Generation Y - Wieso, Weshalb, Warum. Und wofür eigentlich?

Was die Generation Y ausmacht wird in diesem Wikipedia-Artikel eigentlich gut erläutert. Aber um es noch mal kurz zusammenzufassen: Wer zwischen 1977 bis 1998 geboren wurde, zählt zu dieser Generation. Während die Elterngeneration mal irgendwann eine Ausbildung absolviert hat und in diesem Job häufig bis zum Rentenalter arbeitet (oder gearbeitet hat) und die Elterngeneration auch für viele Sachen gekämpft hat, scheint das Verhalten in meiner Generation eher geprägt von Ziellosigkeit, Treibenlassen, Nicht-festlegen-wollen und dem Streben nach dem Besseren.

Genauer betrachtet ist das Verhalten gar nicht so ziellos wie es nach aussen hin wirkt. Wir sind aufgewachsen in einer Welt in der sich - nicht zuletzt durch massive technologische Errungenschaften - unzählige Möglichkeiten ergeben. Eine Entscheidung zu treffen wohin man im Leben will, welche Ziele man erreichen will, ist nicht wirklich einfach. Und es wird umso schwieriger wenn man so viele Möglichkeiten präsentiert bekommt. Wenn man erzogen wurde mit dem gut gemeinten Wissen: "Du kannst alles werden was du willst". Aber was will ich eigentlich? Wer bin ich überhaupt? Und wer sind all diese anderen Menschen? Sind es Konkurrenten, oder sind es Freunde die mir auf meinem Weg Unterstützung bieten können? Generation Y ist als Bezeichnung nicht ganz unberechtigt. Ich weiß nicht wie es in den Generationen vor mir oder nach mir war. Ich weiß nur, dass sich in meinem Bekanntenkreis (der sich oh Wunder! auf das Altersspektrum von 23 - 36 bezieht) viel hinterfragt wird. Jeder ist irgendwie auf der Sinnsuche und fragt sich was seine großen Ziele im Leben sind. Meine Eltern hatten in dem Alter schon zwei Hosenscheisser zu Hause und ganz andere Probleme (vermute ich).

Ich (und eben auch alle meine Bekannten) stehen aber vor einem Bällchenbad voller Möglichkeiten und Optionen. Ich für meinen Teil hab eine Ausbildung angefangen, in dem Wissen, dass der Job mich nicht bis zum Eintritt des Rentenalters erfüllen wird. Aber: Ich kann ja alles werden was ich will. Glücklicherweise hab ich mich irgendwie zum Abitur durchgeschleppt und mir standen damit in der Tat mannigfaltige Möglichkeiten zur Verfügung. Nach der schulischen Ausbildung springen wir alle voll motiviert in eben jenes Bällchenbad. Und je tiefer wir graben, desto gewisser wird eines: Eine Qualifikation allein wird nicht ausreichen. Die Zukunft ist ungewiss. Zusätzlich zu Plan A, brauchen wir Plan B. Und Plan C. Und wenn das nicht funktioniert müssen wir uns ganz flexibel wie ein Aal durch das Bällchenbad schlängeln und uns einen anderen Platz suchen.

