Seniorenresidenz

Hier würde ich mich lieber nicht so gern zur Ruhe setzen. Ist bestimmt ganz schön zugig dort. Und der Service lässt auch zu wünschen.

Ich hatte eine geliehene Kamera dabei, mit der ich mich nicht so wahnsinnig gut auskannte, aber dafür hatte ich im Anschluss ein neues Bildbearbeitungsprogramme mit dem ich hier und da ein wenig herum gespielt habe. Bildrauschen gibts heute inklusive, aber dennoch ein paar schöne Eindrücke von vorgestern.

DSC05988 Kopie

DSC06011 Kopie

DSC06031

DSC06066

DSC06072 Kopie
Comments

Lost in Hamburg

Sonntagvormittag nach dem Nachtdienst wache ich auf. Weil ich noch nicht bereit bin aufzustehen gucke ich durch mein Fenster zur Welt ins Handy und klicke mich so durch verschiedenste Bilder und Nachrichten. Ein kurzer Beitrag aktiviert mich dann doch. Im Süden Hamburgs gibt es nahe der Elbbrücken ein verlassenes Gelände, welches bald bebaut werden soll. Also doch ein Grund gefunden zu Frühstücken und das Haus zu verlassen.

DSC01432 Kopie

DSC01440 Kopie

DSC01470 Kopie

DSC01455 Kopie

DSC01482 Kopie
Comments

Der Bewerbungsprozess als narzisstische Kränkung.

Der Narzissmusbegriff ist mittlerweile im allgemeinen Sprachgebrauch angekommen. Oft um damit Menschen zu beschreiben, die durch egozentriertes, bisweilen rücksichtsloses, Verhalten auffallen. Ein Narzisst wird in der breiten Masse gern beschrieben als eine Person, die in sich selbst verliebt sei. Das dies nicht mal im Ansatz der Fall ist, sondern dass Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung im tiefsten Innern höchst verunsichert sind soll hier nur kurz erwähnt bleiben. Auch nur kurz erwähnt werden soll, dass es durchaus einen Unterschied zwischen (unterschiedlichen) Narzissmuskonzepten und einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung gibt.

In aller Regel schreiben wir anderen Menschen narzisstische Attribute zu. Dass wir selbst alle auch narzisstische Anteile in uns tragen, die Idee kommt den Meisten von uns doch eher selten. Dabei ist so ein gesunder Narzissmus in dem wir uns selbst hin und wieder mal in den Fokus stellen mitunter durchaus angemessen und hilfreich.

Wir alle haben in unserem Leben schon narzisstische Kränkungen erlebt. Wir wurden verlassen; wir haben in Schule, Ausbildung oder Studium eine schlechtere Bewertung erhalten, als wir glauben verdient zu haben; wir haben einen Job nicht bekommen, den wir gerne haben wollten; vielleicht wurden wir auch gekündigt; wir hatten eine bahnbrechend gute Idee, aber niemand hat sich wirklich dafür interessiert. Vielleicht habt ihr schonmal in einer Schlange angestanden, wärt als nächster an der Reihe gewesen, aber jemand anderes wurde plötzlich und völlig selbstverständlich vor euch bedient. Vielleicht habt ihr mal sehr lange Wartezeiten in Kauf nehmen müssen, obwohl ihr einen Termin hattet. Wie hat sich das für euch angefühlt?

Wenn wir glauben für etwas qualifiziert zu sein (sei es ein Job, oder als der ideale Partner oder wasauchimmer), dann schmerzt es uns ganz besonders wenn wir in diesen Bereichen eine Art der Zurückweisung erhalten. Es kratzt an unserem Selbstwertgefühl. Wir spüren, dass wir doch nicht ganz so einzigartig sind und nur eine Option aus mehreren Möglichkeiten. Wir sind narzisstisch gekränkt.

