MSH

Burnout im Psychologiestudium

Für mich beginnt nun also das letzte Semester des Studiums. Beziehungsweise: Es hat schon begonnen. Und eigentlich hat es letztes Semester schon begonnen, als ich angefangen habe ein Thema für meine Abschlussarbeit zu suchen und dann einen Erstgutachter zu suchen und zu finden um auch anständig betreut zu werden. Die Hypothesen und Fragestellungen mit ihm zusammen auszuknobeln und das Thema schonmal gut abzustecken, damit ich zum Wintersemester gut vorbereitet mit dem Exposé starten konnte.

Und da steck ich nun mitten drin. Eigentlich ist das Exposé nun schon seit letzter Woche fertig, ich warte nur noch auf ein finales GO! um eben jenes dann mit einem Haufen Unterlagen, Zettel und Verträgen beim Prüfungsamt einzureichen.

Und ich muss schon sagen: Ich hab mir da schon ein Megacooles Thema zusammen geklöppelt. Nachdem ich nämlich nach dem zweiten Semester selbst (wie die überwiegende Mehrheit des Studiengangs) völlig ausgebrannt und am Ende war kam mir die Idee durch einen Online-Artikel der mir Ende Februar in WhatsApp zugeschickt wurde. Anfang des Jahres wurde nämlich der Barmer Ärztereport veröffentlicht in dem alarmierende Zahlen zum Vorschein kamen: So nahmen die Anzahl der diagnostizierten depressiven Erkrankungen bei Studierenden mit steigendem Alter zu, während sie bei den Nichtstudierenden im Alter abnehmen. Irgendwas scheint da im Rahmen des Studiums ungünstig zu verlaufen. Und nach dem was ich erlebt hatte, kamen mir da schon so einige Ideen was da problematisch sein könnte. Für mich was das Schlimmste die Überfrachtung mit Inhalten, hohen Anforderungen und vor allem die vielen Prüfungsleistungen in einem sehr kurzen Zeitraum. Und hätte ich nicht an der MSH studiert, dann hätte ich fröhlich mal mindestens zwei Module aufgeschoben und einfach ein halbes Jahr länger studiert. But money matters.

Wenn also beklagt wird, dass das Studium mit der Bologna-Reform stark verschult wurde, dann steht die Medical School ganz sicher mit an der Spitze eben jener Verschulung. Für manche mag diese starke Vorstrukturierung von Vorteil sein, für viele führt der geringe Handlungs- und Gestaltungsspielraum jedoch ganz sicher zu Überforderung. Zumindest hab ich das so bei mir und auch in meinem Umfeld so erlebt.

Das ganze gilt es jetzt in wissenschaftliche Hypothesen umzuwandeln und auch wissenschaftlich zu untermauern. Ich will herausfinden was Risiko- und was Schutzfaktoren hinsichtlich einer Burnout-Entwicklung sein können und daraus auch ableiten wie der Hochschulbetrieb optimiert werden kann, sodass beide Seiten den größten Nutzen daraus ziehen können. Denn schließlich profitieren Hochschulen ebenso wie die Studierenden davon, wenn letztere das Studium in kürzestmöglicher Zeit aber bei maximaler Gesundheit abschließen können.

Mein Exposé ist also schon in der Pipeline und mittlerweile bin ich schon dabei meine Fragebögen in den Computer zu hacken. Ich freu mich!

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Zum letzten Mal.

Ich hab es bei all dem anderen Trubel in meinem Leben noch gar nicht so realisiert, aber am Dienstag schrieb ich die vorerst letzte Klausur in meiner akademischen Laufbahn. Man kann jetzt nicht gerade behaupten das sie thematisch ein Feuerwerk für die Psychologenseele gewesen wäre. Vielmehr war es das staubtrockene für alle, die sich irgendwann vielleicht mal selbstständig machen wollen. Der Kurs nannte sich erwartungsvoll "Management für Psychologen", war im Kern ein Abriss der Betriebswirtschaftslehre.

Und da ich schon die Vorzüge eines Angestellten-Verhältnis kennengelernt habe und auch vorerst in diesem Bereich bleiben möchte, waren die Bestandteile eines Managementplans oder wann man wie und unter welchen Voraussetzungen welche Unternehmensform gründen kann, doch eher von nachrangigem Interesse. Aber manchmal muss man sich eben auch durch Veranstaltungen durchbeißen, die das eigenen Interesse dann doch eher nur seicht tangieren.

Alles in allem lässt es sich auf Folgendes (ganz phantastisches) reduzieren: Kein Bulimielernen mehr!! Im kommenden Semester stehen für mich, neben dem eigentlichen Herzstück - der Masterarbeit -, noch eine Hausarbeit und ein kurzer Bericht an. Solch schriftliche Arbeiten mag ich ganz gern und die Schreiberei ist für mich ein Schöpferischer Akt, den ich irgendwie mit Entspannung verknüpfe (ausser ich verzweifle grad wieder an irgendwelchen Formatierungskonflikten zwischen mir und dem Textverarbeitungsprogramm). Und dann bin ich auch schon wieder fertig. Nach achteinhalb Jahren akademischer Safari. Nicht alles war schön, aber das Meiste eigentlich schon.

Das letzte Semester das jetzt beginnt, bedeutet aber vor allem auch eines: Ich muss mir jetzt ja wirklich mal überlegen in welcher beruflichen Ecke ich eigentlich ankern möchte. Das wird aufregend und ich freu mich schon drauf!

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Leistungsvergleich

"Ich muss die Leistung ja auch immer mit der Leistung der anderen vergleichen."

Mir ist absolut klar, dass Leistungsbewertung immer immer immer eine subjektive Note hat. Ausser man macht harte Multiple Choice Fragen bei denen nur die richtige Antwort zählt. Aber selbst da liegt es manchmal im Auge des Betrachters ob eine der Antworten als korrekt gewertet werden sollte, weil man die Antwortmöglichkeit anders auffasst, als vom Verfasser intendiert. Es gilt sicherlich auch: Je freier die Prüfungsmethode, desto subjektiver. Der absolute Höhepunkt subjektiver Bewertung sind mündliche Prüfungen.

Damit die Bewertung einer Prüfung möglichst objektiv von Statten geht, gibt es Lösungsschemata oder Bewertungsbögen oder ähnliches. Also auch für mündliche Prüfungen gibt es Schemata nach denen eingeteilt werden kann, ob der Prüfling den Stoff nicht gewusst, in erwartbarer Weise gewusst oder gar die Erwartungen übertroffen hat, weil er Dinge über der Lehrinhalte hinaus auch gewusst hat. Es gibt also durchaus die Möglichkeit eine einzelne Person einigermaßen unabhängig von anderen Personen zu bewerten. Das die Leistung des Vorgängers einen Einfluss auf die Bewertung des Nachfolgenden hat, lässt sich sicherlich weder leugnen, noch ganz abstellen. Aber man kann sich ja wenigstens bemühen.

Meiner Auffassung von Leistungsbewertung nach geht es jedoch darum ob ein Prüfling bestimmte Kriterien erreicht, welche die Vergabe einer vorgegebenen Punktzahl bestimmen. Nicht jedoch der Vergleich mit anderen Prüflingen. Denn das wäre ein Wettkampf mit dem Ziel: Möge der oder die Bessere gewinnen.

