Master Reloaded

Die eifrige Leserin hat meinen ersten Masterversuch im Gebiet der Rechtspsychologie an der SRH verfolgt. Und auch dessen Scheitern. Für einen Neustart bin ich vor drei Wochen nach Hamburg gezogen. Hier gibt es an der Medical School ein - mit der SRH vergleichbar teures - Angebot des Masters in klinischer Psychologie und Psychotherapie. Meiner mehr oder weniger geheimen Leidenschaft. Ich hatte schon vergangenes Wintersemester mit einer Bewerbung gehadert und hab es dann aus Gründen nicht getan. Nun bin ich um ein paar Euro ärmer aber auch um ein paar wichtige Erfahrungen reicher.

Aber genug davon. Jetzt kommt der Teil auf den ihr wartet. Die Beantwortung der Frage wie es so ist:

Hamburg ist mega und immer einen Besuch wert. Einige verwirrte Seelen fragen mich bereits nach drei Wochen ob ich schon alles gesehen hätte während ich mich frage ob man jemals alles gesehen haben kann. Die Fakultät Humanwissenschaften zu der auch besagter Studiengang gehört ist im Hochschulstatus einer Universität gleichgestellt. Es besteht also Promotionsmöglichkeit und für diejenigen mit einem Bachelor von einer Universität auch die Möglichkeit eine Therapeutenausbildung anzuschließen. Zumindest mal in Hamburg (ob das in anderen Bundesländern möglich ist sollte jeder selbst überprüfen).

Da ich von der FernUni Hagen komme muss ich Creditpoints in klinischer Psychologie nachholen. An der Zahl wären es 15 ECTS. Hier wurden mir aber netterweise Kurse von der virtuellen Hochschule Bayern anerkannt (falls sich nochmal jemand fragt ob die zu irgendwas gut sind: ja!). Jetzt muss ich nur noch 10 Punkte nachholen. Durch mittelfristige Verwirrungszustände seitens der Uni sollte ich zunächst noch 5 Punkte in Arbeits- und Organisationspsychologie nachholen, aber das hat sich heute geklärt und NEIN! Gottseidank nicht. In Hagen hab ich auch gefühlt 30 ECTS erworben. Es gibt (neu seit diesem Semester) zwei Möglichkeiten diese Punkte nachzuholen:

1. Man besucht die entsprechenden Veranstaltungen während des Semesters und legt mit den anderen Bachelorstudenten gemeinsam die Prüfung ab
2. Man geht zur Summerschool ausserhalb der Prüfungszeit in der Vorlesungsfreien Zeit. Für 5 ECTS jeweils eine Woche mit direkt anschließender Prüfung.

Wie man das nun handhabt… Die Geschmäcker sind da sicherlich verschieden. Ich nehme die Summerschools, weil mir das unter dem Semester zu viel Stress ist.

Wenn ich ganz viel Glück habe wird mir das Semester in Rechtspsychologie noch anerkannt, sodass ich nicht zur Forensikvorlesung muss, was mir eine Prüfung erspart und etwas Lebenszeit in der ich andere Dinge machen kann, als Inhalte zu wiederholen die ich schon kenne. Für diese ganzen Anrechnungssachen gibt es eine furchtbar nette und hilfsbereite Ansprechpartnerin, die sich um alles kümmert.

Zu den Inhalten…. Ich weiß jetzt endlich was der Unterschied zwischen Vorlesung und Seminar ist. Das ist mir im vorigen Mastersemester nicht klar geworden (und an der FernUni gibts diese Unterscheidung aus Gründen gar nicht…). Die Vorlesungen sind durchweg gut. Die Dozenten sind vorbereitet und es wird viel Wissen vermittelt. Bisher wird der Spagat zwischen wissenschaftlichen Grundlagen und Anwendungsbezug wirklich hervorragend gemeistert. Im Modul Forschungsmethoden hab ich wahnsinnig viel Glück gehabt und hier eine Dozentin erwischt, die für ihr Fach und die Lehre zu brennen scheint. Ich habe das starke Gefühl, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben nicht nur irgendwas stupide auswendig lerne in Statistik, sondern auch was verstehe. Neben den Vorlesungen die vom Dozenten gestaltet werden müssen - wie man uns eingangs deutlich gemacht hat - wird in den Seminaren ganz klar unsere Mitarbeit erwartet. Überwiegend in Form von Referaten… Ausnahme wiedermal die Forschungsmethoden. Hier stellt die Prüfleistung ein Science Slam dar. Richtig. Wir freuen uns auch schon alle…. naja gut… vielleicht wenn es soweit ist.

