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An manchen Tage tue ich mir schwer mit meinen Mitmenschen und deren eigenartigen Verhaltensweisen. Ich versuche in der Regel aus deren Verhalten schlau zu werden. Teilweise weil es mein Job ist und teilweise weil die Leute in meinem Privatleben auf nicht unbedingt schlüssiger agieren. Ein mir sehr geschätzter Kollege brachte dass vor einiger Zeit mit einem Satz auf den Punkt, der sich gewissermaßen bei mir eingebrannt hat:


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Und genau darum geht es. Ich kann mich davon gar nicht ausnehmen, dass auch ich bisweilen auf der Handlungsebene etwas andere fabriziere, als ich auf der verbalen Ebene von mir gegeben habe. Aber ich bin stets bemüht um eine möglichst hohe Kongruenz dessen was ich zu jemandem sage und dem Outcome wie ich mich dieser Person gegenüber dann verhalte. Ob das immer so gut hinhaut müssen vermutlich andere beurteilen.

Im Großen und Ganzen ist also viel weniger interessant was die Leute zu einem sagen, sondern viel interessanter was auf sie auf der Handlungsebene tun und was auf der Beziehungsebene ankommt. Um nachvollziehen zu können, was auf der Beziehungsebene passiert ist es von Vorteil, wenn man ein gewisses Gespür für seine Mitmenschen mitbringt und noch viel mehr einen ehrlichen Blick in sich selbst werfen kann. Dabei gibt es jedoch zwei hervorstechende Probleme:

1. Man ist immer (wirklich immer!) bestrebt, das zu glauben, was einem der Gegenüber auf der verbalen Ebene mitteilt.
2. Man ist verletzt und - je nach Sachlage - auch schonmal gerne gekränkt in seinem Stolz wenn man die Inkongruenz zwischen verbaler und Handlungsebene erkennt. Man fühlt sich belogen.

Also wie ist das ganze aufzulösen? Ich vermute: Gar nicht. Man kann sich bewusst machen, dass kaum ein Mensch es schafft wirklich ehrlich zu anderen zu sein, weil es uns allen äußerst schwer fällt ehrlich zu uns selbst zu sein. Wir leben alle bis zu einem gewissen Grad in unserer ganz eigenen Realität. Und zwar in einer, die unseren Selbstwert maximal schützt. Wer immer gnadenlos kritisch und ehrlich sich selbst gegenüber ist, der kommt im Leben vermutlich auch einfach nicht weit. Man müsste sich ständig fragen was man eigentlich will und ob der Weg auf dem man sich gerade befindet zielorientiert ist um das erwünschte Outcome zu erreichen.

Vielleicht muss man sich mit der Radikalen Akzeptanz zufrieden geben, dass die Dinge nun mal sind wie sie sind. Das verbale Ebene und Handlungsebene so gut wie nie zusammenzufallen scheinen, sondern sich immer eine Diskrepanz ergibt. Manchmal allerdings möchte ich an dieser Erkenntnis verzweifeln und versuche Erklärungsmodelle zu finden, warum sich Menschen so verhalten.

Und um das Ganze zu veranschaulichen. Ein Beispiel das wirklich jeder kennt, der bereits ein bis zwei erfolglose Beziehungsversuche hinter sich hat. Mindestens ein Part kommt auf die Idee:

Verbal: "Ich mag dich, lass uns Freunde bleiben."
Handlung: Nichts. Unter Umständen auch gerne mal halbfertige Antworten auf Kontaktversuche.
Beziehungsebene: Von 'Ich mag dich' nicht mehr viel zu merken. Dafür aber sehr viel von: 'Ich mag meine Ruhe von dir und du bist mir ziemlich egal'


Wer würde angesichts solche Inkongruenzen nicht verzweifeln. Es ist ein Tritt ins Gesicht mit einem Hundescheiße beschmierten Schuh.

Was da auf der Beziehungsebene ankommt und ob das so beabsichtigt ist, das steht auf einem ganz anderen Blatt. Häufig sind da wohl irgendwelche Ängste im Hintergrund. Aber woher soll man das wissen, wenn man nicht miteinander redet.

Also wie löst man das auf: Ich würde jetzt mal ganz naiv sagen: Indem man miteinander offen und ehrlich umgeht. Aber das scheint schwieriger zu sein, als ich mir das in meiner kleinen Welt vorstelle. Oder wir einigen uns alle darauf überhaupt nicht mehr miteinander zu reden. Und nur noch auf der Beziehungs- und Handlungsebene zu agieren. Aber das ist genauso utopisch.

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