In den letzten Wochen habe ich viele Bewerbungen geschrieben und wurde zu dem ein oder anderen Vorstellungsgespräch eingeladen. Manche davon liefen ganz gut, andere eher so mäßig. Vor allem aber habe ich viele Absagen erhalten noch bevor ich überhaupt zu einem Gespräch eingeladen wurde. Auf manche Bewerbungen folgte auch gar keine Rückmeldung. Nun kann man sich drölf mal am Tag sagen, dass das nunmal zum Bewerbungsprozess dazu gehört, dass es eben viele andere Bewerber gibt von denen sicherlich einige besser qualifiziert sein werden als ich, die gerade ihr Studium beendet hat. Aber dennoch bleibt der Bewerbungsprozess in zunehmendem Maße zermürbend. Je länger er andauernd, desto zermürbender.

Hört man sich die Berichte von Menschen an, die in ihrem Leben schonmal arbeitslose waren, dann scheint der Bewerbungsprozess umso zermürbender je weniger der Tag durch anderweitige Tätigkeiten strukturiert wird. Man pendelt zwischen andauernder narzisstischer Kränkung durch Ablehnung und Hoffnung endlich eine gute Anstellung zu finden und ist dazwischen bemüht sich selbst und seine Identität nicht zu verlieren. Denn was und wer bin ich schon (wert), wenn ich keiner Tätigkeit mehr nachgehe?

Doch wie übersteht man diese Phase? Was helfen kann ist eine Übergangstätigkeit. Es wird nicht immer möglich sein zeitnah eine passende Anstellung zu finden, die den eigenen Vorstellungen entspricht. Eine gewisse Offenheit gegenüber anderen Jobs um die Lücke bis zur nächsten Festanstellung zu überbrücken kann hier mehr als hilfreich sein. So kommt von außen eine gewisse Struktur ins Leben. Man ist im Idealfall ein paar Stunden die Woche mit was völlig anderem beschäftigt als diesem zähen Bewerbungsprozess. Auch helfen wird es sich Freunden zu öffnen und den Frust über diese vermaledeite Bewerbungssituation und all die damit verbundenen Unsicherheiten zu teilen. Denn nur wer seine Sorgen und Ängste teilt hat die Chance Unterstützung in Form von emotionalem Support zu bekommen.

Generell hilfreich im Bewerbungsprozess: Nicht nur auf ausgeschriebene Stellen bewerben. Hier bewerben sich immer zahlreiche qualifizierte Personen. Die Konkurrenz ist dann naturgemäß höher. Also ran an den Computer und Firmen recherchieren, die sich mit Themen beschäftigen die euch beruflich interessieren. Bei Initiativbewerbungen mag nicht immer direkt eine Stelle verfügbar sein, aber oft genug gibt es bei den Firmen in absehbarer Zeit eine vakante Stelle. Und dann seid ihr schonmal bekannt! Darüber hinaus kannst du dich ruhig auch auf Stellen bewerben in denen nicht deine exakte Berufsbezeichnung steht. Aber wenn dich die Stellenbeschreibung anspricht, dann bewirb dich. Oft genug werden Quereinsteiger eingestellt.

Was sonst noch hilft: Geduld. Bewerbungen brauchen Zeit. Den Wenigstens von uns war es vergönnt nach nur 2 - 3 Bewerbungen eine passende Anstellung zu finden. Ich weiß. Wir alle wollen den perfekten Job (was auch immer das für uns heißt). Und zwar am Besten gleich!

Und wie eine Freundin zu mir sagte: Und wenn du diesen Job nicht kriegst, dann war es einfach noch nicht der richtige. Denn stell dir vor, du würdest den jetzt kriegen, wenn der eigentliche Superjob für dich noch auf dich wartet?!

Comments

Paris - die Stadt der Liebe und der Sicherheitsvorkehrungen

Ich war in Paris. Mal wieder. Das erste Mal durfte ich die Stadt im Herbst 2000 kennen lernen. Ein Jahr vor den tragischen Terroranschlägen in der westlichen Welt, denen ein Krieg nachfolgend sollte, der bis heute noch nicht richtig geklärt, sondern nur irgendwie verlagert zu sein scheint. Ich nahm die Stadt als offen und unbeschwert wahr. Hatte Freude daran relativ ungehindert berühmte Sehenswürdigkeiten zu besuchen.

