Bericht zum Forststeig

Es folgt ein kurzer Reisebericht oder vielmehr Wanderbericht zu unserer Tour auf dem Forststeig in der sächsischen Schweiz. Es sollten 100 km bei 2800 Höhenmetern werden, die wir in 6 Tagen bewältigen wollten. Andere schafften die Tour sogar in 4 Tagen, aber so ambitioniert waren wir dann bei weitem nicht.



Etappe 1: Schöna bis Grenzbaude

Endlich liegen. Die Zehen tun weh, irgendeine Vorstufe von 'Blasen gelaufen' wird's wohl sein. Wir haben 15 km in 7 Stunden geschafft. Aber fangen wir von vorne an. Wir starten am Morgenrot Frühstück auf der Hand in Dresden und lassen uns mit der S-Bahn zuerst bis Bad Schandau bringen wo wir die Übernachtungstickets für den Forststeig kaufen und fahren dann weiter bis nach Schöna. Dort beginnt der Trail eigentlich direkt am Bahnhof. Direkt zu Beginn machten wir Bekanntschaft mit Leni (8) und ihrem Vater. Immer wieder treffen wir die beiden und schlussendlich laufen wir ein ganzes Stück gemeinsam bis zum Zschirnstein-Biwak. Auf dem Gipfel des Tages - dem großen Zschirnstein - werden wir für unserer Ausdauer reichlich belohnt. Der Ausblick ist der Hammer und schlichtweg atemberaubend. Ann Zschirnsteinbiwak war Leni fertig für den Tag und freute sich aufs Ausruhen. Ich ehrlich gesagt auch, aber wir hatten dann noch 5 km unserer Tagesetappe vor uns. Aber irgendwann hatten auch wir es bis zur Grenzbaude geschafft - der nächste Biwakplatz wäre nochmal eine halbe Stunde weiter gewesen. Für mich an diesem Tag keine Option mehr. Morgen 13km und wieder einige Höhenmeter. Die anderen drei sind tatsächlich nochmal eine Runde spazieren.


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Etappe 2 bis Ostrov

Aua. Aufwachen mit der Frage: Wo habe ich eigentlich keine Schmerzen? Ah! Im Ellenbogen vielleicht. Und so läuft man los. Mit Schmerzen an den Zehen vom Prästadium der Blasenbildung und Druckstellen an Schulter und Schlüsselbein vom Rucksack. Nicht zu vergessen die Druckschmerzen in der Hüfte vom Hüftgurt. Aber das alles ist schnell vergessen bei den atemberaubenden An- und Ausblicken die sich uns heute geboten haben. Josi und Simon haben uns heute kurz hinter dem Taubenteich-Biwak verlassen und so sind wir kurz nach dem Start zu zweit unterwegs. Das Mittagessen auf dem Schneeberg entschädigt mit einem Wahnsinns Ausblick, ansonsten war es eher so semi. Mehr als einen Kaffee würden wir dort oben nicht empfehlen. Abends auf dem Zeltplatz sie Erfüllung des Tages: eine Dusche! Wahnsinn. Der Knüller: morgen gibt's nochmal ne Dusche. Wir werden nämlich nur mit leichten Gepäck eine 20 km Runde machen und nochmals hier Zelten.


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Etappe 3: Über die Kamphütte nach Ostrov.

Meine. Füße. Sterben. Vielleicht waren 22km doch keine so gute Idee?! Kurz hinter Ostrov stiefelten wir über einen wunderschönen Pfad auf ein Plateau hinauf und folgten dann einem eher semi-spannenden weg bis zur Kamphütte. Dort sollte laut Plan Ende der dritten Etappe sein. Das wäre (aus meiner Sicht) unbefriedigend gewesen. Zwar sind wir durch wunderschöne Blaubeerfelder gelaufen, aber ein Großteil der Etappe verlief über breite Kieswege oder durch die Spurrillen diverse Landschaftsfahrzeuge. Nicht so schön. Nach der Kamphütte wurde es dagegen richtig malerisch und es wäre schade gewesen das zu verpassen. Aber jetzt muss ich los zum Essen. Und Bier. Uh yeah!


