Paris - die Stadt der Liebe und der Sicherheitsvorkehrungen

Ich war in Paris. Mal wieder. Das erste Mal durfte ich die Stadt im Herbst 2000 kennen lernen. Ein Jahr vor den tragischen Terroranschlägen in der westlichen Welt, denen ein Krieg nachfolgend sollte, der bis heute noch nicht richtig geklärt, sondern nur irgendwie verlagert zu sein scheint. Ich nahm die Stadt als offen und unbeschwert wahr. Hatte Freude daran relativ ungehindert berühmte Sehenswürdigkeiten zu besuchen.

Ich war seitdem noch zweimal dort. Ich mochte die Stadt immer sehr gern. Die Größe und die Geschäftigkeit, Stolz gepaart mit laissez faire haben mich fasziniert. Besonders angetan hatte es mir der Stadtteil um La Defense herum. Die gläsernen Paläste der Arbeitsbienen.

Dieses Mal jedoch war es anders. Ich war gestresst von der Hektik und der Fülle an Menschen, die einen dort permanent umgibt. War traurig, dass ich einige der Sehenswürdigkeiten nicht mehr so besichtigen konnte wie ich es wollte, da nun Anti-Terrorsicherheitsvorkehrungen installiert waren, die ein verstärktes Gefühl von Sicherheit vermitteln sollen. Bei mir lösen sie eher gegenteilige Gefühle aus. Ein Eiffelturm bei dem man nicht nur anstehen muss, um auf die Plattformen zu fahren, sondern sich erst einmal anstehen muss um durch die eher oberflächliche Sicherheitskontrolle gedulden muss, ist in erster Linie mal Nervi. Und abhalten wird diese Art von Securitycheck sicherlich niemanden, der da ernsthafte Pläne verfolgt. Doch auch wenn solche Art Sicherheitsvorkehrungen einen Städtetrip für mich eher unattraktiv machen, bleibt Paris ein faszinierende Stadt für mich und ich hatte ein paar wirklich schöne Tage dort.


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Kopenhagen

Wir haben einen Kurztrip nach Kopenhagen gemacht. Einfach weil wir es können. Und weil ich - kurz nachdem ich in Hamburg ankam - diese abgeschnittenen Blechzüge der Dänischen Staatsbahn im Hamburger Hauptbahnhof sah, welche einen in Direktverbindungen ins Kopenhagener Stadtzentrum fahren. Seitdem stand ein Wochenendtrip auf meiner Bucketlist. Wie dem auch sei: Wir hatten phantastisches Wetter, haben uns Standesgemäß von Softeis und Hotdogs ernährt und im besten Käsekuchenladen den ich je betreten habe wahnsinnig gute Kuchenstücke gejagt.

Und es stimmt was man über Kopenhagen als Fahrradstadt sagt: Zumindest im Stadtkern gibt es eigene breite Radspuren die leicht erhöht über den Fahrzeugspuren liegen. So wird man hoffentlich seltener mal eben kurz über den Haufen gefahren. Und die escooter liegen auch nicht so nervtötend überall rum, sondern stehen meist recht sortiert und aufgeräumt nicht mitten auf dem Weg.

Genug geredet. Hier eine kleine Fotoauswahl:


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Hamburg - Bremerhaven mit dem Fahrrad

Relive 'Finkenwerder bis Bremerhaven'




Manchmal braucht man vor allem eines: Einen verrückten Menschen, der auf einen verrückten spontanen Vorschlag sagt: "Ja klar, lass das machen!"

Freitags die Idee und Samstag fuhren wir los. 105 km von Finkenwerder bis ins Zentrum von Bremerhaven. Bremerhaven an sich ist jetzt nicht das schönste Ziel der Welt (außer man hat gute Gründe für einen Besuch dort), aber die Fahrt dahin lohnt allemal. Mitten im Nirgendwo rollt man mehrere Kilometer völlig allein auf schönstem Asphalt durch Wiesen und Wälder. Die meisten haben uns für verrückt erklärt und ein bisschen wars das ja auch. Immerhin hatten wir bis zu 38 °C in der Sonne und auf der Strecke jetzt nicht allzu viel Schatten. Aber im Grunde waren es gute Rennradbedingungen: Es war zwar heiß, aber nicht schwül und es gab nur wenig Wind. Die Strecke fällt Richtung Nordsee überwiegend ab, wobei dir auf den letzten 25 km jede noch so kleine Mikrosteigung direkt in den Gesäßmuskel zieht.

