Wir können alle Rassisten sein.

"Der Rassist ins uns" ist der Titel eines Workshops. Die Blauäugigen wurden von den Braunäugigen separiert. Die Braunäugigen befinden sich dabei in der besseren Postion, die blauäugigen stellen die diskriminierte Gruppe dar. Es sind alltäglich zu beobachtende Mechanismen, welche Diskriminierung begünstigen. Es passiert jeden Tag.

... Heute mal wieder was sehr persönliches....

Ich bin das Kind deutscher Eltern. Mit deutschen Großeltern und vermutlich noch Urgroßeltern. Ich habe braune Haare und braune Augen. Eine helle Haut. Und trotzdem habe ich ein Problem mit Diskriminierung. Jeden Tag. Ich bin groß, habe kurze Haare und ziehe Frauen den Männern vor. Ich gehe jedes Mal mit gesenktem Kopf in die Damentoilette. Warum? Weil ich jedes Mal, wirklich jedes Mal irgendwie von der Seite angelabert werde. Ich sei auf dem falschen Klo, ist dabei noch das netteste. Begründung dafür sind keineswegs rassistische und ausgrenzende Hintergründe, sondern das ich zu männlich aussehen würde. Die Schuld wird also mir selbst zurückgegeben. Ich seh nicht so aus, wie es erwartet wird. Das ist vergleichsweise harmlos. Aber das ist Diskriminierung. Es gibt viele Tage an denen macht mir das nichts aus. Da kann ich darüber hinwegsehen. Aber es gibt auch Tage... an denen trifft mich das. Es trifft mich, dass ich in irgendeine Gruppe abgegrenzt werde.

Diese Gesellschaft ist so unfassbar weit von Gleichstellung entfernt wie der Mond von der Erde. Und wenn ich dann Diskussionen darüber lese, dass man schwul nicht als Schimpfwort benutzen sollte, werde ich regelmäßig wirklich ärgerlich, weil das am eigentlichen Problem so meilenweit vorbei geht. Es geht nicht um irgendwelche Beleidigungen und Schimpfwörter. Es geht um den Alltag. Um die gleiche und gleichwertige Behandlung im Alltag. Und wenn wir (ihr) das hinkriegen, können wir meinetwegen auch über die akzeptablen Schimpfwörter reden.

--> Der Rassist in uns: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2174378/Der-Rassist-in-uns

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