Und diese ständige (ungefragte) Konkurrenz mit anderen Menschen macht mich wütend. Wütend, weil sie ungerecht gegenüber allen ist. Ich will - wenn überhaupt - nur mit mir selbst in Konkurrenz stehen. Denn schließlich ist das schon anstrengend genug. Aber solange ich mich nicht freiwillig für einen Wettkampf anmelde, möchte ich auch an keinem teilnehmen. In der Universität werde ich aber in den Wettkampf gezwungen, wenn ich nicht gerade eine klassischen schriftliche Prüfung schreibe. Es ist brutal gemein wenn die Ersten einer Vortragsreihe entweder einen Vorteil haben, weil sie ja die Ersten sind, oder aber einen Nachteil haben, weil die Nachfolgenden um Welten bessere Vorträge abliefern, obwohl der erste Vortrag auch gut war.

Also nein: Es ist nicht okay die Leistung einer mündlichen Prüfung mit der Leistung von anderen zu vergleichen. Die Leistung soll daran gemessen werden was der Prüfer unterrichtet hat und was der Prüfling wissen sollte. Nicht daran was die anderen gewusst haben.

Sollte ich jemals in die Position der Prüferin kommen, hoffe ich inständig das ich es besser mache.

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Interkulturelle Psychotherapie

Hinter mir liegt ein Wahlmodul, dass ich mir auf vielen Dimensionen ganz ganz anders vorgestellt habe. Als ich mich für das Modul Interkulturelle Psychotherapie eingeschrieben habe, habe ich erwartet etwas über verschiedene Kulturen zu lernen. Über den Umgang mit psychischen Erkrankungen in anderen Kulturen. Welche Unterschiede liegen zwischen individualistischen und kollektivistischen Kulturen. Treten bestimmte psychische Erkrankungen in anderen Kulturen häufiger auf und wenn ja: warum? Und warum gibt es in verschiedenen Kulturen Erkrankungen die in dieser Form eigentlich nur dort auftreten?

Was ich bekomme habe waren nette Kennenlernen- und Einstiegsspielchen mit einem inhaltlichen Niveau dass die Projektwoche zu Jugendkulturen in der neunten Klasse eigentlich kaum überstiegen hat. Man brachte uns recht zügig nahe, dass es keinen Sinn mache Unterschiede in Kulturen aufzuzeigen, sondern das man herausarbeiten wolle mit welcher therapeutischen Haltung man Patienten mit (vor allem) Migrationshintergrund begegnen würde. In welchem Punkt das nun über die allgemeine emphatische, wertschätzende und authentische Haltung hinausgeht, hab ich jetzt aber immer noch nicht verstanden. Ausser vielleicht das man noch in einem viel größeren Ausmaß seine eigene Unsicherheit und Unwissenheit aushalten müsse, da man ja unmöglich über alle Kulturen Bescheid wissen kann. Mit einem geringen inhaltlichen Niveau hätte ich ja aber eigentlich auch gut leben können. Gerade nach dem letzten Semester kommt mir so ein bisschen Urlaub fürs Hirn gerade recht.

Viel erschrockener war ich ja über den Umgang der Dozenten mit uns. Wir hatten teilweise angeregte und interessante Diskussionen in der Gruppe. Diskussionen nach denen dann und wann einzelne Studierende rausgepickt wurden um sie für ihr (aus Sicht der Dozenten unangebrachtes) Verhalten zu tadeln. Seitens der anderen Teilnehmer traf diese Intervention eher auf Unverständnis.

Ganz besonders gefreut haben wir uns dann aber, als uns eröffnet wurde, dass wir binnen eines Wochenendes und einer Woche (Zeitraum 2 Wochen) eine kleine Studie durchführen sollten. Und jeder der bei Frau Prof. Dr. Sehrambitioniert das Seminar Forschungsmethodik hatte, kriegt bei solchen Worten Herz-Rhythmus-Störungen. Darüber sollten wir in Kleingruppen am Ende eine Präsentation halten.

Was dabei heraus kommt, wenn man solch ein Studienvorhaben in so kurzer Zeit neben dem restlichen Alltagsbetrieb nebenher macht kann man sich vermutlich denken. Gute Forschung sieht vermutlich anders aus.

Aber um mal was gutes zu sagen: Immerhin hab ich ein weiteres Modul und eine weitere Prüfung hinter mich gebracht und das Semester wird zunehmend entspannter.

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Scham, Schuld und Existentielle Ängste

Es war wieder Selbsterfahrungswochenende. Diesmal mit den Themenschwerpunkten Scham, Schuld und existentiellen Ängsten.

Wir alle schämen uns für irgendwas. Einige schämen sich, wenn sie Klopapier einkaufen, andere haben Schwierigkeiten damit vor einer Gruppe zu sprechen und wieder andere erröten wenn sie voll auf Helene Fischer abfahren und dann nach ihrem Musikgeschmack gefragt werden. Dabei ist Scham - wie wir gleich zu Beginn gelernt haben - eine gänzlich nutzlose Gefühlsregung. Sie entwickelt sich durch Erziehung und Sozialisationserfahrung, durch Lernen am Modell und Beobachtung von Rollenvorbildern. Sicherlich ist es sinnvoll die Regeln der Gesellschaft zu lernen und sich nicht völlig schambefreit in der U-Bahn zu entblößen und sich dort umzukleiden. Oder auch zu lernen, dass es nicht angebracht ist, in einem Meeting ein Gespräch über Geschlechtskrankheiten zu beginnen. Jedoch geht es hierbei um die Fähigkeit sich an gesellschaftlich geltende Normen anzupassen. Also um ein Verständnis von dem was in der jeweiligen Situation angebracht ist und was nicht. Schamempfinden ist jedoch überflüssig.

Die Dinge für die wir uns schämen, sind Dinge die allen Menschen passieren können. Wir schämen uns, wenn wir stürzen, wenn wir zum Bus rennen. Wir schämen uns ganz erheblich wenn es um unsere Sexualität geht. Dabei ist es sicherlich sinnvoll und wünschenswert, wenn man nicht offenherzig mit jeder Person detailliert über sein Sexualleben spricht, jedoch gibt es keinen Grund zur Scham für das Ausleben seiner Sexualität.

Zum Thema Scham haben wir an diesem Wochenende verschiedene Übungen gemacht. Die schönste davon war, dass jeder von uns sich in die Mitte eines Stuhlkreise setzen sollte (und allein das ist häufig schon schambesetzt und unangenehm, weil man plötzlich im Mittelpunkt des Interesses steht) und reihum sollte jeder eine Sache nennen, die er am Mittelpunkts-Menschen mag. Und obwohl man wusste, dass man nur positives zu hören bekommen würde, war die Situation mit Anspannung verbunden und ein Stück weit unangenehm. Auf der anderen Seite wirkte die Übung aber wie eine positive Emotionsdusche an einem Tag, an dem ich das wirklich gut gebrauchen konnte.

Scham kann auf Schuld folgen. Schuld ist dabei durchaus sinnvoll, ist sie doch wichtiger Bestandteil unseres Rechtsverständnisses. Zwar geht es in der Straftäterbehandlung heute nicht mehr wie im Mittelalter darum gleiches mit gleichem zu vergelten, damit eine Schuld beglichen wird, sondern auch sehr um Resozialisierung der Täter, jedoch ist ein maßgeblicher Bestandteil der Resozialisierung auch immer die Übernahme von Schuld. In der psychotherapeutischen Praxis ist es häufig eher umgekehrt. So geht es dort oft darum die erlebte Schuldlast der Patienten zu reduzieren.