Nach dem Reinfall im Wintersemester waren meine Erwartungen an eine weitere private Hochschule etwas gedämpft und zurückhaltend. Aber ich bin nun wirklich positiv überrascht und ziemlich begeistert. Und erwarte jede Woche den Einbruch. Dass es dann doch nicht mehr gut ist. Abschließend beurteilen lässt sich das Semester ohnehin erst nach den Klausuren, wenn man weiß ob die Klausuren was mit den Inhalten der Vorlesung zu tun haben oder eher weniger… Aber ich möchte mal zuversichtlich bleiben.

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Alsterlauf.

Es regnet hier in Hamburg übrigens häufig. Und das Aprilwetter macht die Kleiderwahl zu einem mittel-großen Abenteuer. Am Besten man zieht sich an, solang es regnet, dann ist man bereit für einen Spaziergang, wenn nach dem Regen die Sonne herauskommt. Und genauso hab ich es am gestrigen Sonntag gehandhabt und hatte zwischen den Regenschauern einen recht schönen Spaziergang.

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Hamburg. Die Sonne scheint auch hier manchmal!

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Ihre Einschätzung bitte.

Ein Freund hat mich vor ein paar Tagen auf einen Eintrag von vor mehreren Monaten angesprochen. Wiedergefunden habe ich ihn jetzt nicht. Aber er machte mich darauf aufmerksam, dass der eigentliche Inhalt offenbar nicht so gut rüberkam.

Ich schrieb darüber, dass wir Menschen auf Grund von Äußerlichkeiten in Schubladen stecken und bewerten. Trauen unserem verwahrlosten Gegenüber nicht zu, dass er sich mit Philosophen auskennt. Trauen dem gut geschminkten Model nicht zu, dass es am liebsten Chips mampft, während sie mathematische Gleichungen löst. Ganz allgemein werden Frauen als weniger durchsetzungsfähig und Männer als unbeherrschter eingeschätzt. Noch bevor man sich überhaupt das Äußere angesehen hat. Dann schauen wir uns das Äußere an und machen die nächsten Schubladen auf und zu. Und viel zu oft ohne dass dies gerechtfertigt wäre.

Schubladen sind praktisch und auch nützlich. Sie erleichtern dem Hirn die Arbeit durch Entlastung. Schnelle Eingruppierung in gefährlich oder ungefährlich. In Schubladen denken ist also menschlich und auch wichtig. Nicht minder wichtig ist aber, sich das bewusst zu machen. Denn nur wenn ich mich darum bemühe die Leute aus Schubladen wieder heraus zunehmen und aus einem anderen Winkel betrachte ist es mir möglich das volle Potential auszuschöpfen. Und wer weiß? Vielleicht verbirgt sich hinter dem pickligen PC-Nerd auch ein Kunstinteressierter junger Mann, der gerne mit dir in eine Ausstellung möchte und sich darüber austauschen will?

Was ich sagen will: Wir alle denken in Schubladen. Wir alle bewerten. Ständig und immer. Und wir brauchen diese Bewertungen auch. Denn Bewertungen sind immer auch Einschätzungen. Und ich möchte meinen Gegenüber gern einschätzen können. Möchte abschätzen können wie er in einer Situation reagiert. Durch Einschätzungen lernen wir andere Menschen auch besser kennen. Und es ist auch verdammt schwierig anderen Leuten wertungsfrei gegenüber zu treten. Bei Leuten die ich schon länger kenne finde ich das sogar fast unmöglich. Ich kann versuchen Menschen wertungsfrei gegenüber zu treten, die ich noch nicht (oder erst sehr kurz) kenne. Und das ist immer noch schwierig genug. Aber nichtsdestotrotz sollte man sich darum bemühen. Vielleicht macht hat so ganz neue unerwartete Begegnungen und kann voneinander lernen?

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#Neustart

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Ich sitze in meiner Küche. Der verbliebene noch möblierte Raum in der Wohnung (abgesehen vom Raum meines Mitbewohners natürlich). Aber auch die Küche ist bis auf wenige kleine Reste ausgeräumt. Es steht quasi nur noch das Skelett und wartet auf die Nachmieter der Wohnung. Es ist schon seltsam. Da verpackt man sein Leben in viele kleine Boxen und Kisten. Versucht es halbwegs sortiert unterzubringen. Schmeisst so vieles weg, das nur darauf gewartet hat, endlich weg geworfen zu werden, aber man hatte es bisher aus den Augen verloren. Oder war zu faul. Oder konnte sich nicht trennen, weil 'man hat ja den Platz'.

