Persönlichkeitsstörung

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Von Berufswegen habe ich mit allen möglichen psychiatrischen Krankheitsbildern zu tun. Unter anderem auch mit allen Facetten von sogenannten "Persönlichkeitsstörungen". Ich will mich gar nicht weiter über das Facettenreichtum und symptomatischen Möglichkeiten dieser Erkrankungen auslassen. Viel mehr will ich versuchen zu erklären was mich an diesem Begriff so sehr stört. Persönlichkeitsstörungen ist ein zusammengesetztes Wort. Unschwer zu erkennen, ist es aus den Wörtern "Persönlichkeit" und "Störung" zusammengesetzt. Eine Störung, oder auch Dysfunktion bekommt man beim Arzt schnell mal attestiert. Eine Störung ist nämlich im Prinzip auch jeder einfachste Schnupfen und zwar schon allein deshalb, weil er stört. Viel mehr bezieht sich die Bezeigung aber wohl auf einen gestörten Ablauf. Nun, woran macht man denn fest, dass es sich um einen "gestörten Funktionsablauf" handelt? Dafür braucht man wieder irgendwelche Normen auf die man sich beziehen kann. Einen Durchschnitt, der an irgendeiner (im besten Falle repräsentativen) breiten Masse erhoben worden ist. Mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit fällt nun jedes Individuum in den Bereich "normal" oder in eine abweichende Kategorie. Hier also: "Funktionsstörung". Die ganze Angelegenheit ist immer ziemlich komplex und vermutlich auch noch nicht zur vollsten Zufriedenheit gelöst, weshalb man sich wohl auf einen gemeinsamen Nenner einigen kann: Wenn jemand unter seiner Funktionsstörung leidet, dann ist es auch eine. Die Funktionsstörung definiert sich also zu einem gewissen Teil durch sich selbst. Ich finde, schon allein etwas als Störung zu bezeichnen ist nicht so ganz einfach, da der Begriff sich meiner Meinung nach nicht wirklich gut und schon gar nicht allgemeingültig eingrenzen lässt. Persönlichkeit lässt sich da - glaube ich - etwas einfacher eingrenzen. Oder eigentlich auch nicht. Grob gesagt, sehe ich Persönlichkeit einfach als all das was einen Menschen ausmacht, wie er sich verhält, was seine Sichtweisen sind und wie er sich selbst definiert. Die Frage die sich mir jetzt stellt: Wie soll das zusammen passen? Eine gestörte Persönlichkeit? Ich meine, da sind jetzt all diese Sichtweisen, die Selbstdefinition und die Verhaltensweisen eines Menschen. Und bei dem einen ist das noch in der Norm und bei einem anderen ist das nicht mehr in der Norm. Und deshalb liegt eine Störung vor. Meiner Auffassung nach kann eine Persönlichkeit nur sein und zwar solange wie der Mensch lebt. Sie kann ich verändern, oder so bleiben. Die Persönlichkeit kann für andere Menschen angenehm und umgänglich sein, oder eher von schwieriger Natur. Sichtweisen können verbohrt sein. Und die Selbstdefinition kann nicht mit der Realität übereinstimmen. Verhaltensweisen sind im Endeffekt auch einfach nur da und sind der Situation entweder angemessen oder eben nicht. Aber wirklich gestört sind die Verhaltensweisen an sich dann auch nicht. Wohl aber lässt sich sagen dass die Interaktion mit der Umwelt (im Vergleich zur Norm) gestört ist. Worauf ich hinaus will: Eine Persönlichkeit ist da. Sie IST einfach. Meines Erachtens steht es niemandem zu, von einer (Funktions-) Störung der Persönlichkeit zu reden. Und ich finde im täglichen Umgang mit "Gestörten" sollte man ein Bewusstsein dafür haben, dass man dem Gegenüber mit der Diagnosenstellung (gerade in der Psychiatrie) immer auch einen Stempel aufdrückt. Und bei dem Wort Persönlichkeitsstörung zucken immer wieder einige Leute vor Ehrfurcht zusammen.

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