Nach Scham und Schuld haben wir uns den existentiellen Ängsten gewidmet. Also mit Ängsten vor Dingen die gewissermaßen unabänderlich sind, wie zum Beispiel dem Tod oder Isolation oder unabänderlichem Leid. Oder aber auch davor den Sinn des Lebens nicht zu finden. Besonders spannend war für mich hier die Arbeit in Kleingruppen zu den Fragen 1) Gibt es einen Gott/ Göttin und was macht er/sie? 2) Was passiert nach dem Tod? 3) Welchen Auftrag hast du im Leben? Wir hatten in unserer Gruppe eine angeregte Diskussion darüber, da jeder die Fragen unterschiedlich beantwortete. Auch wer nicht an Gott glaubte, glaubte häufig an irgendeine Art höhere Instanz. Für mich persönlich sind die Antworten auf die drei Fragen miteinander verwoben. So hat die Idee einer höheren Instanz Einfluss auf meinen Glauben daran, was nach dem Tod passiert und schlussendlich darauf welchen Auftrag ich im Leben habe. Und obwohl ich mir auf einer rationalen Ebene recht sicher bin, dass nach meinem Tod ziemlich sicher nichts ist, und dass es keine höhere Instanz gibt, die irgendwas auch nur annähernd lenkt, so halte ich mich dennoch auf einer spirituellen Ebene daran fest. Das mag ein narzisstischer anmutender Wunsch sein, dass mein Leben auf diesem Planeten nicht völlig nutzlos und beliebig ist, oder vielleicht auch nur die Unfähigkeit mit das Nichts vorzustellen.

Ich freu mich schon auf die nächsten beiden Seminar-Wochenende, die leider erst im Wintersemester sein werden, dafür aber zum Ausgleich mit einem tiefenpsychologischem Schwerpunkt.

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Selbsterfahrung

Nach einem anstrengenden zweiten Semester erhofften wir uns alle nach der letzten Prüfung ein wenig Zeit zum durch atmen. Viel Zeit war ohnehin nicht vorgesehen, denn nur neun Tage nach eben jener letzten Prüfungsleistung sollte das dritte Semester beginnen. Umso weniger erfreut waren wir alle, als uns das Wochenende vor dem Vorlesungsbeginn durch ein ganztägiges Wochenendseminar genommen wurde. Was genau dieses Seminar thematisch nun beinhaltete wusste keiner so genau. Es nennt sich irgendwas mit Praxisfeldern, im Modulhandbuch steht was von Hospitationen die man machen solle, von anderen Studierenden hörte man jedoch, dass es in diesem Modul um Selbsterfahrung ging.

Und weil die Wahrscheinlichkeit hoch war, dass es sich um Selbsterfahrung handelt, wollte ich gerne an diesem Seminar in meiner Kohorte teilnehmen und nicht in irgendeine andere Kohorte gesteckt werden, wo ich die Leute so gar nicht kenne. Also verschoben wir unseren Urlaub gegen einen Aufpreis um einen Tag. Noch dazu sollte es ein schönes warmes und sonniges Frühlingswochenende in Hamburg werden. Entsprechend angesäuert bin ich am ersten Tag dorthin gefahren. Spätestens am zweiten Tag war ich versöhnt mit dem geraubten Wochenende. Wir haben die Gruppenaufgaben häufig draußen in der Sonne gemacht und uns mehr oder weniger schlimme Sonnenbrände eingehandelt.

Thematisch ging es diese ersten drei Tage um Wut, Angst, Selbstwert und das eigene zentrale Beziehungsthema. Zu Wut und Angst haben wir in kleinen Gruppen anhand eines eigenen Beispiel ein ABC-Schema erstellt und ich habe im Grunde das erste Mal so richtig verstanden wie man damit arbeitet und wozu das ganze gut sein kann. Auch dass es Unterschiede bei der Erstellung der Schemata gibt, je nach dem um welche Emotion es geht. Will ich Wut explorieren, dann geht es viel um Normen und Werte die mir selbst wichtig sind und verletzt werden, bei Angst dagegen geht es vielmehr um Hypothesen die ich über die Welt und die Annahmen anderer in Bezug auf meine Person oder andere Personen aufstelle die dann im weiteren Verlauf zu Angst führen. Das Wut-Thema war für mich emotional schwieriger als das Angstthema, da man bei der Frage wann man zum ersten Mal Wut empfunden hat (bzw. sich daran erinnern kann) dann doch eher mit schmerzlichen Erinnerungen besetzt ist. Beim Thema Angst dagegen hatte ich zunächst Schwierigkeiten überhaupt ein passendes Beispiel zu finden, weil ich gar nicht so richtig wußte wovor ich eigentlich Angst habe die über ein Unwohlsein hinausgeht. Aber am Ende war dieses Gefühl des Unwohlseins auch ausreichend für die Aufgabe.

Auch interessant war dann noch die Frage nach dem Selbstwert und wer eigentlich Einfluss auf meinen Selbstwert haben kann. Die Antwort auf die Frage ist recht trivial: Nur ich selbst und sonst niemand. Ich selbst bin es, die den Selbstwert an Dinge wie Leistung, Partnerschaft, Status, soziale Anerkennung oder andere Dinge koppelt. Und jeder einzelne von uns koppelt seinen Selbstwert an andere Dinge. Es heißt nun, dass unser Selbstwert nun stabiler würde, dadurch dass wir uns bewusst gemacht hätten, woran wir unseren Selbstwert gekoppelt haben. Wir werden sehen was passiert.

Am dritten und letzten Tag des ersten Wochenendes blieb es weiterhin spannend. Man gab uns eine einfache Technik an die Hand wie man innerhalb von 50 Minuten die Knackpunkte der Biografie herausarbeiten kann. In neuen Kleingruppen mit Kommilitonen die wir noch nicht so gut kannten wurden wir von eben diesen zu unserer Biografie befragt. Welche wichtigen Personen gab es, als ich 10 war und wieso fehlten da welche, die man sonst erwartet hätte? Was hat sich zum heutigen Zeitpunkt geändert und warum? Haben die Großeltern vielleicht schon was Einschneidendes erlebt und zu wem in der Familie hatte man eine sichere oder unsichere Bindung. Welche unausgesprochenen „Familienregeln“ gab es und welches zentrale Beziehungsthema hat sich daraus bei mir entwickelt? Es war zunächst etwas befremdliche seine Geschichte mit mehr oder weniger fremden Leuten zu teilen. Andererseits teilten auch die Dinge mit mir, die in der normalen Kommunikation niemals zur Sprache kommen würden. Wir wissen nun Dinge übereinander, die andere vielleicht nicht wissen und irgendwie hat sich so zum Teil eine neue Ebene oder Sichtweise auf diese Personen eingestellt. Und ich bin wieder neugierig was Menschen antreibt, welche Geschichte sie mit sich rumtragen und wie sie zu dem geworden sind, was sie heute sind. Diese praxisnahe Erfahrung tat nach einem theorieüberladenen Semester einfach nur gut. Es wurde wieder ein bisschen klarer warum ich mir das eigentlich antue.


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Verhaltenstherapeutische Interventionen. Oder: Wie behandle ich dann eigentlich mein studentisches Burnout?

"Wie läuft's eigentlich mit dem Studium?" - "Joa, muss. Noch ein Jahr."

