Warum lieben wir eigentlich?

Bevor ich mich auf meine mündliche Prüfung in Tiefenpsychologische Intervention (also den krassen Shit mit Sigmund Freud, Melanie Klein, den Übergangsobjekten und ähnlichem) vorbereitet habe, war ich der Tiefenpsychologie und der Psychoanalyse gegenüber immer eher skeptisch eingestellt. Das hat sich jetzt ein bisschen geändert und ich denke, dass einige Konzepte gar nicht so verkehrt sind, wenn man sie erstmal in normale Sprache übersetzt hat (was die eigentlich Kunst an dem Ganzen ist).

Thematisch ging es in der Lernphase viel um das Unbewusste, die Entwicklungsphasen der Psyche und wie sich eigentlich die Theory of Mind entwickelt (also wie ich lerne die Perspektive anderer Menschen zu übernehmen und überhaupt zu erkennen, dass andere Menschen eventuell andere Gefühle haben). Was passiert wenn dem Säugling und Kleinkind die empfundenen Affekte nicht adäquat gespiegelt werden und es gar nicht lernt seine eigenen Affekte zu benennen. Und warum wir alle eigentlich Übergangsobjekte - also unsern Lieblingsteddy - in der Kindheit so dringend brauchten und warum es ein Drama war, wenn der Teddy nicht auffindbar war, oder irgendwo verloren gegangen ist.

Am Rande dieser prüfungsrelevanten Themen habe ich viele andere interessante Dinge gestreift die ich leider nicht vertiefen konnte, aber im Hinterkopf behalten wollte. Wie zum Beispiel die Frage warum wir jemanden lieben. Oder ob wir unseren gewählten Partner überhaupt lieben. Eine mögliche Idee kann doch auch sein, dass Tina ihren Heiko nur glaubt zu lieben, da dieser ihr durch seine Zuwendung und Bestätigung die Möglichkeit gibt sich selbst zu lieben. Demzufolge wäre Liebe etwas sehr egoistisches und man könnte nur schwerlich den romantischen Anteil daran finden, dass man jemand anderem seine Liebe schenken möchte. Zu behaupten, dass man also seinen Partner nicht wirklich liebt, sondern sich selbst durch den Partner schlichtweg nur mehr liebt halte ich für ein wenig gewagt und zu kurz gedacht.

Wovon ich jedoch überzeugt bin: Wer sich selbst nicht liebt, der ist nicht bereit jemand anderem wirklich Liebe zu geben. Denn er benötigt selbst viel zu viel. Wer nicht hat, der kann nicht geben. Insofern ist also schon was dran, dass Mathias seinen Andreas gewissermaßen braucht, da Andreas ihm Bewunderung, Zuwendung und Liebe für ihn als Person gibt. Mathias' Selbst wird durch Andreas bestätigt. Damit wird Mathias' Selbst stabiler und stärker. Und am Ende des Tages suchen wir alle unbewusst nach Bestätigung für unser Selbst und Dingen die unseren Selbstwert erhöhen. Durch die Liebe unseres Partners oder der Partnerin ist es uns also möglich uns selbst mehr zu lieben, uns mehr so zu akzeptieren wie wir sind.

Auf der anderen Seite gehe ich davon aus, dass wir uns unsere Partner nach gewissen Kriterien aussuchen. Dabei meine ich nicht unbedingt das Schema bezüglich irgendwelcher äußerlichen Merkmale. Sondern vielmehr ein Schema bezüglich unserer eigenen inneren Bedürfnisse. Wenn wir glauben einen Gegenüber gefunden zu haben, der irgendwelche Bedürfnisse in uns erfüllen kann, dann wollen wir diesen Menschen an unserer Seite. Und wenn wir dann noch das Gefühl haben, dass wir bewundert werden, das wir gemocht werden als die Person die wir sind, dann ist das der Nährboden für Liebe. Liebe die wir empfangen können und Liebe die wir geben können. Wenn wir bereit dafür sind…. also wenn wir selbst mit uns und der Person die wir sind klar kommen.

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