Gut die Hälfte meiner Sachen habe ich eingelagert. Die werde ich die nächsten beiden Jahre nicht sehen und auch kaum brauchen. Dinge die ich nicht zwingend brauche. Naja gut. Das Geschirr steht da auch… Aber ich ziehe ja auch in ein Haus mit fertig bestückter Küche ein. Die andere Hälfte die ich mit an den neuen Ort nehme, die brauche ich schon dringender. Allen voran natürlich meine 8 paar Schuhe. Aber auch diese Sachen wurden gerade von zwei eifrigen Herren im Sprint aus der Wohnung in den Umzugswagen getragen.

Und nun sitze ich hier. Schaue in die leeren Zimmer und auf die leeren Wände, welche die letzten Jahre eine Geschichte erzählt haben. Es hat ein Rückbau stattgefunden. Die Erinnerungen an mich wurden nach und nach von den Wänden gekratzt und ausradiert. Wenn wir am Osterwochenende die Wände gestrichen haben, dann ist diese Wohnung wieder ein unbeschriebenes Buch. Bereit eine neue Geschichte zu schreiben.

Es mag ein wenig pathetisch klingen, aber gewissermaßen habe ich mein Leben an diesem Ort ausgelöscht um an einem neuen Ort zu beginnen. Und dieser Umzug ist irgendwie so ganz anders, als die Wohnungswechsel zuvor. Und vermutlich liegt das an der viel weiteren Entfernung die dann zwischen dem Alten und dem Neuen liegt.

Heute mittag setze ich mich ins Auto und fahre nach Hamburg. Dort werde ich morgen ein leeres Zimmer mit meinen Erinnerungen füllen. Es wird spannend.

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Zusammenfassung zur Rechtspsychologie

Am Freitag steht noch eine Klausur an, von 4 Fallarbeiten muss ich noch 1,5 schreiben, wobei wir eine noch nicht mal erhalten haben, was zum Abschluss meiner SRH-Zeit einfach nur ein Sinnbild für die Organisation ist. Mein Wunschdenken war, am Freitag mit der Klausur auf die Fallarbeiten abzugeben und mich dann den Umzugsvorbereitungen und meinen Freunden zu widmen. Mal sehen, ob das noch klappt. Das Themenspektrum für die Klausur wirkt auf den ersten Blick divers und breit gefächert, auf den zweiten Blick haben sie die Inhalte der Vorlesungen stark überschnitten, sodass der inhaltliche Umfang den es zu lernen gibt, erstaunlich gering ist. Zumal man das relevante ja ungefähr 509-mal gehört hat und es vermutlich nie wieder vergisst. Da kann man auch schonmal die §§ 20, 21 StGB grüssen.

Wenn ihr auf den Link klickt kommt ihr in den Bereich für Rechtspsychologie und findet dort kleine Zusammenfassungen zu den Themen Aussagepsychologie, Viktimologie, Forensische Sozialarbeit, die Erstellung von Schuldfähigkeits- und Prognosengutachten und zur Beurteilung psychopathologischer Symptome nach dem AMDP-System mit Bewertungsbogen.
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Was Psychotherapeuten nicht können.

"Laufen, Sport und Tageslicht machen ganz viel mit deinem Körper. Kein Psychologe kann das."
sagt @realhollowloop drüben bei Twitter

Und damit gebe ich ihr im Ansatz völlig recht. Kein Psychologe kann dir geben was die Sonne mit dir macht. Kein Psychologe kann die Hormone in deinem Körper so ankurbeln wie Bewegung es macht. Und wenn sie Psychologe sagt, meint sie Therapeuten und nicht all die anderen Psychologen die was ganz anderes machen. Aber das nur nebenbei.

Spaziergänge senken den Blutdruck und Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol werden abgebaut. Hormone die zwar sicherlich ihre Berechtigung und spezifische Funktion im Körper haben, wenn wir uns aber ärgern und danach auf dem Sofa sitzen bleiben, dann können die Hormone ihre Flucht- oder Angriffsfunktion nicht erfüllen und richten Schaden im Körper an.

