MediaMarkt. Zudem hat MediaMarkt mit dieser Kampagne es - wieder einmal - geschafft in aller Munde zu sein. Ob der Konzern damit positiv oder negativ im Gedächtnis haften bleibt ist zunächst einmal nebensächlich. Wichtig ist doch, dass man überhaupt irgendwie im Gedächtnis haften bleibt. Wegen des Wiedererkennungswertes und so.

Aber eigentlich sollte es gar nicht darum gehen, ob ich die Kampagne gut oder schlecht finde, und ebenso wenig wollte ich was darüber erzählen wie ich MediaMarkt finde.

Was ich erzählen wollte ist, dass ich mir Gedanken über eben diesem Slogan gemacht habe:

1. Warum sollte Weihnachten unterm Baum entschieden werden? Vielleicht gibt es Leute die unter einer Palme feiern, oder gar kein behängtes Grünzeug in der Wohnung haben, aber trotzdem Weihnachten feiern. Oke das mag nicht die Mehrheit der deutschen sein, aber trotzdem.

2. Warum sollte Weihnachten überhaupt entschieden werden? Sind wir hier bei nem Pferderennen und die Frage ist ob du auf's richtige Pferd gesetzt hast und dich von nun an Wettkönig nennen darfst?

3. Warum verticken die da in der Werbung immens teure Geschenke?

4. Warum regt sich Deutschland über diese Werbung auf? (diese Info stammt aus zwielichtiger Berichterstattung der Kabelkanäle)

Im Endeffekt rede ich nun doch mehr über die Kampagne alswie ich wollte. Aber so ist das jetzt. Ich glaube, dass die Werbekampagne ziemlich genau den Nagel auf Kopf trifft. Ist es nicht so, dass die Gesellschaft in den letzten Jahren immer mehr kommerzialisiert ist? Ist es nicht so, dass Kinder immer mehr/ größere/ tollere Geschenke erwarten? Ist es nicht so, dass Eltern sich Vorwürfe machen, wenn sie die Wünsche ihrer kleinsten nicht erfüllen können?
Ich sehe da mein - allseits beliebte - Bildungsbürgerfamilie vor mir: Vater Vollzeit berufstätig, Mutter ist Hausfrau und Halbtagsberufstätig, das Kind ist vormittags in der Schule und nachmittags im Wechsel beim musizieren oder im Sportverein. Die Bildungsbürgereltern wollen nur das beste für ihr Kind. Sie machen alles - natürlich - besser als ihre eigenen Eltern (würde ich auch tun, bzw. versuchen... aber ob das klappen würde....). Sie lesen Bücher zum Thema erziehen, lesen dort, dass sie dem Kind Grenzen aufzeigen müssen (aber ja keine Gewalt) und setzen das um:
"Jean-Luca, wenn du jetzt den Nikolaus essen willst, dann musst du danach Hausaufgaben machen." "Jean-Luca, wenn du deiner kleinen Schwester Kiara-Jeanette die Schaufel wegnimmst ist sie ganz traurig und bekommt später mal Depressionen"

Das ist jetzt zunächst nicht weiter schlimm. Die Bildungsbürgereltern wissen es nicht besser. Sie denken das ist gut so, denn dann lernt das Kind gleich die Gründe dafür irgendetwas besser zu lassen und was anderes zu machen. Was sie dabei leider übersehen (weil sie nicht in die Zukunft gucken und am allerwenigsten hinter ihren eigenen Rücken sehen können) ist dass Jean-Luca ihnen ein paar Jahre später die Zunge rausstrecken und die Familie im Griff haben. Also die Eltern zumindest... was mit der kleinen Kiara-Jeanette ist wissen wir nicht.
Was ich sagen will: Die Kids wissen wie sie es anstellen müssen um das zu bekommen was sie haben wollen, sie wissen nämlich genau, dass die Eltern im Grunde nur das Beste für sie wollen und dass sie ihr Kind auf keinen Fall enttäuschen wollen (denn im Erziehungsratgeber stand ja, dass sowas psychische Schäden auslösen kann).

Und genau deshalb gibt es solche Werbung. Und ich finde es völlig in Ordnung.

Ich für meinen Teil freue mich auf ein paar freie Tage, die ganz viele andere auch frei haben. Und weil das so ist, besteht hier eine große Möglichkeit (gerade für Familien mit vielen Angehörigen aus dem Schichtdienst) möglichst komplett einen schönen Tag zu verbringen und an den anderen Tagen den Rest der Familie zu besuchen. Ich ich darf Menschen beschenken. Weil ich das nämlich gerne mache. (Aber sicherlich nicht mit einem Kühlschrank, wie die Werbung das zeigt)

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Herr, lass Hirn regnen

Wurde ziemlich viel gesagt zu dem Thema in letzter Zeit. Besser wäre gewesen, wenn dazu weniger gesagt worden wäre und mehr passiert wäre.
Ist aber nicht.
Stattdessen haben wir - mal wieder - eine Diskussion über Rechtsextremismus, Neonazis und Terror. Eine halbherzige Diskussion die zu keinem sinnvollen Ende führen wird.

Was ist passiert? Neonazis haben Leute umgebracht. Das ist schlimm und völlig daneben. Darüber braucht man nicht zu diskutieren. Um das ganze ein wenig nüchterner zu sehen: Es werden jeden Tag Menschen aus den niedersten Beweggründen umgebracht. Auch das ist schrecklich und völlig daneben.

Ich will nicht das runterspielen und verharmlosen was passiert ist. Ich will keine Lanze brechen für rechte Gewalt. Ganz sicher nicht. Im Gegenteil. Aber ich bin auch gegen künstliche Aufbauscherei. Wenn die linken irgendein Chaos produzieren und sich gewaltsam auflehnen, ist das Geschrei jedesmal groß. Wenn es in Demonstrationen Ausschreitungen gibt wird häufig der black-block als Schuldiger schnell gefunden. Wenn am 1. Mai Autos brennen dann sind sie wieder schuld. Autonome, Linke. Dann ist die Berichterstattung wieder voll von Themen über die Gefahr die von links kommt.