In Bremerhaven angekommen tat uns so einiges weh, aber wenn man mit kühlem Bier und Nudelauflauf empfangen wird, gehts eigentlich schon wieder.

Ich würds wieder machen. Wenn ich dann irgendwann vergessen habe was mir auf dem letzten Viertel alles weh getan hat.

Anders als das Video behauptet, haben wir knapp den 25 km/h Schnitt verpasst und sind (wenn man die kurzen Pausen raus rechnet) 4:20 h im Sattel gesessen.

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Klebos, Streetart und Hafensonne.

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Bericht zum Forststeig

Es folgt ein kurzer Reisebericht oder vielmehr Wanderbericht zu unserer Tour auf dem Forststeig in der sächsischen Schweiz. Es sollten 100 km bei 2800 Höhenmetern werden, die wir in 6 Tagen bewältigen wollten. Andere schafften die Tour sogar in 4 Tagen, aber so ambitioniert waren wir dann bei weitem nicht.



Etappe 1: Schöna bis Grenzbaude

Endlich liegen. Die Zehen tun weh, irgendeine Vorstufe von 'Blasen gelaufen' wird's wohl sein. Wir haben 15 km in 7 Stunden geschafft. Aber fangen wir von vorne an. Wir starten am Morgenrot Frühstück auf der Hand in Dresden und lassen uns mit der S-Bahn zuerst bis Bad Schandau bringen wo wir die Übernachtungstickets für den Forststeig kaufen und fahren dann weiter bis nach Schöna. Dort beginnt der Trail eigentlich direkt am Bahnhof. Direkt zu Beginn machten wir Bekanntschaft mit Leni (8) und ihrem Vater. Immer wieder treffen wir die beiden und schlussendlich laufen wir ein ganzes Stück gemeinsam bis zum Zschirnstein-Biwak. Auf dem Gipfel des Tages - dem großen Zschirnstein - werden wir für unserer Ausdauer reichlich belohnt. Der Ausblick ist der Hammer und schlichtweg atemberaubend. Ann Zschirnsteinbiwak war Leni fertig für den Tag und freute sich aufs Ausruhen. Ich ehrlich gesagt auch, aber wir hatten dann noch 5 km unserer Tagesetappe vor uns. Aber irgendwann hatten auch wir es bis zur Grenzbaude geschafft - der nächste Biwakplatz wäre nochmal eine halbe Stunde weiter gewesen. Für mich an diesem Tag keine Option mehr. Morgen 13km und wieder einige Höhenmeter. Die anderen drei sind tatsächlich nochmal eine Runde spazieren.


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Etappe 2 bis Ostrov

Aua. Aufwachen mit der Frage: Wo habe ich eigentlich keine Schmerzen? Ah! Im Ellenbogen vielleicht. Und so läuft man los. Mit Schmerzen an den Zehen vom Prästadium der Blasenbildung und Druckstellen an Schulter und Schlüsselbein vom Rucksack. Nicht zu vergessen die Druckschmerzen in der Hüfte vom Hüftgurt. Aber das alles ist schnell vergessen bei den atemberaubenden An- und Ausblicken die sich uns heute geboten haben. Josi und Simon haben uns heute kurz hinter dem Taubenteich-Biwak verlassen und so sind wir kurz nach dem Start zu zweit unterwegs. Das Mittagessen auf dem Schneeberg entschädigt mit einem Wahnsinns Ausblick, ansonsten war es eher so semi. Mehr als einen Kaffee würden wir dort oben nicht empfehlen. Abends auf dem Zeltplatz sie Erfüllung des Tages: eine Dusche! Wahnsinn. Der Knüller: morgen gibt's nochmal ne Dusche. Wir werden nämlich nur mit leichten Gepäck eine 20 km Runde machen und nochmals hier Zelten.