Ich war seitdem noch zweimal dort. Ich mochte die Stadt immer sehr gern. Die Größe und die Geschäftigkeit, Stolz gepaart mit laissez faire haben mich fasziniert. Besonders angetan hatte es mir der Stadtteil um La Defense herum. Die gläsernen Paläste der Arbeitsbienen.

Dieses Mal jedoch war es anders. Ich war gestresst von der Hektik und der Fülle an Menschen, die einen dort permanent umgibt. War traurig, dass ich einige der Sehenswürdigkeiten nicht mehr so besichtigen konnte wie ich es wollte, da nun Anti-Terrorsicherheitsvorkehrungen installiert waren, die ein verstärktes Gefühl von Sicherheit vermitteln sollen. Bei mir lösen sie eher gegenteilige Gefühle aus. Ein Eiffelturm bei dem man nicht nur anstehen muss, um auf die Plattformen zu fahren, sondern sich erst einmal anstehen muss um durch die eher oberflächliche Sicherheitskontrolle gedulden muss, ist in erster Linie mal Nervi. Und abhalten wird diese Art von Securitycheck sicherlich niemanden, der da ernsthafte Pläne verfolgt. Doch auch wenn solche Art Sicherheitsvorkehrungen einen Städtetrip für mich eher unattraktiv machen, bleibt Paris ein faszinierende Stadt für mich und ich hatte ein paar wirklich schöne Tage dort.


DSC01181_HDR

DSC01223_HDR

DSC01389_HDR

DSC01405_HDR

DSC01417_HDR
Comments

Kopenhagen

Wir haben einen Kurztrip nach Kopenhagen gemacht. Einfach weil wir es können. Und weil ich - kurz nachdem ich in Hamburg ankam - diese abgeschnittenen Blechzüge der Dänischen Staatsbahn im Hamburger Hauptbahnhof sah, welche einen in Direktverbindungen ins Kopenhagener Stadtzentrum fahren. Seitdem stand ein Wochenendtrip auf meiner Bucketlist. Wie dem auch sei: Wir hatten phantastisches Wetter, haben uns Standesgemäß von Softeis und Hotdogs ernährt und im besten Käsekuchenladen den ich je betreten habe wahnsinnig gute Kuchenstücke gejagt.

Und es stimmt was man über Kopenhagen als Fahrradstadt sagt: Zumindest im Stadtkern gibt es eigene breite Radspuren die leicht erhöht über den Fahrzeugspuren liegen. So wird man hoffentlich seltener mal eben kurz über den Haufen gefahren. Und die escooter liegen auch nicht so nervtötend überall rum, sondern stehen meist recht sortiert und aufgeräumt nicht mitten auf dem Weg.

Genug geredet. Hier eine kleine Fotoauswahl:


DSC01078_HDR 1

DSC01081_HDR 1

DSC01087_HDR 1

DSC01099_HDR 1

DSC01117_HDR 1

DSC01138_HDR 1

DSC01149_HDR 1
Comments

Hamburg - Bremerhaven mit dem Fahrrad

Relive 'Finkenwerder bis Bremerhaven'




Manchmal braucht man vor allem eines: Einen verrückten Menschen, der auf einen verrückten spontanen Vorschlag sagt: "Ja klar, lass das machen!"