Dieser Tage ist es einmal umgekehrt. Neonazis haben gemordet. Die Polizei hat sich - offensichtlich - grobe Fehler geleistet, was noch mehr Leben gekostet hat. Das sind Dinge die passieren.
Was macht die Politik jetzt: Sie reden. Sie reden, und wollen Geldmittel locker machen um den Hinterbliebenen irgendeine abstruse Form von Schadensersatz leisten. Wozu? Das macht die Toten nicht lebendig und andere werden auch ermordet. Nur dann eben nicht von irgendwelchen Rechten. Für mich wirkt das eher wie Schweigegeld: "Hier nehmt das mal, dann seht ihr dass wir wirklich gewillt sind etwas zu tun. Und wenn nicht habt ihr auch keinen Grund zu schimpfen, weil ihr habt ja Geld bekommen".

Mag sein, dass ich mit meiner Meinung einen extrem ungläubigen Standpunkt einnehme. Aber das ist mir egal. Ich jedenfalls glaube kein Wort von dem was da in den Medien von unseren netten Politikern erzählt wird.

Da wird jetzt 1-2 Wochen drüber geredet, bis was interessanteres passiert und dann wird es vergessen sein. Dann fragt auch keiner mehr danach was denn nun passiert, wie denn nun gegen Rechtsextremismus in Deutschland vorgegangen wird. Weil dann ist bestimmt wieder irgendetwas anderes schreckliches passiert.

NPD verbieten. Und selbst wenn? Damit wäre es sicherlich nicht getan. Aber es klingt halt gut. Das ist worum es geht. Es muss nicht im geringsten ehrlich oder aufrichtig sein, aber es muss sich gut anhören.

Was jetzt noch zu sagen wäre:



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Von Prinzessinnen und Polizisten

prinzessin



Gestern war ich auf einem Geburtstag. Mit Motto: Prinzessin. Abgesehen davon, dass ich nun wahrlich keine Prinzessin bin fügte ich mich dem Motto. Zog mir wenigstens ein Hemd und eine schicke Hose an und garnierte mein Haupt mit einem hübschem Krönchen. Und der Abend sollte sehr schön werden. Es war ein bisschen wie Kindergeburtstag, es gab viel Kuchen und anderes leckeres Essen, es wurden Filme nebenher geschaut und am Ende bekam jeder eine Kleinigkeit mit auf den Heimweg.

Der Heimweg. Eigentlich wie immer. Bis kurz vor dem Ziel. Wir fuhren also im Auto unseres Weges unterhielten uns ganz nett und dann *woff*platsch*. Scheibenwischer gingen an, Vollbremsung wurde eingeleitet und die Fahrerin stieg wutentbrannt aus. Sie lief ein Stück zurück und brüllte Leute auf einem Balkon an. Mittlerweile hatte auch ich registriert was eigentlich passiert war. 
Da standen 2 Halbstarke auf dem Balkon und warfen Wasserbomben auf vorbeifahrende Autos. 
Unsere Fahrerin kam zurück immer noch brodelnd um kurz vorm explodieren und fragte uns was wir tun sollten. Wegfahren oder Polizei rufen?! Wir entschieden uns also für letzteres schon allein der Genugtuung wegen und weil diese
dämlichen Kackbratzen jungen Erwachsenen offensichtlich einen Denkzettel brauchten um zu erfahren, dass sie nicht alles machen können wonach ihnen der Sinn steht.

Also warteten wir eine halbe Stunde auf den Streifenwagen, schauten uns die Sterne und den wirklich wunderhübschen Vollmond an. Zwischendurch kamen die beiden auf uns zu. Später erklärte sie der Polizistin, dass sie ganz normal versuchte hätte mit uns zu reden. Leicht unglaubwürdig wurde ihr Erklärungsversuch dadurch, dass sie die Dame genauso anzickte und anblökte wie sie es zuvor bei uns schon getan hatten.

Da standen wir dann also. Mit zwei Polizisten und Kevin und Schakkeline (ich nenn sie jetzt einfach mal so, denn genauso haben sie sich aufgeführt). 

Wir beide als Mitfahrer relativ unbeteiligt musste uns aber echt zusammenreissen um nicht völlig zu platzen. Vor lachen. Da standen also zwei (nicht ganz so mit Hirn gesegneten) junge Erwachsene und zickten die Polizei an. Also zumindest Schakkeline. Kevin tat wenigstens so als würde er kapieren um was es geht. Da frage ich mich: Was lernt man aus Harzt IV TV wenn nciht, dass man Polizistinnen nicht anzicken sollte, weil man sonst ganz schnell Probleme bekommt.

Bei dem Ganzen ging es ja weniger um ne Anzeige. Das war ja von vornerein klar, dass dies Unterfangen eher schwierig und nutzlos ist. Aber einen Denkzettel sollten die beiden bekommen. Und dass hat die Polizei wirklich vorzüglich und zu unserer Erheiterung erledigt.

"Isch hab mehr gelernt wie ihr zusammen, alter!" Der Spruch des Abends. Danke Schakkeline.

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Wer ist bei euch eigentlich der Mann?

Diese Frage begegnet uns in letzter Zeit immer häufiger. Früher ist mir diese Frage nie so häufig begegnet, vielleicht lag das daran, dass meine vorherige Freundin äußerlich viel weiblicher war. (Sprich sie hatte lange Haare). Und vielleicht schloss der Beobachter dann daraus ganz einfach dass ich der Mann in der Beziehung wäre.