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Etappe 3: Über die Kamphütte nach Ostrov.

Meine. Füße. Sterben. Vielleicht waren 22km doch keine so gute Idee?! Kurz hinter Ostrov stiefelten wir über einen wunderschönen Pfad auf ein Plateau hinauf und folgten dann einem eher semi-spannenden weg bis zur Kamphütte. Dort sollte laut Plan Ende der dritten Etappe sein. Das wäre (aus meiner Sicht) unbefriedigend gewesen. Zwar sind wir durch wunderschöne Blaubeerfelder gelaufen, aber ein Großteil der Etappe verlief über breite Kieswege oder durch die Spurrillen diverse Landschaftsfahrzeuge. Nicht so schön. Nach der Kamphütte wurde es dagegen richtig malerisch und es wäre schade gewesen das zu verpassen. Aber jetzt muss ich los zum Essen. Und Bier. Uh yeah!


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Etappe 4: Ostrov bis Spitzsteinbiwak

Mit vielen, vielen Pausen warren dann auch noch heute noch mal 18 Kilometer Strecke die wir zurück gelegt haben. Hätte wir nicht die Markierung verpasst und uns kurz mal verlaufen, wären es vielleicht nur 16 oder 17 km gewesen ;). Die Temperaturen waren schon merklich gestiegen, aber dafür hatten wir nicht all zu schlimme Steigungen drin. Die Strecke war auch heute wieder überwiegend traumhaft schön mit tollen Ausblicken. Insbesondere der Katzstein war ein schönes Highlight heute. Weniger ein Highlight war die latente und immer konkreter werdende Sorge, dass der Wasservorrat zur Neige ging und wir keine Quelle finden konnten. Unterhalb des Spitzsteinbiwak findet sich glücklicherweise jedoch der Neuteich mit einem klaren Zulauf und dem man sich zum einen hervorragend waschen kann und zum andern auch die Wasservorräte auffüllen kann. Also alles wieder tutti! Ganz im Gegensatz zu den vorherigen Tagen, an denen wir eher spärlich mit anderen Menschen in Kontakt kamen, schien heute High Life auf dem Trail zu sein. Zwei junge Herren trafen wir immer mal wieder und mit einem legten wir gegen Abend auch noch ein paar Meter gemeinsam zurück. Und weil es auch abends noch superwarm war, entschieden wir im Camp ohne Zelt zu schlafen.

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Etappe 5: Wir saften bis nach Nikolsdorf

Um vier weckt mich Katja. Wir gehen den kurzen Weg zum Spitzstein hoch und sehen uns den Sonnenaufgang an. Auch einfach wieder traumhaft schön. Frühstücken tun wir unten am Neuteich, füllen die Wasservorräte auf und starten frühzeitig. Es soll sehr sehr warm werden heute. Und so war es dann auch. Wir quälen uns bei 34 Grad durch den Wald. Können die Schönheit von Labyrinth und den Nikolsdorfer Wänden überhaupt nicht genießen. Wir wollen einfach nur noch irgendwo ankommen, wo es eine Dusche und was kühles zu trinken gibt. Erschöpft landen wir um eins auf dem Campingplatz und liegen erst Mal drei Stunden regungslos auf  der Wiese bis wir einchecken können. Auf Grund der Vorzüge von Dusche und Kaltgetränken hatten wir uns nämlich gegen das Biwak direkt oberhalb des kommerziellen Campingplatzes entschieden. Wegen der Gastfreundschaft der Campingwarte jedenfalls ganz sicher nicht. (Ein WLAN Passwort gab es für uns nicht, er habe schon zu viele raus gegeben...) . Aber die Dusche, Bier und das Eis waren es dennoch wert. Und so schlafe ich heute auch wieder ausserhalb des Zeltes, Katja bevorzugt zunächst die mückenärmere Umgebung des Innenzeltes, entscheidet sich später aber doch um

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Etappe 6: Bushopping und Kindheitstraum.