Freitags die Idee und Samstag fuhren wir los. 105 km von Finkenwerder bis ins Zentrum von Bremerhaven. Bremerhaven an sich ist jetzt nicht das schönste Ziel der Welt (außer man hat gute Gründe für einen Besuch dort), aber die Fahrt dahin lohnt allemal. Mitten im Nirgendwo rollt man mehrere Kilometer völlig allein auf schönstem Asphalt durch Wiesen und Wälder. Die meisten haben uns für verrückt erklärt und ein bisschen wars das ja auch. Immerhin hatten wir bis zu 38 °C in der Sonne und auf der Strecke jetzt nicht allzu viel Schatten. Aber im Grunde waren es gute Rennradbedingungen: Es war zwar heiß, aber nicht schwül und es gab nur wenig Wind. Die Strecke fällt Richtung Nordsee überwiegend ab, wobei dir auf den letzten 25 km jede noch so kleine Mikrosteigung direkt in den Gesäßmuskel zieht.

In Bremerhaven angekommen tat uns so einiges weh, aber wenn man mit kühlem Bier und Nudelauflauf empfangen wird, gehts eigentlich schon wieder.

Ich würds wieder machen. Wenn ich dann irgendwann vergessen habe was mir auf dem letzten Viertel alles weh getan hat.

Anders als das Video behauptet, haben wir knapp den 25 km/h Schnitt verpasst und sind (wenn man die kurzen Pausen raus rechnet) 4:20 h im Sattel gesessen.

Comments

Klebos, Streetart und Hafensonne.

DSC00804_HDR

DSC00807_HDR

DSC00810_HDR

DSC00816_HDR

DSC00822_HDR

DSC00849_HDR

DSC00855_HDR

DSC00867_HDR
Comments

Bericht zum Forststeig

Es folgt ein kurzer Reisebericht oder vielmehr Wanderbericht zu unserer Tour auf dem Forststeig in der sächsischen Schweiz. Es sollten 100 km bei 2800 Höhenmetern werden, die wir in 6 Tagen bewältigen wollten. Andere schafften die Tour sogar in 4 Tagen, aber so ambitioniert waren wir dann bei weitem nicht.



Etappe 1: Schöna bis Grenzbaude

Endlich liegen. Die Zehen tun weh, irgendeine Vorstufe von 'Blasen gelaufen' wird's wohl sein. Wir haben 15 km in 7 Stunden geschafft. Aber fangen wir von vorne an. Wir starten am Morgenrot Frühstück auf der Hand in Dresden und lassen uns mit der S-Bahn zuerst bis Bad Schandau bringen wo wir die Übernachtungstickets für den Forststeig kaufen und fahren dann weiter bis nach Schöna. Dort beginnt der Trail eigentlich direkt am Bahnhof. Direkt zu Beginn machten wir Bekanntschaft mit Leni (8) und ihrem Vater. Immer wieder treffen wir die beiden und schlussendlich laufen wir ein ganzes Stück gemeinsam bis zum Zschirnstein-Biwak. Auf dem Gipfel des Tages - dem großen Zschirnstein - werden wir für unserer Ausdauer reichlich belohnt. Der Ausblick ist der Hammer und schlichtweg atemberaubend. Ann Zschirnsteinbiwak war Leni fertig für den Tag und freute sich aufs Ausruhen. Ich ehrlich gesagt auch, aber wir hatten dann noch 5 km unserer Tagesetappe vor uns. Aber irgendwann hatten auch wir es bis zur Grenzbaude geschafft - der nächste Biwakplatz wäre nochmal eine halbe Stunde weiter gewesen. Für mich an diesem Tag keine Option mehr. Morgen 13km und wieder einige Höhenmeter. Die anderen drei sind tatsächlich nochmal eine Runde spazieren.


IMG_20190622_163018_HDR
Etappe 2 bis Ostrov

Aua. Aufwachen mit der Frage: Wo habe ich eigentlich keine Schmerzen? Ah! Im Ellenbogen vielleicht. Und so läuft man los. Mit Schmerzen an den Zehen vom Prästadium der Blasenbildung und Druckstellen an Schulter und Schlüsselbein vom Rucksack. Nicht zu vergessen die Druckschmerzen in der Hüfte vom Hüftgurt. Aber das alles ist schnell vergessen bei den atemberaubenden An- und Ausblicken die sich uns heute geboten haben. Josi und Simon haben uns heute kurz hinter dem Taubenteich-Biwak verlassen und so sind wir kurz nach dem Start zu zweit unterwegs. Das Mittagessen auf dem Schneeberg entschädigt mit einem Wahnsinns Ausblick, ansonsten war es eher so semi. Mehr als einen Kaffee würden wir dort oben nicht empfehlen. Abends auf dem Zeltplatz sie Erfüllung des Tages: eine Dusche! Wahnsinn. Der Knüller: morgen gibt's nochmal ne Dusche. Wir werden nämlich nur mit leichten Gepäck eine 20 km Runde machen und nochmals hier Zelten.