Ehrlich gesagt hab ich mir da auch nie die Gedanken drüber gemacht. Aber wie gesagt: In letzter Zeit häufen sich die Fragen. Wobei meistens eher meine Freundin gefragt wird, als ich. Sie sagt zu dem Thema schon gar nicht mehr viel ausser: "Der nächste der die Frage stellt kriegt eins auf die Nuss!"

Die Antwort auf diese Frage finde ich relativ unspektakulär. Aber dennoch versuche ich mich daran: Ich kenne in meinem Freundeskreis keine - lesbische - Beziehung in der die Frage nach der Männerrolle irgendwie von Bedeutung wäre. Am ehesten bekommt man da noch zu hören: "Ich bin eine Frau die Frauen liebt." Damit ist diese
dämliche Frage beantwortet. In der Beziehung sind also beide - im besten Fall gleichberechtigte - Frauen. (Dasselbe gilt für die mir bekannten schwulen Paare)

Interessanter wird es bei der Herkunft nach der Frage. Die besteht nämlich in der Unwissenheit über alles was hinterm Tellerrand ist. Die meisten Heterosexuellen (im weiteren einfach "Heten" gennant, weil kürzer) befassen sich nicht mit dem Thema. Ausser sie lernen zufällig jemanden kennen der Homo ist. Dann geht die Gehirnmaschine an und es wird alles dort verarbeitet was man in den Medien so zu Nicht-Hete erfahren hat. Dass es Lesben und Schwule, sowie Bisexuelle und Transsexuelle gibt. Das dabei nur Mist rauskommen kann, liegt geradezu auf der Hand. Denn die mediale Berichterstattung ist eher dürftig bis schlecht. Und wenn was interessantes kommt, dann in der Regel nach 23:00. Uhrzeiten in denen der Über-18-Content läuft. Und andere anstößige Sachen. Mit normalem Leben hat das in diesen Dokus/ Filmen meistens nichts zu tun.

Ich glaube, dass es dieses krasse Rollenverständnis überhaupt gar nicht mehr gibt in modernen Beziehungen. Egal ob Hete oder Homo. Früher war das so, da is der Mann aufs Feld/ den Bau/ die Arbeit halt und die Frau stand am Herd bei den Kindern. Heute gehen oft beide Partner arbeiten, beide kümmern sich um die Kinder und beide kochen. Wobei sicherlich in jeder Beziehung individuelle Schwerpunkte gesetzt werden. Der eine kocht halt öfter, während der andere mehr putzt, oder sowas.

In meiner Beziehung ist das ähnlich. Ich stehe nicht gerne in der Küche. Koche einfach nicht gerne. Meine Freundin macht das gerne. Also kocht sie. Ich wasch dann halt ab und mach andere Sachen.
Übrigends kenne ich diese Rollenaufteilung auch nicht von meinen Eltern. Meine Eltern waren beide Berufstätig. Mein Vater hat dann viel Nachtdienst gemacht, damit irgendwer noch tagsüber für uns Kinder da ist. Er hat sich also für die Schule fertig gemacht und meine Mutter war auch mittags häufig noch auf der Arbeit, wenn wir von der Schule kamen. Er hat abends häufig gekocht. Viel häufiger wie meine Mutter. Und ist er deswegen jetzt eine Frau!?

Was es allerdings wirklich gibt - in der Lesbenwelt - ist ein individuelles Gender-/ Rollenverständnis. Was aber nichts mit der Rolle in der Beziehung zu tun hat. Da gibts dann die Stempel Butch, Femme, Tomboy, Girlie. Aber das ist ein anderes Thema.

Also in einer Heten-Beziehung ist die Rollenfrage ja im Endeffekt durch die sekundären Geschlechtsmerkmale geklärt. Woraus sich aber eigentlich nicht die eigentliche Rolle in der Partnerschaft erklären lässt.

Die Frage ist also nicht wer der Mann ist. Sondern warum immer noch so sehr von Äußerlichkeiten auf Inneres und Soziales geschlossen wird?! Das ist doch blöd.
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Ganz-knapp-vor-dem-Super-Gau, oder doch nicht?

Angeregt  durch einen anderen Artikel kam ich ins nachdenken und stellte fest, dass es sich bei mir ähnlich verhält.
Ich gehe davon aus, dass nahezu alle gerade mitfühlen und mitfiebern zu den Vorkommnissen in Japan. Die Erbeben + Tsunami Opfer werden viele sein. Einige werden vermutlich gar nicht  mehr gefunden, weil sie aufs Meer hinausgezogen wurden. Das ist alles ganz schrecklich.
Ich gehe davon aus, das einige der Mitarbeiter des Fukushima-Kraftwerks erkranken werden, an Krebs oder was auch immer diese Strahlung mit dem Körper anstellen mag. Vielleicht gibt es insgesamt die nächsten Jahre eine höhere Krebsrate in Japan. Vielleicht aber auch nicht.

Wie gesagt: Das ist alles ganz furchtbar und schrecklich. Einige können es schon nicht mehr hören und nicht mehrr sehen, sind in gewisser Weise verstört durch die vielen Bilder und Beiträge. Andere behaupten, das radioaktive Problem sei Hausgemacht. "Wer baut denn schon ein AKW in einem Erdbebengebiet?". Ganz Japan ist ein Erdbebengebiet. Wo sollen sie es denn hinstellen? Ich bin mir sicher dass Japan der festen Überzeugung war, dass ihre AKW solch schlimmen Erdbeben standhalten.


Aber jetzt haben wir den Salat. Viel mehr: Japan hat den Salat. Für uns ist der drohende Atom-Gau  gesundheitlich eher wenig bedenklich (auch wenn sich einige Idioten hierzulande mit Geigerzähler und Jodtabletten eindecken).