Ursprünglich sah unser Plan vor die letzten beiden Etappen an einem Tag zu machen und dann mit dem Zug nach Dresden zurück zu fahren. Wir wollten also - abhängig von dem was wir am Vortag schaffen - bis zu 21km am letzten Tag laufen. Wäre der Vortag nicht so kriminell warm gewesen (34 Grad im Schatten sind halt echt keine Temperaturen für Anstrengungen dieser Art) hätten wir das wohl auch gemacht. In Anbetracht der Wetterereignisse lagen wir auf dem Campingplatz in Nikolsdorf auf der Wiese, vegetierten vor uns hin und planten den nächsten Tag. Das Ergebnis: wir nehmen den Bus bis zum  Gohrischstein und skippen damit die eigentliche Etappe 6 von Nikolsdorf bis Gohrisch. Wir lassen den Quirl aus und damit bleiben uns 9 km der siebten und damit letzten Etappe. Der Bus kippte uns direkt am Traileinstieg aus, es war 8:00 morgens und es hatte Gott sei Dank über Nacht etwas abgekühlt. Der Aufstieg zum Gohrischstein begann. Oben angekommen war ich völlig selig und ganz zufrieden mit mir und dem Moment, weil sich mit dieser Etappe ein Kindheitstraum von mir erfüllt hatte. Wenn wir früher mit der Familie im Wanderurlaub waren wollte ich schon immer gern die Routen gehen in denen stiegen und Leitern verzeichnet waren. Und der "schwere Aufstieg' durch die Falkenschlucht war genau das. Ein Aufstieg mit Stiegen, Leitern, Felsspalten und Krabbeleinheiten. Mit dem großen Rucksack war das stellenweise gar nicht so einfach. Der Aufstieg war sicherlich anstrengend. Aber wir hatten so unglaublich viel Spaß dabei, dass uns das gar nicht auffiel. Und die Aussicht dort oben war schlichtweg atemberaubend und der Hammer! (Schon wieder!) Kaum vom Gohrischstein runter ging es über zahlreiche Stufen auf den Papststein hoch. Es war immer noch früh und wir hatten reichlich Zeit und gerne warteten wir eine dreiviertel Stunde bis der Berggasthof uns um elf Uhr Kaffee und (leckeren!) Kuchen servierte. Zu guter letzt bestiegen wir noch den Kleinhennersdorfer Stein. "Wildromantik pur" sagte Katja zur Strecke. Ein wirklich atemberaubend schöner Abschluss.


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Zusammenfassung

Ich würde diese sechs sehr intensiven Tage ja gerne irgendwie kurz zusammenfassen. Aber irgendwie ist mir das gar nicht richtig möglich. Für mich war es die erste mehrtägige Trekkingtour, ich hatte aber schon diverse Wandererfahrungen vor allem aus Kindheit und Jugend. Ich konnte so in etwa einschätzen, was es heisst 8-10 Stunden in den Bergen unterwegs zu sein. Ich wusste, dass weniger Gewicht mehr ist. Mir war jedoch nicht bewusst wie viel so ein einzelnes Kilo mehr oder weniger ausmachen würde. Alles in allem hatte ich zu Beginn ca. 15 kg auf dem Rücken. Das ist - vor allem bergauf - schon ein wenig schwer. Am zweiten Tag hab ich als erste Tageshandlung erstmal meinen Rucksack neu gepackt. Denn die Schultern und Schlüsselbeine waren vom Vortag blau und aufgeschürft. Hätte ich lieber schon am Vortag auf dem Trail mal neu gepackt.... So ging es nämlich plötzlich viel viel besser! Die Hütten und Biwak-plätze waren allesamt sehr schön. Sollte der Forststeig sich aber wachsender Beliebtheit erfreuen (er ist ja noch Recht neu), könnten die Schlafplätze rasch an ihre Grenzen stoßen. Der Campingplatz in Ostrov nimmt die Forststeig Tickets an, die Leute dort sind super nett und unkompliziert und das angeschlossene Restaurant (Pod Cisarem) hat eine täglich wechselnde Karte mit wenigen Gerichten, die aber ziemlich lecker und günstig sind. Vor- und Hauptspeise inklusive zwei Getränke für nicht Mal 11 €.