Wir haben Angst uns festzulegen. Wir haben Angst, dass der Job den wir machen uns nicht erfüllt. Verdammt! Wir suchen allen Ernstes nach dem Sinn und der Erfüllung. Wollen ein besseres Leben als alle anderen. Wir wollen auf diese abgefahren bunte Wiese und als glückliche Einhörner Regenbögen pupsen. Wir tun uns schwer uns mit dem Mittelmaß zufrieden zu geben. Wir wollen es besser machen als die anderen. Streben nach Zieloptimierung. Manche verlieren das Leben darüber hinaus aus den Augen. Sie haben soviel Angst davor, die falsche Entscheidung zu treffen, dass sie sich gar nicht mehr festlegen wollen. Serielle Monogamie war gestern. Heute finden sich in meinem Umfeld hier und da polyamouröse Beziehungen und Bestrebungen. Polyamorie ist nicht zu verwechseln mit offenen Beziehungen. Es geht nicht um das Sammeln von One Night Stands sondern um das Aufbauen von langfristigen (Liebes-)Beziehungen mit mehreren Menschen. Das Konzept ist für mich gewissermaßen ein Sinnbild für diese Generation. Man legt sich nicht fest. Aber irgendwie auch doch. Man baut sich eine Beziehung zu Partner A und Partner B auf. Vielleicht auch noch Partner C. Oder doch was ganz was anderes. Man hat Angst was zu verpassen. Angst sich besseren Möglichkeiten zu verschließen, sofern man sich selbst vom Markt nimmt, weil man sich auf einen Partner festgelegt hat. Wer sich mehrere Partner sucht, hat evolutionäre Vorteile. Da kann der Vater für die Kinder dabei sein, der Partner mit dem man ins Ballett geht und die Partnerin mit der man Berge besteigt. Wir können alles werden was wir wollen! Wir müssen uns nicht mal auf ein Geschlecht festlegen. Werde bei der Partnerwahl, noch bei uns selbst. Facebook bietet 60 Möglichkeiten sich selbst irgendwo auf der Gender-Skala einzusortieren. What the Fuck!? 54 der Begrifflichkeiten kenne ich nicht mal.

Die Sache mit der Partnerwahl…. Würde ich jedesmal einen Kurzen trinken, wenn mir einer sagt, dass er sich für beziehungsgestört und bindungsunfähig hält, ich wäre von morgens bis abends voll. Ihr habt alle keine Beziehungsstörung und ihr habt auch alle keine Bindungsstörung (also gut, die Meisten von euch nicht). Ihr seid aber alle Opfer geworden von der Sehnsucht, als pupsendes Einhorn über eine Blumenwiese zu hüpfen. Und ihr seid auch alle Opfer von Partnern geworden, die euch genau aus den Gründen verlassen haben (oder gar nicht erst wollten), weil diese nach der Einhornwiese suchen. Wir sind alle Opfer unserer Angst, dass wir uns mit weniger als der Blumenwiese zufrieden geben. Das wir kein Einhorn sein können. Oder nein. Dass wir ein Einhorn sein könnten, aber die falschen Entscheidungen treffen und uns die Tür zur saftigen Pupswiese verschlossen bleibt.


Krone_wegwerfen


Aber liebe Eltern. So schlimm sich das jetzt auch anhört: Es geht uns nicht schlecht. Wir brauchen nur etwas länger als ihr um herauszufinden was wir aus unserem Leben machen wollen. Unsere Ausbildung ist vermutlich erst abgeschlossen wenn wir 35 Jahre als sind. Ob wir dann schon unseren Partner fürs Leben gefunden haben (oder wenigstens für die nächsten drei Jahre…) Sorry. Wir wissen das nicht. Wie sollen wir denn wissen, was sich noch für Möglichkeiten ergeben? Ihr habt uns gesagt: Ihr könnt alles werden was ihr wollt. Und wir versuchen genau das. Wir müssen nur erst rausfinden, was wir werden wollen, wenn wir mal groß sind. Und wir wollen uns immer gern die Option offenhalten zuzuschlagen, sollte sich eine bessere Aussicht bieten.

Keine Sorge: Für jeden von uns kommt irgendwann der Tag, an dem wir merken, dass wir schon längst Einhörner sind. Dass wir schon längst über die Blumenwiese schweben und das wir jede Möglichkeit haben glücklich zu werden. Wir werden vermutlich immer Angst haben etwas zu verpassen. Aber wir sind dann cool damit. Weil wir wissen, dass wir alles werden können was wir wollen. Weil wir oft genug unsere Prioritäten und Fahrtrichtung geändert haben. Weil wir verschiedene Ausbildungen gemacht haben. Weil wir nicht ganz nach unten fallen. Weil wir neben Plan A und B, flexibel sind uns auch was anderes auszudenken.

blog comments powered by Disqus