IMG_20190623_150059_HDR Kopie
Etappe 3: Über die Kamphütte nach Ostrov.

Meine. Füße. Sterben. Vielleicht waren 22km doch keine so gute Idee?! Kurz hinter Ostrov stiefelten wir über einen wunderschönen Pfad auf ein Plateau hinauf und folgten dann einem eher semi-spannenden weg bis zur Kamphütte. Dort sollte laut Plan Ende der dritten Etappe sein. Das wäre (aus meiner Sicht) unbefriedigend gewesen. Zwar sind wir durch wunderschöne Blaubeerfelder gelaufen, aber ein Großteil der Etappe verlief über breite Kieswege oder durch die Spurrillen diverse Landschaftsfahrzeuge. Nicht so schön. Nach der Kamphütte wurde es dagegen richtig malerisch und es wäre schade gewesen das zu verpassen. Aber jetzt muss ich los zum Essen. Und Bier. Uh yeah!


IMG_20190624_141713_HDR

IMG_20190624_142004_HDR
Etappe 4: Ostrov bis Spitzsteinbiwak

Mit vielen, vielen Pausen warren dann auch noch heute noch mal 18 Kilometer Strecke die wir zurück gelegt haben. Hätte wir nicht die Markierung verpasst und uns kurz mal verlaufen, wären es vielleicht nur 16 oder 17 km gewesen ;). Die Temperaturen waren schon merklich gestiegen, aber dafür hatten wir nicht all zu schlimme Steigungen drin. Die Strecke war auch heute wieder überwiegend traumhaft schön mit tollen Ausblicken. Insbesondere der Katzstein war ein schönes Highlight heute. Weniger ein Highlight war die latente und immer konkreter werdende Sorge, dass der Wasservorrat zur Neige ging und wir keine Quelle finden konnten. Unterhalb des Spitzsteinbiwak findet sich glücklicherweise jedoch der Neuteich mit einem klaren Zulauf und dem man sich zum einen hervorragend waschen kann und zum andern auch die Wasservorräte auffüllen kann. Also alles wieder tutti! Ganz im Gegensatz zu den vorherigen Tagen, an denen wir eher spärlich mit anderen Menschen in Kontakt kamen, schien heute High Life auf dem Trail zu sein. Zwei junge Herren trafen wir immer mal wieder und mit einem legten wir gegen Abend auch noch ein paar Meter gemeinsam zurück. Und weil es auch abends noch superwarm war, entschieden wir im Camp ohne Zelt zu schlafen.

IMG_20190624_145924_HDR

IMG_20190625_093357_HDR Kopie
Etappe 5: Wir saften bis nach Nikolsdorf

Um vier weckt mich Katja. Wir gehen den kurzen Weg zum Spitzstein hoch und sehen uns den Sonnenaufgang an. Auch einfach wieder traumhaft schön. Frühstücken tun wir unten am Neuteich, füllen die Wasservorräte auf und starten frühzeitig. Es soll sehr sehr warm werden heute. Und so war es dann auch. Wir quälen uns bei 34 Grad durch den Wald. Können die Schönheit von Labyrinth und den Nikolsdorfer Wänden überhaupt nicht genießen. Wir wollen einfach nur noch irgendwo ankommen, wo es eine Dusche und was kühles zu trinken gibt. Erschöpft landen wir um eins auf dem Campingplatz und liegen erst Mal drei Stunden regungslos auf  der Wiese bis wir einchecken können. Auf Grund der Vorzüge von Dusche und Kaltgetränken hatten wir uns nämlich gegen das Biwak direkt oberhalb des kommerziellen Campingplatzes entschieden. Wegen der Gastfreundschaft der Campingwarte jedenfalls ganz sicher nicht. (Ein WLAN Passwort gab es für uns nicht, er habe schon zu viele raus gegeben...) . Aber die Dusche, Bier und das Eis waren es dennoch wert. Und so schlafe ich heute auch wieder ausserhalb des Zeltes, Katja bevorzugt zunächst die mückenärmere Umgebung des Innenzeltes, entscheidet sich später aber doch um