Der Campingplatz am Nikolsdorfer Berg dagegen lohnte sich für uns nur, weil es an besagtem Tag ultra heiß war und wir eine Dusche haben wollten. Allen anderen würde ich empfehlen den Biwakplatz direkt am Trail und oberhalb dem Campingplatzes zu nutzen und sich im kleinen Shop vom Campingplatz mit kühlen Getränken und vielleicht einem Eis zu versorgen. Die mangelnde Gastfreundschaft des Campingwartes war dann doch eher erschreckend. Seine Frau dagegen war eigentlich Recht freundlich. Schade eigentlich. Einkehrmöglichkeiten gibt es insgesamt wenige am Trail. Ein Kaffee oder Apfelschorle auf dem hohen Schneeberg kann man sich bei der Aussicht gut antun, vom Essen dort kann man getrost absehen. So gut war's dann nicht und man kann in Euro bezahlen, aber man zahlt dann drauf. Weiter Richtung Ostrov am Fuß des Schneeberges gibt es noch ein Restaurant direkt an der Straße, das haben wir dann aber links liegen lassen. In Ostrov gibt es das Restaurant am Campingplatz und ein 4-Sterne Hotel im Ort. Hinter der Kamphütte in etwa auf der Höhe der Johanniswacht gibt es einen Parkplatz wo es wohl eine Einkehrmöglichkeit geben soll, da führt der Weg aber nicht direkt dran vorbei, wir können dazu also nichts sagen. Ein schöner Stop war auch die Einkehr auf dem Papststein. Der Weg führt quasi durch den Gasthof. Wasser: Eigentlich hatten wir nur auf einer Etappe Sorge ums Wasser. Die Etappe von Ostrov bis zum Spitzsteinbiwak. Dort bedienten wir uns am Abend dann aber glücklicherweise aus dem Zulauf des Neuteichs. Allerdings ist die Qualität dort evtl. fraglich. Einem anderen Wanderer ging es am Folgetag nicht so gut, was aber auch an der Hitze gelegen haben kann. Katja meinte das Wasser schmecke komisch und hatte nicht sehr viel davon getrunken. Ich hatte sicher drei Liter davon getrunken und mir ging es eigentlich ganz gut. Vielleicht empfiehlt es sich das Wasser dieser Stelle abzukochen und nicht nur zu filtern. Vielleicht lagen die Probleme aber auch an der Hitze. Andere Wanderer hatten sich in der Nähe der Rotsteinhütte an einer Quelle bedient. Die hatten wir aber nicht gefunden. Die Trail-Markierungen waren insbesondere am letzten Tag bisweilen spärlich und wir sind diverse extra Meter gelaufen. Eine digitales Endgerät mit GPS-karte ist auf der gesamten Tour äußerst hilfreich und empfehlenswert.

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Forststeig - Wir kommen!


Bildquelle: https://bit.ly/31Ey4H1

In wenigen Tagen ist es endlich so weit, was schon länger eine Idee war, hat vor wenigen Monaten konkrete Formen angenommen. Wir werden den Forststeig entern. Der Forststeig ist ein Weitwanderweg von ca. 100 km der im April 2018 geöffnet wurde. Wir werden versuchen den Weg in 6 Etappen zu laufen und werden in sehr einfachen Hütten oder im Zelt nächtigen. Ich freu mich wie Bolle, dass ich mich eine Woche lang von dehydriertem Essen ernähren darf, dass wir auf dem kleinen Kocher erstmal wieder mit Wasser versetzen und essbar machen werden.

