Pflege

Überflüssige Aufnahmeroutine in der Psychiatrie?

Es gibt da ja Ansätze die auf den ersten Blick sinnvoll erscheinen. Ein Beispiel:

Neue Patienten auf einer psychiatrischen Station herumzuführen und alles zu zeigen dasitzt zeitaufwändig. Richtig. Im Hinblick auf das Zeigen der Räumlichkeiten ist das sicherlich nicht meine Lieblingstätigkeit. Weil es immer das gleiche ist und man sich den Mund fusselig redet. Abgesehen davon erzählen unterschiedliche Pflegekräfte unterschiedliche Dinge. Die Idee das per neuer Technologien im virtuellen Raum zu standardisieren klingt also plausibel und sinnvoll.

Bis man anfängt sein Hirn zu benutzen: Es geht ja nicht nur darum dass der Patient weiß wo die Waschmaschine steht und wo es was zu essen gibt. Es geht für mich als Pflegekraft ja auch in ganz beträchtlichem Ausmaß darum, den völlig unbekannten Mensch kennen zu lernen und ein wenig einschätzen zu können. Oft ist also diese unliebsame Tätigkeit so aufschlussreich wie das ärztliche Aufnahmegespräch.


Hier eine Studie zum Thema:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=A+virtual+psychiatric+ward+for+orientating+patients+admitted+for+the+first+time.

Comments

Das Problem sind die Teilzeitkräfte.

Wenn ich mich mit pflegerischen Kollegen unterhalte geht es oft über privates, häufig auch über Abläufe in Krankenhäusern, die historisch anmutenden Machtkämpfe zwischen Pflege und Arzt, oder aber schlichtweg über die Personalpolitik.

In den allermeisten Fällen ist man sich einig: Auf den Stationen in Krankenhäusern (und dabei ist es völlig egal in welche Institution man schaut) sieht man pflegerische Unterbesetzung. Da ist eine Pflegekraft schnell mal für 8-10 pflegeaufwändige Patienten zuständig, im Nachtdienst sind es gerne mal 20. Oder noch mehr. Und von der Bezahlung für diesen Job will ich gar nicht mal anfangen. Für diejenigen die sich jetzt wenig unter dem Arbeitsaufwand vorstellen können: Stellt euch vor einem Säugling die Windeln zu wechseln und ihn zu füttern. Das entspricht etwa dem Zeitaufwand für die Pflege eines Patienten. Wenn keine aussergewöhnlichen pflegerischen Maßnahmen erforderlich sind. Oben drauf kommt noch die Dokumentation, die ca. ein Viertel der realen pflegerischen Aktivität entspricht. Nun stelle man sich also bitte vor, dass man 8-10 Säuglinge zu wickeln und zu füttern hat und im Nachhinein genauestens aufschreiben muss, was man getan und gefüttert hat und wie es dem Baby so geht. Schwierig das in 8 Arbeitsstunden unterzubringen? Richtig. Ist aber das Problem der jeweiligen Pflegekraft.

Manchmal hört man von seinen pflegerischen Kollegen aber durchaus andere Begründungen für den Pflegemangel auf Station: "Das liegt nämlich an den Teilzeitkräften. Die haben nämlich immer irgendwelche Klausuren* oder sonst irgendwelche Termine." Im Umkehrschluss bedeutet diese Annahme dann auch, dass es keine personellen Probleme gäbe, wenn alle Mitarbeiter Vollzeit arbeiten würden.

Was das heißen soll? Der Pflegenotstand kann durch die Teilzeitkräfte nicht dadurch gestopft werden, dass er eben mal am freien Tag einspringt, oder spontan die nächste Schicht wechselt.

Als Teilzeitkraft hört man auch öfter mal den verdeckten Vorwurf, dass man ja ruhig mal einspringen könnte, wenn man schon so viel frei hätte. Das man auch für weniger Arbeitszeit bezahlt wird, dass man möglicherweise ein Privatleben hat und nicht für die Arbeit lebt, dass man möglicherweise schlichtweg Gründe hat um weniger als 40h/Woche zu arbeiten, kommt diesen Leuten scheinbar nicht in den Sinn. Das man auch als 100%-Kraft dieses desolate System stützt, wenn man immer wieder sein eigenes Privatleben über den Haufen wirft, nur um den Kollegen bei Seite zu springen, wenn man wieder Not am Personal ist (was ungefähr an 2-3 Tagen pro Woche der Fall ist), kommt den Leuten auch nicht in den Sinn. Man ist davon überzeugt, dass die Teilzeitkräfte das Problem sind.

Manchmal bleibt mir auch nur ausdauerndes kräftiges Kopfschütteln als Handlungsalternative übrig.


*Anmerkung: Ich habe während meiner Teilzeittätigkeit ein Teilzeitstudium gemacht. Ich musste zweimal im Jahr zu Klausuren. Nur so von wegen "ständig irgendwelche Klausuren".




Mehr lesen...
Comments

Bewerbung einer Pflegekraft.

Bewerbung für Job xy

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bewerbe mich für ihre ausgeschriebene Stelle und mein Profil ist wie maßgeschneidert für sie. Die Arbeit mit Menschen unterschiedlichster Herkunft bereitet mir ausserordentlich große Freude und bin emotional überdurchschnittlich belastbar. Ich höre mir all deren Geschichten an und stehe ihnen bei wenn sie in menschliche Abgründe blicken müssen und bin Begleiter im Schmerz. Ich bin äußerst flexibel, was ich regelmäßig im Schichtdienst unter Beweis stelle, wenn ich meine Spät- gegen eine Früh- oder einer Nachtschicht tauschen muss. Sehr oft schaffe ich es auch, durch mein koordinatives Geschick und mein ausserordentlich gutes Talent im jonglieren von Terminen auch am Folgetag für eine Schicht einzuspringen, obwohl ein frei geplant war und ich diverse Termine dort vereinbart hatte. Auch physisch bin ich auffallend belastbar, denn ich schaffe es beinahe mühelos zwischen einer Spät- und einer Frühschicht noch einen Bereitschaftsdienst einzulegen. Darüber hinaus bin ich auch überaus genügsam. Ich habe eine gute Ausbildung, ich weiß ganz genau was ich kann, aber ich prahle nicht damit. Ich habe kein Problem damit, mich unter Wert zu verkaufen und meine Arbeitskraft für mehr zur Verfügung zu stellen als mein Körper und Geist auf Dauer leisten kann.

Kurz gefasst: Ich bin ihr Mädchen für alles. Und zwar wirklich alles. Ob es um fachliche pflegerisch-medizinische Kompetenz geht, darum ihnen den Arsch zu retten oder einfach nur um Kaffee zu kochen: Ich kann es. Und ich bin dabei wirklich mehr als bezahlbar.

Comments