Ich könnte aber auch sagen, dass das vergangene Semester mir wirklich sehr viel abverlangt hat. Dass mirdas zeitliche Arrangement der Prüfungsleistungen seitens der Hochschule nicht wirklich zusagt und das es einfach scheiße viel Arbeit war und ist. Und das sag ich als jemand, der wirklich zu Beginn des Semesters dabei ist, Zusammenfassungen schreibt und den Stoff aufarbeitet. Ich weiß auch gar nicht wie man das anders schaffen kann.

Wie es also läuft wollt ihr wissen? Ich bin - wie die meisten meiner Kommilitonen - recht erschöpft und schwer ausgelastet. Stellenweise überfordert. Und dann noch leicht entmutigt, weil wir nach der letzten Prüfung nächste Woche gerade mal 5 Werktage Pause haben, ehe jemand an der Hochschule beschlossen hat, dass es eine ziemlich gute Idee wäre noch vor Vorlesungsbeginn am Montag ein jeweils ganztägiges Seminar von Freitag bis Sonntag einzuschieben. Frei nach dem Motto: Nach dem Semester ist bereits das neue Semester.

Der einzige Lichtblick: Das dritte Semester scheint wesentlich entspannter zu werden. Nicht nur, weil wir insgesamt seltener zur Uni müssen, sondern auch weil wir weniger Prüfungen haben und die noch dazu wesentlich angenehmer verteilt sind.

Seit Neurowissenschaften vergangene Woche (yay! lief gut!!) hab ich mich in Verhaltenstherapeutische Interventionen gestürzt. Angefangen bei der ersten Welle mit der grundlegenden Basis klassischer und operanter Konditionierung, über die zweite Welle mit den prominenten Vertretern Aaron Beck und Albert Ellis hin zu den Verfahren der dritten Welle von denen der ein oder andere sicherlich schon was gehört hat. Achtsamkeit, DBT, MKT und weitere illustre Abkürzungen die sich ähnlich anhören und ähnliche Inhalte haben, sodass es schwer ist sie auseinander zu halten.

Und weil mir schnell langweilig wird habe ich neben den Altbekannten Zusammenfassungen die man >>hier<< findet wieder eine Playlist bei YouTube zum Thema erstellt. >>hier entlang bitte<<

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Neurowissenschaften

Ich mache in den vergangenen Tage nichts anderes, ausser die Vorlesungen zu Neurowissenschaften vorwärts und rückwärts durchzukauen. Und weil das ziemlich zermürbend ist, habe ich auf die letzten Meter angefangen für verschiedene Störungsbilder bei YouTube entsprechende Videos zu finden, die den neuranatomischen/ neurowissenschaftlichen Schwerpunkt beleuchten. In der verlinkten Playlist findet ihr einführende und oberflächliche, jedoch grundlegende, Inhalte zum Hirn, den Netzwerken die uns beim Denken, Handeln und Fühlen helfen und wie das alles mit dem Körper und der Psyche zusammenhängt.

Ist auch jeden Fall ein niederschwelliger und bisweilen unterhaltsamer Einstieg in ein doch recht umfangreiches und komplexes Thema.

Und wer sich noch ein bisschen genauer fürs Thema interessiert, der darf sich auch gerne an meinen (bzw. an unseren) Lernkarten dazu bedienen. Die man aber eigentlich auch nur dann versteht, wenn man die entsprechenden Vorlesungen dazu kennt. Zu den Lernkarten hier entlang.


Ab zur Playlist:

https://www.youtube.com/playlist?list=PLfSdWoETXfPz4puzCWOemIV160DoYewJ5


Aber das wichtigste Video ist eigentlich sowieso das hier:





Stammhirn, Stammhirn!
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Sex and the City

Wir mussten in diesem Semester ein kleines Forschungsprojekt machen. Das sollte für ein Seminar so nebenher laufen. Eins kann ich vorweg verraten: Es hatte den Umfang einer besseren Bachelorarbeit und vielleicht auch so mancher Masterarbeit. Nur das wir nicht so viel Text schreiben mussten.

Wir sollten eine Forschungslücke finden (Anm. der frustrierten Studierenden: die in der anderen Kohorte mussten keine finden und konnten einfach *irgendwas* rumforschen), diese mit Literatur begründen und uns eine Fragestellung basteln. Darauf aufbauend eine Stichprobenplanung (also wieviele Probanden müssen meinen Fragebogen ausfüllen, damit ich einen signifikanten Effekt finden kann, sodenn es einen gibt?) und natürlich Zusammenstellung der Fragebögen und Auswertung mit der statistischen Methode unserer Wahl (oder auch Qual. So genau weiß man das jetzt auch nicht mehr).

SiSl

In diesem Prozess sollte die Fragestellung seitens der Dozentin umgeworfen werden, neue Konstrukte gefühlt wahllos dazu gepackt werden (am Ende haben wir zwei Konstrukte mit abgefragt, die sie haben wollte, die inhaltlich überhaupt keinen Sinn ergaben und auch in die Analyse keinen Eingang gefunden haben, weil … eh… sinnlos.) Nachdem wir dann dachten: Okay, jetzt nur noch die statistische Analyse, hatten wir wiedermal nicht mit der Professorin gerechnet die meinte die statistische Methode mehrfach ändern zu müssen, weil sich ja kein Effekt gefunden hat. Ich hab mal gehört, dass wissenschaftliches Vorgehen irgendwie anders ist. Das ging dann soweit, dass ich sie vor weiteren Kontakten gebrieft habe, dass ich eine weitere Umstellung der statistischen Methode psychisch nicht aushalten würde und leider sonst einen Stress bedingten Heulkrampf erleiden müsse.

Naja. Letzten Endes haben wir den Zusammenhang von sexueller Orientierung mit psychologischen Konstrukten wie Sensation Seeking, Sexual Sensation Seeking, Soziosexualität und Mating Strategies untersucht.

Genauer gesagt ob

  1. sich die Mittelwertsausprägungen in eben diesen Konstrukten zwischen den Geschlechtern und den sexuellen Orientierungen unterscheiden.
  2. und welcher der Prädiktoren Sensation Seeking, Sexual Sensation Seeking und Mating Strategies wohl am meisten Vorhersagewert an Soziosexualität hätte und ob sich dies in Abhängigkeit der sexuellen Orientierung wohl unterscheidet.

Zur ersten Frage lässt sich sagen, dass es Geschlechterunterschiede gibt, wobei die Männern in allen Ausprägungen die Nase vorn haben (was jetzt laut Forschungsliteratur auch nicht die Wahnsinnsneuigkeit ist). Jedoch gab es keine Unterschiede der sexuellen Orientierung, die wir vermutet haben. Laut den deskriptiven Ergebnissen waren zwar Unterschiede erkennbar im Konstrukt Soziosexualität (man vögelt gern rum) mit hohen Werten für Bisexuelle Frauen und niedrigen für Bisexuelle Männer, aber dieser Unterschied ist statistisch nicht signifikant geworden.

Zur zweiten Frage: Short Term Mating Orientation (man sucht jemanden für ein kurzzeitig angelegtes Intermezzo) war für alle drei sexuellen Orientierung der stärkste Prädiktor hinsichtlich Soziosexualität. Bei den Bisexuellen aber weitaus der Stärkste, bzw. in dieser Gruppe sogar der einzig Signifikante. Was das jetzt genau heißt, konnten wir aber leider auch nicht beantworten. Wir haben mal gemutmaßt, dass sich Soziosexualität bei Homosexuellen und Heterosexuellen womöglich durch andere Konstrukte als Short Term Mating besser erklären lässt (Leicht erkennbar, dass der Madame du SPSS das natürlich zu dünn war).