Wer mich kennt, der weiß: Eine meiner größten Ängste ist, dass ich verhungere. Also ist auch meine größte Sorge für die bevorstehende Wanderung, dass ich zu wenig essen mit habe. Und in der Tat ist es gar nicht so einfach drei Mahlzeiten zusammenzustellen die 2800 bis 3000 Kalorien abdecken. Und so trickst man mit Olivenöl, dass man ans Essen dazu gibt noch ein paar Kalorien oben drauf und packt Schokolade ein. Natürlich nur wegen der Kalorien!!!

Wenn man Sein Hab und Gut 6 Tage lang durch die Wildnis tragen muss, sollte man sich schon sehr gut überlegen, was man wirklich braucht und was Luxusartikel sind auf die man verzichten kann. Und so habe ich mich noch nicht abschließend mit mir selbst geeinigt ob ich den ebook-Reader mitnehmen möchte oder nicht. Sind es mir die 300g wert? Ich hab ja noch kurz Zeit darüber nachzudenken. Definitiver Luxusgegenstand wird aber das Handy, eine kleine Powerbank und meine Miniobjektive sein. Denn Fotos würd ich schon gerne machen. Also freut euch! Bis jetzt sieht die Gewichtsbilanz aber ganz gut aus. Der Rucksack kommt als Gewicht noch oben drauf, ebenso wie ein Zelt, das wir abwechselnd tragen werden.

Ich freu mich wie Bolle, vor allem weil in den letzten Wochen sehr stark die Belastungen der vergangenen Jahre mit der Doppelbelastung Studium + Arbeit zu spüren bekomme. Und vor allem auch alles was im letzten Jahr in meinem Leben passiert ist. Es gab so vieles was in Bewegung war und sich verändert hat. Und ich hatte kaum Zeit das nachzuspüren. Ich bin also unglaublich froh über die Möglichkeit Abstand zu kriegen. Und zwar fast völligen. Die Powerbank ist wirklich klein was bedeutet, dass mein Handy nur zum Fotografieren und für Notfälle dient. Alle andere Kommunikation muss eine Woche warten. Digital Diet nennt man das heutzutage wohl. Ganz besonders interessant wird wohl die Erfahrung wie es ist eine Woche ohne Musik auszukommen. Vor allem für jemanden wie mich, die sich am Tag sicherlich 5h mit Musik beschallt. Aufregend!


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Weil wir nur diese eine Erde haben.



Es ist ja nun nicht so, als wäre ichabsolut vorbildlich was mein ressourcenschonendes Verhalten angeht und als hätte ich einen wirklich geringen biologischen Fußabdruck. Sicherlich nicht. Aber es ist auch ganz sicher nicht so, dass mir das Thema Klima, Nachhaltigkeit und Vermüllung der Welt und Weltmeere egal wäre. AIch bin sehr froh, dass das Thema zunehmend an medialer Präsenz gewinnt und so im Bewusstsein der Gesellschaft ankommt.

Dabei ist ein achtsamer und nachhaltiger Umgang mit den Ressourcen und der Natur doch eigentlich gar nicht so schwer. Wenn man in die Natur raus geht, nimmt man seinen Müll halt einfach wieder mit. Beim einkaufen kann man sich gut überlegen, ob man sein Obst und Gemüse nun wirklich in eine Plastiktüte packen muss oder ob man die drei Äpfel einfach auch so aufs Band legen und nach Hause transportieren kann und will. Auch bei der Wahl des Stromanbieters kann man ganz leicht und völlig schmerzlos einen Anbieter wählen, der Energie aus regenerativen Quellen anbietet. In der Regel sind die gar nicht so viel teurer. Und verdammt! Wir haben halt nur diese eine Welt!

Was ich mir jetzt neu angewöhnt habe (was absurd ist, weil es so verdammt easy und unumständlich ist): Wenn ich zur Arbeit gehe, packe ich immer einen Jute-Beutel ein, falls ich auf dem Heimweg noch eine Kleinigkeit besorgen will. Und nachdem ich ein paar Monate meine Augen danach offen gehalten habe, habe ich nun auch endlich wieder einen der Rebcup-Becher gefunden. Für einen Euro Pfand kann man sich in vielen Bäckereien in Hamburg einen Mehrwegbecher geben lassen, den man in jedem teilnehmenden Shop zurückgeben oder eintauschen kann. Es ist kein schwerer Thermobecher, sondern ein einfacher Becher aus irgendeiner Sorte Hartplastik der nicht viel wiegt.

