Boulderglück.

bouldern

Wer mich kennt, oder seit geraumer Zeit fleißig hier im Blog liest, der hat auch mitbekommen, dass ich vor 2 Jahren beim Bouldern in der Halle von der Wand gefallen bin. Nachdem ich allen erzählt habe wie sicher und ungefährlich Bouldern sei, weil ja unten überall Weichbodenmatten lägen. Ja nun. Da lag ich dann. Auf dieser Matte. Auf der ich beim aufkommen umgeknickt bin. Es war ziemlich was kaputt und ich habe erst nach 6 Monaten wieder langsam mit dem Laufsport angefangen. Richtig gut ging es dem Fuß aber immer noch nicht. Dieses Jahr im Februar gab es daher noch einen arthoroskopischen Eingriff um einen damals entstandenen Knorpelschaden zu beheben. Ich durfte also wieder ein paar Monate keinen Sport machen. Sobald ich die Krücken los war und beim spazieren sicher war, ging es erstmal wieder ab aufs Rad. Das hat gut geklappt. Als nächsten Schritt meldete ich mich im Fitnessstudio an. Das klappt auch ganz gut. Bevor ich aber mit dem Lauftraining anfange muss der Fuß noch stabiler werden.

Und so wagte ich mich diese Woche seit langer Zeit wieder an die Wand. Ich war ziemlich ängstlich. Meine Boulderpartnerin stellte auch fest, dass ich viel mehr mit den Armen klettere. Ich traue mich nicht richtig auf meine Füße zu stellen. Ich könnte ja wieder abrutschen. Und so hab ich einige Routen nicht hinbekommen, weil mein Kopf nicht mitgemacht hat. Geschafft hätte ich die sicherlich. Aber wenn der Kopf nicht will, wird es echt schwierig. Das Motto für diesen ersten Testlauf war aber auch, ein positives Erlebnis zu schaffen. Also setzte ich mich nicht unter Druck. Was ich schaffte, sollte ich schaffen. Und der Rest soll halt jetzt noch nicht sein.

Ich hatte jede Menge Spaß an diesem Mittag und bin mit einem sehr guten Gefühl dort weg gefahren. Einem Gefühl, dass ich wieder einen Schritt zur vollständigen Genesung voran gekommen bin. Einem Gefühl, dass ich immer noch bouldern kann und immer noch etwas schaffe. Ich bin schlichtweg sehr glücklich, dass ich wieder klettern kann. Denn zwischenzeitlich hatte ich auch große Angst, dass ich das an den Nagel hängen muss. Ebenso wie ich immer noch Angst habe, dass ich den Laufsport vielleicht an den Nagel hängen muss und auch mit Parkour nicht mehr anfangen kann. Aber selbst wenn das so sein sollte: Es bliebe mir dann immerhin das Bouldern. Und das ist doch schwer erleichternd. Da ist es auch nur ein sehr kleiner Wermutstropfen, dass ich 2015 so gut im Training war, dass ich sogar mal eine blaue Route geschafft habe und die grünen eigentlich meist machbar waren und jetzt hab ich wieder mit den grünen zu kämpfen. (Für Unwissende: gelb und weiß sind leichte Routen, grün dann schon anspruchsvoller, blau schwerer und dahinter kommt noch rot und schwarz und vielleicht auch andere Farben, die ich vergessen habe).

Bouldern macht nicht nur mich glücklich, sonder wirkt auch antidepressiv. Das haben Forscher in Erlangen untersucht und festgestellt. Die wichtigsten Eckpunkte und Ergebnisse der Untersuchung sind hier schön zusammengefasst: http://ze.tt/wie-bouldern-gegen-depressionen-helfen-kann/. Quintessenz der Untersuchung ist, dass Bouldern soziale Interaktion stärkt, dass sich auf das Problem fokussiert wird und damit der eigene Grübelkreislauf unterbrochen ist und dass man schnell Erfolge erzielen kann und eine positive Rückmeldung für die Selbstwirksamkeit erhält. All dies sind Aspekte die man quasi sofort selbst erleben kann, wenn man sich einem Boulder stellt.

Lange Rede kurzer Sinn: Ich bin verdammt glücklich, dass ich wieder bouldern kann! Und ich kann jedem nur empfehlen, das mal auszuprobieren.

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