Um einen Effekt der sexuellen Orientierung hinsichtlich der Mittelwertsunterschiede (also für Frage 1) zu finden, war unsere Stichprobe deutlich zu klein. Wir hatten knapp 280 Probanden und hätten 850 gebraucht und einen kleinen Effekt wie unseren hier überhaupt zu finden. Vor allem hätten wir mal wesentlich mehr Männer gebraucht. Da gab es nämlich eindeutig zu wenig. Also wenig verwunderlich wenn ein kleiner Effekt dann gar nicht erst signifikant bzw. entdeckt werden kann.

Und was sagt uns das jetzt? Alles in allem haben wir jetzt keine signifikanten Einflüsse der sexuellen Orientierung auf die Ausprägung in den Konstrukten Sensation Seeking, Sexual Sensation Seeking, Soziosexualität und Mating Strategies gefunden.

Wer jetzt noch mehr dazu sehen will, dem sei unsere >>einigermaßen schicke PowerPoint<< empfohlen. Bei all dem Frust den wir damit hatten, so sind wir auch doch ein bisschen stolz drauf.


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Anpfiff für die Lernphase.

Das Semester neigt sich dem glorreichen Höhepunkt der mit vier Prüfungen ordentlich gefeiert wird. Letzte Woche fand die letzte regelhafte Veranstaltung in der Uni statt, aber auch die drei Wochen zuvor waren die Meisten nur noch sporadisch anwesend und rechneten akribisch aus wie oft sie noch zu welchem Seminar kommen müssen um die magischen 60% der Anwesenheit zu erreichen.

Normalerweise würde ich mich wohl kaum darüber freuen, dass mir im März nun all diese Prüfungen bevorstehen und ich eigentlich viel zu wenig Zeit habe mich darauf vorzubereiten. Aber dieses Semester war anders. In vielerlei Hinsicht.

Denn selten…. eigentlich noch nie… war ein Semester derart anstrengend für mich. Nicht einmal als ichmeiste 30h/Woche arbeiten zu müssen und zwei Module (sprich Vollzeitpensum) an der FernUni machen zu müssen. Aber das hab ich mir ja auch nur einmal angetan. Und wäre die finanzielle Investition in diese Ausbildung nicht derartig hoch, hätte ich entschieden ein Semester dran zu hängen und zwei Module aufzuschieben. Aber die Sache mit dem Geld tut weh. Und sie setzt einen unter Druck. Und dann leidet neben meinem seelischen Gleichgewicht leider auch die Qualität der Ausbildung.

Klar, sagen immer alle: sie lernen hier ja nicht für die Klausuren, sondern bilden die Basis für ihr späteres Berufsleben. Und ich würde ganz gerne in diesen Tenor einstimmen. Aber die Organisation der Module und Prüfungen macht es - zumindest mir - völlig unmöglich auch nur einen Krümel mehr zu tun als das was klausurrelevant ist. Schade für die eigentlich interessanten Inhalte.

Schon zu Beginn dieses Semesters war uns eigentlich allen klar, dass es ein hartes wird. An der Zahl sieben Prüfungsleistungen sollen erbracht werden. Drei davon habe ich jetzt schon mit mehr oder weniger glorreichen Ergebnissen hinter mir. Und bin jetzt eigentlich so weit, dass ich dringend Urlaub brauche.

Aber jetzt fängt die Lernerei eigentlich erst richtig an. Das ist eigentlich kein Grund zur Freude. Aber ein wenig erleichtert bin ich dann doch schon. Immerhin muss man nicht mehr dreimal die Woche in die Uni fahren und muss mehr oder weniger überflüssige (vom prüfungsrelevanten Standpunkt aus betrachtet) Veranstaltung absitzen um auf seine Anwesenheit zu kommen. Zeit in der man wunderbar die Wohnung putzen, zum Sport gehen oder einkaufen gehen könnte. Oder einfach schlafen.

Das zweite Mastersemester an der MSH hat sehr an mir gezehrt. Und wenn ich mich an der Uni so umgesehen habe, dann auch an so manch anderem. Warum man im ersten Semester nur drei Prüfungen und das zweite dann zum Todessemester mit sieben Prüfungen macht entzieht sich meinem Verständnis. Und auch der Sinn einer Anwesenheitspflicht erschließt sich mir auch immer noch nicht. Denn wenn die Veranstaltung mich scheinbar gut auf eine Prüfung vorbereitet und mir Wissen vermittelt komme ich so und so. Und wenn sie mir keinen Mehrwert zu bringen scheint, schreib ich entweder eine Hausarbeit und der Rest ist mir in so einem Semester herzlich egal, oder die Veranstaltung ist einfach schlecht. Natürliche Selektion im Hochschulbetrieb.

Immerhin habe ich diverse Dinge über mich selbst gelernt. Zum Beispiel wo meine Grenze der Belastbarkeit liegt. Oder dass ich viel bessere Leistung bringen kann, wenn ich selbst entscheiden kann, wann ich mich mit welchen Inhalten auf welche Art beschäftige. Und dass ich in Forschungsmethoden zu viel Zeit und Energie reingesteckt habe.

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Oh! Eine Umfrage

Und weil wir hier alle so gerne Fragebögen ausfüllen (und eigentlich sowieso nur deshalb Psychologie studieren…), haben wir nun auf einen hochgeladen. Ja genau. Der Fragebogen ist das Ergebnis aus dem Forschungsmethodenmodul über das man hier kürzlich (also einen Beitrag weiter unten) hat lesen können.

Ein paar Frustrations- und Hysteriemomente war es dann aber endlich so weit. Und nun ist unsere Arbeit seit Donnerstagabend online und wir suchen natürlich noch massig Teilnehmer. Weil g*Power nämlich ausgerechnet hat, dass wir wenigstens mal so 200 Probanden mobilisieren müssten, um die gewünschte/ erhoffte Effektstärke zu erhalten.

Und so darf ich auf diesem Blog nun zum ersten Mal darum bitten einen Fragebogen für mich und meine Forscherpartnerin auszufüllen.

Es geht darum ob und wie Persönlichkeitseigenschaften wie Sensation Seeking, Soziosexualität und Strategien der Partnerwahl mit der sexuellen Orientierung zusammenhängen.

Eure Antworten sind natürlich absolut anonym und dienen nur wissenschaftlichen Zwecken.

Das Ausfüllen dauert ca. 15 Minuten und euch ist unsere ewige Dankbarkeit sicher.

Hier gehts lang:
https://ww2.unipark.de/uc/Sex_and_the_city/bdd2/

Und im Rahmen der Masterarbeit folgt dann die zweite Bitte zum ausfüllen von Fragebögen. Freut euch schonmal drauf!


Herzlichen Dank im Voraus!

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Forschungsmethoden oder warum mir dieses Semester die Nerven raubt.

"Ich hoffe in Ihnen den Funken der Leidenschaft für die Forschung wecken zu können!"