Und sonst so? Ich versuche insgesamt etwas Müll zu vermeiden, aber das gestaltet sich ziemlich schwierig finde ich. Unverpackt-Läden empfinde ich als sehr teuer und auch umständlich, weil ich dann weniger spontan beim einkaufen sein könnte bzw. müsste. Aber wenn sich im Supermarkt oder Discounter ums Eck die Möglichkeit ergibt ein Produkt mit weniger Verpackung zu kaufen und sich das im gleichen Preissegment befindet, dann fällt mir die Wahl schon sehr leicht. Und so schaffe ich es nun auf nicht ganz 30 Liter Hausmüll (Plastik, Bio usw.) in der Woche. Aber da ginge sicherlich noch weniger.

Es gibt sicherlich noch sehr viel mehr Ideen, wie ich mit einfachen und kleinen Veränderungen nachhaltiger und ressourcenschonender Leben kann. Ich bin offen für alle Ideen und Vorschläge. Ich würde gerne von euch wissen, was eure kleinen Steps zum Wohle der Erde sind. Erzählt doch mal!

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Gewalt in der Psychiatrie und Pflegenotstand

Vor ein paar Wochen ist ein Mann in der Psychiatrie verstorben. Der Fall ging ein paar Tage lang durch die Medien und jetzt scheint wieder Ruhe eingekehrt zu sein. Ich muss sagen, dass ich von der Berichterstattung doch sehr irritiert war und mich das in der Folge an der sonstigen Berichterstattung zweifeln lässt. Denn im Bereich der psychiatrischen Interventionen traue ich mir dann doch eine gewisse Expertise zu und da ich in besagtem Krankenhaus arbeite, kenne ich auch die Zusammenarbeit mit dem Sicherheitsdienst, der für sein Vorgehen an den Pranger gestellt worden ist.

Vorweg: Ich war bei dem Vorfall nicht dabei und kann mir daher kaum ein umfassendes Urteil darüber bilden, was in der Situation genau vorgefallen ist und ich weiss auch nicht wer da wie gehandelt hat. Aber ich kenne das Vorgehen im Falle von akuter Eigen- und/oder Fremdgefährdung wenn der Patient nicht mehr compliant (also Behandlungsuneinsichtig) und zugänglich ist.

Der erste große Fehler den mir in der Berichterstattung aufgefallen ist war die Suggerierung, dass der Patient freiwillig in Behandlung gewesen sei und die Zwangsmaßnahmen somit nicht hätten statt finden dürfen. Ein Patient der unter Zwang behandelt werden muss, kann per definitionem schon nicht mehr freiwillig in Behandlung sein. Das schließt sich aus. Es kommt jedoch häufiger vor, dass sich Patienten zunächst freiwillig in Behandlung begeben, sich deren Zustand aber dann verschlechtert. Eventuell werden sie zunehmend psychotisch und wahnhaft, sie entwickelt Suizidideen oder aber bedrohen andere Personen. Dann kann es passieren dass akuter Handlungsbedarf besteht. Der behandelnde Arzt schätzte Lage (im besten Falle in Rücksprache mit dem Pflegepersonal) ein und trifft eine Entscheidung über das weitere Vorgehen. Er kann z.B. eine Unterbringung veranlassen wenn der Patient selbst nicht behandlungseinsichtig ist, diese aber dringend notwendig hat. Diese muss von einem Richter innerhalb von 24 Stunden überprüft werden. Ist der Patient untergebracht wird er im Grunde schon unter Zwang behandelt. Denn würde er sich freiwillig behandeln lassen wollen, dann wäre diese Maßnahme nicht notwendig. Es gibt hier aber noch ein paar Graustufen, auf die ich erstmal nicht weiter eingehen will.