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Etappe 4: Ostrov bis Spitzsteinbiwak

Mit vielen, vielen Pausen warren dann auch noch heute noch mal 18 Kilometer Strecke die wir zurück gelegt haben. Hätte wir nicht die Markierung verpasst und uns kurz mal verlaufen, wären es vielleicht nur 16 oder 17 km gewesen ;). Die Temperaturen waren schon merklich gestiegen, aber dafür hatten wir nicht all zu schlimme Steigungen drin. Die Strecke war auch heute wieder überwiegend traumhaft schön mit tollen Ausblicken. Insbesondere der Katzstein war ein schönes Highlight heute. Weniger ein Highlight war die latente und immer konkreter werdende Sorge, dass der Wasservorrat zur Neige ging und wir keine Quelle finden konnten. Unterhalb des Spitzsteinbiwak findet sich glücklicherweise jedoch der Neuteich mit einem klaren Zulauf und dem man sich zum einen hervorragend waschen kann und zum andern auch die Wasservorräte auffüllen kann. Also alles wieder tutti! Ganz im Gegensatz zu den vorherigen Tagen, an denen wir eher spärlich mit anderen Menschen in Kontakt kamen, schien heute High Life auf dem Trail zu sein. Zwei junge Herren trafen wir immer mal wieder und mit einem legten wir gegen Abend auch noch ein paar Meter gemeinsam zurück. Und weil es auch abends noch superwarm war, entschieden wir im Camp ohne Zelt zu schlafen.

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Etappe 5: Wir saften bis nach Nikolsdorf

Um vier weckt mich Katja. Wir gehen den kurzen Weg zum Spitzstein hoch und sehen uns den Sonnenaufgang an. Auch einfach wieder traumhaft schön. Frühstücken tun wir unten am Neuteich, füllen die Wasservorräte auf und starten frühzeitig. Es soll sehr sehr warm werden heute. Und so war es dann auch. Wir quälen uns bei 34 Grad durch den Wald. Können die Schönheit von Labyrinth und den Nikolsdorfer Wänden überhaupt nicht genießen. Wir wollen einfach nur noch irgendwo ankommen, wo es eine Dusche und was kühles zu trinken gibt. Erschöpft landen wir um eins auf dem Campingplatz und liegen erst Mal drei Stunden regungslos auf  der Wiese bis wir einchecken können. Auf Grund der Vorzüge von Dusche und Kaltgetränken hatten wir uns nämlich gegen das Biwak direkt oberhalb des kommerziellen Campingplatzes entschieden. Wegen der Gastfreundschaft der Campingwarte jedenfalls ganz sicher nicht. (Ein WLAN Passwort gab es für uns nicht, er habe schon zu viele raus gegeben...) . Aber die Dusche, Bier und das Eis waren es dennoch wert. Und so schlafe ich heute auch wieder ausserhalb des Zeltes, Katja bevorzugt zunächst die mückenärmere Umgebung des Innenzeltes, entscheidet sich später aber doch um

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Etappe 6: Bushopping und Kindheitstraum.

Ursprünglich sah unser Plan vor die letzten beiden Etappen an einem Tag zu machen und dann mit dem Zug nach Dresden zurück zu fahren. Wir wollten also - abhängig von dem was wir am Vortag schaffen - bis zu 21km am letzten Tag laufen. Wäre der Vortag nicht so kriminell warm gewesen (34 Grad im Schatten sind halt echt keine Temperaturen für Anstrengungen dieser Art) hätten wir das wohl auch gemacht. In Anbetracht der Wetterereignisse lagen wir auf dem Campingplatz in Nikolsdorf auf der Wiese, vegetierten vor uns hin und planten den nächsten Tag. Das Ergebnis: wir nehmen den Bus bis zum  Gohrischstein und skippen damit die eigentliche Etappe 6 von Nikolsdorf bis Gohrisch. Wir lassen den Quirl aus und damit bleiben uns 9 km der siebten und damit letzten Etappe. Der Bus kippte uns direkt am Traileinstieg aus, es war 8:00 morgens und es hatte Gott sei Dank über Nacht etwas abgekühlt. Der Aufstieg zum Gohrischstein begann. Oben angekommen war ich völlig selig und ganz zufrieden mit mir und dem Moment, weil sich mit dieser Etappe ein Kindheitstraum von mir erfüllt hatte. Wenn wir früher mit der Familie im Wanderurlaub waren wollte ich schon immer gern die Routen gehen in denen stiegen und Leitern verzeichnet waren. Und der "schwere Aufstieg' durch die Falkenschlucht war genau das. Ein Aufstieg mit Stiegen, Leitern, Felsspalten und Krabbeleinheiten. Mit dem großen Rucksack war das stellenweise gar nicht so einfach. Der Aufstieg war sicherlich anstrengend. Aber wir hatten so unglaublich viel Spaß dabei, dass uns das gar nicht auffiel. Und die Aussicht dort oben war schlichtweg atemberaubend und der Hammer! (Schon wieder!) Kaum vom Gohrischstein runter ging es über zahlreiche Stufen auf den Papststein hoch. Es war immer noch früh und wir hatten reichlich Zeit und gerne warteten wir eine dreiviertel Stunde bis der Berggasthof uns um elf Uhr Kaffee und (leckeren!) Kuchen servierte. Zu guter letzt bestiegen wir noch den Kleinhennersdorfer Stein. "Wildromantik pur" sagte Katja zur Strecke. Ein wirklich atemberaubend schöner Abschluss.