IMG_20190626_045602_HDR Kopie
Etappe 6: Bushopping und Kindheitstraum.

Ursprünglich sah unser Plan vor die letzten beiden Etappen an einem Tag zu machen und dann mit dem Zug nach Dresden zurück zu fahren. Wir wollten also - abhängig von dem was wir am Vortag schaffen - bis zu 21km am letzten Tag laufen. Wäre der Vortag nicht so kriminell warm gewesen (34 Grad im Schatten sind halt echt keine Temperaturen für Anstrengungen dieser Art) hätten wir das wohl auch gemacht. In Anbetracht der Wetterereignisse lagen wir auf dem Campingplatz in Nikolsdorf auf der Wiese, vegetierten vor uns hin und planten den nächsten Tag. Das Ergebnis: wir nehmen den Bus bis zum  Gohrischstein und skippen damit die eigentliche Etappe 6 von Nikolsdorf bis Gohrisch. Wir lassen den Quirl aus und damit bleiben uns 9 km der siebten und damit letzten Etappe. Der Bus kippte uns direkt am Traileinstieg aus, es war 8:00 morgens und es hatte Gott sei Dank über Nacht etwas abgekühlt. Der Aufstieg zum Gohrischstein begann. Oben angekommen war ich völlig selig und ganz zufrieden mit mir und dem Moment, weil sich mit dieser Etappe ein Kindheitstraum von mir erfüllt hatte. Wenn wir früher mit der Familie im Wanderurlaub waren wollte ich schon immer gern die Routen gehen in denen stiegen und Leitern verzeichnet waren. Und der "schwere Aufstieg' durch die Falkenschlucht war genau das. Ein Aufstieg mit Stiegen, Leitern, Felsspalten und Krabbeleinheiten. Mit dem großen Rucksack war das stellenweise gar nicht so einfach. Der Aufstieg war sicherlich anstrengend. Aber wir hatten so unglaublich viel Spaß dabei, dass uns das gar nicht auffiel. Und die Aussicht dort oben war schlichtweg atemberaubend und der Hammer! (Schon wieder!) Kaum vom Gohrischstein runter ging es über zahlreiche Stufen auf den Papststein hoch. Es war immer noch früh und wir hatten reichlich Zeit und gerne warteten wir eine dreiviertel Stunde bis der Berggasthof uns um elf Uhr Kaffee und (leckeren!) Kuchen servierte. Zu guter letzt bestiegen wir noch den Kleinhennersdorfer Stein. "Wildromantik pur" sagte Katja zur Strecke. Ein wirklich atemberaubend schöner Abschluss.