Ist ein Mensch also untergebracht, soll er vor sich selbst oder andere vor ihm geschützt werden. Meist geschieht die Behandlung auf entsprechend geschützten Station ("der geschlossenen Psychiatrie"). Doch wie kommt der Patient dort hin, wenn er da noch nicht ist? In der Regel wird er durch entsprechend ausgebildetes Personal dorthin begleitet. Situationsabhängig erfolgt dies zumeist durch das Pflegepersonal, den Sicherheitsdienst oder die Polizei.

Andere Zwangsmaßnahmen die in psychiatrischen Abteilungen durchgeführt werden, sind die Zwangsmedikation oder auch die Immobiliserung durch Fixierung. Auch hier stellt sich für jeden Einzelfall die Frage welche Unterstützung man zur Durchführung benötigt. Die Polizei wird bei Fixierungen erst dann dazu geholt, wenn die personellen Kräfte des Hauses nicht mehr ausreichen.

Das der behandelnde Arzt mit der Unterstützung des Sicherheitsdienstes auf einen Patienten zu geht um ihn auf eine Station zu begleiten ist dementsprechend ein normales Vorgehen. Wie gesagt: Was dort im Detail passiert ist weiss ich nicht. Was ich aber weiss ist, dass die Anwendung solcher Maßnahmen brutal aussehen. Weil sie genau das mitunter sind. Ein Mensch wird gegen seinen Willen und unter Anwendung von Gewalt überwältigt. Nicht um zu schaden, sondern um zu schützen.

Gewalt gehört in der Akutpsychiatrie zum täglichen Geschäft. Das Gewaltpotential seitens der Patienten ist mitunter ganz immens. Beschimpfungen, verbale und körperliche Bedrohungen sind an der Tagesordnung und viel zu häufig kommt es zu Übergriffen auf Pflegekräfte. Der Sicherheitsdienst hat somit durchaus seine Berechtigung. Denn mit den vorhandenen personellen Ressourcen ist die Arbeit - aus meiner Sicht - nicht mehr zu bewältigen. Das Ergebnis einer zu dünnen Personaldecke sind zunehmend gescheiterte Deeskalationsversuche die in Gewalt der anderen Seite enden. Gewalt in Form von Fixierung oder "Begleitung" in die Zimmerisolierung. Als Pflegekraft ist mir also durchaus bewusst was ich da tue. Und ich würde mir wünschen, dass die Möglichkeiten zur Deeskalation größer wären. Aber mit der Personaldecke ist das nicht möglich.

Der Fall und die zugehörige Berichterstattung hat nicht dazu geführt, das eine ernsthafte Diskussion über Zwangsmaßnahmen in der Psychiatrie und das Ausmaß der Gewalt (dem vor allem die Pflegekräfte ausgesetzt sind) geführt wurde, obwohl diese Diskussion dringend notwendig gewesen wäre. Statt einer Diskussion darüber, warum es überhaupt notwendig ist Sicherheitskräfte bei der Durchsetzung von Zwangsmaßnahmen hinzuzuziehen (weil nämlich zu wenig Pflegekräfte da sind um qualitativ bessere Deeskalation und Behandlung anzubieten) werden Rassismusvorwürfe laut und die Ausbildung der Sicherheitskräfte angeprangert.

Irgendwas ist da in der Berichterstattung schief gelaufen. Ein Mann ist gestorben. Und das ist traurig. Ob die Anwendung der Zwangsmaßnahmen und die Intervention der Sicherheitsbeamte, das wird eine Untersuchung klären. Der Vorfall hätte zu einer wertvollen Diskussion über die Behandlung in der Psychiatrie führen können. Aber vielleicht möchte man sich als Aussenstehender auch weiterhin nicht damit beschäftigen was hinter den Mauern passiert, weil es tendenziell ein bisschen Angst macht. Nicht zuletzt sicherlich auch, weil es es in der Geschichte der Psychiatrie ganz furchtbare Behandlungsansätze gab.

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