Weihnachten wird unterm Baum entschieden?!



Solcher und ähnlicher Werbung mit eben diesem Slogan kann man dieser Tage eigentlich nur dann entgehen, wenn man zu hause bleibt und ein Buch liest.
Denn sie ist überall anzutreffen: TV, Internet, Prospekte die ungewollt im Briefkasten liegen, Radio, Riesige Plakate an der Straße.

Soweit so gut. Eigentlich stört es mich nicht weiter. Ich finde die Werbekampagne die derzeit läuft genauso bescheuert wie alle anderen von MediaMarkt. Zudem hat MediaMarkt mit dieser Kampagne es - wieder einmal - geschafft in aller Munde zu sein. Ob der Konzern damit positiv oder negativ im Gedächtnis haften bleibt ist zunächst einmal nebensächlich. Wichtig ist doch, dass man überhaupt irgendwie im Gedächtnis haften bleibt. Wegen des Wiedererkennungswertes und so.

Aber eigentlich sollte es gar nicht darum gehen, ob ich die Kampagne gut oder schlecht finde, und ebenso wenig wollte ich was darüber erzählen wie ich MediaMarkt finde.

Was ich erzählen wollte ist, dass ich mir Gedanken über eben diesem Slogan gemacht habe:

1. Warum sollte Weihnachten unterm Baum entschieden werden? Vielleicht gibt es Leute die unter einer Palme feiern, oder gar kein behängtes Grünzeug in der Wohnung haben, aber trotzdem Weihnachten feiern. Oke das mag nicht die Mehrheit der deutschen sein, aber trotzdem.

2. Warum sollte Weihnachten überhaupt entschieden werden? Sind wir hier bei nem Pferderennen und die Frage ist ob du auf's richtige Pferd gesetzt hast und dich von nun an Wettkönig nennen darfst?

3. Warum verticken die da in der Werbung immens teure Geschenke?

4. Warum regt sich Deutschland über diese Werbung auf? (diese Info stammt aus zwielichtiger Berichterstattung der Kabelkanäle)

Im Endeffekt rede ich nun doch mehr über die Kampagne alswie ich wollte. Aber so ist das jetzt. Ich glaube, dass die Werbekampagne ziemlich genau den Nagel auf Kopf trifft. Ist es nicht so, dass die Gesellschaft in den letzten Jahren immer mehr kommerzialisiert ist? Ist es nicht so, dass Kinder immer mehr/ größere/ tollere Geschenke erwarten? Ist es nicht so, dass Eltern sich Vorwürfe machen, wenn sie die Wünsche ihrer kleinsten nicht erfüllen können?
Ich sehe da mein - allseits beliebte - Bildungsbürgerfamilie vor mir: Vater Vollzeit berufstätig, Mutter ist Hausfrau und Halbtagsberufstätig, das Kind ist vormittags in der Schule und nachmittags im Wechsel beim musizieren oder im Sportverein. Die Bildungsbürgereltern wollen nur das beste für ihr Kind. Sie machen alles - natürlich - besser als ihre eigenen Eltern (würde ich auch tun, bzw. versuchen... aber ob das klappen würde....). Sie lesen Bücher zum Thema erziehen, lesen dort, dass sie dem Kind Grenzen aufzeigen müssen (aber ja keine Gewalt) und setzen das um:
"Jean-Luca, wenn du jetzt den Nikolaus essen willst, dann musst du danach Hausaufgaben machen." "Jean-Luca, wenn du deiner kleinen Schwester Kiara-Jeanette die Schaufel wegnimmst ist sie ganz traurig und bekommt später mal Depressionen"

Das ist jetzt zunächst nicht weiter schlimm. Die Bildungsbürgereltern wissen es nicht besser. Sie denken das ist gut so, denn dann lernt das Kind gleich die Gründe dafür irgendetwas besser zu lassen und was anderes zu machen. Was sie dabei leider übersehen (weil sie nicht in die Zukunft gucken und am allerwenigsten hinter ihren eigenen Rücken sehen können) ist dass Jean-Luca ihnen ein paar Jahre später die Zunge rausstrecken und die Familie im Griff haben. Also die Eltern zumindest... was mit der kleinen Kiara-Jeanette ist wissen wir nicht.
Was ich sagen will: Die Kids wissen wie sie es anstellen müssen um das zu bekommen was sie haben wollen, sie wissen nämlich genau, dass die Eltern im Grunde nur das Beste für sie wollen und dass sie ihr Kind auf keinen Fall enttäuschen wollen (denn im Erziehungsratgeber stand ja, dass sowas psychische Schäden auslösen kann).

Und genau deshalb gibt es solche Werbung. Und ich finde es völlig in Ordnung.

Ich für meinen Teil freue mich auf ein paar freie Tage, die ganz viele andere auch frei haben. Und weil das so ist, besteht hier eine große Möglichkeit (gerade für Familien mit vielen Angehörigen aus dem Schichtdienst) möglichst komplett einen schönen Tag zu verbringen und an den anderen Tagen den Rest der Familie zu besuchen. Ich ich darf Menschen beschenken. Weil ich das nämlich gerne mache. (Aber sicherlich nicht mit einem Kühlschrank, wie die Werbung das zeigt)

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