So oder so ähnlich stand die Dozentin Anfang des letzten Semesters vor uns. Und ich dachte schon fast, dass dieser Satz wahr werden könnte. Denn sie hat sehr sicher ziemlich was drauf und gab sich schwer viel Mühe dieses recht unbeliebte Fach rund um Regression, Varianz und Testkonstruktion verständlich zu machen. Es war recht schnell klar, dass wir hier einem hohen Anspruch und hohen Anforderungen gegenüberstanden. Nun im zweiten Semester wünsche ich mir das - wesentlich gemütlichere - erste Semester wieder zurück.

Neben den anderen sechs Prüfungsleistungen sollen wir in Forschungsmethoden eine kleine Studie durchführen. Eigentlich gar nicht so unattraktiv. Bis man anfängt nach einer Forschungsfrage zu suchen. Die dann abgelehnt wird, weil es nicht in ausreichendem Maße einer Forschungslücke entspricht. Man sucht weiter fleißig in dem Themengebiet, dass einem interessant erschien. Gräbt sich in die Literatur und überlegt was man sonst noch untersuchen könnte. Geht zum nächsten Seminartermin, wird abgelehnt, weil zu wenig Konstrukte. Gräbt sich weiter in die Literatur in Themengebiete die schon gar nicht mehr so gut dem eingangs gewählten entsprechen. Findet neue Forschungsfragen. Geht zum Seminar. Wird abgelehnt. Bekommt Vorschläge gewisse Konstrukte mit einzubauen, die so gar nicht zum Thema passen. Sucht weiter Literatur. Wird abgelehnt. Bevor man im Rahmen des Seminars dann aber einen völligen Nervenzusammenbruch erleidet, wird das Thema beim sechsten oder siebten Termin dann doch noch angenommen. Einige konstruieren immer noch ihre Forschungsfrage. Die ersten haben ihre Fragebögen schon online. Auch wir basteln nun endlich fleissig am Online-Fragebogen. Und haben endlich wieder Zeit. Ob wir zufrieden sind mit unserer Fragestellung spielt an diesem Punkt schon gar keine Rolle mehr. Wichtig ist nur noch, dass wir weiter kommen. Und endlich wieder Zeit haben. Sooooo viel Zeit. Zeit um endlich all die andern Inhalte aus den anderen Modulen aufzuarbeiten in denen man ja noch Prüfungen hat.


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Sicherlich ist es immer sehr schwer eine Forschungslücke zu finden…. aber ob man die im Rahmen eines Seminars finden muss in dem es vor allem darum geht einmal den Forschungsprozess zu durchlaufen (mit Formulierung einer Fragestellung, Auswahl der passenden Instrumente, Erhebung, Auswertung und Präsentation der Ergebnisse), das sei mal dahin gestellt. Vor allem wenn man sieht, dass die Nachbarkohorten mit anderen Dozenten wesentlich geringere Anforderungen haben und eben einfach nur irgendeine Fragestellung untersuchen sollen, ohne eine Forschungslücke gefunden zu haben. Das Leben ist ungerecht. Und wird es vermutlich immer auch bleiben. Also finden wir uns damit ab, weil wir es nicht ändern können und machen unser Projekt einfach weiter.

Aber dafür dürfen wir uns doch eigentlich glücklich schätzen, dass wir die Gelegenheit bekommen wirklich was zu lernen. Und eigentlich sollten uns die Nachbarkohorten ja schon fast Leid tun, dass die nicht so hohe Anforderungen haben. Und vielleicht würde ich mich auch glücklich schätzen mehr lernen zu können als die Anderen. Aber vielleicht studiere ich auch ganz eventuell einen Masterstudiengang der durch die Bolognareform damals zerhackstückt und verschult worden ist. In dem für die freie Entfaltung persönlicher Wissenschaftsinteressen keine Zeit mehr bleibt. Also zumindest nicht für die normal leistungsstarken Studierenden. Weil das ganze System so stark auf Leistung und Massenabfertigung ausgerichtet ist.

Der Funken Leidenschaft für die Forschung…. wenn es ihn mal gegeben hat, der glimmt jetzt allenfalls noch vor sich hin. Schade eigentlich.

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Grüße aus Absurdistan

Ich bin mitten im zweiten Semester des Masterstudiums und in meiner Kohorte sowas wie stellvertretende Klassensprecherin. Damit bin ich Teil des StuRas und gehe mehrmals im Semester zu Sitzungen in denen unsere Mitstudenten der Kohortensprecherin und mir Wünsche, Vorschläge und Kritik mitteilen, die wir in diesen illustren Runden dann zur Sprache bringen. Die Medical School ist zum einen eine sehr junge Hochschule mit Abläufen und Strukturen die noch nicht allzu eingeschliffen und glatt gefahren sind und zum anderen eine sehr teure Hochschule. Letzteres bedeutet vor allem mal, dass die Interessen der Hochschule nicht nur die Wissensvermittlung- und Generierung ist sondern eben auch wirtschaftliche Interessen.

Da kann es schonmal vorkommen, dass als Kritik geäußert wird, dass die Kohorten zu groß sind und nicht genügend Platz in den Seminarräumen und Hörsäle ist. Und unter wirtschaftlichen Aspekten kann es da auch schonmal als Antwort von weit oben geben, dass man sich ja sehr bemühe, aber was man denn da machen solle. Dass man sich bemühe möglichst allen Bewerbern einen Studienplatz zu geben. Ob man diesen armen Bewerbern denn eine Absage geben solle oder Wartelisten führen solle. Und es sei ja nun mal kein Problem sich in die erste Reihe zu setzen. Da habe man halt keinen Tisch, aber das sei ja wohl kein Problem mal für anderthalb Stunden seine Unterlagen auf dem Schoß zu platzieren und der Vorlesung zu lauschen.

Schade ist an dieser Stelle das Vergessen darüber, dass die Studierenden dort viel Geld bezahlen für gute Lehre und gute Ausstattung. Und die allermeisten mir dort bekannten Menschen verstehen darunter tatsächlich auch einen Stuhl und einen Tisch. Weil es nämlich echt mühsam ist den Laptop auf dem Schoß zu jonglieren oder seinen Collegeblock so zu knicken, dass man darauf mitschreiben kann. Eventuell ist mein Anspruch ja übertrieben, aber ich bin mir fast sicher dass Kundenorientierung so nicht aussieht.

Weitere Absurditäten inkludierten die Auskunft, dass mehr (oder wie ich sagen würde: ausreichend viele) Steckdosen (zum Beispiel in Form von Leisten unter dem Tisch) in den Räumlichkeiten technisch nicht möglich sei. Wegen der Netzspannung. In einem gar nichtmal so alten Bürogebäude in der Hafencity. In einem Gebäude mit mehreren gut bestückten Computerarbeitsräumen….. die mit Steckdosenleisten unter den Tischen ausgestattet sind. Aber ich bin ja auch keine Technikerin und habe davon keine Ahnung. Deswegen studiere ich ja Psychologie. Und ausserdem könne ich mir beim Studierendenservice ja einen Laptop leihen. Und leider habe ich nicht gefragt ob der dann keinen Strom benötigen würde.

Aber sonst bin in Absurdistan übrigens sehr zufrieden. Bislang hatte ich auch immer einen Sitzplatz mit Tisch und meistens hat der Akku ausgereicht. Lucky me. :)

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Summerschool für die Klinische Psychologie

Mit der Umstellung von den Diplomstudiengängen auf das Bachelor-Master-System werden wir nicht nur unzählige Absolventen haben die nach dem Bachelor auf den Arbeitsmarkt schwemmen und nur ein Bruchteil wird den Weg über den Master gehen. Ausserdem wird das alles vergleichbarer und man hat mit dem Bachelor viel mehr Wahlmöglichkeiten bezüglich der möglichen Masterabschlüsse. Und weil das alles so supergeil ist musste ich an der Medical School für den Master ECTS in klinischer Psychologie nachholen, die ich an der FernUni im Bachelor nicht erreichen konnte, da sie nicht Teil des Curriculums waren.

