Lieber Bolognese statt Bologna.

Gestern habe ich meine vorerst letzte Master-Bewerbung verschickt. In den Wochen zuvor bin ich zum Teil wahnsinnig geworden mit den Anforderungen die jede Uni sich da ganz individuell zurecht gelegt hat. Dabei sollte mit der Bologna-Reform und der Umstellung in Bachelor und Master (ehemals Diplom) alles viel einfacher werden. Die Mobilität erhöht, vielfältige Möglichkeiten der Berufstätigkeit sollten sich schon mit einem Bachelorabschluss bieten. Wer das wirklich geglaubt hat: Weit gefehlt. Wo sind nun all die Arbeitsplätze die man sich von die Bachelorabsolventen erhofft hat? Wer sich keinen selbst bäckt, der hat in aller Regel keinen. Und das was man den Bachelorabsolventen anbietet … Da bleibt ich ehrlich gesagt lieber noch eine Weil ein Pflegeberuf. Da bekomm ich ähnlich viel bezahlt, hab aber 'nur' eine dreijährige Ausbildung absitzen müssen und hab weniger Verantwortung.

Wer also den Bachelorabschluss nicht angestrebt hat um im ausgeübten Beruf eine Gehaltsklasse aufzusteigen, oder in eine selbstständige Tätigkeit zu investieren oder einfach Glück hat, dem bleibt nicht anderes übrig als einen Masterabschluss anzustreben. Das Problem an der Sache: Die Uni bilden mehr *kleine* Bachelorpsychologen aus, als sie Plätze für den *großen* Masterabschluss anbieten. Was dann folgt ist der Klassiker der Evolutionstheorie: Surival of the fittest. Gestenauslese. Im wahrsten Sinne des Wortes. Mit einem Bachelorabschluss schlechter als 2,0 wird die Luft schon arg dünn.

Als ob das aber noch nicht reichen würde, darf jede Uni ihre eigenen Vorgaben zur Zulassungsvoraussetzung, Eignungsprüfung und Auswahlverfahren setzen. Was man als frisch gebackener B.Sc. in Psychologie mit Masterambitionen also zunächst macht: Zulassungs- und Prüfungsordnungen jeder Uni lesen die für einen selbst in Frage kommen. Hat man dann genug Unis auf seiner Liste fängt man irgendwann an sich zu bewerben. Und wem es bis dato noch nicht klar war, dass jede Uni sein eigenes Auslese-Süpplein kocht, dem wird es spätestens nach 5 h bewusst, wenn man mit viel Fleiß und Glück gerade mal 4 Bewerbungen fertig bekommen hat. Weil jeder was anderes will. Weil die Bewerberportale zwischenzeitlich abstürzen. Weil man die Fragebögen der Bewerberportale nicht versteht. Weil man seine Krankenversicherungskarte suchen muss, weil irgendwelche Unis die Krankenversicherungsnummer wissen wollen (HÄÄ?!). Das ihr nicht wissen wolltet wie mein Haustier hieß, und warum ich überhaupt ohne ein solches aufgewachsen bin, ist bis jetzt wirklich alles.

Mit etwas Glück habe ich mir die Anmeldefristen der verbleibenden Unis auf meiner Liste korrekt rausgeschrieben. Ich werde also erstmal in Urlaub fahren und danach hat sich im besten Falle jede weitere Bewerbung erübrigt, weil ich vielleicht schon von irgendwo eine positive Rückmeldung habe. Und wenn nicht, bin ich danach zumindest erholt genug die verbleibenden 8 oder 9 Bewerbungen fertig zu machen.

Bis jetzt sind Bewerbungen raus für Heidelberg, Mannheim, Koblenz-Landau, Tübingen, Ulm, Jena, Leipzig, Magdeburg, Regensburg.

In diesem Sinne also wirklich sehr viel lieber Bolognese-Sauce anstatt Bologna-Saufhaufen.

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