IMG_20190627_081938_HDR Kopie

IMG_20190627_084221_HDR Kopie

IMG_20190627_130344_HDR Kopie
Zusammenfassung

Ich würde diese sechs sehr intensiven Tage ja gerne irgendwie kurz zusammenfassen. Aber irgendwie ist mir das gar nicht richtig möglich. Für mich war es die erste mehrtägige Trekkingtour, ich hatte aber schon diverse Wandererfahrungen vor allem aus Kindheit und Jugend. Ich konnte so in etwa einschätzen, was es heisst 8-10 Stunden in den Bergen unterwegs zu sein. Ich wusste, dass weniger Gewicht mehr ist. Mir war jedoch nicht bewusst wie viel so ein einzelnes Kilo mehr oder weniger ausmachen würde. Alles in allem hatte ich zu Beginn ca. 15 kg auf dem Rücken. Das ist - vor allem bergauf - schon ein wenig schwer. Am zweiten Tag hab ich als erste Tageshandlung erstmal meinen Rucksack neu gepackt. Denn die Schultern und Schlüsselbeine waren vom Vortag blau und aufgeschürft. Hätte ich lieber schon am Vortag auf dem Trail mal neu gepackt.... So ging es nämlich plötzlich viel viel besser! Die Hütten und Biwak-plätze waren allesamt sehr schön. Sollte der Forststeig sich aber wachsender Beliebtheit erfreuen (er ist ja noch Recht neu), könnten die Schlafplätze rasch an ihre Grenzen stoßen. Der Campingplatz in Ostrov nimmt die Forststeig Tickets an, die Leute dort sind super nett und unkompliziert und das angeschlossene Restaurant (Pod Cisarem) hat eine täglich wechselnde Karte mit wenigen Gerichten, die aber ziemlich lecker und günstig sind. Vor- und Hauptspeise inklusive zwei Getränke für nicht Mal 11 €.

Der Campingplatz am Nikolsdorfer Berg dagegen lohnte sich für uns nur, weil es an besagtem Tag ultra heiß war und wir eine Dusche haben wollten. Allen anderen würde ich empfehlen den Biwakplatz direkt am Trail und oberhalb dem Campingplatzes zu nutzen und sich im kleinen Shop vom Campingplatz mit kühlen Getränken und vielleicht einem Eis zu versorgen. Die mangelnde Gastfreundschaft des Campingwartes war dann doch eher erschreckend. Seine Frau dagegen war eigentlich Recht freundlich. Schade eigentlich. Einkehrmöglichkeiten gibt es insgesamt wenige am Trail. Ein Kaffee oder Apfelschorle auf dem hohen Schneeberg kann man sich bei der Aussicht gut antun, vom Essen dort kann man getrost absehen. So gut war's dann nicht und man kann in Euro bezahlen, aber man zahlt dann drauf. Weiter Richtung Ostrov am Fuß des Schneeberges gibt es noch ein Restaurant direkt an der Straße, das haben wir dann aber links liegen lassen. In Ostrov gibt es das Restaurant am Campingplatz und ein 4-Sterne Hotel im Ort. Hinter der Kamphütte in etwa auf der Höhe der Johanniswacht gibt es einen Parkplatz wo es wohl eine Einkehrmöglichkeit geben soll, da führt der Weg aber nicht direkt dran vorbei, wir können dazu also nichts sagen. Ein schöner Stop war auch die Einkehr auf dem Papststein. Der Weg führt quasi durch den Gasthof. Wasser: Eigentlich hatten wir nur auf einer Etappe Sorge ums Wasser. Die Etappe von Ostrov bis zum Spitzsteinbiwak. Dort bedienten wir uns am Abend dann aber glücklicherweise aus dem Zulauf des Neuteichs. Allerdings ist die Qualität dort evtl. fraglich. Einem anderen Wanderer ging es am Folgetag nicht so gut, was aber auch an der Hitze gelegen haben kann. Katja meinte das Wasser schmecke komisch und hatte nicht sehr viel davon getrunken. Ich hatte sicher drei Liter davon getrunken und mir ging es eigentlich ganz gut. Vielleicht empfiehlt es sich das Wasser dieser Stelle abzukochen und nicht nur zu filtern. Vielleicht lagen die Probleme aber auch an der Hitze. Andere Wanderer hatten sich in der Nähe der Rotsteinhütte an einer Quelle bedient. Die hatten wir aber nicht gefunden. Die Trail-Markierungen waren insbesondere am letzten Tag bisweilen spärlich und wir sind diverse extra Meter gelaufen. Eine digitales Endgerät mit GPS-karte ist auf der gesamten Tour äußerst hilfreich und empfehlenswert.

Comments