Sascha Lobo schrieb in seinem Artikel, das eine Stimme in seinem Kopf sich den Atomgau herbeisehnt. Nach dem Motto: "Wann passiert es denn endlich". Auch ich habe mich bei ähnlichen Gedanken ertappt, obwohl ich mir auf jeden Fall den gegenteiligen Fall wünsche. Ich wünsche mir, dass sie diese Reaktoren irgendwie gekühlt werden können, dass nicht noch mehr Umwelt radioaktiv verseucht wird. Es wird jetzt schon genug sein. Genau weiß es keiner. Vielleicht wissen es die Obersten der Regierung wie schlimm es wirklich aussieht. Die Bevölkerung jedenfalls weiß es nicht. Und ich auch nicht. Vielleicht ist dass der Grund warum irgendein Teil in mir auf den GAU wartet. Das wäre die Gewissheit. Keine angsteinflößende Ungewissheit. Bis jetzt ist es eher die Angst vor dem Unbekannten. Eine vage, bitter schmeckende Vermutung. Nach einem GAU wäre die Zeit des Vermutens und Spekulierens vorbei. Dann muss man mit den üblen Tatsachen umgehen und arbeiten. Vielleicht liegt es an mir, dass ich ein Mensch bin, der lieber mit rationalen Tatsachen arbeiten möchte. Um dann sagen zu können: Ich schaffe, das. Es wird auch wieder besser. Vielleicht ist dieses Denken aber auch einfach menschlich. Ich weiß es nicht. Ich kann hier nur für mich sprechen. Und mehr will ich auch gar nicht.

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Apocalypse Now - Tokio Drift

Die Geschehnisse in Japan könnten auch der Trailer für einen Katastrophenfilm sind. Sind sie aber nicht. Ist alles real passiert und passiert immer noch.

Nicht das ein verheerendes Erdbeben und der vernichtende Tsunami im Anschluss ausgereicht hätten. Auch um den ausbrechenden Vulkan kümmert sich keiner mehr. All diese Naturereignisse die schon für sich genoommen schreckliche Folgen für das kleine Land haben rücken in den Hintergrund. Wirklich gefährlich und bängstigend scheinen nur noch die Ergeinisse im Atomkraftwerk Fukushima 1. Täglich, fast stündlich kommen neue Schreckensmeldung aus den Reaktoren. Bis jetzt sind 3 Reaktoren explodiert, ein vierter hat gebrannt. Um die zwei anderen Reaktoren macht man sich auch Sorgen, da die Kühlsysteme dort auch nicht wirklich ordnungsgemäß funktionieren.


Zu all dem addieren sich dann noch die schwammigen Informationen, welche die japanische Regierung herauslässt. Immer wieder stückchenweise. Immer wieder wird zurückgerudert. Manches wieder dementiert. So ganz genau weiß keiner was los ist im Akw. Vermute ich. Mittlerweile wurde der Unfall als schwere Unfall  eingestuft. Nach
INES-Skala Stufe 6. Damals in Tschernobyl war es Ein katastrophaler Unfall der Stufe 7.

Viele der Anwohner, und Bewohner der umliegenden Ortschaften (zumindest was davon noch übrig ist), wurden und werden evakuiert. 


Der Schutz der Reaktoren war für die Arbeiter in Fukushima sicherlich ein Kamikaze-Kommando. Und die Aufräumarbeiten werden es ebenso. Dort sind sicherlich einige verstrahlt worden, und werden vermutlich noch immer verstrahlt.
Gesund ist das nicht. Aber irgendwer muss dableiben und den Schaden begrenzen.

Trösten kann da auch nicht, dass die Strahlenwolke nicht in Deutschland ankommt. Aber auswirken wird es sich dann doch. Auch auf Deutschland. Immerhin kommen viele Waren und Güter aus dem asiatischen Raum. Auch Japan. Vor allem Autos. Auf die Börse hat es jetzt schon Auswirkungen.

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FCKH8 oder die Tatsache des Mobbing

gefaengnis


Wir wissen es alle, und wir kennen es alle. Das Mobbingproblem in der Schule. Einige werden gemobbt, gepiesackt, fertig gemacht, andere halten sich aus und wieder andere sind verantwortlich für das Leid der Geplagten.

In den USA ist das Thema des "Bullying" grad (wieder) hoch im Kurs. Vermutlich aus Mangel an Kriegen oder so. Es ist kein neues Problem. Ich denke aber, dass es immer schlimmer und krasser wird. Im Sinne von Höher - Weiter - Schneller. Die Auswirkungen von solch einer Gesellschaftsstrukturen sahen wir erst kürzlich im Deutschen Fernsehen bei "Wetten Dass...?"

Wie schon so oft besungen "Die Gesellschaft ist Schuld, dass ich so bin". Ist irgendwo eine Ausrede, da wir doch angeblich alle mündige Menschen und Bürger (naja das vielleicht auch weniger) sind, die ihre Entscheidungen selber treffen. Das stimmt natürlich. ABER. Der Einfluss der Gesellschaft ist beträchtlich. Der Druck und die Erwartungen auf die Kids wächst. Jugendliche die eigentlich noch Kinder sein wollen, sollen erwachsen sein. Das System kann nicht funktionieren. Der Druck wirkt auf die Kids ein, irgendwo müssen die Kids das auch wieder rauslassen. Man sucht sich entweder einen Sportverein, eine Psychiatrie, oder ein Opfer.

Die Zahl der Opfer steigt... vermutlich irgendwie korrelierend mit dem ansteigenden Druck. Das Ergebnis sieht man in den USA (und hier auch, aber hier spricht man nicht drüber, also sprechen wir lieber über andere). Aggressionen, Vandalismus, Drogen, Suizid.