Zu meinem Glück musste ich nicht alle 15 Punkte nachholen, sondern nur 10. Weil mir 5 Creditpoints von Kursen angerechnet wurden die ich an der vhb abgeschlossen habe. Welche Kurse mir da im einzelnen angerechnet wurden, das hat sich mir nie erschlossen. Fakt ist aber: der geringe Aufwand hat sich gelohnt.

An der MSH hatte ich nun zwei Möglichkeiten: 1) Die fehlenden Punkte während des Semesters zusätzlich zu den Mastermodulen erwerben. Durch Besuch der Vorlesung und Seminare und abschließender Prüfung. Oder aber Option 2) 4 Vollzeittage pro 5 ECTS in den Semesterferien mit abschliessender mündlicher Prüfung an Tag 5 die unbenotet bleibt und nur bestanden werden muss.

Anfang des Semester überschlug ich also den Zeitaufwand und nach einer Bedenkzeit von unter 5 Sekunden hab ich mich für die Summerschool entschieden. Damit würden zwar zehn Tage meiner wohlverdienten Semesterferien dahin schwinden, aber ich erhoffte mir insgesamt weniger Zeit an der Uni zu verbringen und zum zweiten viel viel viiiiiil weniger Zeit mit der Lernerei für eine benotete Klausur zu Hause verbringen, weil ja in der Summerschool gar keine Zeit zum zu Hause lernen mehr übrig sein würde.

Jetzt ist die Summerschool rum und ich hätte keine bessere Entscheidung treffen können. Jedes Modul wurde von einem Dozenten (maximal 2) gehalten. Die Gruppengröße war mit 8-13 Personen doch sehr klein und übersichtlich. Fast schon familiär. Es gab viele gute Diskussionen, viel Input und Denkanstöße. Es war glücklicherweise nicht ausschließlich das Nachholen von Themen die wir nach dem ersten Mastersemester schon alle kannten. Natürlich war es das zum Teil auch, aber es gab auch neuen Input und praxisnahe Fallarbeit.

Was ich eigentlich sagen will: Wer immer die Qual der Wahl hat, dem kann ich nur zur Summerschool raten und die verlorenen Tage der Semesterferien eben die verlorenen Tage sein lassen. Danach kommen noch 1,5 Monate freie Zeit…

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MSH KPP SS17.

Ich dachte man könnte mal ein bisschen Buchstabensalat in den Titel eines Eintrages einstreuen. Was das nun heißen soll? Medical School Hamburg. Masterstudiengang Klinische Psychologie und Psychotherapie. Gestartet im Sommersemester 2017. Also gewissermaßen meine Laufbahn.

Ich hab während des Semesters schon ein bisschen was zu meinen Eindrücken des Studiengangs und der Uni geschrieben. Im großen und Ganzen ist alles ziemlich super. Und dabei will ich es heute auch belassen.

Und weil das meine Art zu lernen ist habe ich natürlich wieder meine Zusammenfassungen geschrieben. Und weil die ja sonst eh nur auf meinem Rechner verschimmeln, weil ich die nach den Klausuren nur noch äußerst selten brauche, lad ich sie wieder hier hoch. So können sich jeder Neugierige ein Bild von den Inhalten des Studiums machen. Also erstmal natürlich nur vom ersten Semester.

Ahoi!

>>Hier gehts lang.<<

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Fahrradtour als Klausurvorbereitung

Gestern war der letzte Vorlesungstag des ersten Semesters an der MSH. Soweit ist alles super und ich bin hellauf begeistert von den Inhalten und der Strukturierung. Das Geld ist gut investiert würd ich meinen. Aber irgendwas ist ja immer… Und in diesem Fall sind es die beiden Klausuren nächste Woche. Geprägt von der FernUni (und weil ich Druck vor den Klausuren nicht abkann und dann schlichtweg nichts mehr mache) hab ich wie immer während des Semesters gelernt. Sicherlich ist es der Stoff nicht gerade wenig Umfangreich, aber von der Fernuni kenn ich da noch ganz andere Hausnummern. Andererseits waren die Studienbriefe dort wirklich sehr gut strukturiert und es war ziemlich klar was auswendig zu lernen ist und was nicht. Jetzt ist das etwas freier und das macht es auch schwieriger. Weil - zumindest was das Modul psychische Erkrankungen angeht - nicht ganz klar ist, was sie am Ende von einem Wissen wollen. Nach kommendem Montag wissen wir es. Dann wissen wir ob wir das richtige gelernt haben oder nicht.

Während nun also alle einen Endspurt einlegen zum lernen, hab ich erstmal ne Fahrradtour gemacht. Im Süden Hamburgs. Von Tiefstack bis Bergedorf über den Marschdamm und jede Menge Deich. Nach 60km sind meine Beine nun reichlich Matsch, dafür ist mein Kopf aber wieder etwas freier. Und natürlich mache ich auch meinen Lernendspurt. Aber wenn mein Körper mich um 5:45 aus dem Bett wirft, dann hab ich bis 9:00 halt auch schon drei Stunden gelernt und finde das für einen Tag schon gar nicht so übel.

Aber weil Fahrradfahren viel schöner ist als lernen und das Wetter dafür heute perfekt war: Nicht zu warm und nicht zu kalt und für Hamburger Verhältnisse windstill, musste das natürlich genutzt werden. Und immer nur drinnen und sitzen macht einen ja auch blöd im Kopf.

Herrlich prokrastiniert mit Fahrrad fahren und unter einem Vorwand einen Blogartikel zu schreiben ;)



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Master Reloaded

Die eifrige Leserin hat meinen ersten Masterversuch im Gebiet der Rechtspsychologie an der SRH verfolgt. Und auch dessen Scheitern. Für einen Neustart bin ich vor drei Wochen nach Hamburg gezogen. Hier gibt es an der Medical School ein - mit der SRH vergleichbar teures - Angebot des Masters in klinischer Psychologie und Psychotherapie. Meiner mehr oder weniger geheimen Leidenschaft. Ich hatte schon vergangenes Wintersemester mit einer Bewerbung gehadert und hab es dann aus Gründen nicht getan. Nun bin ich um ein paar Euro ärmer aber auch um ein paar wichtige Erfahrungen reicher.

Aber genug davon. Jetzt kommt der Teil auf den ihr wartet. Die Beantwortung der Frage wie es so ist:

Hamburg ist mega und immer einen Besuch wert. Einige verwirrte Seelen fragen mich bereits nach drei Wochen ob ich schon alles gesehen hätte während ich mich frage ob man jemals alles gesehen haben kann. Die Fakultät Humanwissenschaften zu der auch besagter Studiengang gehört ist im Hochschulstatus einer Universität gleichgestellt. Es besteht also Promotionsmöglichkeit und für diejenigen mit einem Bachelor von einer Universität auch die Möglichkeit eine Therapeutenausbildung anzuschließen. Zumindest mal in Hamburg (ob das in anderen Bundesländern möglich ist sollte jeder selbst überprüfen).