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Zusammenfassung

Ich würde diese sechs sehr intensiven Tage ja gerne irgendwie kurz zusammenfassen. Aber irgendwie ist mir das gar nicht richtig möglich. Für mich war es die erste mehrtägige Trekkingtour, ich hatte aber schon diverse Wandererfahrungen vor allem aus Kindheit und Jugend. Ich konnte so in etwa einschätzen, was es heisst 8-10 Stunden in den Bergen unterwegs zu sein. Ich wusste, dass weniger Gewicht mehr ist. Mir war jedoch nicht bewusst wie viel so ein einzelnes Kilo mehr oder weniger ausmachen würde. Alles in allem hatte ich zu Beginn ca. 15 kg auf dem Rücken. Das ist - vor allem bergauf - schon ein wenig schwer. Am zweiten Tag hab ich als erste Tageshandlung erstmal meinen Rucksack neu gepackt. Denn die Schultern und Schlüsselbeine waren vom Vortag blau und aufgeschürft. Hätte ich lieber schon am Vortag auf dem Trail mal neu gepackt.... So ging es nämlich plötzlich viel viel besser! Die Hütten und Biwak-plätze waren allesamt sehr schön. Sollte der Forststeig sich aber wachsender Beliebtheit erfreuen (er ist ja noch Recht neu), könnten die Schlafplätze rasch an ihre Grenzen stoßen. Der Campingplatz in Ostrov nimmt die Forststeig Tickets an, die Leute dort sind super nett und unkompliziert und das angeschlossene Restaurant (Pod Cisarem) hat eine täglich wechselnde Karte mit wenigen Gerichten, die aber ziemlich lecker und günstig sind. Vor- und Hauptspeise inklusive zwei Getränke für nicht Mal 11 €.

Der Campingplatz am Nikolsdorfer Berg dagegen lohnte sich für uns nur, weil es an besagtem Tag ultra heiß war und wir eine Dusche haben wollten. Allen anderen würde ich empfehlen den Biwakplatz direkt am Trail und oberhalb dem Campingplatzes zu nutzen und sich im kleinen Shop vom Campingplatz mit kühlen Getränken und vielleicht einem Eis zu versorgen. Die mangelnde Gastfreundschaft des Campingwartes war dann doch eher erschreckend. Seine Frau dagegen war eigentlich Recht freundlich. Schade eigentlich. Einkehrmöglichkeiten gibt es insgesamt wenige am Trail. Ein Kaffee oder Apfelschorle auf dem hohen Schneeberg kann man sich bei der Aussicht gut antun, vom Essen dort kann man getrost absehen. So gut war's dann nicht und man kann in Euro bezahlen, aber man zahlt dann drauf. Weiter Richtung Ostrov am Fuß des Schneeberges gibt es noch ein Restaurant direkt an der Straße, das haben wir dann aber links liegen lassen. In Ostrov gibt es das Restaurant am Campingplatz und ein 4-Sterne Hotel im Ort. Hinter der Kamphütte in etwa auf der Höhe der Johanniswacht gibt es einen Parkplatz wo es wohl eine Einkehrmöglichkeit geben soll, da führt der Weg aber nicht direkt dran vorbei, wir können dazu also nichts sagen. Ein schöner Stop war auch die Einkehr auf dem Papststein. Der Weg führt quasi durch den Gasthof. Wasser: Eigentlich hatten wir nur auf einer Etappe Sorge ums Wasser. Die Etappe von Ostrov bis zum Spitzsteinbiwak. Dort bedienten wir uns am Abend dann aber glücklicherweise aus dem Zulauf des Neuteichs. Allerdings ist die Qualität dort evtl. fraglich. Einem anderen Wanderer ging es am Folgetag nicht so gut, was aber auch an der Hitze gelegen haben kann. Katja meinte das Wasser schmecke komisch und hatte nicht sehr viel davon getrunken. Ich hatte sicher drei Liter davon getrunken und mir ging es eigentlich ganz gut. Vielleicht empfiehlt es sich das Wasser dieser Stelle abzukochen und nicht nur zu filtern. Vielleicht lagen die Probleme aber auch an der Hitze. Andere Wanderer hatten sich in der Nähe der Rotsteinhütte an einer Quelle bedient. Die hatten wir aber nicht gefunden. Die Trail-Markierungen waren insbesondere am letzten Tag bisweilen spärlich und wir sind diverse extra Meter gelaufen. Eine digitales Endgerät mit GPS-karte ist auf der gesamten Tour äußerst hilfreich und empfehlenswert.

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