Nun kann man einfach sagen: Es wird besser wie das eine Youtube-Kampagne tut
"it gets better" .
Kann man machen. Ob es wirklich was bringt? Bei einigen vielleicht schon. Bei den Kids die sich umgebracht haben, bezweifle ich eine positive Wirkung, solcher Videos die einem Mut zusprechen und einen auf 2/3/4 Jahre später vertrösten. Es geht ihnen jetzt schlecht. Sie haben jetzt eine klinisch bedeutsame Depression. Die ist jetzt behandlungsbedürftig. Und in den wenigsten Fällen geht sie einfach so weg. Die Kampagne kann helfen. Vor allem um das Bewusstsein für die Missstände zu schärfen. Social Media ermöglicht es dann auch, dass es den erreicht, den es eigentlich nicht interessiert. Vielleicht.

Viel toller und wirkungsvoller finde ich die Kampagne von
fckh8 mit einem aggressiv gestimmten Videoclip: 



FCK BULLIES by FCKH8.com: DON'T B H8N ON THE HOMOS! from FCKH8.com on Vimeo.


Die Kampagne ist frech, witzig und laut. Sie schreit lauthals in die (Social Media) Welt: Gleichberechtigung ist in! Homophobie ist out!
Da fällt mir ein Lied von Farin Urlaub ein was wunderbar passt.




Es ist scheißegal, völlig schnurzpiepfurzegal was du bist, solange du weißt, was und wer du bist. Und solange du glücklich damit bist.

Ich weiß wer ich bin, was ich bin und manchmal sogar warum ich das bin. Ich bin glücklich damit und manchmal sogar stolz drauf.

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Pflegewüste Deutschland

Der Impuls hierfür kommt hierher.

Die meisten Pflegekräfte würden sich nicht freiwillig in dem Krankenhaus behandeln lassen, in dem die arbeiten. Weil sie wissen welcher Mangel in der Pflege besteht. Nur die Hälfte der Pflegekräfte desinfiziert sich laut einer Studie die Hände vor dem Patientenkontakt. Nach meiner Beobachtung während der Ausbildung sind es noch weniger.


Die Zahl der Ärzte ist dank viele Einstellung um 26% gestiegen. Im gleichen Zeitraum ist die Pflege um knapp 15% dezimiert worden. Der Durchlauf an Patienten steigt stetig dank Fallpauschale.


Der Staat ist der festen Überzeugung dass im Gesundheitssektor am meisten Kohle gespart werden kann. Das mag vielleicht stimmen. Aber bitte nicht am Personal. Denn meine bescheidene Rechnung sieht so aus: Weniger Personal -> mehr Fehler -> Anstieg von Nosokomialen (Im/Durch das Krankenhaus erworbene) Infektionen. Un diese Infektionen kosten. Das Krankenhaus, die Krankenkassen, den Staat. Und wenn ich dann wieder zurück zum Punkt gehe dass sich nur jede zweite Pflegekraft die Hände desinfiziert.... da wird mir ganz schwindelig. (Von der Zahl der Ärzte rede ich lieber nicht...)


Und was droht der Pflege als nächstes? Der Wegfall der Zivildienstleistenden, die immer noch einiges abfangen konnten, dadurch dass sie die "Drecksarbeit" machen. Popo abwischen, auf den Topf setzen, Betten beziehen, Patienten rumschieben. Allerhand Nebenarbeiten die ins Aufgabenfeld der Examinierten Pflegekräfte fallen, aber von eben diesen nicht mehr im chaotischen Zeitplan untergebracht werden können.


Traurig siehts aus für die Pflege

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Ethik und die Pflege

Ethik per Definition ist die "Lehre vom sittlichen Wollen + Handeln des Menschen in verschiedenen Lebenssituationen". Ethik kann "Normen und Maximen der Lebensführung , die sich aus der Verantwortung anderen gegenüber anderen herleiten" geben.

Ethik beschreibt und Beurteilt also das Handeln, ohne jedoch Vorschriften über richtiges Handeln zu geben.

Normen: Sind allgemein gültige Regeln + Leitlinien, welche das moralische Handeln von Menschen leitet. ("Du sollst nicht Töten")
Maximen: Beschreibt die Vorstellung des Menschen, welche Aspekte als wichtig erscheinen. Können somit als Werte gelten. (Gesundheit, Frieden...)

Ethik in der Pflege:
Gibt Hilfestellung zur Reflexion von Werten und Normen beim Umgang mit anderen Menschen. Auch hilft Ethik beim Wahrnehmen der eigenen ethischen Verantwortung.
Die ethische Verantwortung besteht darin die Autonomie und das Recht auf Selbstbestimmung des Einzelnen zu achten. Aus der Verantwortung heraus entstehen durchaus Konflikte im Pflegealltag
  • Der 8-jährige Jonas muss eine Tablette nehmen, die sehr bitter schmeckt. Er weigert sich, da er die Tablette schon nimmt, und er brechen müsse, wenn er sie nimmt. Aus pflegerischer und medizinischer Sicht ist es jedoch wichtig, das Jonas die Tablette nimmt.
In einer solchen Situation muss jetzt ein eigener Entscheidungsprozess entwickelt werden, ob Eingriffe in die Autonomie gerechtfertig sind, oder nicht. In dieser Situation wäre es vielleicht auch möglich die Darreichungsform zu ändern, oder die Tablette mit der Nahrung zu geben, sprich einen Mittelweg zu finden, welcher das Kind nicht völlig seiner Autonomie beraubt.

ICN - Kodex (International Council of Nurses)
Gibt dem Pflegepersonal ethische Grundsätze als Werkzeug zur Reflexion des eigenen Handelns. Darüber hinaus werden grundlegende Aufgaben der Pflege definiert, sowie ethische Verhaltensweisen.