Die Sonne auf der Haut wärmt uns, ich kenne kaum jemanden dem es nicht ein Lächeln ins Gesicht treibt, wenn er oder sie aus der Tür tritt und die warmen Sonnenstrahlen im Gesicht spürt. Ohne Sonnenlicht können benötigte Vitamine wie Vitamin D gar nicht gebildet werden. Das indirekte Sonnenlicht, das durch das Fenster in die Wohnung, oder das Büro hineinscheint reicht dafür nicht aus. Ein bewölkter Himmel dagegen schon. Aber man muss schon vor die Tür gehen.

Da ich selten völlig einer Meinung mit jemandem bin…: Was in weiteren Kommentare durchscheint, ist eine gewisse Abneigung gegen Psychologen (sic!) und Ärzte. Das ist zunächst nicht weiter verwerflich und je nach Erfahrungen durchaus gerechtfertigt. Jedoch ist eine generelle Abneigung gegen professionelle Hilfskräfte die bei psychischen Problemen kontaktiert werden können. Manche meinen man würde da eh nur zugelabert, andere fragen sich was einem das ganze Gelaber über die Kindheit und die Mutter eigentlich bringen soll und wieder andere wissen nicht warum man sich hier eigentlich zum Horst machen soll, während man die Mitglieder einer Gruppentherapie irgendwo im Raum platziert um dann Rückschlüsse auf die eigene Familie zu ziehen. Das kann man ruhig in Frage stellen und sicherlich gibt es so einige Psychotherapeuten die mehr Gulasch reden, als das sie wirklich zielführende Intervention anbieten. Aber schwarze Schafe gibt es überall. Und Fakt ist: Für Psychoanalyse, Tiefenpsychologie und kognitive Verhaltenstherapie gibt es viele Wirksamkeitsnachweise und die systemische Therapie wird (so vermute ich) in den nächsten Jahren folgen und dann auch von den Krankenkassen übernommen werden.

Für den therapeutisch nicht vorgebildeten Normalpatienten ist das Angebot aber nicht überschaubar. In der Regel ist der Unterschied zwischen den Therapieschulen nicht bekannt und man geht zu irgendeinem der die Berufsbezeichnung des Psychotherapeuten auf seinem Schild stehen hat. Und dann ist es vermutlich gar nicht mal so selten, dass man in der falschen Therapie sitzt. In einer tiefenpsychologischen Sitzung, obwohl eine verhaltenstherapeutische Ausrichtung zielführender wäre und umgekehrt. Nachdem man also nun mehrere Wochen oder Monate auf seine Therapie gewartet hat, sitzt man da vor einer Person mit der man nicht zurecht kommen, entweder weil sie zu wenig (wie die Analytikerin) oder zu viel (die Verhaltenstherapeutin) redet, oder weil man sie einfach nicht sympathisch findet. Das frustriert verständlicherweise. Und das macht es auch nachvollziehbar wenn jemand vor einem sitzt und sagt: Ich habe es probiert, aber ich kam damit nicht zurecht. Es hat mir nichts gebracht. Jedoch ist es sehr schade, wenn diese Erfahrung auf alle Psychologen (und damit Fachrichtungen) generalisiert wird mit Aussagen, dass die einen ja eh alle nur vollsülzen würden, und das die einem eh nur sagen worauf man auch selbst kommen kann.

Das Arbeitswerkzeug einer Psychotherapeutin ist vorrangig die Sprache. Es ist der Versuch durch Worte zu helfen. Und ganz häufig ist das so, dass der Therapeut einem nichts sagt, worauf man nicht selbst käme, manchmal weiß man es im Grunde auch schon selbst. Aber das ist eben der Unterschied: Man kommt oft nicht selbst drauf, oder will das was man schon weiß nicht zulassen. Man braucht die Hilfe einer aussenstehenden Person um eine andere Perspektive einzunehmen. Und um diese Perspektive einnehmen zu können lernt jeder Therapeut in seiner Ausbildung verschiedene Techniken.

Um wieder zum Ausgangspunkt zu kommen: Ich halte Bewegung an der frischen Luft und eine halbwegs gesunde und regelmäßige Ernährung für unabdingbar für die psychische Gesundheit. Kein Therapeut kann seinem Klienten das geben was ein gesunder Lebenswandel ihm geben kann. Aber dennoch hat Therapie ihre Berechtigung. Denn es gibt ausreichend Fälle in denen spazieren und Sonne nicht mehr ausreicht. Fälle in denen der Therapeut eine Stütze sein kann und darf um sein Leben wieder auf die Kette zu bekommen. Um wieder genug Kraft zu haben, dass man es vor die Tür schafft.