Da ich von der FernUni Hagen komme muss ich Creditpoints in klinischer Psychologie nachholen. An der Zahl wären es 15 ECTS. Hier wurden mir aber netterweise Kurse von der virtuellen Hochschule Bayern anerkannt (falls sich nochmal jemand fragt ob die zu irgendwas gut sind: ja!). Jetzt muss ich nur noch 10 Punkte nachholen. Durch mittelfristige Verwirrungszustände seitens der Uni sollte ich zunächst noch 5 Punkte in Arbeits- und Organisationspsychologie nachholen, aber das hat sich heute geklärt und NEIN! Gottseidank nicht. In Hagen hab ich auch gefühlt 30 ECTS erworben. Es gibt (neu seit diesem Semester) zwei Möglichkeiten diese Punkte nachzuholen:

1. Man besucht die entsprechenden Veranstaltungen während des Semesters und legt mit den anderen Bachelorstudenten gemeinsam die Prüfung ab
2. Man geht zur Summerschool ausserhalb der Prüfungszeit in der Vorlesungsfreien Zeit. Für 5 ECTS jeweils eine Woche mit direkt anschließender Prüfung.

Wie man das nun handhabt… Die Geschmäcker sind da sicherlich verschieden. Ich nehme die Summerschools, weil mir das unter dem Semester zu viel Stress ist.

Wenn ich ganz viel Glück habe wird mir das Semester in Rechtspsychologie noch anerkannt, sodass ich nicht zur Forensikvorlesung muss, was mir eine Prüfung erspart und etwas Lebenszeit in der ich andere Dinge machen kann, als Inhalte zu wiederholen die ich schon kenne. Für diese ganzen Anrechnungssachen gibt es eine furchtbar nette und hilfsbereite Ansprechpartnerin, die sich um alles kümmert.

Zu den Inhalten…. Ich weiß jetzt endlich was der Unterschied zwischen Vorlesung und Seminar ist. Das ist mir im vorigen Mastersemester nicht klar geworden (und an der FernUni gibts diese Unterscheidung aus Gründen gar nicht…). Die Vorlesungen sind durchweg gut. Die Dozenten sind vorbereitet und es wird viel Wissen vermittelt. Bisher wird der Spagat zwischen wissenschaftlichen Grundlagen und Anwendungsbezug wirklich hervorragend gemeistert. Im Modul Forschungsmethoden hab ich wahnsinnig viel Glück gehabt und hier eine Dozentin erwischt, die für ihr Fach und die Lehre zu brennen scheint. Ich habe das starke Gefühl, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben nicht nur irgendwas stupide auswendig lerne in Statistik, sondern auch was verstehe. Neben den Vorlesungen die vom Dozenten gestaltet werden müssen - wie man uns eingangs deutlich gemacht hat - wird in den Seminaren ganz klar unsere Mitarbeit erwartet. Überwiegend in Form von Referaten… Ausnahme wiedermal die Forschungsmethoden. Hier stellt die Prüfleistung ein Science Slam dar. Richtig. Wir freuen uns auch schon alle…. naja gut… vielleicht wenn es soweit ist.

Nach dem Reinfall im Wintersemester waren meine Erwartungen an eine weitere private Hochschule etwas gedämpft und zurückhaltend. Aber ich bin nun wirklich positiv überrascht und ziemlich begeistert. Und erwarte jede Woche den Einbruch. Dass es dann doch nicht mehr gut ist. Abschließend beurteilen lässt sich das Semester ohnehin erst nach den Klausuren, wenn man weiß ob die Klausuren was mit den Inhalten der Vorlesung zu tun haben oder eher weniger… Aber ich möchte mal zuversichtlich bleiben.

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"Da kann ich dir nur viel Glück wünschen."

Ich werde die Hochschule wechseln. Die Gründe dafür findet man hier, dort, da und vor allem auch hier drüben in eskalierender Reihenfolge. Es war an der Zeit zu akzeptieren, dass die Wahl des Schwerpunktes an diesem Standort die falsche für mich war. Ich habe entschieden, das erste Semester zu beenden, denn die Leistungen hab ich dann, und möglicherweise können sie mir irgendwann später mal etwas nützen. Ich besinne mich also zurück auf meine eigentlich erste Wahl im Bewerbungdschungel von 2016: die Klinische Psychologie. Und da ich diesen nervenaufreibenden Bewerbungstanz für die begrenzten Plätze an staatliche Universitäten kein zweites Mal mitmachen und vor allem aushalten möchte, hab ich mich über die Medical School in Hamburg informiert, verschiedene Studierende von dort angeschrieben und mich schlussendlich dort beworben für den M. Sc. in Klinischer Psychologie und Psychotherapie. Die MSH ist auch wieder eine private Hochschule, hat aber einen guten Ruf und mir wurden einige Empfehlungen ausgesprochen. Und wenn es nicht so super wird, wie man mir verspricht, so bin ich immer noch in Hamburg. Und das kann ja auch schonmal was.

Den Studienplatz hatte ich dann also. Fehlte nur noch ein Zimmer in einer netten, sauberen und hübschen WG. Also bin ich Freitags in den Norden gedüst um mir Samstag die Zeit mit insgesamt sechs Besichtigungen zu vertreiben. Und habe WGs besichtigt deren Bewohner und Ausstattung nicht unterschiedlicher hätten sein können. Da wäre auch so ein "Highlight" für ne gute Story dabei… .

Das wahre Highlight rief mich am Abend an, als wir vor den letzten beiden Besichtigung eine kleine Pause hatten. Sie habe eine große Wohnung in der Hafencity und würde ein kleineres Zimmer vermieten für 500€. Sie hat noch ein wenig erzählt, bis ich sie unterbrochen habe um die Eckdaten nochmals zusammenzufassen: Das Zimmer habe ca soundsoviele Quadratmeter, es gäbe bei der Größe sicherlich ein Wohnzimmer, ob das zur gemeinsamen Nutzung sei, fragte ich. Das wehrte sie sofort vehement ab. Nein, nein, also vielleicht wenn sie nicht da wäre, da müsse man dann halt mal schauen wie man miteinander zurecht käme. Ahja… gut. Weiter im Text. Die Miete betrage 500€? Ja, nein, so ungefähr glaubt sie. Sie hätte das noch nicht so genau durchgerechnet. Und genau das war der Moment. Der Moment nach einem harten Tag, indem ich erschöpft vor einem alkoholfreien Cocktail saß und nichts sehnlichster wollte als Abendessen und ab ins Bett. Der Moment in dem ich ihr mitteilte, dass das für mich dann keinen Sinn ergebe und ich mir das Zimmer nicht ansehen konnte. Sie war offenkundig einen kurzen Moment verdutzt, bevor sie erwiderte:


"Ja, also wenn du da im voraus schon so viel Sicherheit brauchst,
dann kann ich dir nur viel Glück wünschen.
Denn das wirst du brauchen bei der Wohnungssuche hier in Hamburg."

Äh ja. Danke. Dir auch. Der Standort Hafencity reisst halt auch nicht alles raus. Ich hab übrigens ein nettes kleines Zimmer in wirklich netter und umkompliziert wirkender Gesellschaft gefunden. Und da wusste ich sogar im voraus, wie groß das Zimmer ist, welche Räume ich mitbenutzen darf (nämlich alle Gemeinschaftsräume) und vor allem: Wie hoch die Miete ist.

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