Grundlegende Aufgaben

  • Gesundheit fördern
  • Krankheit verhüten
  • Gesundheit wiederherstellen
  • Leiden lindern

Ethische Grundregeln:
  • Achtung der Menschenrechte
  • Respekt des Einzelnen
  • zum Wohle des Einzelnen, der Familie, der sozialen Gemeinschaft
  • Koordination von Dienstleistungen

Ethische Verhaltensweisen:
  • Verantwortung des Pflegepersonals gegenüber den Mitmenschen
    • Achtung anderer Wertvorstellungen, religiöser, sozialer Bedürfnisse
    • der Bedürftige hat ein Recht auf umfassende Information bezüglich pflegerischer Versorgung
    • persönliche Informationen werden vertraulich behandeln
    • Achtung des Umweltschutz
  • Verantwortung für Berufsausübung
    • Förderung der eigenen Kompetenzen (Fort-/Weiterbildung)
    • Erhalt der eigenen Gesundheit
    • Fördern des Ansehen des Berufes in der Gesellschaft
  • Verantwortung innerhalb der Profession
    • Mitwirken bei Entwicklung, Festlegung, Umsetzung neuer Erkenntnisse
    • Arbeitsbedingungen positiv unterstützen
  • Verantwortung gegenüber Kollegen
    • interdisziplinäre Zusammenarbeit
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Enlager: Alter.

Ich bin gerade soeben, im Altersheim eingesetzt. Politisch korrekt: Pflege- und Altenheim. Naja.
Die Wahl der Schule traf auf das St. Hedwig in Handschuhsheim.
Die Leute dort sind echt sehr sehr nett. Also die Kollegen auf Zeit die ich dort kennenlerne. Die kümmern sich auch ehrlich liebevoll. Mir scheint ich bin in einem der besseren Heime Heidelbergs gelandet.
Die Arbeit mit den Senioren dort... Nun ja. Es ist viel Pflege: von den 30 Bewohnern sind 3 oder 4 noch klar im Kopf, und brauchen einfach ein wenig Hilfe im Alltag. Sonst sitzen viele von ihnen den Tag über im Speisesaal, singen vor sich hin, oder rufen irgendetwas. Es ist anstrengend. Nicht nur körperlich.

Es ähnelt vom Aufbau her irgendwie einer Jugendherberge. Viele haben ihr eigenes Zimmer, aber es gibt auch einige Doppelzimmer. Die meisten müssen morgends gewaschen und vielen muss das Essen angereicht werden.

Dank des Pflegenotstandes, der dort richtig krass zum Vorschein trifft - gerade deshalb, weil die Bewohner nicht soviel Besuch bekommen, wie beispielsweise die Kinder in der Klinik - wirkt das Heim auf mich einfach nur wie ein Endlager.

Die Arbeit dort macht mich traurig. Es ist im Prinzip einfach nur Endlager in dem die Bewohner auf ihren Tod warten. Ich möchte nie in ein solches Altenheim. Ich will auch nicht dass meine Eltern in sowas ihre letzten Tage oder Jahre fristen müssen. Da hol ich doch lieber ne polnische Schwarzarbeiterin nach Hause, die dort wohnen darf und etwas Geld bekommt, dafür dass sie sich um jemanden kümmert. Alles, wirklich alles ist besser als zum Ende des Lebens in einer Wartehalle zu landen, die sich mit der Aufschrift "Heim" tarnt.
Es ist alles mögliche diese Einrichtung, aber eines ganz bestimmt nicht: Irgendwas was die Alten und Pflegebedürftigen dort ihr Heim nennen könnten.Mehr lesen...
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Schon die Sesamstraße stellte fest: WIESO - WESHALB - WARUM?!

Es wird sich doch für jeden immer wieder die Frage stellen, wo er hinwill. Wo er herkommt .
Dabei scheint häufig das "Warum" bei all den Fragen sehr viel interessanter zu sein.
Es tun sich doch für jeden von uns immer wieder neue Wege, Möglichkeiten und Richtungen auf. Wie bei der Bahn und den Gleisen. Das Gleis mag irgendwann an einer Weiche enden und du stehst davor und fragst dich: "Was nun? Welchen Weg soll ich gehen? Welche Richtung wird die richtige für mich sein?"
Gibt es sie überhaupt? Diese richtige Richtung... Gottes "rechter Pfad". Ich glaube in diesen Dingen gibt es kein richtig oder falsch, kein besser oder schlechter. Es sind nicht wertbare Möglichkeiten für verschiedene Lebenswege. Das Gleis teilt sich. Es wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach häufiger Teilen als dieses eine Mal. Und - wer weiß - vielleicht führen alle diese Wege wieder zurück auf's Hauptgleis. Das sind Fragen die niemand jemals beantworten kann. Denn das Leben ist kein RPG (Role Play Game), dass man immer wieder auf verschiedenen Wegen mit unterschiedlichsten Charakteren durchspielen kann.
Mir scheint das Leben sei eher so etwas wie Trial & Error. Versuch und Fehlschlag. Läuft der Zug auf der gewählten Strecke nicht gut - vielleicht war die Strecke lang von niemandem befahren und schlecht gewartet - so kann ich das als Herausforderung sehen, mich an schwierigeren Dingen zu versuchen gegen alle Stimmen. Oder aber ich kann es als Fehlschlag betrachten und warten bis zur nächsten Weiche um dort das Gleis und somit die Richtung zu wechseln. Vieles ist möglich.
Die Frage für welchen Weg sich ein jeder nun entscheidet hängt von vielen persönlichen Gründen und Einflüssen ab. Ebenso das Warum. Im Prinzip kann einem keiner helfen seinen Weg zu finden. Niemand kann einem irgendeine Entscheidung abnehmen. Und erst recht niemand sollte sich erlauben deine Entscheidung zu bewerten, denn niemand weiß wirklich warum du dich so entschieden hast. Vielleicht weißt du es selbst noch nicht so genau.
Mir stellt sich öfter die Frage warum ich den Weg meiner Ausbildung eingeschlagen habe. Auch das wurde und wird nur zu oft gewertet. Mit jedem Mal, das ich mir diese Frage des "Warum" stelle, wird es mir um ein Stück weit klarer. Es sind wohl viel mehr Gründe unter der Oberfläche verborgen wie ich zu Beginn nur im Ansatz vermutet hatte.Mehr lesen...
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Diplomatie vs. Ehrlichkeit