Es ist okay zu sagen, dass einem eine Therapie nichts geschafft hat. Ich finde es bewundernswert wenn sich jemand selbst aus dem Sumpf ziehen konnte. Aber ich habe auch Verständnis und Empathie für all die jenigen, die es nicht alleine schaffen. Und genau für diese Menschen halte ich es für wichtig, zu vermitteln, dass es okay ist zur Therapie zu gehen. Das Therapien nicht nur schwachsinniges Gelaber sind. Das Therapie helfen kann. Aber Spazieren, Sport und Tageslicht ist eine Grundlage für die psychische Gesundheit. Manche müssen das aber erst lernen. Und das ist okay. Dafür sind wir da.

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"Da kann ich dir nur viel Glück wünschen."

Ich werde die Hochschule wechseln. Die Gründe dafür findet man hier, dort, da und vor allem auch hier drüben in eskalierender Reihenfolge. Es war an der Zeit zu akzeptieren, dass die Wahl des Schwerpunktes an diesem Standort die falsche für mich war. Ich habe entschieden, das erste Semester zu beenden, denn die Leistungen hab ich dann, und möglicherweise können sie mir irgendwann später mal etwas nützen. Ich besinne mich also zurück auf meine eigentlich erste Wahl im Bewerbungdschungel von 2016: die Klinische Psychologie. Und da ich diesen nervenaufreibenden Bewerbungstanz für die begrenzten Plätze an staatliche Universitäten kein zweites Mal mitmachen und vor allem aushalten möchte, hab ich mich über die Medical School in Hamburg informiert, verschiedene Studierende von dort angeschrieben und mich schlussendlich dort beworben für den M. Sc. in Klinischer Psychologie und Psychotherapie. Die MSH ist auch wieder eine private Hochschule, hat aber einen guten Ruf und mir wurden einige Empfehlungen ausgesprochen. Und wenn es nicht so super wird, wie man mir verspricht, so bin ich immer noch in Hamburg. Und das kann ja auch schonmal was.

Den Studienplatz hatte ich dann also. Fehlte nur noch ein Zimmer in einer netten, sauberen und hübschen WG. Also bin ich Freitags in den Norden gedüst um mir Samstag die Zeit mit insgesamt sechs Besichtigungen zu vertreiben. Und habe WGs besichtigt deren Bewohner und Ausstattung nicht unterschiedlicher hätten sein können. Da wäre auch so ein "Highlight" für ne gute Story dabei… .

Das wahre Highlight rief mich am Abend an, als wir vor den letzten beiden Besichtigung eine kleine Pause hatten. Sie habe eine große Wohnung in der Hafencity und würde ein kleineres Zimmer vermieten für 500€. Sie hat noch ein wenig erzählt, bis ich sie unterbrochen habe um die Eckdaten nochmals zusammenzufassen: Das Zimmer habe ca soundsoviele Quadratmeter, es gäbe bei der Größe sicherlich ein Wohnzimmer, ob das zur gemeinsamen Nutzung sei, fragte ich. Das wehrte sie sofort vehement ab. Nein, nein, also vielleicht wenn sie nicht da wäre, da müsse man dann halt mal schauen wie man miteinander zurecht käme. Ahja… gut. Weiter im Text. Die Miete betrage 500€? Ja, nein, so ungefähr glaubt sie. Sie hätte das noch nicht so genau durchgerechnet. Und genau das war der Moment. Der Moment nach einem harten Tag, indem ich erschöpft vor einem alkoholfreien Cocktail saß und nichts sehnlichster wollte als Abendessen und ab ins Bett. Der Moment in dem ich ihr mitteilte, dass das für mich dann keinen Sinn ergebe und ich mir das Zimmer nicht ansehen konnte. Sie war offenkundig einen kurzen Moment verdutzt, bevor sie erwiderte:


"Ja, also wenn du da im voraus schon so viel Sicherheit brauchst,
dann kann ich dir nur viel Glück wünschen.
Denn das wirst du brauchen bei der Wohnungssuche hier in Hamburg."

Äh ja. Danke. Dir auch. Der Standort Hafencity reisst halt auch nicht alles raus. Ich hab übrigens ein nettes kleines Zimmer in wirklich netter und umkompliziert wirkender Gesellschaft gefunden. Und da wusste ich sogar im voraus, wie groß das Zimmer ist, welche Räume ich mitbenutzen darf (nämlich alle Gemeinschaftsräume) und vor allem: Wie hoch die Miete ist.

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