Ich könnte meine letzte Woche auf zwei Arten beschreiben.
Zunächst einmal das sachlich-faktisch dem einfach so ist, wer auch immer das versucht subjektiv zu betrachten:

Ich hatte meinen Hospitations- oder auch Anleiteeinsatz in der Kinderklinik. Ging von Montag bis heute und war auf der Station H12 (H steht sinnigerweise für Hochhaus, oder sowas..). Jetzt gibts eine Woche Schule und dann kommt der erste *richtige* Einsatz.... auf eben dieser Station. Wozu die Hospitation dann gut war? Sowas ist gedacht, zum kennenlernen der Station, der Klinik, des Personals, der Strukturen und dem Tagesablauf der Station. Und vielleicht auch noch der Krankheitsbilder.

Kommen wir nun zum subjektiven Teil der Beschreibung. Aufegeteilt in zwei Bereiche, die in der Überschrift schon ersichtlich werden, also nutzt euer Hirn.

Offensichtlich scheint das Stationsteam überfordert, wenn es vor die Aufgabe gestellt wird, mehr als eine Erstkurs-Schülerin anzuleiten wenn das examinierte Personal sich auf kleinergleich 3 beläuft. Alle scheinen etwas verwirrt darüber, dass einem das Wissen nicht zufliegt, sondern dass man die Schülerinnen für ihre zukünftigen Tätigkeiten eh...... anleiten?! sollte.

vs.

Wäre ich die letzten 5 Tage zu Hause geblieben, und hätte mir "Hallo, Onkel Doc!" angeschaut, dann hätte ich mehr über Pflege gelernt und wäre jetzt nicht so gefrustet.


Jeden weiteren Kommentar spare ich mir und der Welt, weil es verletzend werden könnte....Mehr lesen...
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Das Leben ist die tödlichste Krankheit.

Das macht es irgendwie einfacher. Zu versuchen, das Leben als Spiel mit individuellem Ziel zu sehen. Die nötige Ernsthaftigkeit dabei wahren, aber nicht zu ernst und verbissen nehmen. Das klingt schizophren ich weiß.
Aber wozu? Macht es Sinn ständig rumzulaufen und zu sehen wie kacke das Leben is. Und ja das ist möglich. Bei jedem. Jeder kann das wenn er will. Egal wie dieses Leben objektiv betrachtet sein mag. In der Subjektivität ist nahezu alles möglich. Aber wozu? Im Endeffekt sieht es doch so aus, dass man nur dieses eine Leben hat. Gut vielleicht hat man mehr. Vielleicht gibt es wirklich die Reinkarnation. Aber wem nützt das was? Ich weiß persönlich nichts aus meinem vorigen Leben - wenn dies existent war. Also habe ich keine Erfahrungen.

Ergo will ich versuchen in diesem einen, in jedem Falle tödlichen Leben, möglichst viel einzusammeln an Erfahrungen, Eindrücken und überhaupt. Welchen Sinn hat es lange etwas hinterher zu trauern, was schon längst vergangen ist. Welchen Sinn macht es sich von alt-bekanntem immer wieder verletzen zu lassen. Klar es funktioniert nicht so einfach. Aber kann ich es nicht wenigstens versuchen?

Es mag nach aussen hin von Zeit zu Zeit irre erscheinen was ich tue. Aber im Endeffekt versuche ich nach meiner ganz eigenen Spieltheorie zu leben. Was die Sache nicht immer einfach macht, sind Emotionen die jeder Mensch in sich trägt. Die kommen im Groben wann sie wollen, und die Gründe sind auch nichts immer durchschaubar. Ich rede hier nicht ausschließlich von "guten" oder "schlechten" Emotionen. Sondern alle. Alle lösen Verhalten in uns aus, das so nicht geplant war. Deshalb ist meine Theorie auch nur halbgar. Aber ich denke mit der Erkenntnis nur dieses eine Leben zu haben und dem Ziel viel mitzunehmen und sich nicht einmauern zu lassen bin ich schon auf keinem so schlechtem Weg.

Jeder hat so seine eigenen Ideen, wie er/sie/es durch das Leben kommen will. Da bin ich mir ganz sicher.Mehr lesen...
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Wer will schon Bildung?

Die Jugend interessiert sich für nichts. Politikverdrossenheit regiert die Straßen. Die PISA Studie spricht Bände. Die Gesellschaft will sich nicht bilden.
Den Eindruck könnte man kriegen bei dem wie in den Medien von Zeit zu Zeit über die Gesellschaft diskutiert wird. Von Politikern, Autoren und andern Menschen die sich unglaublich schlau vorkommen.
Aber ist es denn wirklich so, wie es aussieht? Ich vage zu behaupten, dass fast jeder Schüler über 16 Jahren schon mal während der Schulzeit Alkohol konsumiert hat. Das bedenkliche ist doch nicht etwa dass er oder sie das getan hat, sondern die Frage nach dem Warum. Warum kippen sich Jugendliche auf dem Schulhof die Birne zu? Aus Spaß, Langeweile, oder Ratlosigkeit?
Ich meine, alle diese Faktoren spielen eine Rolle. Weniger der Grund, dass die Jungs und Mädels nichts lernen wollen. Lernwillig sind die aber wie. Die würden sogar liebend gern das lernen und sich über das bilden wollen, was im Unterricht gerade durchgenommen wird. Aber sind wir doch mal ehrlich: Das Schulsystem ist - gelinde gesagt - für den Müll. Der Lehrkörper leiert seit 20 Jahren die Wörter von der selben Vorlage und die Schüler untersuchen nachdenklich den Inhalt ihres linken Nasenlochs. Und das wo es doch eigentlich super spannend ist, was passiert wenn sich die Kontinentalplatten verschieben und zwei drei Fische dabei drauf gehen. Warum Natrium im Wasser anfängt zu brennen und wieviele Menschen statistisch gesehen pro Monat auf Grund zu langer Arbeitszeiten den Löffel abgeben.

Und genau das führe ich als Grund dafür an, dass Bücher wie "Der Schwarm" und "Illuminati" ein reißenden Absatz finden. Die Gesellschaft will was lernen. Aber nicht auf die langweilige angestaubte Art der Klassenzimmer. Man will mit dabei und ein Teil der Bildung werden. In solchen Büchern wird eine spannende Story gespickt mit Fachwissen. Zugegeben in "Illuminati" oder dem "Da Vinvi Code" (beides von Dan Brown) lassen sich viele Halbwahrheiten finden, aber trotzdem lernt man etwas über Geschichte. "Der Schwarm" (Frank Schätzing) bombadiert den Leser mit Fachwissen und vergisst dabei nicht das Ganze in einer guten Geschichte spannend aufzubereiten.

Das Problem der Gesellschaft liegt wohl weniger daran, dass die Leute keine Lust haben, sondern viel mehr daran, dass niemand bereit ist Zeit dafür aufzubringen Bildung ansprechend zu verpacken. An den dicken Wälzern und ihrem reißen Absatz lässt sich ja durchaus auch erkennen, dass es nicht mal wirklich wichtig scheint, dass Wissen kompakt ist. Aber wem macht schon das Lesen eines Geschichtsbuch für 10t Klässler Spaß?!Mehr lesen...
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Krieg ist, wenn die Vorfahrt mit Panzerfäusten geregelt wird

Im Frieden, so hat das Verfassungsgericht geurteilt, müsste man die Maschine „landen“ lassen. Im Krieg könnte die Bundeswehr sie waidgerecht zur Strecke bringen. Mitsamt der Passagiere. Im Krieg darf man eigentlich alles. Aber dann muss man ihn auch gewinnen. Im Krieg dürfte Schäuble sogar das störrische Verfassungsgericht in Eisen legen und ihm die Zehennägel, ach, lassen wir das.
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Im Verfassungsdeutsch heißt Krieg „Verteidigungsfall“ und wird durch den Bundestag attestiert. Dazu müssen die Abgeordneten aus ihren Wahlkreisen nach Berlin eilen. Zweifelsohne werden alle unterwegs in ihren Flugzeugen entführt. Ein formgerechter Verteidigungsfall kommt so nie zustande, es sei denn, die Fraktionen bringen noch von Bord aus eine Telefon-Konferenz zustande und einigen sich ohne Vermittlungsausschuss, wessen Maschine zuerst abzuschießen ist. Das klingt unwahrscheinlich. Für diesen Fall handlungsunfähiger Verfassungsorgane ist geregelt, dass Krieg ist, wenn offensichtlich Krieg ist: wenn morgens zehn Millionen finnischer Soldaten durchs Brandenburger Tor marschieren oder wenn – das will jedenfalls Schäuble – ein Flugzeug gekapert wird.

Menschenrechtler kritisieren das Ansinnen. Dabei ist es ein ermutigender Anfang. Wenn Deutschland öfter im Kriegszustand ist, darf endlich die Bundeswehr auf Brandenburgs Straßen die Vorfahrtsregel durchsetzen, und sei es mit panzerbrechenden Waffen.
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Verbrechern Gewalt antun?

Das Thema für den Aufsatz für die Krankenpflegeschule:
Es sollte dem Staat möglich erlaubt sein, Verdächtigen z.B. möglichen Kinderschändern Gewalt anzutun um wichtige Informationen über den Aufenthaltsort des Kindes zu bekommen.

Von den Menschenrechten ausgehend, sollte keinem Menschen absichtlich Leid zugefügt werden. Wäre es dem deutschen Staat erlaubt, Tatverdächtigen Gewalt anzutun verstöße er nicht nur gegen den fünften Artikel der Menschenrecht: "Verbot der Folter", sondern auch gegen sein eigenen Gesetze. An ein Gesetz müsste sich jeder halten, auch der Staat an sich, da das betroffene Gesetz an Glaubwürdigkeit und Sinn verlieren würde.
Ein weiteres Problem sehe ich im Nachweis, ob der Tatverdächtige die ihm zur Last gelegte Tat auch wirklich begangen hat, oder ob er vielleicht unschuldig ist. Eine ähnliche Problematik ergibt sich bei der Todesstrafe, durch welche schon einige Unschuldige vom Staat hingerichtet worden sind.
Ich für meinen Teil könnte es nicht verantworten einen Menschen zu foltern, der unschuldig sein könnte.
Aber auch wenn dem erwähnten Kinderschänder die Tat nachgewiesen wäre, bin ich absolut dagegen noch einem weiteren Menschen Gewalt anzutun. Quasi gleiches mit gleichem zu vergelten.
Zuletzt sehe ich auch noch ein Problem darin, dass die Gewalt vom Staate aus, aus dem Ruder laufen könne. Es wäre möglich, dass der verantwortliche Foltermeister dem Verdächtigen, der in diesem Falle das Opfer wäre, über das nötige Maß hinaus weiterhin, beispielsweise aus Freude daran, Schmerzen zufügt.
Tatverdächtigen eines Gewaltverbrechens Schmerzen zuzufügen und Gewalt anzutun, halte ich weder für eine adäquate noch für eine akzeptable Vorgehensweise um an Informationen heranzukommen. Auch ein möglicher Kinderschänder bleibt noch ein Mensch dessen Rechte und Würde gewahrt werden muss.
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